Klinisch tot war der Patient schon seit einer Woche, kurzzeitig aber sah es tatsächlich nach einer Wunderheilung aus. Ein kleines Zeitfenster, in dem es auf einmal nicht mehr ausweglos erschien, dass die Hamburg Freezers doch noch die lebensrettende Infusion verpasst bekämen. Bedeutet hätte dies wohl: 2,5 Millionen Euro. Dann aber, genau um Mitternacht, wurde die künstliche Beatmung eingestellt.

Aus. Kein Erstliga-Eishockey mehr in Hamburg. Die Anschutz Entertainment Group hat für die Freezers keine Lizenz für die nächste Saison der Deutschen Eishockey Liga beantragt. Der Club, für das Unternehmen aus den USA ein zu großes Minusgeschäft.

Eine brutale Nachricht. Nur muss man deshalb gleich den Eishockey-Standort Hamburg für tot erklären? Wohl eher nicht. Noch viel weniger eine ganze Sportstadt, wie es lokale Zeitungen und Rundfunkanstalten gerade tun. Im Affekt allerdings drängt es einen dazu. Ist ja auch ein starkes Stück: Erst geht der HSV Handball in der Winterpause pleite. Dann kündigen die Volleyballerinnen des VT Aurubis an, sich aus der Ersten Bundesliga zurückzuziehen. Und jetzt auch noch die Freezers. Ach ja, und die Cyclassics, das jährliche, international besetzte Radrennen, stehen auch auf der Kippe.

Natürlich, das schmerzt. Eben noch wollte sich die Stadt um die Olympischen Spiele bewerben. Jetzt droht sie zur Fußball-Monokultur zu verkommen. Der HSV und der FC St. Pauli werden von der Wirtschaft gepampert, die Randsportarten fallen gelassen. So der Eindruck. Peinlich für eine Stadt, die so sehr darauf bedacht ist, der Welt einen potenten Eindruck von sich zu vermitteln.

Kleine Showunternehmen, große Aufmerksamkeit

Verständlich, dass die Hamburgische Bürgerschaft einen Tag nach dem Freezers-Aus zusammenkommt, um über seine sportliche Zukunft zu debattieren. Die Freezers sollten aber allenfalls ein Randthema sein. Genauso der HSV Handball und VT Aurubis. Zur Erinnerung: Alle drei Clubs waren von Beginn an Wagnisse. Sie wollten sich mit dem Geld eines einzelnen Unternehmens oder Mäzens in einer Großstadt voller Freizeitangebote behaupten. Der HSV mit dem Geld des Medizinunternehmers Andreas Rudolph. Die Volleyballerinnen mit dem des Kupferproduzenten Aurubis. Die Freezers mit dem der Anschutz-Gruppe.

Man muss das nicht schlecht finden. Vermutlich ist das der einzige Weg, um gehobene Randsportarten professionell zu betreiben. Das viele Geld hat ja auch zu erinnerungswürdigen Erfolgen geführt, eine Deutsche Meisterschaft, ein Champions-League-Gewinn und Halbfinal-Playoffs beispielsweise. Erfolge, die den Clubs zeitweise herausragende Zuschauerzahlen bescherten – und die Stadt auch in der Wahrnehmung von Tourismus-Strategen bestens bewarben. 

Aber das Schicksal der Clubs hing stets ab von Launen und Konjunkturen. Ihrem Scheitern liegen sehr unterschiedliche, teils immer noch nebulöse Beweggründe zugrunde, sportlich motiviert allerdings waren sie nie. Wenn jetzt behauptet wird, mit ihrem Scheitern sterbe die Sportstadt, stellt das eine Verbindung her, die es so nie gab. Sicher, sie schlugen im Laufe ihres Bestehens mehr oder weniger zarte Wurzeln zur Basis, zum Breitensport. Im Grunde aber waren sie kleine Showunternehmen, die eine große öffentliche Aufmerksamkeit erzeugten.