Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

gestern griffen Anwohner in Blankenese zu drastischen Methoden, um zu verhindern, dass im Björnsonweg Bäume für den Bau einer Flüchtlingsunterkunft gefällt werden. Mit Dutzenden quer stehenden Autos blockierten sie die Zufahrt zu der Sackgasse. Man habe die Fällung von 42 Bäumen auf Donnerstagmittag verschieben müssen, teilte der städtische Betreiber der Flüchtlingsunterkünfte "fördern und wohnen" mit. Am Björnsonweg sollen Pavillons für knapp 200 Flüchtlinge entstehen. Schon im vergangenem Juni hielten Anwohner diese Zahl für zu hoch für die ruhige Wohnstraße. Sie hatten "Integrationshilfe" für 90 Flüchtlinge angeboten.
Nach der verhinderten Baumfällaktion reichte ein Blankeneser beim Verwaltungsgericht einen Eilantrag auf Baustopp ein. Das Gericht soll darüber noch am Donnerstag entscheiden.
"Wir sind von der Aktion überrascht", sagte "fördern  und wohnen"-Sprecherin Susanne Schwendtke. Man kenne die Blankeneser sonst als Menschen, die Flüchtlingen gegenüber sehr aufgeschlossen seien.

Koordinierte aufschiebende Wirkung

Der Ton wird auch rauer zwischen dem Senat und den Initiatoren der Volksinitiative "Hamburg für gute Integration". Die Initiative setzt sich seit Monaten für eine andere Verteilung von Flüchtlingen in Hamburg ein und fordert Unterkünfte für maximal 300 Personen. "Der Senat soll sich nicht nur um die Unterbringung der Flüchtlinge bemühen, sondern nachhaltige Integration ins Zentrum der Überlegungen stellen", sagt Klaus Schomacker, Sprecher des Dachverbandes für Bürgerinitiativen gegen Großunterkünfte. Aber während man mit dem Senat verhandle, würden von diesem einfach Fakten geschaffen, zum Beispiel Grundstücke verkauft und Baugenehmigungen erteilt. "Dann wird eine Verhandlung zur Farce", sagt Schomacker. Deshalb hat die Volksinitiative beschlossen, nun in den Bezirken auch Bürgerbegehren zu initiieren. Sobald ein Drittel der nötigen Unterschriften beim Bezirksamt vorliegt, hat ein solches Begehren "aufschiebende Wirkung": Bauvorhaben würden unterbrochen. "Zwei Monate, in denen man verhandeln kann, ohne dass bereits gebaut wird, würden ja schon reichen", sagt Schomacker. Er und seine Verbündeten hätten bereits genaue Pläne, wie die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen zu organisieren sei. Anjes Tjarks (Grüne) der für den Senat mit der Initiative verhandelt, sagt: "Auch wenn wir in den Gesprächen mit dem Dachverband keine Friedenspflicht vereinbart haben: Es ist aus meiner Sicht schon ein ungewöhnlicher Vorgang, die Volksinitiative jetzt auch über Bürgerbegehren in den Bezirken zu flankieren." Priorität aber habe weiterhin, in direkten Gesprächen eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Hamburg–Panama–Berenberg?

Es geht um Briefkastenfirmen, Steuervermeidung und Superreiche – mit den vielen Daten der der "Süddeutschen Zeitung" zugespielten sogenannten Panama Papers konnten global kooperierende Journalisten, in Deutschland auch der Rechercheverbund von "Süddeutscher Zeitung", WDR und NDR, ein erschreckend klares Bild davon zeichnen, wie Geld im Ausland geparkt wird. Oft sei das harmlos. Aber, schreibt die "Süddeutsche", bisweilen hätten Mitarbeiter der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca, kurz Mossfon, "massiv und systematisch Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet, in anderen Fällen mit ihrem Tun oder Wegschauen womöglich Kriminelle unterstützt, die sich auf Geldwäsche spezialisiert haben". Auch ein Hamburger Geldinstitut nutzte die Dienste der Kanzlei: Berenberg. Es ist noch nicht klar, ob die älteste Privatbank Deutschlands gegen geltendes Recht verstoßen hat. Ende vergangenen Jahres soll sie die Zusammenarbeit mit Mossack Fonseca aufgegeben haben. Trotzdem kommen die Enthüllungen für den Gesellschafter der Berenberg-Bank, Hans-Walter Peters, zu einem unglücklichen Zeitpunkt: Er soll am 11. April den Vorsitz für den deutschen Bankenverbund übernehmen. Nach den Panama Papers gibt es aber scharfe Kritik an seiner Person. So zitiert der NDR den finanzpolitischen Sprecher der SPD im Bundestag, Lothar Binding, mit den Worten: "Entweder er hat es gewusst, dann ist er schuld, oder er hat es nicht gewusst, dann kennt er sich in seinem Laden nicht aus." Dem NDR gegenüber wies Berenberg die Vorwürfe zurück. Es sei gängige und legale Praxis, Konten für Offshore-Gesellschaften zu führen, und Berenberg und Tochtergesellschaften nähmen große Anstrengungen vor, um Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu vermeiden. Eine Stellungnahme der Bank erreichte uns bis Redaktionsschluss nicht.

Exzellentes Aschenputtel

Bei der Bewerbung für die letzte Exzellenzinitiative 2011 scheiterte die Hamburger Uni schon in der Vorrunde. Glaubt man ihrem Präsidenten Dieter Lenzen, ist die Hochschule nun auf bestem Wege, dass beim nächsten Mal alles besser wird. Weil mehr Drittmittel zur Verfügung stünden, mehr publiziert werde, mehr Absolventen die Uni verließen. Hamburg soll laut einem Ranking zu den zehn besten Hochschulen in Deutschland gehören und damit fast so exzellent sein wie die Hochschulen, die sich offiziell Exzellenzuniversität nennen dürfen, mehr noch: "Wir sind besser als viele Exzellenzuniversitäten", findet Dieter Lenzen. Doch Rankings sind umstritten. Und so richtig stolz scheint in Hamburg auch niemand auf die Hochschule zu sein – stimmt das Bonmot (oder eher "Malmot"), die Stadt habe sich in ihrem kaufmännischen Krämergeist nie für Wissenschaft interessiert? Nur um 0,88 Prozent sollen die Zuweisungen der Stadt bis 2020 jährlich steigen. Faktisch läuft das selbst bei niedriger Inflation auf eine Budgetkürzung hinaus. Obwohl es am Haus doch einige international renommierte Fakultäten gibt. Welche das sind und ob Präsident Lenzen die Universität wachgeküsst hat oder sie sich nur schönrechnet, diesen Fragen gehen unsere ZEIT-Kollegen Oliver Hollenstein und Martin Spiewak nach. Zu lesen in der aktuellen Ausgabe der ZEIT:Hamburg und hier bei ZEIT ONLINE.

Fanfest ohne Sponsor

Am 10. Juni beginnt die Fußball-EM. Und eigentlich galt es als sicher, dass Hamburger Fußballfans sie auf dem Heiligengeistfeld würden verfolgen können. Aber nun ist dem Fanfest der Hauptsponsor Kia abgesprungen. Um das fehlende Geld aufzutreiben, würden derzeit "verschiedene Szenarien durchgespielt", etwa diverse Pakete für kleinere Sponsoren mit Einblendungen auf den Bildschirmen oder Aktionen vor Ort. "Wenn es uns gelingt, die Veranstaltung für Hamburg zu sichern, wird sie sicherlich etwas bunter werden", sagt Veranstalter Uwe Bergmann. Für die Fußballfans in Hamburg dürfte es ein neues Gefühl sein, ohne Sponsoren dazustehen. Aber es geht hier nicht um Handball oder Volleyball. Und so hat Bergmann sicher recht, wenn er sich zuversichtlich zeigt, eine Lösung zu finden. Bei den Deutschland-Spielen der EM und WM hatten sich auf der Fanmeile immerhin jeweils bis zu 50 000 Besucher eingefunden ...

Mittagstisch

Hamburgs erste Focacceria

Pizza? Laaangweilig. Focaccia? Aufregend! Nun ja, so riesig sind die Unterschiede nicht. Aber wer grundsätzlich ein Freund der italienische Mehlspeise ist, sollte der im Souterrain gelegenen "Bonassola". Hamburgs erster Focacceria, einen Besuch abstatten. Focaccias sind luftiger und knuspriger als Pizzen, es gibt sie ohne Belag (nur mit Olivenöl und Kräutern), ansonsten sind der Fantasie des Bäckers/Kochs beim Belegen keine Grenzen gesetzt. Praktisch: Wer sich nicht entscheiden mag, kann sich einen bunten Mix auf einem Brett servieren lassen. Ebenfalls sehr lecker sind kleine, mit einer Parmesan-Ei-Semmelbrösel-Masse belegte Gemüsehälften oder -scheiben (Verdure ripiene). Bezahlt wird nach Gewicht – das kann teuer werden, weil alles so lecker aussieht, dass man von allem probieren möchte. Aber die 9 Euro, die am Ende auf der Rechnung stehen, lohnen sich auf jeden Fall.

Ottensen, Große Rainstraße 20, bis 22 Uhr

Thomas Worthmann

Was geht

Theater: Der Völkermord in Srebrenica und das Leben dreier Männer: das eines Überlebenden, das eines UN-Soldaten und das eines serbisch-bosnischen Soldaten. Srebrenica – "I counted my remaining life in seconds ..."
Thalia in der Gaußstraße, Gaußstraße 190, 20 Uhr

Thema: "Sag mir, wo die Blumen sind!" – In "Dahlienfeuer", dem Eröffnungsfilm der "dokumentarfilmwoche". Weltpremiere. Metropolis, Kleine Theaterstraße 10, 20 Uhr

Klassik: Aus dem ehemaligen Wunderkind wurde mit den Jahren ein großer Meister: Der chinesische Pianist Yundi spielt Chopin. Laeiszhalle, Johannes-Brahms-Platz, 20 Uhr

Ausstellung: Unaussprechlich gut ist der polnische Fotograf Jan Brykczynski: In "Boiko" zeigt er seine Bilder der Westukraine. Robert Morat Galerie, Kleine Reichenstraße 1, 12–18 Uhr

Hamburger Schnack

Sonntagmittag in der Schlange beim Bäcker. Ein Herr mittleren Alters ordert verschiedene Stücke Kuchen. "Darf es noch etwas sein?" – "Ja, ich bräuchte dann noch ein Brot für die Schulbrote der Kinder, die sie dann wieder nicht essen. Was hätten Sie denn da?"

Gehört von Paul Humann

Meine Stadt

Angrillen an der Elbe ©Foto: Florian Schleinig

Die seit zwei Wochen im Nordirak inhaftierte Mitarbeiterin der Hamburger Linksfraktion, Beriwan Al-Zin, ist wieder frei. Die Frau sei am Dienstag im Beisein von Angehörigen des deutschen Generalkonsulats Erbil freigelassen worden, teilte das Auswärtige Amt mit. Die Behörden vor Ort hatten der deutschen Staatsbürgerin, die für den Abgeordneten Martin Dolzer arbeitet, offenbar vorgeworfen, illegal die Grenze nach Syrien überquert zu haben.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.
Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


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