Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

anständige Hundehalter betreffen die folgenden Zeilen nicht, sie müssen sich also auch nicht aufregen und sich zu Unrecht verfolgt fühlen. Hier geht es nur um jene Hundebesitzer, die die Hinterlassenschaften ihrer Lieblinge auf Fußwegen, in Vorgärten und in Parks nicht wegräumen. In allen größeren Städten ist das mittlerweile ein Ärgernis. Allein in Berlin produzieren die Hunde angeblich 50 Tonnen Kot am Tag. In London will man Hunde beziehungsweise deren verantwortungslose Halter nun per DNA-Test überführen, vor Kurzem mussten dort gemeldete Tiere Speichelproben abgeben. Auch in einer Baugenossenschaft in Jena sollen Mieterhunde genetisch erfasst werden, damit man in Grünflächen und auf Spielplätzen platzierte Haufen zweifelsfrei zuordnen kann. Wäre das nicht auch ein Modell für Hamburg? Denn wie gesagt: Anständige Hundehalter können doch nichts dagegen haben, nicht wahr?
Wir hätten auch noch eine Empfehlung für ein angemessenes Strafmaß: In Madrid, schreibt der "Guardian", müssen Hundehalter, die den Kot ihrer Vierbeiner liegen lassen, mehrere Tage lang die Straßen reinigen.

Solidarität! ...

Auch in Hamburg und Schleswig-Holstein gingen gestern am Tag der Arbeit Tausende Menschen für Gerechtigkeit und Solidarität auf die Straße. Laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) nahmen rund 5.500 Menschen an der Hauptdemonstration von der S-Bahn-Station Hasselbrook zum Museum der Arbeit in Barmbek teil, darunter auch Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, seine Stellvertreterin Katharina Fegebank (Grüne) und die evangelische Landesbischöfin Kirsten Fehrs. Die Gewerkschaftsfunktionäre kritisierten unter anderem die von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ins Gespräch gebrachte Koppelung der Lebensarbeitszeit an die steigende Lebenserwartung. "Arbeiten bis zur Kiste ist mit uns ganz bestimmt nicht zu machen. Der Finanzminister ist doch das beste Beispiel dafür, dass einmal Schluss sein muss mit dem Job", sagte Annelie Buntenbach vom DGB-Bundesvorstand über Schäuble. Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger wandte sich gegen die AfD und Rechtsextremisten – und auch gegen die Volksinitiative Hamburg für gute Integration. Man dürfe sich nicht "in Auseinandersetzungen verheddern, die Hamburg nur weiter spalten".

… und Krawallfolklore

Und da waren sie wieder, die üblichen Auseinandersetzungen zum 1. Mai: Schon am Samstagabend hatten um die 50 Gewalttäter nach der Kundgebung "Breite Solidarität gegen Rassismus und Repression" am Bahnhof Sternschanze den ersten Versuch unternommen, die alljährliche Krawallfolklore wieder aufleben zu lassen. Beamte der Bundespolizei suchten im Böller- und Flaschenhagel kurzzeitig im Bahnhof Schutz. Wie kommentierte Polizeisprecher Timo Zill dies auf Twitter? "Insgesamt ist es weitestgehend friedlich geblieben", das freue ihn. Am Sonntag änderte sich das. Nach der DGB-Demo bewarfen etwa 100 Randalierer am Bahnhof Barmbek Polizisten mit Flaschen. Und abends, bei der Demo "Klasse gegen Klasse" kam dann das Finale. Die Polizei, mit einem Großaufgebot an Beamten und diversen Hubschraubern im Einsatz, wurde aus dem Demonstrationszug so lange mit Feuerwerkskörpern, Böllern und Flaschen attackiert, bis sie die Demo auflöste. Danach gab es im Schanzenviertel immer wieder Auseinandersetzungen. Die "Mopo" meldete 34 Verletzte, vier davon schwer. "Mittlerweile hat sich die Lage in der Schanze beruhigt", twitterte die Polizei gegen 23 Uhr. "Hoffentlich bleibt es so."

Wie Expressbauten gebaut werden

Es wird eng in Hamburg. Deshalb setzt der Senat jetzt auf sogenannte Expressbauten – erst einmal für Flüchtlinge, später für alle. In der ganzen Stadt sollen hurtig 4.800 Stück davon entstehen. Expressbau, das klingt ein bisschen nach Fertighaus, Modulwohnung und Holzwänden. Ist es aber nicht, sagt Thomas Östreicher von der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW). Gebaut wird nach den gleichen Standards, nach denen sozial geförderter Wohnraum entsteht. Auch um die allgemein geltenden Vorschriften zum Wärme-, Schall- oder Lärmschutz kommen die privaten Investoren, die die Expresswohnungen bauen, nicht herum. Viele legen bei Wärme- und Klimaschutz sogar noch was drauf, erklärt Torsten Fragel von der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB): Ein knappes Drittel aller Sozialwohnungen, die in den vergangenen drei Jahren errichtet wurden, hat sogar einen höheren energetischen Standard als das gesetzlich vorgeschriebene Minimum. Auch bei den bisher bewilligten Expressbauten zeichne sich ein vergleichbarer Anteil ab, sagt der IFB-Sprecher.
Der Express beim Expresswohnungsbau findet also nicht auf der Baustelle statt, sondern vorher: Die Stadt spart beim politischen Verfahren Zeit. Normalerweise können die Bagger erst anrollen, wenn auch der Bebauungsplan steht. Expressbau heißt: Sofort bauen, der B-Plan wird nachgereicht. Wie das dann aussieht, lässt sich am Mittleren Landweg beobachten. Dort buddeln die Bagger gerade das Billwerder Gleisdreieck aus. 780 "Flüchtlingsunterkünfte mit Perspektive Wohnen" sollen hier entstehen – zum Missfallen einiger Anwohner. Mal sehen, wie das gefürchtete Großprojekt ankommt, wenn die Wohnungen auch von angestammten Hamburgern gemietet werden können. So ist es nämlich geplant, versichert Thomas Östreicher: Jeder Expressbau werde später eine zusätzliche Sozialwohnung für die Stadt.

Mittagstisch

Mal einen De-luxe-Burger

Es gibt Leute, die mögen keine Burger. Nein, nicht Vegetarier, sondern karnivore Menschen, die dennoch Burger ablehnen. Offenbart man ihnen, dass man gern mal einen Big Mac verspeist, reagieren sie mit Verständnislosigkeit. Fragt man nach dem Warum, wird grundsätzlich zuerst das "labbrige Brötchen" angeführt. Vertreter dieser Spezies sind meist eher etwas älter und finden auch "Die Simpsons" oder "CSI: Miami" doof, und wer sie konvertieren will, kann es zum Beispiel mit der Brooklyn Burger Bar in der Innenstadt versuchen. Die Burger hier sind gut, sie kommen mit hausgemachten Soßen, und bis auf eine ungetestete Variante mit Edelschimmelkäse existieren auch keine verrückten Kombinationen. Es gibt sie klassisch mit Cheddar oder alternativ mit Bacon und Appenzeller oder Manchego und Chimichurri. Auch die Pulled-Pork-Variante fehlt nicht. Mittags zwischen 12 und 15 Uhr ist es hier etwas billiger, BBBʼs Lunchbreak heißt das dann, und man kann auch ein Menü mit Getränk und einem "Side" wählen. Beliebtester "Side" dürften die handgemachten Pommes frites sein, besonders in der Süßkartoffelvariante. Der Burger-Verächter kann übrigens ein Dinkelbrötchen nehmen. Gibtʼs hier auch..

Alter Fischmarkt 3, BBBʼs Lunchbreak von 12 bis 15 Uhr, Preise zwischen 6 und 13 Euro

Steffen Richter

Was geht

"Zeit – längst ein Politikum!": Was tut die Politik für die Work-Life-Balance? Diskussion, bitte pünktlich kommen.
KörberForum, Kehrwieder 12, 19 Uhr

"Mama, darf ich nach der Schule meine digitalen Kenntnisse spielerisch erweitern?" – "Na klar, mein Schatz!": "Fabrikklick" zeigt Kids von 8 bis 12, dass Computer mehr als Facebook können.
Die Fabrik, Barnerstraße 36, 14 bis 18 Uhr

"Wildkräuter – ein sinnliches Erlebnis": Er liebt mich, er liebt mich nicht … Dass man mit Gänseblümchen und Co. noch mehr anstellen kann, zeigt dieses Seminar. Dieses Prickeln der Blüten im Bauchnabel – kresse Sache ...!
Gut Karlshöhe, Karlshöhe 60 d, 10 Uhr

Was kommt

Von Donnerstag bis Sonntag herrscht in der Stadt vor allem rund um Hafen und Elbe (bei immer besserem Wetter – kommt er jetzt, der Sommer?) wieder Ausnahmezustand. Gleich drei Events stehen an:

1. Hafengeburtstag

827 Jahre alt soll unser Hafen nun sein, rund 1,5 Millionen Besucher werden zum größten Hafenfest der Welt erwartet, dazu freudig-feuchtfröhliches Feiern an Hafen und Elbufern. Die "Hafenmeile" mit Programm und Livemusik reicht von der Speicherstadt bis St. Pauli. Tierfreunde hoffen, dass  bis zum Beginn der Party möglichst viele der Schweinswale, die im Hafenbereich noch fröhlich Stinte jagen, abgezogen sind; sie fürchten, die Tiere könnten mit den einlaufenden Schiffen kollidieren und sterben. 

Zum Programm: Am Donnerstag, 14 Uhr, startet der ökumenische Eröffnungsgottesdienst im Michel, um 15.30 Uhr läutet die Schiffsglocke der  Rickmer Rickmers das Fest ein, ab 16 Uhr findet die große Einlaufparade statt. Am Samstag tanzen die Schlepper beim legendären Schlepperballett ab 15 Uhr, ab 22 Uhr will Schauspielerin Emma Schweiger (ja, die Tochter des Vaters) das Kreuzfahrtschiff AIDAprima taufen, laut der Reederei AIDA Cruises das "Kreuzfahrtschiff mit der modernsten Umwelttechnologie der Welt". Als wir vor einer Woche berichteten, war das tolle neue Abgasfiltersystem noch nicht in Betrieb. Um 22.30 Uhr zündet man Feuerwerk an den Landungsbrücken. Und Sonntag ab 16 Uhr laufen all die Schiffe wieder aus.

2. Vatertag

Es soll Leute geben, die erstaunt sind, wenn sie erfahren, dass der korrekte Name dieses Feiertages, der ebenfalls am Donnerstag ansteht, Christi Himmelfahrt ist. Im christlichen Glauben feiert man die Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel. (Hier eine Übersicht von evangelischen Gottesdiensten), auch open air; die katholische Kirche glaubt offenbar, dass ihre Schäfchen keinen Überblick benötigen). Im Alltag feiern an diesem Tag traditionellerweise Herren mit Leiterwagen oder in Bötchen und teils in bizarrer Aufmachung sich selbst und ihren Rausch. Dabei handelt es sich meist gerade nicht um aktive Väter. Diese gestalten den Vatertag eher als Familienausflug. Und treffen sich abends zum Absacker mit Freunden. Weitere Alternativen zum Hafengeburtstag:

"Happy Hour": Apropos Freunde – in seinem Film erzählt Regisseur Franz Müller von drei Männern über 40 in der Midlife-Crisis, die gemeinsam einen Trip ins verregnete Irland unternehmen, um ihre Jugendfreundschaft wieder aufleben zu lassen. Aber dann bröckeln die Fassaden ... Auf dem Filmfest München gewann der Streifen den Förderpreis Neues Deutsches Kino, die Hamburg-Premiere läuft im Studio-Kino, Bernstorffstr. 93–95
, 22767 Hamburg, 19 Uhr

World Press Photo Contest: Bilder, die um die Welt gingen – eine Ausstellung eindringlicher Momentaufnahmen der Zeitgeschichte. Gehen Sie  mit Freunden hin, und sprechen Sie darüber.
Gruner + Jahr Pressehaus, Am Baumwall 11, Donnerstag, 10 bis 18 Uhr

Musik von morgen: Zwischen Tanz und Trance, zwischen Elektronik und Klassik – drei Freunde von damals machen faszinierende Musik. Nils Frahm und zwei Kumpels experimentieren als "Nonkeen" mit Sounds.
Laeiszhalle, Johannes-Brahms-Platz, 21.30 Uhr

3. Muttertag

Es soll tatsächlich Leute geben, die erstaunt sind, wenn sie erfahren, dass der Muttertag am Sonntag kein gesetzlicher Feiertag ist, sondern dazu dient, im Blumenhandel die größten Umsätze des Jahres zu erzielen. Ursprünglich von der englischen und US-amerikanischen Frauenbewegung zu Ehren der Mütter und der Mutterschaft geschaffen, wurde der Tag in Deutschland schon 1922/23 vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber okkupiert. Aufrechte Männer und Söhne leisten allerdings Widerstand und denken auch an anderen Tagen an ihre Frauen und Mütter. Am weitesten verbreitete Variante des Feierns ist auch hier der Familienausflug. Alternativen zum Hafengeburtstag:

Blütenfest im Alten Land: Nicht für Pollenallergiker! Ist es hier wirklich wie im Buch von Dörte Hansen? Ausflug in den ländlichen Hamburger Raum mit Tanzvorführungen, Shanty-Chor und vielen, vielen Blumen. (Ja, für Mütter!) Hatschi.
Festplatz Jork, Am Gräfengericht 2, Sonntag ab 11 Uhr

"Terror": Ein Kampfpilot. Eine Notsituation. Ein Abschuss. Viele Tote. Aber ein Fehler? Wie wird das Publikum urteilen? Ferdinand von Schirachs Gerichtsstück zum Mitvoten im Schauspielhaus für alle, die ein Kontrastprogramm brauchen.
Kirchenallee 39, 15 Uhr

Hamburger Ratsmusik: Sie berührt seit über 500 Jahren die Tiefen der Seele und klingt immer noch immer gut.
Schloss Gottorf, Schlosskapelle, Schlossinsel 1, 19 Uhr

Meine Stadt

"Ich sah dieses Motiv an der Mönckebergstraße ... Selbst den Schafen scheint es bei dem Schietwetter zu kalt zu sein." © Hannes Gerlach

Die Wahrheit liegt aufm Platz


Aimen Abdulaziz-Said
schreibt bei ZEIT ONLINE die HSV-Kolumne


Seit Wochen ist im regelmäßigen Wechsel zu lesen, dass der HSV entweder so gut wie gerettet oder wieder mittendrin im Abstiegskampf sei. Nach dem 0:0 gegen Mainz sind die Hamburger nun also wieder so gut wie gerettet. Aber noch nicht ganz. Dass es erneut nicht zum endgültigen Befreiungsschlag gereicht hat, lag zum wiederholten Male an der katastrophalen Chancenverwertung. Nächste Woche kommt der VfL Wolfsburg ins Volksparkstadion. Mit einem Sieg wäre der HSV gerettet. Dann aber wirklich.


Erik Hauth
bloggt auf ZEIT ONLINE über den FC St. Pauli

Der FC St. Pauli wurde am Freitagabend wieder einmal seinem Ruf als Aufbaugegner abstiegsgefährdeter Vereine gerecht. Nachdem die Kiezkicker die Gäste aus München zehn Minuten mit Powerfußball eingeschnürt hatten, es aber versäumten hatten, ein Tor zu schießen, reichte ein kapitaler Fehler von Enis Alushi, um 1860 in Führung und St. Pauli komplett aus dem Konzept zu bringen. Bemüht um den Ausgleich, kamen die Gastgeber aber kaum gefährlich vor das Tor der nun tief stehenden Gäste. Ausgerechnet Alushi besiegelte dann durch seinen zweiten Fauxpas Mitte der 2. Halbzeit die zehnte Heimniederlage. Mit 2:0 siegten sonst zahnlose Löwen dank zweier Geschenke.


Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen.

Ihr

Mark Spörrle


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