Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

wenn Sie heute in Ihrer Firma verdächtig junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehen, die kichernd durch die Gänge laufen und laienhafte Fragen stellen, keine Sorge: Es handelt sich weder um illegale Kinderarbeit noch um eine radikale, Ihren qualifizierten Arbeitsplatz bedrohende Sparmaßnahme der Firmenspitze: Es ist Girl's Day – Mädchen der Klassen 5 bis 10 können und sollen sich über Berufe informieren, die von Frauen eher selten gewählt werden. Und weil wir in Zeiten der Gleichberechtigung leben: Auch Jungen nutzen diesen Tag als Boy's Day, um von Männern vernachlässigte Berufe kennenzulernen. Bei Inge Kutter, Chefredakteurin unseres Kindermagazins ZEIT LEO, das seit März mit der neuen Elternbeilage "Familienzeit" erscheint, und ihrem Team haben sich innerhalb kürzester Zeit 30 Mädchen und Jungen angemeldet: der Beruf Redakteur/-in muss bei beiden Geschlechtern wirklich ziemlich unbeliebt sein. 

Jurist hält Expresswohnungen für problematisch


Es gibt eine neue Stimme im Streit um die Flüchtlingswohnungen, dieses Mal weder von der Stadt noch von den Bürgerinitiativen und nicht einmal aus Hamburg, sondern vom Braunschweiger Verwaltungsrechtler Edmund Brandt. Dieser hat im Auftrag des Grundeigentümer-Verbands ein Gutachten erstellt. Das Ergebnis: Die vom Senat geplanten Expresswohnungen für Flüchtlinge seien rechtlich außerordentlich problematisch. Denn die insgesamt 4.800 Flüchtlingsunterkünfte sollen auf Basis des neuen Baugesetzbuch-Paragrafen 246 entstehen und sollen später aber auch als Sozialwohnungen genutzt werden können. Diese Verknüpfung ist aus Sicht des Gutachters jedoch nicht zulässig: Er hält das Projekt für "verkappten Wohnungsbau" ohne Bürgerbeteiligung. Nach dem Baugesetzbuch dürfe man beim Bau von Flüchtlingsunterkünften nur im äußersten Notfall und nur dann von den Vorschriften abweichen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien. Das bezweifelt der Gutachter. Es gebe beispielsweise Wohnungsbauprogramme der Bezirke, die so weit entwickelt seien, dass sie sogar schneller umgesetzt werden könnten. Sein Rat an alle Beteiligten: "Versucht nicht, eine Ausnahmebestimmung noch weiter auszudehnen und auf die Art und Weise lediglich verfassungsrechtliche Konflikte heraufzubeschwören." Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) kann die rechtlichen Einwände nicht nachvollziehen. Die Bürgerinitiative "Hamburg für gute Integration" dagegen fordert erneut einen sofortigen Planungs- und Baustopp.

Überall Tempo 30?

Sicher, leise, sauber, schnell. So soll sie sein, die lebenswerte Stadt, für die sich der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in seiner neuen Kampagne "Läuft!" einsetzt. Wie das erreicht werden soll? Mit Tempo 30! Zum Start gibt es heute um 19 Uhr eine öffentliche Podiumsdiskussion im Culturhaus Sternschanze. Weitere Veranstaltungen, Plakat-Aktionen und Demos sollen im nächsten halben Jahr folgen. "Wir wollen eine Umkehrung der bisherigen Situation", sagt ADFC-Sprecher Dirk Lau, "das heißt, Tempo 30 als Regel und 50 Stundenkilometer nur im begründeten Ausnahmefall." Zunächst gehe es darum, die Bevölkerung aufzuklären und von den Vorteilen zu überzeugen, dann wolle man den Druck auf die Politik erhöhen. Wie diese die Sache sieht? Es habe in den vergangenen Jahren umfassende Prüfungen gegeben. "Da dürften nur noch wenige Straßenzüge in Hamburg übrig geblieben sein, die für eine Tempo-30-Zone noch in Betracht kommen", so Richard Lemloh, Sprecher der Verkehrsbehörde. Überhaupt gelte bereits für etwa die Hälfte des Straßennetzes die reduzierte Geschwindigkeit. Auch Christian Hieff vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) nennt gleich mehrere Gründe, die gegen ein generelles Tempo 30 in der Stadt sprechen. Der wichtigste: Verkehrssicherheit. "Klingt paradox, ist aber so. Wenn es überall Tempo 30 gibt, verlagert sich der Verkehr mehr, etwa auf kleine Straßen und in Wohngebiete", betont Hieff, der es richtig findet, wenn Hauptverkehrsstraßen auch Hauptverkehrsstraßen bleiben – mit höherer Geschwindigkeit. Sie sehen schon: Da kündigt sich eine spannende Diskussion an.

Farbe in der Kunsthalle

Zwei Jahre lang waren in der Kunsthalle die Handwerker zu Besuch, ab Samstag heißt es dann: "Die Kunst ist zurück" (wie es bereits seit Wochen eine Plakatkampagne andeutet). Dann steht die feierliche Wiedereröffnung an. Die beiden auffälligsten Neuheiten: ein anderer Eingang und mehr Farbe. Die bunten Wände sollen den Besuchern Orientierung bieten, dunkles Blau steht für die Alten Meister, sattes Gelb für Aufklärung und Romantik, Aubergine für den Impressionismus. Jeder Raum bildet dabei eine geschlossene Einheit. "Mal geht es um Landschaften, mal um einzelne Künstler wie Philipp Otto Runge oder Caspar David Friedrich, mal versammeln wir ein Philosophenkabinett", sagt Hubertus Gaßner, Direktor der Kunsthalle, im Gespräch mit ZEIT:Hamburg-Redakteur Kilian Trotier. Der Rundgang führt durch 750 Jahre Kunstgeschichte, am Konzept der Chronologie wollte man dann doch nicht rütteln: "Gerade in unruhigen Zeiten gibt es den Wunsch, dass einige Dinge in der Welt so bleiben, wie sie sind. Deshalb haben wir die chronologische Ordnung der Werke als Orientierung belassen", erklärt Gaßner. Warum die Ausstellung trotzdem mit einem Werk aus den 1950ern beginnt, was ein Museum mit einem Kaufhaus zu tun hat und wo die 15 Millionen der Dorit & Alexander Otto Stiftung geblieben sind, steht in der neuen ZEIT:Hamburg. Wer sich selbst ein Bild vom Umbau machen will, kann das am Samstag von 14 bis 24 Uhr tun. Ein buntes Programm wartet, mit Führungen, Konzerten und einem Film-Walk im Freien. Und: Noch bis Ende Mai ist der Eintritt frei.

Internet-Hit aus Eimsbüttel

"You don’t have to be beautiful …", stimmt die Hamburger Musikerin Anna Guder in der Frankfurter S-Bahn den Prince-Klassiker "Kiss" an – und landet damit einen Internet-Hit. Fast 70 Millionen Menschen haben das Video seit dem 15. April gesehen und die 25-Jährige, die sonst mit ihrer Gitarre als Kiddo Kat auftritt, weltweit bekannt gemacht. Der Tod des Superstars Prince wenige Tage später dürfte die Klickzahlen zusätzlich befeuert haben. Zeit für ein paar Fragen an die Musikerin, die in Eimsbüttel wohnt.

Frau Guder, wie fühlt sich der Rummel der vergangenen Tage an?

Krass, aber so langsam gewöhne ich mich daran. Ich schwanke immer noch zwischen Euphorie und Fassungslosigkeit. Das ist wie Naturkoks. Ich schlafe wenig, muss ans Essen erinnert werden. Auch die Zahl habe ich einfach noch nicht geschnallt. Allein 69 Millionen haben das Video über die englische Facebook-Seite "Graffiti Kings" angeklickt.

Im Video treten Sie mit Heidi Joubert aus Südafrika auf. Sie beide haben sich zuvor bei der Frankfurter Musikmesse kennengelernt, ein Bekannter filmt Sie. Und dann schaltet sich spontan auch noch ein stimmgewaltiger Fahrgast ein, der sich als Rapper aus Malta entpuppt. Das war doch geplant, oder?

Nein, wirklich nicht! Das ist irgendwie lustig, das will jeder wissen. Aber es war ein echter Moment, und ich finde, im Video sieht man das auch. Wir waren gerade etwas am Schwimmen, und er hat einfach an der passenden Stelle eingesetzt. So etwas kann man gar nicht inszenieren!

Und wie geht es jetzt weiter?

Mit einer Solotour. Durch das Video ist eine große Konzertagentur auf mich aufmerksam geworden. So etwas ist natürlich ein Riesengeschenk! Anfang Juni geht es los. Die genauen Termine kommen die nächsten Tage raus. Und ein Auftritt in Hamburg ist auch dabei.

Mittagstisch

Essen mit Auto

Früher hat man ja sein Auto beim Restaurantbesuch – sehr lange her! – vor der Tür geparkt. Heute, da angeblich niemand mehr Autos besitzen will, sondern sie nur noch sharen möchte, kann man wenigstens mit einem Auto zu Mittag essen. Oder fast: Im Showroom von Mercedes me am Ballindamm lässt sich bei hauchdünnem Flammkuchen mit Ziegenkäse und Trauben (8 Euro) das neueste Modell der E-Klasse in allen Details betrachten – auf breiten Rädern ragt der Wagen mitten in den Raum. Der Showroom des Stuttgarter Automobilherstellers ist bis ins Detail durchgestylt und durchströmt von grooviger Musik, auf einem Sreen an der Wand läuft ein Imagefilm, durchs Fenster sieht man einen Ausschnitt der Binnenalster. Currywurstfreunde kommen hier nicht auf ihre Kosten; Caterer Kofler & Kompanie tischt den Gästen angesagte und schmackhafte frische Leichtigkeiten auf: Suppen (5,50 Euro), herzhafte Waffeln (um die 7 Euro), Wraps (7,50 Euro) und Salate (6,50 Euro); am Nachbartisch schwärmt man derweil schon vom hausgemachten Kuchen. Wer sein Heißgetränk fotografiert und auf Instagram postet, der erhält es umsonst. Nur für die Runde im Vorführwagen nach dem Kaffee hätten wir uns rechtzeitig anmelden müssen.

Hamburg-Mitte, Ballindamm 17, 9 bis 19 Uhr, täglich wechselnde Suppe und Flammkuchen

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Festival: Egal, ob Theater, Tanz oder Performance, alles geht bei "Hauptsache frei", dem Festival der darstellenden Künste Hamburgs, das Kunst abseits großer Bühnen feiert.
Hamburger Sprechwerk, Klaus-Groth-Straße 23, ab 10 Uhr

Vortrag: Wer in die Stadtgeschichte eintauchen will, kann sich heute "Erich Lüth schreibt Hamburger Geschichte" anhören. Nach dem Direktor der Staatlichen Pressestelle wurden unter anderem ein Bundesverfassungsgerichtsurteil und ein Wald in Israel benannt. Um was es hier geht? Lassen Sie sich überraschen ...
Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Beim Schlump 83, 18.30 Uhr

Show: Sie nehmen gern das Mikro in die Hand? Dann nichts wie hin zum ersten "Karaoke-Slam" mit Ricardo M.! Gesucht wird das "Goldkehlchen von St. Pauli".
Grüner Jäger, Neuer Pferdemarkt 36, 21 Uhr

Was kommt

Der Wolf, genauer gesagt, der "Tag des Wolfes": Den veranstaltet der NABU am Samstag, 30. April, von 11 bis 16 Uhr in seiner Geschäftsstelle in der Klaus-Groth-Straße 21. Rund um das graue Raubtier, das nun wieder in unser Leben tritt, gibt es Vorträge, Diskussionsrunden und eine musikalisch-kabarettistische Lesung mit dem Titel "Frisch gerissen". Der Eintritt ist für NABU-Mitglieder kostenlos. Oder für Sie, wenn Sie bei unserer Verlosung mitmachen und uns bis heute, 18 Uhr, eine Mail an elbvertiefung@zeit.de schreiben: Es gibt dreimal zwei Tickets zu gewinnen!

Schnack

Vormittags am Eimsbütteler Weiher. Ein wuscheliger, kurzer Vierbeiner wetzt den Weg entlang. Das Kleinkind zeigt mit freudigem Ausruf auf das Tier. Die Mutter: "Jaaaah, ein Hund! Oder so was in der Art…"

Gehört von Barbara Schirmer

Meine Stadt

»Das Foto von Dienstag ließ mich aufmerken. Ich habe am 8. April ein ganz ähnliches Objekt gefunden, das mich zu einem Stofftier-Stillleben inspirierte.« Die Frage ist jetzt nur: Wer ist der unbekannte Origami-Künstler (dessen Kunstwerk hier also in einem anderen Kunstwerk verewigt wurde)? © Foto: Petra Gieffers

"November Rain" statt "Highway to Hell": Nein, es geht hier weder ums Wetter noch um die Verkehrsplanung in der Stadt, sondern um Hardrock. Weil AC/DC-Sänger Brian Johnson wegen Gehörproblemen das Konzert am 26. Mai im Volksparkstadion nicht spielen kann, springt Axl Rose, der Frontmann von Guns N’ Roses, ein. Geht gar nicht? Alle AC/DC-Fans, die das so sehen, können bis 5. Mai ihr Ticket zurückgeben. Vielleicht freuen sich ja so wieder ein paar Fans von Axl Rose. Von einer geänderten Setlist ist übrigens nichts bekannt ...

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.