Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

Drogenschmuggler lieben Baumaschinen. Aber wahrscheinlich nicht mehr lange: Im letzten Monat nämlich entdeckten Zollbeamte unter anderem in Hamburg gleich drei große Sendungen Kokain, die in Bulldozern und Straßenbaumaschinen aus Brasilien versteckt waren. Für die Schmuggler sei dieses Vorgehen schon recht kreativ, so die Ermittler: Üblich sei eher der Transport per Sporttasche, die einfach in einen schon abgefertigten Container gestellt und aus diesem hier rechtzeitig wieder herausgeholt werde. Denn übergroße Kreativität ist in der Drogenbranche (zumindest nach allem, was man weiß) offenbar kein Garant für Erfolg: Vor dem Hamburger Landgericht, berichtet die Nachrichtenagentur dpa, stehen derzeit zwei Männer, denen vorgeworfen wird, Kokain in Grillkohlebriketts geschmuggelt zu haben. Am Frankfurter Flughafen erwischte der Zoll Anfang März eine Kolumbianerin mit auffällig großen Brüsten – die Implantate enthielten ein Kilo Kokain. Und Udo Storch vom Hauptzollamt Hamburg kann sich an eine ganz besondere Ladung Pistazien erinnern: In jede der kleinen Nüsse hatte jemand jeweils ein Gramm Koks gestopft.

Alles nichts gegen einen 60-jährigen Briten, der auf einem Kreuzfahrtschiff in Sydney von Bord ging und so exzentrisch war, unter seinem Anzug einen Taucheranzug zu tragen – voller Kokain. "Es tut mir leid", sagte er, als man ihn geschnappt hatte. "Ich bereue, dass ich mich überhaupt auf so etwas Lächerliches eingelassen habe."

Der Hamburger Zoll präsentiert seine Jahresbilanz am Mittwoch. Ob die Bundesregierung dann ein Importverbot für brasilianische Sporttaschen erlassen wird, ist noch nicht bekannt.

FDP will "Politikwechsel"

Die FDP hat sich auf ihrem Landesparteitag am Samstag nicht gerade bescheiden gegeben. "Politikwechsel!" heißt das im Bürgerhaus Wandsbek verabschiedete Papier, das die Richtung der Liberalen in Hamburg für die nächsten 10 bis 15 Jahre vorgeben soll. Der Vorstand um die Bürgerschaftsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende Katja Suding habe, heißt es, nichts weniger als "einen liberalen Gegenentwurf verabschiedet – für ein lebenswertes, starkes und sicheres Hamburg", so Suding. Zum Beispiel fordert man eine stärkere Finanzierung der Bildung in Hamburg durch die Bundesregierung. Das sogenannte Kooperationsverbot – wonach Bildung allein Aufgabe der Länder ist – soll nach dem Willen der Liberalen aufgehoben werden. Außerdem will man, ganz FDP, alle städtischen Beteiligungen an Unternehmen auf den Prüfstand stellen. Und beim Thema Flüchtlingefordert Suding schnell einen flexibleren Umgang mit dem Verteilungsschlüssel, nach dem Flüchtlinge den einzelnen Bundesländern zugewiesen werden. Angesichts der vollen Unterkünfte in Hamburg und vieler freier Plätze in den Nachbarländern gar kein schlechter Punkt. Und eine Schärfung ihres Profils hat die FDP gerade bitter nötig. Momentan hat sie die niedrigsten Umfragewerte aller Fraktionen in der Bürgerschaft: Mit sechs Prozent liegt sie noch hinter AfD und Linken.

Friedlicher Friedensmarsch

Am Sonntag haben sich zu einer Kundgebung türkischer Organisationen etwa 100 Menschen am Dammtor-Bahnhof versammelt, weit weniger als angekündigt. Der sogenannte Friedensmarsch für die Türkei fand vor dem Hintergrund der jüngsten Terroranschläge in der Türkei statt. Doch ob der Marsch auch wirklich friedlich bleiben würde, war vorher nicht abzusehen: Mehrere kurdische Gruppen starteten – unterstützt von der linken Szene in Hamburg – parallel eine Gegendemonstration am S-Bahnhof Sternschanze. Nach Polizeiangaben handelte es sich dabei um etwa 1250 Teilnehmer. Um beide Demonstrationen auf Abstand zu halten, rückte die Polizei mit 1300 Beamten an, setzte Pferde und Hunde ein, und am Dammtor und an der Sternschanze standen Wasserwerfer bereit. Insgesamt verliefen die Demonstrationen weitgehend friedlich.

Tourismus-Chef von Albedyll entlastet

Im Februar musste Dietrich von Albedyll, der 26 Jahre lang Hamburger Tourismuschef war, kurz vor der Pensionierung von seinem Amt zurücktreten. Er hatte eine private Firma mit dem Namen Albedyll Tourismus GmbH gegründet – und das ausgerechnet mit dem PR-Unternehmer Wolfgang Raike, an dessen Firma die Hamburger Tourismusgesellschaft mehrmals Aufträge vergeben hatte. Im Raum stand der Verdacht von Korruption und Interessenkonflikten. Die Staatsanwaltschaft leitete Vorermittlungen ein. Wie der NDR berichtet, entlasten Wirtschaftsprüfer von Albedyll aber nun in vielen Punkten: Das von ihm gegründete Unternehmen hätte, während er Tourismus-Chef war, noch gar keine Geschäftstätigkeiten aufgenommen, also hätte er auch keinen wirtschaftlichen Vorteil aus seinem Amt ziehen können. Unlautere Geschäfte mit seinem Geschäftspartner Raike konnten ebenso ausgeschlossen werden: Nicht von Albedyll selbst habe Aufträge an Raikes Firma vergeben, sondern eine Jury, der Albedyll gar nicht angehört habe. Sogar die Kreditkartenabrechnungen seien penibel überprüft worden: In den seltenen Fällen, in denen von Albedyll dienstliche Karten für private Zwecke genutzt habe, habe er die Rechnung kurz danach wieder beglichen. Der endgültige Bericht der Wirtschaftsprüfer liegt noch nicht vor, aber all das klingt nach einer umfassenden Entlastung.

Absurder Streit um Blaue Plakette

Umweltminister Jens Kerstan (Grüne) hat sich mit einem Vorstoß auf der Umweltministerkonferenz der Länder durchgesetzt: Er habe sich dafür starkgemacht, "dass künftig auch das gesundheitsschädliche Stickstoffdioxid (NO2) bei der Einrichtung von Umweltzonen eine Rolle spielen kann", sagte Kerstan (wir berichteten). Einstimmig forderten die Umweltminister die Bundesregierung auf, die rechtlichen Grundlagen für eine sogenannte Blaue Plakette zu schaffen, die Autos mit geringem Stickstoffdioxid-Ausstoß kennzeichnen soll. Auch in Hamburg  würden dann in bestimmten Innenstadtbereichen nur noch Fahrzeuge mit dieser Plakette fahren dürfen. Bisher ist in der Stadt die Stickstoffdioxid-Belastung besonders hoch, die EU-Grenzwerte von 40 Mikrogramm pro Quadratmeter Luft werden zum Teil deutlich überschritten. Risiken für den Menschen: Bronchitis, Asthma, Entzündungen oder Lungenkrebs. Da klingt die Plakette, gelinde gesagt, nach einer vernünftigen Idee. Doch das sehen nicht alle so. Der Hamburger Wirtschafts- und Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) sagte gegenüber dem "Hamburger Abendblatt": "Fahrverbote stehen nicht auf der Tagesordnung." Horch und Kerstan kabbeln sich schon seit langer Zeit um eine autofreie Innenstadt. Der Streit in Hamburg ist dabei fast derselbe wie beim Bund. Gestern meldete sich da Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zu Wort. "Die Pläne sind vollkommen unausgegoren und mobilitätsfeindlich", sagte er der "Bild am Sonntag". Dass Horch und Dobrindt zum Ausgleich den Bau einer Stadtautobahn durch Hamburgs Grünanlagen planen, ist allerdings nur ein haltloses Gerücht. 

Müllfrauen machen klüger

Hamburg ist zumindest eine fortschrittliche Stadt, was die Müllabfuhr angeht. Vor allem im Vergleich mit Berlin oder Köln. Dort werden nämlich keine Frauen bei der Abfuhr eingestellt: Angeblich seien sie dem Job körperlich nicht gewachsen. "Mann muss schon anpacken können als Müllmann. Aber das können Frauen auch", sagt hingegen Reinhard Fiedler, Sprecher der Stadtreinigung Hamburg. In der Hansestadt sind insgesamt fünf Frauen bei der Müllabfuhr beschäftigt, eine sechste soll bald folgen. "Anfangs waren die männlichen Kollegen natürlich skeptisch. Aber inzwischen sind die meisten froh darüber", sagt Fiedler. Denn die Stadtreinigung hat so nicht nur etwas für die Gleichberechtigung getan, sondern auch für die Gesundheit ihrer Arbeiter. Als die Kolonnen noch rein männlich waren, kam es öfter vor, dass sich die Müllmänner überschätzten. Sie trugen zum Beispiel Mülltonnen gegen die Vorschrift allein aus Kellern nach oben. Die Folge: Verletzungen und kaputte Rücken. Seit mehr Frauen im Team sind, passiert das weniger oft. "Der Arbeitsschutz wird disziplinierter eingehalten. Eine Entwicklung, die uns natürlich freut", so Fiedler.  

Und jetzt wissen wir auch, wie es in Berlin und Köln um den Arbeitsschutz steht.

Mittagstisch

   

Fleischiges Vergnügen

   

Wer Fleisch mag, mag das Lokma. Hier gibt es türkisch-anatolische Gerichte wie den Döner in drei Varianten: Huhn, Kalb oder Rind. Schmeckt alles. Die Portionen sind riesig, dazu reicht man hausgemachtes Brot. Besonders lecker ist "Iskender Kebab", am Drehspieß gegrilltes und dünn geschnittenes Lammfleisch mit Fladenbrot, Joghurt, gegrillter Paprika, Tomaten und zerlassener Butter. Im Sommer stehen vorn alle Fenster des Restaurants offen, die Gäste fühlen sich dann wie auf einer Terrasse. Draußen sitzt man auf Gartenbänken inmitten des Schanzenviertels. Auch drinnen gibt es viel Platz, im hinteren Teil sogar für große Gruppen. Die Einrichtung – einfache Holztische und -stühle – ist dabei zweitrangig. Hier geht es primär ums fleischige Vergnügen. Mittags serviert das Haus dazu guten schwarzen Tee.

Schanzenviertel, Susannenstraße 16, täglich von 9–3 Uhr, Mittagsgerichte 5–8 Euro. 


Elmar Stein

 

Was geht

Theater: Das Hope Theatre Nairobi wurde 2009 gemeinsam mit Jugendlichen aus verschiedenen Slums der ostafrikanischen Metropole gegründet. Das Stück "Fair Africa", mit dem die Compagnie zu Gast in den Kammerspielen ist, zeigt eben nicht das, was viele Europäer mit dem afrikanischen Kontinent verbinden, nämlich Hunger, soziale Spannungen, Armut, Safari und Folklore, sondern beleuchtet die vielen Facetten eines modernen, zukunftswilligen und aufgeschlossenen Landes. Eine Bühnenshow wie eine Fahrt durch die Millionenstadt Nairobi: temporeich, überraschend, brisant. Und das Beste: Für die einzige Aufführung des Stücks in Hamburg können wir 4x2 Karten verlosen. Schreiben Sie eine Mail an elbvertiefung@zeit.de – und das, Achtung!, bitte sehr schnell: Einsendeschluss ist schon heute um 12 Uhr. Hamburger Kammerspiele, Hartungstraße 9–11, 20 Uhr

Sport: Rudern Sie gern? Wollen Sie es mal ausprobieren? Die Rudervereinigung Bille von 1896 e.V. lädt ein zum "Vorbereitungskurs zum Ruderkurs für Anfänger 2016". Für Einsteiger genau das Richtige. Bei der Grünen Brücke 3, 18–19 Uhr

Lesung: Von wegen dörfliche Romantik. Juli Zehs Romans "Unterleuten" erzählt von Konflikten einer ländlichen Zweckgemeinschaft, die aus Einzelkämpfern besteht. Rolf-Liebermann-Studio des NDR, Oberstraße 120, 19.30 Uhr 

Was kommt

Konzert: So klingen Legenden: Soul-, Funk-, und R’n’B-Veteran Charles Breadly ist inzwischen über 60 Jahre. Und er startet noch mal richtig durch. Am Dienstag, 12.4. im Grünspan. Große Freiheit 58, 19 Uhr

Denken: Aus der Geschichte lernen. Der Philosoph Richard David Precht und Kester Schlenz vom "stern" suchen gemeinsam nach Antworten auf die großen Daseinsfragen der Antike. Helfen Sie ihnen? Am Mittwoch, 13.4. auf Kampnagel. Jarrestraße 20, 20 Uhr

Laufen: Wer einen Marathon laufen will, braucht zwei Dinge: eine gute Vorbereitung und die richtige Ausstattung. Ersteres können nur Sie selbst erledigen. Letzteres gibt es vielleicht auf der diesjährigen Hamburg Marathon Sportmesse. Am Freitag, 15.4. in der Hamburg Messe, St. Petersburger Straße 1, 10 Uhr 

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Aimen Abdulaziz-Said, schreibt bei ZEIT ONLINE die HSV-Kolumne

Es scheint fast so, als wollte der HSV unbedingt bis zum letzten Spieltag im Abstiegskampf mitmischen. Mit einem Sieg hätten sich die Hamburger endgültig von den unteren Tabellenregionen verabschieden können. Gegen Aufsteiger Darmstadt verloren die Hamburger im eigenen Stadion aber mit 1:2 – und zwar völlig zu Recht. Der Abstand auf den Relegationsplatz schrumpfte zum Glück aber nur um einen auf nun noch sechs Punkte. Nächste Woche geht’s für die Hamburger nach Dortmund.

Erik Hauth, bloggt auf ZEIT ONLINE über den FC St. Pauli

Der FC St. Pauli gewinnt gegen den SC Freiburg eine torreiche zweite Hälfte, verliert aber am Ende wegen verschlafenen Spiels in den ersten 45 Minuten mit 4:3. Wer in Freiburg drei Tore schießt, sollte mindestens einen Punkt mitnehmen, zumal Nürnberg in Duisburg unterlag. Beinahe wäre das Aufstiegsrennen noch einmal spannend geworden.

Meine Stadt

Eins noch: Wundern Sie sich nicht, wenn Sie in der Nähe des teilweise abgebrannten Pudel-Clubs jetzt ein kleines weißes Bauwerk sehen. Das ist der "Mini-Pudel". Laut den Betreibern des "Park Fiction" (Zitat: "Der Park ohne Pudel ist wie Versailles ohne Schloss") handelt es sich dabei um einen "Protestbau". Noch immer wird ja gestritten, wie es mit dem Gelände weitergehen soll – und ob es kommerziell genutzt werden wird oder nicht. Das kleine Haus soll also den Geist des Pudels hochhalten. Es ist zwar betretbar, aber ob es da drin etwas zu trinken gibt oder Musik, und wenn ja, für wie viele und wann durchgewechselt wird, das alles war bei Redaktionsschluss noch unklar.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns:elbvertiefung@zeit.de 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle



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