Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

Sie haben sicher längst davon gehört: Der 1. Mai, ein Feiertag, fällt dieses Jahr auf einen Sonntag, weswegen die meisten Hamburger feiertagsmäßig wenig davon haben, denn am Sonntag haben sie sowieso frei. Ähnliches erwartet uns am 25. Dezember, auch der ist diesmal an einem Wochenende. Nun wollen einige Politiker dagegen vorgehen: Sie fordern, Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, nachzuholen; das ist in Belgien oder in Großbritannien auch so üblich. Es könne nicht sein, dass Arbeitgeber von Feiertagen profitierten, die den Arbeitnehmern zustünden!
Ohne Zweifel: Eine großartige Idee. Hamburg gehört mit neun gesetzlichen Feiertagen bundesweit ohnehin zu den Schlusslichtern – Augsburg dagegen kommt auf 14 Stück –, so dass man sich glatt überlegen könnte, uns, wenn man schon mal dabei ist, noch ein, zwei Extrafeiertage zu beschaffen. Oder auch drei oder vier. Denn davon profitieren würden – hier irren die Politiker – in Wirklichkeit vor allem die Arbeitgeber. Wie das? Ganz einfach. Die Bundesländer mit der größten Wirtschaftskraft sind nicht jene, in denen man den Berufstätigen bauernschlau so wenige freie Tage wie möglich zugesteht. Nein, im Gegenteil: Es sind Länder wie Bayern und Baden-Württemberg, die der Bevölkerung die meisten Tage zum Erholen, Beten und Feiern einräumen. Und im letzten Jahr hat das "Manager Magazin" obendrein untersucht, auf welche Bundesländer sich die bedeutenden deutschen Unternehmen verteilen. Das Ergebnis: Je mehr Feiertage ein Bundesland hat – desto mehr Dax-, MDax- und SDax-Unternehmen gibt es dort. Wo man dagegen geizig mit Frei- und Feierzeit ist: gute Nacht Dax!
Wir brauchen also mehr Feiertage. Nicht für uns. Für die Wirtschaft!

Weniger Fluglärm

Turbinengetöse mitten in der Nacht! Davon können viele Norderstedter ein Lied singen. Auch in Lurup und den Walddörfern bekommt man vom Start- und Landelärm am Flughafen mehr mit, als einem lieb ist. Nun kündigt die Stadt Erleichterung an: Flughafen und Fluggesellschaften wollen sich dazu verpflichten, künftig die Regelbetriebszeit von 6 bis 23 Uhr einzuhalten. Also keine Starts und Landungen mehr zwischen 23 Uhr und Mitternacht – so wie es bisher ausnahmsweise erlaubt war und offenbar häufig gehandhabt wurde. Fünf Gesellschaften sind bei der "Pünktlichkeitsoffensive" an Bord: Lufthansa, Eurowings/Germanwings, Easyjet, Air Berlin und Condor. Heute um 10.15 Uhr soll der Pakt am Flughafen feierlich besiegelt werden.

Bei der Bürgerinitiative für Fluglärmschutz BAW hält sich die Feststimmung dagegen in Grenzen. "Das ist alles gut gedacht", sagt Sprecher Martin Mosel. "Aber was ist mit den anderen Airlines?" Fast 60 Fluggesellschaften starten und landen am Flughafen. Gerade Billigflieger hätten oft die lautesten Maschinen, sagt Mosel. Er hofft eher auf Gudrun Pieroh-Joußen. Die Fluglärmschutzbeauftragte der Stadt Hamburg soll mehr Macht bekommen – die Macht des Gesetzes, das der Senat heute beschließen lässt. Bisher war sie Dienerin zweier Herren: weisungsgebunden gegenüber der Umweltbehörde, aber dem Schutz der Bürger verpflichtet. Mit dem neuen Gesetz im Rücken, sagt SPD-Fraktionschef Andreas Dressel, solle Pieroh-Joußen "Fluglärmschutz-Interessen ohne die Schere im Kopf vertreten können".

Diese Aussicht stimmt auch Martin Mosel hoffnungsvoll: "Wenn das gelingt, ist das ein Riesenerfolg!" Ganz überzeugt ist der BAW-Sprecher noch nicht. Echter Schutz heiße ja auch, dass im Ernstfall der Flugbetrieb eingeschränkt werden müsse. "Ob der Senat dazu bereit ist, wird sich zeigen", sagt Mosel.

Hamburg muss wohl am Himmel kratzen

Die Gegner von Großunterkünften für Flüchtlinge in Hamburg geben nicht auf. Die Initiatoren haben nach eigenen Angaben am Montag in vier Bezirken knapp 11.000 Unterschriften gesammelt. Laut der Volksinitiative "Hamburg für gute Integration" sei nun zusammen mit den bereits in Wandsbek abgegebenen 4.049 Unterschriften in fünf Hamburger Bezirken das notwendige Drittelquorum für eien sofortigen Planungs- und Baustopp erreicht. Dass die der Aktion zugrunde liegenden Bürgerbegehren für nicht zulässig erklärt wurden, halten die Großunterkunftsgegner ja für rechtlich nicht haltbar, sie hätten bereits in allen Bezirken Widerspruch eingelegt. Es bleibt dabei: Die Frage, wo all der benötigte Wohnraum – ob nun für Menschen, die in Hamburg Zuflucht suchen, oder solche, die aus freien Stücken herkommen – entstehen soll, ist derzeit eine der dringlichsten. Und sie wird nicht weniger dringlich, wenn man sich die jüngste Aussage von Oberbaudirektor Jörn Walter in einem Interview mit der "Welt" vor Augen führt. "Wenn wir tatsächlich in zehn Jahren 100.000 neue Wohnungen schaffen wollen, werden wir diese nicht ausschließlich in der bestehenden Siedlungskulisse unterbringen können", sagt Walter dort. Und dabei kann der Himmel augenscheinlich keine Grenze mehr sein: Hier und dort, sagt der Oberbaudirektor, könne Hamburg "mehr vertragen". Genauer: An den Elbbrücken bis zu 180 Meter Höhe, am Wandsbeker Marktplatz bis zu 65 Meter mit bis zu 14 Geschossen. Und an der "inneren Peripherie" ließen sich mit einer "Aufstockung" auf vier bis sechs Geschosse "riesige Reserven an Wohnraum" erschließen.

Unsere Flotte soll Vorbild sein

Deutlich schadstoffärmer als jetzt sollen Hamburgs Boote in ein paar Jahren über Alster und Elbe schippern. "Bis zu 80 Prozent weniger Stickoxide gegenüber den Dieselmotoren" – so beschreibt Joachim Seeler, hafenpolitischer Sprecher der SPD, ein Ziel des Antrags, den seine Fraktion gemeinsam mit den Grünen gestellt hat. Laut dem sollen die Arbeitsschiffe der Hamburger Hafenverwaltung und die Boote von Polizei und Feuerwehr mit umweltfreundlicherem Flüssiggas statt wie bisher mit Diesel betrieben werden. Insgesamt etwa 60 Schiffe müssten modernisiert werden. "Das geht natürlich nicht von heute auf morgen", räumt der SPD-Politiker ein. Und bei den Kosten herrsche noch Unklarheit. Pro Schiff könnten die Ausgaben "im unteren fünfstelligen Bereich liegen und auch in den sechsstelligen Bereich gehen". "Gewaltige Einsparungen" verspricht sich Seeler allerdings beim Ausstoß von Kohlendioxid, Stickoxid, Schwefeldioxid und Rußpartikeln. Dass sich besagte 60 zukunftsweisend ausgestattete Schiffe zahlenmäßig gering ausnehmen gegen all die umweltverschmutzenden Tanker, Containerschiffe und dergleichen ist Seeler bewusst. "Wir machen", betont er, "was wir in der Hand haben."

Behörde beschäftigt 200.000 neue Mitarbeiterinnen

Die Hamburger Umweltbehörde kann sich glücklich schätzen. Sie verfügt neuerdings über 200.000 Mitarbeiterinnen mehr. Ein wenig überdimensioniert, finden Sie? Mag sein, aber keine Sorge: Den Steuerzahler kostet das kaum etwas. Denn die neuen "Angestellten" sind allesamt Bienen. Vier Völker stellte der Imkerverein Harburg-Wilhelmsburg zur Verfügung und der Behörde jüngst aufs Dach. Von dort aus sollen sie künftig ausschwärmen, um auf der Elbinsel Nektar zu sammeln. Sollten sich die Völker wohl fühlen in ihrer neuen Umgebung, könne sich der Bestand sogar auf 240.000 Tiere erweitern, sagt Behördensprecher Jan Dube. Die Bienen werden auch dann viel zu tun haben, wenn ihr neuer Lebensraum erst mal in voller Blüte steht. Schließlich ist es der Hausherr selbst, Umweltsenator Jens Kerstan, der mit seiner Behörde 2014 die Gründachstrategie initiierte. Das erklärte Ziel: Bis zum Jahr 2020 sollen etwa eine Million Quadratmeter Fläche auf den Dächern Hamburgs grün sein. Seit 2015 erhalten auch Privatleute für zusätzliche Grünflächen bei Bauvorhaben Förderung. Der erste Frühblüher-Honig der Umweltbehörde ("Kerstans Bester"?) könne "schon Anfang Juni geerntet werden", berichtet Sprecher Dube. Wenn es später auf dem Dach blühe, werde der Honig auch Noten von Thymian und Steinkraut enthalten. Allerdings will die Behörde kein Nebengewerbe betreiben. "Der Honig", so Dube, "ist für Gäste bestimmt".

Mittagstisch

Türkische Küche

"Su" heißt auf Türkisch "Wasser". Das "Le" haben die Inhaber des LeSu davor gespannt, um eine Brücke zwischen der Türkei und Frankreich zu schlagen, zumindest eine gedankliche. Geworben wird denn auch mit "diversen Köstlichkeiten aus der Mittelmeerregion". Die Gerichte auf der Karte stammen aber doch eher aus dem türkisch-syrischen Raum. Zum täglich wechselnden Mittagstisch (6,90 bis 9,90 Euro) gibt es einen Salat vorweg. Dann kommen Zucchini-Boote mit Rinderhack, dazu Bulgur und Joghurt (7,50 Euro), Kalbsspieß mit Falafel und Röstkartoffeln, Couscous und Hummus (9,90 Euro) oder Gemüse-Eintopf mit Rind im Tontopf, dazu Bulgur und Joghurt (7,50 Euro). Olivenöl und Knoblauch dominieren, und nach der Speisung fühlt man sich wunderbar beschwert, bleibt noch einen Moment länger an der Langen Reihe sitzen, betrachtet das Treiben der Vorbeilaufenden, hält seine Nase in die erste Frühlingssonne und denkt ans Wiederkommen.

St. Georg, Lange Reihe 97, Mittagstisch 12 bis 16 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Theater: Ob chronischer Überlastung ohnmächtige Sozialarbeiterinnen rückt das Stück "Kaspar Häuser Meer" in den Blickpunkt. Sprachgewaltig. Thalia in der Gaußstraße, Gaußstraße 190, 20 Uhr, 22 Euro

Vortrag: Mit ihnen umgehen? Sie übergehen? "Störenfriede – Typen nichtstaatlicher Gewalt" – über die Integration von Gewaltakteuren in Friedensprozesse. Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 19 Uhr

Ausstellung: Bitte auf die Linie achten! "Disegno – Japanische Zeichenkunst der Gegenwart" zeigt neben traditionellen Ansätzen auch neue Arten des Zeichnens. Mikiko Sato Gallery, Klosterwall 13, 14–19 Uhr

Radtour: Fest im Sattel und Sattel fest? Dann auf zwei Rädern ab zu "Highlights von Hamburg" entlang der hansestädtischen Wahrzeichen. Zweiradperle Hamburg, Altstädter Straße 3–7, 10.30–14.30 Uhr

Schnack

Wickie wendet sich mit Bewunderung im Ton an ihre Mutter: "Oh, Mami, so möchte ich auch mal sprechen können!" Mutter Silke, nicht sofort im Bilde, erkundigt sich bei ihrer Tochter: "Wie denn? So fließend?" Wickie erwidert: "Nein, so mit vollem Mund."

Gehört von Eleonore Hagge

Meine Stadt

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.
Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


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