© Franziska Bulban

Guten Morgen,

offenbar wurde eine weitere verdeckte Ermittlerin in die linke Szene Hamburgs eingeschmuggelt, die dort von 2006 bis 2013 im Einsatz gewesen sein soll. Aktivisten verdächtigen eine Frau mit dem Tarnnamen "Astrid Schütt", von der Hamburger Polizei wird lediglich bestätigt, dass eine Beamtin betroffen ist. Nach "Maria Block" und "Iris Schneider" ist dies dann der dritte Fall einer Undercover-Ermittlerin, der in den letzten zwei Jahren aufflog. Man müsse davon ausgehen, dass das nur die "Spitze des Eisberges" sei, klagt Christiane Schneider, innenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke. So eine Aussage wirft natürlich viele Fragen auf: Ist die Undercover-Ermittlerin für die linke Szene in Hamburg das, was der V-Mann für die NPD ist? Gäbe es ohne die Polizei überhaupt eine linke Szene? Und wer darf sich eigentlich all die tollen Tarnnamen ausdenken? Bestimmt derselbe Glückspilz, der auch Anwaltsnamen passend zu Mandanten sortiert. Denn so was kann kein Zufall sein: Wenn die ersten Verteidiger von Beate Zschäpe Heer, Stahl und Sturm hießen, wen kriegt dann Jan Böhmermann? Christian Schertz. Kein Witz.

Sechs Tage für die Sportstadt

Haushohe Siege, knappe Niederlagen, Auf- und Abstiege, spektakuläre Transfers und tobende Trainer: Darum sollte sie sich drehen, die Sportberichterstattung. In Hamburg hat sich aber mittlerweile eine ganz andere Art Journalismus in das Genre eingeschlichen: die Elendsgeschichte. Sie handelt von ambitionierten Trainern, erfolgreichen Teams und mangelnder Unterstützung. Auf die Insolvenz der HSV-Handballer und das Schicksal der Volleyballerinnen des VT Aurubis, die keine Lizenz mehr in der ersten Liga zahlen konnten, folgte gestern überraschend der nächste Tiefschlag: Auch die Freezers werden wohl keine Lizenz für die nächste Saison in der Deutschen Eishockey Liga beantragen. Der Grund: Dem Eigentümer des Clubs, der Anschutz Entertainment Group, gehört auch der Rekordmeister, die Berliner Eisbären. Klar, welches Team da den Kürzeren zieht, wenn man sich nur noch auf einen Standort konzentrieren will. "Ich bin geschockt. Sportstadt Hamburg, wir brauchen eure HILFE!!! Wir haben 6 Tage", twittert Mannschaftskapitän Christoph Schubert. Theoretisch bleibt den Freezers noch bis Dienstag Zeit, einen neuen Partner zu finden. Aber offenbar glaubt nicht einmal mehr Uwe Frommhold, Geschäftsführer der Freezers, an eine unerwartete Rettung: "Wir möchten uns hiermit bei allen Mitarbeitern und Spielern für ihren Einsatz bedanken", gab er gestern bekannt. Der einzige, zugegeben winzige, Hoffnungsschimmer: In jedem guten Sportfilm sieht es zwischendurch mal echt schlecht aus für die Helden. Und dann kommt das Finale.

"Auch Obdachlose können nicht machen, was sie wollen"

Ein Zaun soll Obdachlose davon abhalten, unter einer Brücke am Isebekkanal zu übernachten. Das sorgt derzeit in Eimsbüttel für Unmut: Linke, FDP und Grüne sind laut "Hamburger Abendblatt" verärgert über die Absperrung, CDU und SPD verteidigen die Maßnahme. Die Diskussion darüber wird am kommenden Montag im Kerngebietsausschuss fortgeführt. Aber wie soll die Stadt Obdachlosen im öffentlichen Raum begegnen? Über die Situation in Hamburg sprachen wir mit Stephan Karrenbauer. Der 54-Jährige ist seit 20 Jahren als Sozialarbeiter beim Straßenmagazin Hinz & Kunzt tätig.

Herr Karrenbauer, was wünschen sich Obdachlose?
Ein festes Dach überm Kopf. Der Wunsch ist – meiner Meinung nach – bei allen vorhanden. Die Perspektive muss aber eine eigene Wohnung sein. In Zimmern zu viert oder zu fünft halten es die meisten nicht lange aus.

Wie wichtig ist denn auf der Straße ein fester Schlafplatz?
Sehr wichtig. Der größte Teil hat den auch. Aber der Verteilungskampf ist groß, es gibt immer mehr Menschen ohne Bleibe in der Stadt. Mittlerweile etwa 2.000 schätzt das Diakonische Werk. Klar ist aber auch, dass sich die Obdachlosen dabei an eine gewisse Ordnung halten müssen.

Zum Beispiel?
Sie müssen Verantwortung für ihren Schlafplatz übernehmen, den Ort sauber halten und dürfen keine Essensreste herumliegen lassen. Oft gibt es zum Beispiel stillschweigende Übereinkünfte mit Geschäftsleuten, nach dem Motto: Ihr könnt im Eingangsbereich übernachten, wenn um 9 Uhr wieder alles weggeräumt ist. Auch Obdachlose können nicht machen, was sie wollen. Wenn daran Gespräche nichts ändern, ist es auch in Ordnung, als letzte Maßnahme das Ordnungsamt oder die Polizei einzuschalten.

Haben Sie denn Verständnis für Leute, die Angst haben oder sich Sorgen machen, wenn Obdachlose in der Nähe schlafen?
Nein, eigentlich nicht. Ich finde das nicht nachvollziehbar. In der Regel wollen Obdachlose auch nur in Ruhe gelassen werden. Randale oder Ähnliches sind wirklich selten!

Fahndungserfolg über Nacht

Seit Monaten wurde in Hamburg nach einer Frau gesucht, die ein kleines Mädchen in der S3 misshandelt haben soll. Laut Zeugenaussagen habe sie das Kind geschüttelt und mit der Faust auf den Kopf geschlagen, es auf den Boden gestoßen und unter ihren Rollator gedrückt. Doch seit Oktober 2015 ist es nicht gelungen, die Frau zu finden. Am Dienstag hat die Bundespolizei schließlich ihr Bild mit einem Fahndungsaufruf veröffentlicht, unter anderem griff das "Hamburg Journal" die Geschichte am Abend auf – und noch in der Nacht stellte sich eine 55-Jährige. Nach ersten Erkenntnissen handle es sich um die Großmutter des Mädchens, sagte gestern ein Sprecher der Bundespolizei. Die Familie sei dem Kinder- und Jugendnotdienst bekannt, die Frau habe die Aussage verweigert. Warum sie sich gestellt hat, ist also nicht bekannt. Doch der Zeitpunkt weist deutlich darauf hin, dass sie sich wegen des öffentlichen Drucks gemeldet hat. Medienberichte bewirken nichts? Von wegen!

Der fliegende Physiklehrer

Matthias Hünsch, 52, lehrt normalerweise Physik, Astronomie und Mathe an der Wichern-Schule des Rauhen Hauses. Aber gestern war er der Geburt von Sternen ganz nah: Hünsch ist als einer von vier deutschen Lehrern (und als erster Hamburger) bei einem sogenannten Sofia-Flug mitgeflogen. Sofia ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Nasa. Geschaffen wurde es, um aus einem Flugzeug heraus zu erforschen, wie Sterne entstehen. Warum ein Lehrer an so einer Reise teilnimmt? "Ich will meine Schüler begeistern, mit guten Bildern und Geschichten", sagte Hünsch noch vor seiner Reise in die USA, wo der Flug startete. Denn Begeisterung nehme den Schülern die Angst vor Fächern wie Physik. Deshalb möchte er ihnen möglichst viel Handfestes von dem Flug mitbringen. "Das ist das Tolle an Astronomie: Es ist eine Naturwissenschaft, die sich tatsächlich mit der Natur beschäftigt, eine Wissenschaft, in der man beobachtet. Daran kann man viel erklären", sagt Hünsch.
Die Geburt eines Sternes ist ein von der Erde schwer zu erklärendes Wunder. Deshalb wurde das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie (Sofia) entwickelt: Ein Teleskop wird in eine Boeing gebaut. Auf einer Flughöhe von 12.000 Metern wird die Teleskop-Luke geöffnet, um Sternengeburten zu beobachten. Und was sagen die Schüler zu Hünschs Expedition? "Die wollen natürlich am liebsten mitfliegen. Aber ein Programm für Schüler gibt es leider noch nicht", sagt Hünsch.

Mittagstisch

Immer ein Fest

Das Moki’s Goodies im Generalsviertel in Eimsbüttel ist durch die Einrichtung im Industriestil, die Details und Blumenarrangements auf den Tischen sehr einladend, bei Sonnenschein zieht es den Besucher aber nach einem Blick in die Kuchenvitrine sofort wieder an die Tische auf dem breiten Gehweg. Unbedingt probieren: den Apfel-Schmand-Kuchen (3,50 Euro), den die aus einer süddeutschen Konditorenfamilie stammende Chefin Monika Ertl selbst zubereitet. Auch Brot und Brötchen werden selbst gebacken, der aromatische Kaffee stammt von der Elbgold-Rösterei. Auf der kleinen Mittagskarte findet man Quiches, Salate (wie den Gemischten Salat mit grünem Spargel für 7,90 Euro), Flammkuchen, Suppen und belegte Stullen. Die Bedienung ist freundlich, die Atmosphäre entspannt, und so ist die Einkehr bei Monika (deren kleine Tochter sie zu "Moki" machte) immer ein Fest. Ein solches gibt es auch am 19. Mai, wenn der LAden 2. Geburtstag feiert. Eimsbüttel, Eppendorfer Weg 171, Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr

Eimsbüttel, Eppendorfer Weg 171, Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr

Christiane Paula Behrend

Was geht

Fotografie: Ganz schön einsam hier! Die Bilder des Spaniers Ignacio Evangelistas zeigen verlassene Grenzposten. Unter dem Titel "After Schengen – European Borders" sind sie noch bis 27. Mai zu sehen.
Instituto Cervantes, Fischertwiete 1, 10 bis 18.30 Uhr

Stadtspaziergang: Mal ein neues Viertel erkunden? Zwischen Bille und Elbe liegt Rothenburgsort – mit Resten eines Arbeiterquartiers und einer vergessenen U-Bahn. Die Tour dauert zwei Stunden.
Treffpunkt: Ausgang S-Bahn-Station Rothenburgsort, 15 Uhr 

Film: 680 Bewerber auf 10 Plätze, nein, in "Die Prüfung" geht es nicht um irgendeine Casting-Show, sondern um die Schauspielschule in Hannover. Zur Premiere sind der Regisseur und einige der Darsteller da.
Abaton, Allende-Platz 3, 20 Uhr  

Schnack

Ein Fischverkäufer läuft mit eingepacktem Fisch einem Kunden hinterher: "Sie haben vergessen, Ihren Fisch mitzunehmen, den Sie bezahlt haben." Eine Dame: "Jaja, das passiert gar nicht so selten." Der Kunde: "Es passiert aber selten, dass ich allein zum Einkaufen geschickt werde!"

Gehört von Wolfgang Beck


Meine Stadt

Bunte Tulpen trotzen dem Grau © Foto: Ines Jarchow

Die Elbphilharmonie bleibt übrigens ein Mysterium. Erst wollen sich die Hamburger so gar nicht mit dem schicken, neuen Konzerthaus anfreunden, aber dann machen sie doch wie verrückt bei der Verlosung von Freikarten für die beiden Eröffnungskonzerte mit. Am ersten Tag brach die Website zeitweise zusammen, inzwischen gibt es schon mehr als 100.000 Teilnehmer. Na toll, meine Chancen sehe ich schwinden. Denn bis zum 7. Juli bleibt ja noch Zeit, um sich zu registrieren. Da können locker auch noch die restlichen 1,6 Millionen Hamburger mitmachen. Vielleicht sollte ich lieber Lotto spielen? 


Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

 
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihre

Franziska Bulban


PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.