Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

zugegeben, es gibt noch anderes als Fußball, über das man sprechen könnte, das Wetter etwa. Oder darüber, dass die Hamburger Feuerwehr bald bis auf die Straßenecke genau vorausberechnen kann, wohin eine Rauch- oder Schadstoffwolke zieht – praktisch bei einem Brand, unpraktisch nur, wenn dann das Katwarn-System dann wieder einen ganzen Postleitzahlenbereich alarmiert – oder niemanden.

Aber ein paar Fußballfragen müssen mit Blick auf heute Abend schon erlaubt sein: Wird "Schweini" wieder jubeln, und wie wird er dabei seine Finger halten? Wo wird sich Jogi Löw heute Abend hingreifen, wird er an seinen Fingern riechen, wenn ja, an welchen und in welcher Reihenfolge, was heißt das für den Gegner – und vor allem: Gibt es nicht Wichtigeres, über das man diskutieren könnte?

Unsere von der Kampagne der Grünen Jugend inspirierte Leserfrage "Sollte man zur EM Deutschlandfahnen schwenken – oder lieber nicht?" sorgte nämlich auch für erregte Gemüter. "Diese angezettelte Flaggendiskussion ist vollkommen daneben", schrieb ein Leser. "Schwarz-Rot-Gold ist das Symbol unserer Demokratie. Schwarz-Rot-Gold steht für die Werte unseres Landes, die ja nun gerade die Nationalisten kaputtmachen wollen! In keinem anderen Land würde man auf die Idee kommen, Menschen in die rechte Ecke zu stellen, nur weil sie ihre Nationalflagge schwenken." Wenn er auf St. Pauli nach Hause gehe, merkte ein anderer an, "sehe ich zuerst einige große italienische Fahnen, dann einige türkische Fahnen, eine kroatische und eine, die ich nicht kenne. Sollen jetzt nur die deutschen Fahnen wegen der Nationalismusgefahr weg?" Wenn man schon dabei sei, die Flaggen infrage zu stellen, mailte uns ein anderer ironisch, "sollten wir vielleicht auch über den Nutzen der Nationalhymne nachdenken und generell Sportereignisse abschaffen. Schließlich ist es sehr bedenklich, wenn Teile der Bevölkerung Deutschland anfeuern!" Und ein Mailschreiber schließlich schimpfte:"Ich bin sehr enttäuscht, zu lesen, dass eine in meinen Augen bislang sehr weltoffene Zeitung ernsthaft den Sinn unserer Flagge zur Diskussion stellt."

"Ja, jetzt erst recht" – Ergebnisse unserer Leserumfrage zum Flaggezeigen

Unsere Umfrage fiel entsprechend aus: Anders als bei anderen Befragungen war die klare Mehrheit der Teilnehmer männlich – und eine ebenso klare Mehrheit von 63,5 Prozent votierte dafür, bei der EM die deutsche Flagge zu zeigen, zu schwenken, was auch immer. Im Einzelnen war die mit insgesamt 40,3 Prozent größte Gruppe der Ansicht, man sollte "dieses Symbol für ein demokratisches, friedliches Land nicht von Rechten vereinnahmen lassen". 13,1 Prozent argumentierten, auch in anderen Ländern schwenke man schließlich Fahnen. 10,1 Prozent gaben zu bedenken, dass unsere Flagge eben genau für Weltoffenheit stehe. Unter den Gegnern des Fahnezeigens glaubten 18,3 Prozent, nationalistische Symbole bedeuteten "immer Abgrenzung von anderen", 7,2 Prozent warnten davor, den Rechtsradikalen das Gefühl zu geben, "die Mehrheit würde sie unterstützen". Und 3,3 Prozent empfahlen, lieber mit Flaggen anderer Länder zu wedeln; dies sei "wahre Weltoffenheit". Schließlich gab ein kleiner Teil der Leser zu, "sehr unentschieden" zu sein. Andere zeigten sich bemerkenswert liberal und bemerkenswert gut ausgestattet: "Wir flaggen an jedem Spieltag individuell für unser favorisiertes Team."

Ganz ehrlich! Ab sofort bessere Terminvergabe in den Kundenzentren!

Seit Monaten klagen die Hamburger darüber, wie schwer es sei, in den städtischen Kundenzentren einen Termin zum Ummelden oder zum Verlängern des Passes zu bekommen. Berichtet wird von monatelangen Wartezeiten, es kursieren Tricks und Tipps, etwa der, vor einem Kundenzentrum zu übernachten, falls kein Tornado angesagt ist, um dann ohne Termin als Erster dranzukommen, wenn das Zentrum öffnet. Oder der, einen Hund anzumelden, auch wenn man gar keinen hat. Denn das geht auch online, und wenn das Bezirksamt dann merkt, dass Frauchen/Herrchen unter der Adresse des Hundes gar nicht gemeldet ist, schickt es sofort zwei Mitarbeiter los, um der Sache offline nachzugehen. Die muss man dann nur noch überreden, den gefakten Hund ab- und dafür einen selber anzumelden. Aber nun, man glaubt es kaum, hat der Senat gestern in der Aktuellen Stunde der Bürgerschaft endlich Besserung bei den unerquicklichen Wartezeiten gelobt. "Ich habe mit den Bezirksamtsleitungen (...) vereinbart, dass wir durch ein besseres System der Termin- und Personalplanung künftig frühzeitig erkennen und vermeiden, dass Stellenvakanzen und lange Terminvorlaufzeiten gerade in den nachfragestarken Monaten auftreten", so Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD). Ehrlich gesagt: Das liest sich irgendwie trotzdem noch sehr lang. Aber ist eigentlich doch eine revolutionäre Idee, oder nicht?

(Etwas) Geld für Spitzenforschung

Im rot-grünen Koalitionsvertrag 2015 ließen die Grünen zusätzliche Mittel für die Förderung von Hochschulen festschreiben. Jetzt wird ausgeschüttet: Die kleineren Hochschulen und die Spitzenforschung bekommen bis zum Jahr 2020 rund 40 Millionen Euro extra. Konkret gehen davon 8,75 Millionen Euro an die Hochschule für Bildende Künste, die Hochschule für Musik und Theater, die HafenCity-Universität und die Staatsbibliothek, sagte Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank. Der weit größere Anteil von 31,25 Millionen Euro ist für die Spitzenforschung gedacht, für die Exzellenzförderung von bereits bestehenden Forschungsschwerpunkten und die Förderung von potenziell exzellenzgeeigneten Projekten an der Universität Hamburg. Damit, assistierte Carola Timm, wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion, habe der rot-grüne Senat "aussichtsreiche Weichen für die Entwicklung Hamburgs zu einer Wissenschaftsmetropole von internationaler Strahlkraft gestellt." Carsten Ovens von der CDU-Bürgerschaftsfraktion dagegen sprach von einem "Treppenwitz". Umgerechnet bedeute das "weniger als ein Prozent für die Hochschulen zusätzlich. Allein die Tarifsteigerungen werden dazu führen, dass dieses Geld als Tropfen auf den heißen Stein verpufft." Mit Almosen schaffe man keine Exzellenz. Und es sein kein Wunder, leitete Ovens zum nächsten Thema über, "dass Hamburg unter der Führung von Fegebank die Bund-Länder-Einigung für die neue Exzellenz-Strategie blockiert". Hamburg hat Bedenken gegen das Programm für die Exzellenzinitiative: Es mache es noch nicht geförderten Hochschulbereichen zu schwer. Hinter den Kulissen, sagte Katharina Fegebank kürzlich dem "Tagesspiegel", liefen zwischen allen Beteiligten derzeit Gespräche. Im den nächsten Stunden wird sich zeigen, was die gebracht haben: Die Entscheidung über die bundesweite Exzellenzinitiative soll heute fallen.

Der Mann mit der papiernen Maske

Gestern haben wir hier einen hoffnungsvollen HSV-Neuzugang vermeldet – klar, dass wir heute berichten, dass auch der FC St. Pauli einen neuen Mann hat. Marvin Ducksch aus der zweiten Mannschaft des BVB wechselt ans Millerntor, und freut sich schon gewaltig, bald wieder den Ball treten zu können; aktuell kommt er nicht so sehr zum Zug. Heitere Mienen auf beiden Seiten also, es gab ein stolzes Foto für die Presse, in der Mitte Ducksch, links neben ihm Sportchef Thomas Meggle, rechts Trainer Ewald Lienen – doch nein, was ist das?! Das sei gar nicht Ewald Lienen auf dem Foto, schrieb die "Mopo", sondern, sehen Sie ruhig genau hin, "ein Klub-Mitarbeiter mit Ewald-Lienen-Maske". Lienen sei wohl gerade nicht greifbar gewesen, wird spekuliert, und weil Trainer eben normalerweise bei der Präsentation neuer Spieler anwesend sind, habe sich jemand anders flugs eine Lienen-Maske übergezogen. Alles offenbar relativ normal (?). Wir dagegen fragen uns: Wie oft kam die Maske vorher schon zum Einsatz – und wo? Geht es dem echten Ewald Lienen gut? Wo lebt er jetzt? Und: Gibt es so ein Ding auch für Bruno Labbadia?

500.000-mal "Alsterdetektive"

Die Jugendlichen Johanna, Marek, Lukas und Koko ermitteln auf eigene Faust, lösen die schwierigsten Fälle, kennen die Stadt wie ihre Jeanstasche. Und zumindest in Hamburg sind die "Alsterdetektive" dabei, den "Drei ???" Konkurrenz zu machen, auch wegen ihrer guten Verbindungen ins Rathaus – kein Wunder, die Hörspielserie wurde von der Öffentlichkeitsarbeit der Bürgerschaft mit dem Produzenten Oliver Rohrbeck und den Autoren Katrin Wiegand und Kai Schwind entwickelt. Sie soll Kinder für das interessieren, was in ihrer Stadt so los ist; Schüler der vierten Klassen bekommen die "Alsterdetektive" von ihrem Lehrer. Die bisherigen Fälle drehen sich um Lebensmittelhygiene, Umweltverschmutzung, Tierquälerei und Schutzgelderpressung; angesichts der Ereignisse der letzten zwei Jahre liegen weitere Themen auf der Hand. Aber nun feiern die Macher erst mal die 500.000ste verteilte "Alsterdetektive"-CD. Die bekommt heute ein Kind bei einer Klassenführung im Rathaus von Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit überreicht. Da das Kind noch nichts davon weiß, verraten wir jetzt auch nicht mehr. Nur das: Wer nicht mehr in die vierte Klasse geht, darf die "Alsterdetektive" trotzdem hören, etwa hier oder hier.

© DIE ZEIT

11vertiefung - Die EM-Kolumne von Johan Dehoust

Es ist an der Zeit, über die Niederlande zu sprechen. Hatten nicht einige Fans aus dem Nachbarland angekündigt zur EM zu fahren, obwohl ihre Mannschaft sich nicht qualifiziert hat? Ständig suche ich die Tribünen nach orangefarbenen Trikots, Bierhelmen und Tröten ab – nichts! Jetzt setze ich all meine Hoffnungen in Björn Kuipers, heute Schiedsrichter des Spiels zwischen der polnischen und deutschen Elf. Vielleicht haben die niederländischen Anhänger nur auf ihn, ihren einzigen offiziellen Landsmann bei dieser Europameisterschaft, gewartet. Wäre doch toll, wenn sie wenigsten ihn unterstützen würden. Ihre Lockerheit, ihre sympathische Verrücktheit fehlt diesem Turnier. Es gäbe keinen besseren Ort, als das Stade de France für ihr Comeback.

© DIE ZEIT

Mittagstisch

Essen fürs Herz

Oberhalb der Landungsbrücken, unweit der Michelwiese, treffen sich zur Mittagszeit Geschäftsmänner im Anzug, junge Mütter und Flaneure aller Couleur zur Ruhepause im Café Johanna. Bei Sonnenschein bekommen Gäste im Außenbereich unter den Linden oder drinnen – minimalistisch chic, mit Mobiliar, das an die Schulzeit erinnert – mittags beispielsweise Zucchinitarte mit Peperoni und Schafskäse, Crêpes mit Avocadocreme und Kirschtomaten oder überbackenes Landbrot mit Ziegenkäse, Apfel, Rosmarin und Honig sowie Salat für jeweils 6,90 Euro. Ausgefallene Kombinationen, gepaart mit leckeren Details, machen im Café Johanna oftmals scheinbar simple Speisen zu etwas Besonderem. Der Quark mit leichter Orangen-Vanillenote, frischen Früchten und gerösteten Kernen birgt echtes Suchtpotenzial (4,50 Euro)! Und dass er, wie auch die Brioches, der Kräuterfrischkäse und das Tomatenpesto, selbst gemacht ist, das schmeckt man. Die leckere Küche am Venusberg hat sich bereits herumgesprochen, das Café ist leider längst kein Geheimtipp mehr.

Neustadt, Venusberg 26, Mo–Fr 8–18 Uhr, Sa 10–18 Uhr; Mittagstisch 11–16.30 Uhr

Tina Pokern

Was geht

Unesco-Weltkulturerbe: Und bevor es wieder um die angeblich schönste Nebensache der Welt geht, noch ein bisschen was fürs Köpfchen: Sightseeing-Tour durch die Speicherstadt, nun Teil des Unesco-Weltkulturerbes, samt Kontorhausviertel und Blick auf die Elbphilharmonie unter Beantwortung diverser Fragen: Was ist da drin? Warum? Und: Was zum Kuckuck ist "die Schreibmaschine Hamburgs"? (Nein, bei der ZEIT haben wir Computer ...) Start um 11 Uhr an der U-Bahn-Station Baumwall, Tickets bis spätestens zwei Stunden vor Beginn der Tour (Erwachsene 20 €, Kinder die Hälfte) unter 0176/48 13 80 29 oder 040/67 38 37 60

"Fußball meets Comedy": Dann aber doch Public Viewing, aber nicht einfach nur kicken: Deutschland – Polen, moderiert von Comedian Frank Eilers und Slam-Poet David Friedrich.
kukuun, Clubhaus St. Pauli, Spielbudenplatz 21–22, natürlich ab 21 Uhr

"Gemeinsam in der einen Welt": Das Alternativ- oder auch Avantprogramm. Zum 40-jährigen Jubiläum der Partnerschaft der Gemeinde St. Petri und Pauli in Bergedorf und Mbigili in Tansania findet ein Vortrag samt Diskussion mit Pastor Andreas Baldenius und Teilnehmern des Gemeindeaustauschs statt.
Museum für Bergedorf und die Vierlande, Bergedorfer Schlossstraße 4, 19 Uhr

Hamburger Schnack

Stehen zwei jüngere Männer im Supermarkt vor dem Weinregal. "Sollen wir den nehmen?", fragt der eine und zeigt auf eine Flasche Syrah. "Nee", sagt der andere, "syrischen Wein kenn ich nicht, lass uns lieber Bordeaux nehmen!"

Gehört von Maren Wendt


Meine Stadt

»Als fröhlicher Mensch habe ich mich letztendlich für das köstliche Lachfilet entschieden ...« © Foto: Rosie Sabel

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

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