Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

eigentlich wollte ich hier nur erzählen, dass auch unser Aufruf, sich um Gratiskarten für die Eröffnungskonzerte der Elbphilharmonie zu bewerben, so ernst genommen wurde, dass dort die Website zeitweise zusammenbrach. Sollten Sie zu den verzweifelten vergeblichen Bewerbern gehören, bleiben Sie cool: Es ist noch bis zum 7. Juli Zeit ...

Per sofort allerdings, zwei Tage nach dem erzitterten Klassenerhalt, hat sich Dietmar Beiersdorfer, Clubchef beim Hamburger SV, von Sportchef Peter Knäbel getrennt. "Wir hatten unterschiedliche Auffassungen von der zukünftigen Ausrichtung des sportlichen Bereichs", so Beiersdorfer in einer Pressemitteilung, "dabei ging es vor allem um unsere sportlichen Kernthemen Kader- und Personalplanung, Scouting und Teammanagement". Gerüchte über ein Ausscheiden Knäbels als Direktor Profifußball gab es schon seit Tagen. Den Job macht jetzt Beiersdorfer mit; offiziell haben sich beide Seiten "einvernehmlich auf eine sofortige Vertragsauflösung" geeinigt.

Was Knäbel noch zu sagen bleibt? "Das Fundament für eine sportlich bessere Perspektive gelegt zu haben, erfüllt mich rückblickend mit Stolz."

Katwarn – oder Nichtwarn?

Wussten Sie schon? Es hätte richtig brenzlig werden können für Sie. Macht aber nix, die Gefahr ist gebannt, schlafen Sie einfach weiter … So etwa las es sich für die Abonnenten des Katastrophenwarndienstes Katwarn, als Montagnacht um 2.26 Uhr die Entwarnung zum Großbrand auf der Veddel per SMS auf ihren Smartphones eintraf – noch bevor sie überhaupt erfahren hatten, dass da eine große Lagerhalle brannte. Nutzer der Katwarn-App dagegen bekamen zwar den Alarm, allerdings kurz nachdem die SMS-User schon die Entwarnung bekommen hatten. Wie gesagt: Bei der Feuersbrunst gab es viel Rauch, aber keine weiteren giftigen Schadstoffe in der Luft. Rückwirkend wurde es einigen Katwarn-Nutzern dann aber doch mulmig. Denn das Warnsystem von Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz soll, per App, SMS oder Mail, das leisten, was früher die nervigen lauten Alarmsirenen machten: vor drohenden Gefahren warnen. Nun hat man am Fraunhofer-Institut, wo Katwarn entwickelt wurde, herausgefunden, was schiefgelaufen ist: "Es gab da ein automatisches Systemupdate", erklärt Katwarn-Sprecher Niklas Reinhardt. Und zwar am Sonntagabend gegen 18 Uhr. Dass dabei eine Warnmeldung auf der Strecke blieb, fiel erst später auf. "Das ist natürlich nicht gut, wenn das passiert", sagt Niklas Reinhardt. "Aber man kann es nie hundertprozentig ausschließen."

Es war nicht die erste Turbulenz mit Katwarn in letzter Zeit. Nach einem Chemieunfall Ende März in Steinwerder war die Panik schnell groß, weil das angezeigte Gefahrengebiet viel zu groß war. Und als die Feuerwehr im vorigen Jahr wieder nach einem Chemieunfall Einwohner in 20 Stadtteilen warnte, war es so spät am Abend, dass die wenigsten noch auf ihr Handy guckten. Vielleicht muss man also doch wieder die nervigen lauten Sirenen einführen. 

Hoch die Fahnen! Hört die Signale!

Hamburg sieht Rot – zumindest diejenigen Hamburger, die heute zwischen 9 und 10 Uhr die Innenstadt durchqueren oder konzentriert arbeiten wollen. Machen Sie sich gefasst auf schrillende Trillerpfeifen, flatternde rote Fahnen und Straßensperren. Die IG Metall ruft zum "Küstenaktionstag" auf, elf Städte im Norden machen mit, allein in Hamburg wurden 45.000 Arbeitnehmer mobilisiert. Sie arbeiten bei Firmen wie Airbus, Mercedes-Benz, Jungheinrich, Siemens oder Philips, 5000 von ihnen erwartet man auf der Straße. Geplant ist ein Sternmarsch auf drei verschiedenen Routen zum Kiez, wo auf dem Spielbudenplatz um 10 Uhr die zentrale Kundgebung startet. Forderung der IG Metall: fünf Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber scheinen davon ebenso wenig zu halten wie von der Form des Protestes. Von "Gewerkschaftsfolklore" spricht Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer von Nordmetall. Davon werden sich die Arbeitnehmer jedoch nicht beirren lassen. Nach der Kundgebung geht der Arbeitskampf in Form von Warnstreiks weiter. 

Kommt Thomas B. wieder in Sicherheitsverwahrung?

Der zwischenzeitlich entlassene Sexualstraftäter Thomas B. könnte bald erneut in Sicherungsverwahrung kommen. Die Staatsanwaltschaft hat einen Widerruf der Bewährung beantragt. Folgt das Landgericht dem Antrag, müsste der 50-Jährige wieder hinter Gitter, so die Staatsanwaltschaft am Montag. "Eine Entscheidung wird nicht vor Donnerstag erwartet", sagt Sprecherin Nana Frombach.

Das juristische Dilemma um Thomas B. beschäftigte gestern auch den Justizausschuss der Bürgerschaft. Thomas B. war unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern schon 2004 zu vier Jahren Haft verurteilt worden und kam danach in Sicherungsverwahrung. Entscheidend für seine vorübergehende Freilassung war laut Justizbehörde, dass seine Therapie mit den Bedingungen der Sicherungsverwahrung "nicht in Einklang zu bringen war". Thomas B. hatte auf die Therapie nicht nur einen Anspruch, er war dazu verpflichtet. Weil es der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel nicht gelungen war, eine Lösung zu finden, hatte das Oberlandesgericht am 28. April die Freilassung beschlossen. Frei bewegen konnte sich Thomas B. trotzdem nicht. Kontakt zu Kindern und Jugendlichen war ihm verboten, er musste eine elektronische Fußfessel tragen, Arbeit und Wohnung finden, durfte keinen Alkohol trinken. Letzteres hielt er nicht ein – und wurde am 3. Mai erneut festgenommen. Die CDU-Fraktion bezeichnete Justizsenator Till Steffen (Grüne) als "Sicherheitsrisiko" für die Stadt, weil er seine Behörde nicht im Griff habe. "Die Tatsache, dass der Sexualverbrecher nur wenige Stunden nach seiner Freilassung in massiver Weise gegen Bewährungsauflagen verstoßen hat, belegt, wie fahrlässig die Justizbehörde hier gehandelt hat", verlautbarte der Unionsabgeordnete Richard Seelmaecker. Seine Fraktion nennt Thomas B. einen "nicht therapierbaren Kinderschänder". Die Behörde kommentierte die Vorwürfe bis Redaktionsschluss dieses Newsletters nicht, auch die Fraktion des Senators nahm bis dahin keine Stellung. 

Ein Quantum Denkmalschutz

Hamburg wird doppelt verklagt – und das ausgerechnet von einem Investor. Die Firma Quantum will Platz schaffen für Wohnungsbau, Einzelhandel, Gastronomie, Ausstellungsflächen, Hotellerie und Büroräume, und zwar in bester Lage zwischen Stadthausbrücke und Neuem Wall. Einziges Manko: Da steht schon was. Ein Denkmal. Oder besser gesagt: ein Denkmal im Denkmal. Außen die prachtvolle Fassade des Görtz-Palais, mehr als 300 Jahre alt. Innen eine Kriegsruine, restauriert in den 1950er Jahren. Alles zusammen steht unter Schutz, sagt die Kulturbehörde. Auch die Firma Quantum hat ein Faible für historische Bausubstanz und will sie, wie es in der Projektbeschreibung steht, "revitalisieren". Doch damit ist wohl erst mal nur die Fassade gemeint. Hinter der Prachtkulisse nämlich soll die Abrissbirne kreisen. Der 50er-Jahre-Bau? Nicht denkmalschutzwürdig, findet der Investor. Das Verwaltungsgericht soll das nun bestätigen. Zudem hat Quantum im Auftrag des Gebäudeeigentümers den Bezirk Hamburg-Mitte wegen Untätigkeit verklagt. Das Amt soll endlich eine Baugenehmigung herausrücken. Die Firma schweigt zu laufenden Verfahren. Schon seit Februar 2015 schwelt der Streit.

Beim Bezirksamt sieht man die Sache offenbar gelassen. "Wir können keine Baugenehmigung erteilen", sagt Sprecherin Sorina Weiland, "solange der Denkmalschutz nicht geklärt ist." Ziel sei nun, einen Kompromiss zu finden. Und tatsächlich, die Kulturbehörde lässt wohl mit sich reden. "Das Denkmalschutzamt hat die Genehmigung zum Rückbau der Gebäudeteile aus der Nachkriegszeit in Aussicht gestellt", schreibt Sprecher Enno Isermann. "Es besteht aber auf der Erhaltung der Bausubstanz, die auf die Erbauungszeit zurückgeht." Somit scheint, wie bei anderen Projekten privater Investoren in der City, der Weg vorgezeichnet: Unter Denkmalschutz steht nur die Fassade, dahinter wird komplett neu gebaut. Der frühere Leiter des Hamburger Denkmalschutzamts, Frank Pieter Hesse, nannte das "Hamburger Fassadismus".

Mittagstisch

   

Alexis Sorbas’ Lieblingsgrieche

Sirtaki flirrt durch die Luft, Gyros brutzelt am Spieß – und natürlich fließt auch der Ouzo in Strömen. Abends jedenfalls. Willkommen im Restaurant "Xenios bei Themi". Der Grieche punktet vor allem mit seiner mediterranen Gastfreundschaft. Mit Vorliebe schlendert der Wirt nach Einbruch der Dunkelheit an den Tischen entlang, die Ouzo-Flasche gezückt, und schenkt nach Belieben die Gläser voll. Großzügig zeigt das Haus sich auch beim Nachtisch – für lau landen oft Honigbällchen mit Vanilleeis auf dem Tisch. Da fühlt sich der Gast tatsächlich wie ein Gott auf dem Olymp. Zumal die Hauptgerichte auch noch schmecken: Mittags gibt es auf der wöchentlich wechselnden Karte etwa Minutensteaks vom Rind, Ofenkartoffel mit Shrimps und Salat oder Rinderbraten auf Butterspätzle (zwischen 4,90 Euro und 9,50 Euro). Der Grieche kann also auch international. Dazu serviert er zum Lunch einen Softdrink. Wer lieber im Kabuff Bifteki und Co. genießt, kann sich den Lunch übrigens auch ins Büro liefern lassen.

Eimsbüttel, Osterstraße 46, montags bis freitags 12–15.30 Uhr und 17–24 Uhr. Sa. und So. 12– 24 Uhr.

Anna Heidelberg-Stein

 

Was geht

Pop: Coco Rosie lässt von sich hören: "Heartache City" heißt das neue Album des verschroben-verspielten Popduos. Mojo Club, Reeperbahn 1, 21 Uhr

Kino: Wenn jemand etwas gegen diesen Tipp hat, möge er jetzt sprechen oder auf ewig schweigen: "2. Hamburger Stummfilmtage". Metropolis, Kleine Theaterstraße 10, 17 Uhr

Workshop: Der Kochkurs "Nicht nur fürs Auge!" macht das Schnippeln und Brutzeln zur Sinnesfreude. Zum Schmecken, Fühlen, Riechen – und Hören! Evangelische Familienbildung Eppendorf, Loogeplatz 14–16, 17–21 Uhr

Basteln für die Umwelt: Aus alten Verpackungen und Funden aus der Natur werden neue Schätze. Basteltreffen für Kinder ab 3 Jahre in der Bücherhalle Dehnhaide. Wohldorfer Straße 30, 15–16.30 Uhr

Hamburger Schnack 

   

Achtung, Fünfjähriger hört mit! "So’n Scheiß" kann einem mal herausrutschen, aber doch nicht vor den Kindern ... In Schnelsen ist es trotzdem passiert. Gut, dass der Sohnemann die Regeln des gepflegten Umgangstons schon im Kindergarten verinnerlicht hat: "Papa, Mama, das sagt man doch nicht! Da geht die Bildung in ’n Arsch!"

Gehört von Ute und Lothar Schmidt

 


Meine Stadt

Und immer wieder Hindernisse auf dem Weg zur Fahrradstadt © Wolfram Kaiser

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten?

Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihr

Mark Spörrle

 

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.