Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

lassen Sie uns über Fußball reden. Genau: über die Europameisterschaft 2016, die am 10. Juni beginnt. Gestern erzählte ich Ihnen, dass wir ein ZEIT-gemäßes Public Viewing mit Chefredaktion und erlesenen Experten planen. Heute verrate ich Ihnen noch etwas: Wir machen ein eigenes Tippspiel. Wenn Sie schon ganz sicher sind, wie das Eröffnungsmatch Frankreich gegen Rumänien ausgeht, dann können Sie sich gleich unter www.zeit.de/tippspiel anmelden, einem Tippteam beitreten oder selbst ein neues Team gründen. Und ach so: Sie treten an gegen uns von der ZEIT, gegen Kolleginnen und Kollegen aus Verlag und Redaktion, die fest entschlossen sind, ihre Ehre und ihre Fußballexpertise zu verteidigen. Den besten Teams und den besten Einzeltippern winken natürlich auch Preise. Aber was sind die schon, wenn es darum geht, am Ende in unserer täglichen Punktetabelle ganz oben zu stehen?
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg. Und: "Es ist mir egal, wie es ausgeht. Hauptsache, wir gewinnen." Wenn Sie wissen, wer das (außer jetzt mir) wann noch gesagt hat, dann können Sie gleich noch ein paar Extrapunkte abstauben ...
Heute um Mitternacht werden wir dann wissen, welche vier Spieler aus dem vorläufigen EM-Kader Bundestrainer Jogi Löw nach Hause schickt. Und was aus Mats Hummels, Bastian Schweinsteiger und Marco Reus wird.
Wir sehen uns aufm Platz!


Jetzt aber: CDU will Radler auf Radwege schicken!

Vergangene Woche präsentierten die Grünen in der Bürgerschaft ihre Erfolge in Sachen Hamburger Radverkehr – und ernteten viel Kritik von der CDU. Doch die Christdemokraten kritisierten nicht nur. Gestern haben sie ein eigenes Papier vorgelegt: "Schnell und sicher mit dem Rad ans Ziel. Ein Radverkehrskonzept für Hamburg mit Augenmaß und ohne Zwang". Ein Punkt sticht heraus: Ein Fonds soll eingerichtet werden, der 20 Millionen Euro für Ausbau und Sanierung von Radwegen bereithält. "In der Regel als Hochbordradwege neben der Fahrbahn", also auf Bürgersteighöhe, so die CDU, vor allem an den Hauptverkehrsstraßen. Radfahren auf oder neben der Straße – das mausert sich in Hamburg immer mehr zur Grundsatzfrage. So kommentierte Martin Bill, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, den CDU-Plan: "Von einer zeitgemäßen Integration des Radverkehrs in die Verkehrsplanung ist das CDU-Papier meilenweit entfernt. Der Fahrradverkehr gehört im Regelfall auf die Straße." Für Bills Pendant bei der CDU, Dennis Thering, dagegen ist klar: "Die flächendeckende Verlegung von Radwegen auf die Straße hat das Unsicherheitsgefühl vieler Radfahrer erhöht." Gesonderte Hochbordradwege seien daher ein Muss. Woher der Platz dafür kommen solle, wenn pro Richtung 4,30 Meter Fläche für Rad- und Fußverkehr benötigt würden, fragt der Grüne Bill – so sei der CDU-Vorstoß in seinen Augen eher eine "Besitzstandswahrung für den Autoverkehr". Über das Thema wird sich die Politik wohl noch länger die Köpfe zerbrechen. Wir empfehlen derweil einen Blick auf das, was uns am Freitag Markus Merit von der "Cycling Embassy of Denmark" dazu sagte, wie aus Hamburg ein ähnliches Radlerparadies werden könnte wie Kopenhagen: "Harte politische Entscheidungen" seien dort nötig gewesen. Für das Fahrrad, gegen das Auto.


"Wir wollen keinen exklusiven Klub"

Bund und Länder sind derzeit dabei, sich auf finanzielle Unterstützung in Milliardenhöhe für deutsche Hochschulen zu einigen und damit aus der 2006 gestarteten Exzellenzinitiative eine Exzellenzstrategie zu machen. Aber Hamburg will den Plan, dem zufolge nach 2017 jährlich etwa 530 Millionen Euro an ausgewählte Eliteunis fließen sollen, nicht einfach durchwinken. Es sei "im Interesse der Hochschulen mehr Dynamik im System nötig", so Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Hamburg verlangt, dass die Exzellenzunis alle sieben Jahre neue Förderanträge stellen müssen – was dann jeweils auch anderen Hochschulen die Möglichkeit biete, in das Programm aufgenommen zu werden. Das Bundesforschungsministerium ließ verlauten, Hamburg gefährde einen Kompromiss und schade damit deutschen Hochschulen. Das konnte Julia Offen, Pressesprecherin der Forschungsbehörde, gestern nicht nachvollziehen: "Wir wollen die Exzellenzinitiative fortführen, wünschen uns aber eine Ergänzung. Ich weiß nicht, inwiefern das schaden sollte." Hintergrund des Vorstoßes: Befürchtungen, der Forschungsstandort Hamburg könne dauerhaft von der Exzellenzförderung ausgeschlossen werden, bestehen durchaus. "Sind erst mal wenige Hochschulen ausgesucht, sehen wir die Gefahr, dass das System zementiert wird", so Offen. Wer in der ersten Runde nicht dabei sei, solle eine realistische Chance für die zweite Runde haben. "Wir wollen generell keinen exklusiven Klub von wenigen Spitzenunis, der für alle Ewigkeit bestehen bleibt."

"Wir wollen den Titel nach Deutschland holen"

Der FC Hamburger Berg will es wissen. Nach dem missglückten Versuch 2015, das längste Fußballspiel der Welt zu absolvieren, startet der Kreisklassist heute Abend einen neuen. Gegner ist der VfL Wallhalben aus Rheinland-Pfalz. Das gemeinsame Ziel der Klubs: 105 Stunden Spieldauer zu überbieten. Diese Weltbestmarke hat der Craig Gowans Memorial Fund im Juli 2015 im schottischen Edinburgh aufgestellt. Doch es gehe nicht nur um sportlichen Ehrgeiz. "Wir wollen mit den Einnahmen die Flüchtlinge in unserem Verein unterstützen", berichtet Ralph Hoffmann, Vorsitzender des FC Hamburger Berg. Wir erreichten ihn während der Vorbereitungen auf den Fußball-Marathon.

Elbvertiefung:Herr Hoffmann, wie optimistisch sind Sie, dass Ihr Vorhaben glückt?

Hoffmann: Ich bin zu 110 Prozent sicher, habe keinerlei Zweifel. Wir haben uns gut vorbereitet.

EV: Sie haben es schon mal versucht, da hat es allerdings nicht geklappt mit dem Weltrekord ...

Hoffmann: Ja, letztes Jahr. In dem Spiel sind viele ein zu hohes Tempo gegangen. Die Jungs können Fußball spielen. Das wollten sie zeigen und haben das auch getan. Die dachten, es sei Champions League. Da hat einfach die Kraft nicht gereicht.

EV: 106 Stunden würden für einen neuen Rekord reichen, Sie wollen 111 schaffen. Warum?

Hoffmann: Wir mögen die Zahl.

EV: Um 22 Uhr ist Anpfiff gegen den VfL Wallhalben auf dem Kunstrasenplatz im Sternschanzenpark, Abpfiff im Erfolgsfall am kommenden Sonntag um 13 Uhr. Wie wird der Weltrekordversuch ablaufen?

Hoffmann: Jedes Team hat 18 Spieler, gespielt wird elf gegen elf. Man darf aber zwischendurch auch in den Modus sieben gegen sieben schalten, um mehr Spielern Pausen zu gönnen. Pro Stunde sind fünf Minuten Spielpause erlaubt, die wollen wir aber gar nicht nutzen. Insgesamt stellen wir 36 Ein-Mann-Zelte auf, in denen die Spieler schlafen können. Es wird offizielle Zeitmesser und Schiedsrichter geben, nach Spielschluss schicken wir ein Video bei Guinness World Records ein: Wir werden am Sonntag also genügend Beweismittel haben.

EV: Und die Hamburger ...?

Hoffmann: Sie können uns besuchen kommen, uns anfeuern und die Daumen drücken, damit wir den Rekord knacken. Es handelt sich ja schließlich um eine nationale Angelegenheit: Wir wollen den Titel nach Deutschland holen.

Vom Boom zur Krise – und zurück?

Am Montag wurde ein Frachter der Reederei F. Laeisz im chinesischen Hafen von Zhoushan umgeflaggt: Man holte die Fahne Gibraltars ein und zog die Deutschlands hoch. Warum wir darüber berichten? Weil das wohl kein Einzelfall bleiben wird: Schwarz-rot-goldene Banner dürften bald wieder mehr zu sehen sein auf den Weltmeeren. Von Juni an gelten finanzielle Entlastungen für deutsche Reedereien: Die Unternehmen dürfen künftig 100 Prozent der Lohnsteuer ihrer Seeleute für sich behalten, nicht wie zuletzt nur 40 Prozent. In den vergangenen Jahren war die Zahl der Schiffe unter deutscher Flagge stark gesunken: Von der 3.000 Pötte umfassenden Handelsflotte fuhren zuletzt noch 186 unter Schwarz-Rot-Gold – die Reaktion der Reedereien auf hohe Kosten und strikte Beschäftigungsvorgaben. Aus Zeiten vor der Krise berichtet der Hamburger Reeder Peter Krämer in der aktuellen Ausgabe der ZEIT. Im Interview mit Kollegin Hanna Grabbe spricht er von den guten 2000er Jahren: "Es hat geboomt ohne Ende. Wir haben richtig gut verdient. Saugut!". Dass ihn, der sich einst mit Vorschlägen zur Einführung der Vermögensteuer besonders in der eigenen Branche keine Freunde machte, die Krise ebenfalls hart traf, gibt Krämer unumwunden zu: "Ich habe mehr als drei Viertel meines Firmenvermögens verloren." Freimütig spricht der 65-Jährige über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, Drei-Gänge-Menüs in 35 Minuten. Und natürlich über die Zukunft seiner Branche. Bringen die Subventionen die goldenen Zeiten etwa zurück?

Mittagstisch

Raum für Verbesserungen

Die "Rain Cafeatery" liegt mitten in Ottensen in einer der höchsten Konzentrationen von Gastronomie in Hamburg – da muss man etwas bieten. Der trotz großer Frontscheiben dämmrige Gastraum mit Holzfußboden mutet englisch an – wie auch das Essen. Das vom etwas zu entspannten Service servierte pochierte Ei mit Avocado und Hummus auf Sauerteigbrot (7 Euro) von der außergewöhnlich und lecker klingenden Frühstückskarte löst jedoch die Erwartungen nicht ein – recht fad. Auch der Mittagsstandard, eine scharfe Rote-Beete-Kokossuppe für 5 Euro, ist geschmacklich eher unausgewogen und nicht gut püriert. Eine andere Wahl wäre der Avocado-Rote-Bete-Salat für 7 Euro gewesen. Oder der wechselnde Mittagstisch um 8 Euro, wie zum Beispiel selbst gemachte Currywurst mit Süßkartoffelstampf, geraspeltem Weißkohl und Kürbis-Chutney. Die Getränkekarte umfasst Biolimonaden und -eistee, Heißgetränke, hausgemachte Smoothies, Craft Beer aus Bamberg und Bayern sowie eine kleine, sehr feine Spirituosenauswahl. Die Sitznachbarin lobt derweil den Kaffee. Eigentlich hätte, auch wegen der positiven Kommentare in den sozialen Medien, alles bestens sein sollen. Aber an diesem Tag blieb noch Raum für Verbesserungen.

Ottensen, Große Rainstraße 15, Mittagstisch und Frühstück bis 16 Uhr,
Montag bis Mittwoch und Sonntag 9–19 Uhr, Donnerstag bis Sonnabend 9–22 Uhr

Christiane Paula Behrend

Was geht

Vortrag: Kann man heute noch Opfer fordern? "Kriegführung in der Friedensgesellschaft". Über postheroische Zeiten. Mit Völkerrechtler Dr. Gerd Hankel.
Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 19 Uhr

Konzert: Statt Wurstgulasch vom schlecht gelaunten Koch lieber Klassik von den Hamburger Symphonikern! "Lunchkonzert".
Laeiszhalle, Johannes-Brahms-Platz, 12.30 Uhr

Slamburg: Offener Poetry Slam – Dichtung, Prosa, Musik. Zuhören ohne Anmeldung – oder noch besser: mitmachen, allerdings mit Anmeldung.
Nochtspeicher, Bernhard-Nocht-Straße 69a, 20.30 Uhr

Hamburger Schnack

Zwei ältere Damen bestellen beim Bäcker. Ausgiebig und ausdauernd. Nach gefühlten zehn Minuten sind sie fertig, und ich bin endlich an der Reihe. Da reflektiert die eine Dame noch mal ihre Bestellung – und stellt fest: "Ich hab jetzt gar keine Lust, das alles zu essen."

Gehört von Christoph Kirchner


Meine Stadt

Verregnete Hafencity in der Glaskugel © annalauraqde via Instagram

Am Morgen des 19. Mai überfiel ein Mann mit einer ungewöhnlichen Tarnung eine Bank in Hamburg-Hohenfelde: Er trug Boxershorts über dem Kopf. Da er in der Bankfiliale in der Lübecker Straße außerdem mit einer Schusswaffe herumwedelte, gab man ihm einen "kleineren dreistelligen Geldbetrag". Der Mann floh. Für den Fall, dass Ihnen die Unterhose oder dieses Verhalten bekannt vorkommt: Das Fahndungsfoto sehen Sie auf NDR 90,3.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Haben Sie tollen Schnack oder Fotos? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.