Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

kaum scheint die Sonne, gibt es Probleme bei der Deutschen Bahn, naja, oder kaum schneit es, oder kaum fallen die Blätter – das scheint ein Naturgesetz zu sein. Bemerkenswert aber ist, dass sich nun auch die Züge anderer Bahnunternehmen solidarisch zeigen. Am Wochenende kam es auf der Strecke Hamburg–Sylt bei jeder dritten Lokomotive der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) zu Überhitzung. Die Züge mussten zwischendurch anhalten, bis die Loks wieder runtergekühlt waren, es habe 14 Verspätungen von bis zu 45 Minuten gegeben, so ein NOB-Sprecher. Die neuen Loks von Bombardier sind erst seit Dezember im Einsatz. Sie gelten als modern und umweltfreundlich. Aber unter Umständen vertragen sie kein warmes Wetter. Für den Betrieb in den kommenden heißen Tagen (zumindest bis morgen soll es Sommer bleiben), hat der Bahnbetreiber sechs zusätzliche Loks angemietet. Pendler und Urlauber hoffen nun, dass die Loksolidarität ein Ende hat.

"Die meisten Menschen aus Nordafrika können nicht schwimmen"

Stundenlang suchten die Helfer am Samstag im Allermöher Badesee nach dem jungen Mann aus Eritrea, erst spät am Abend konnten die Feuerwehrtaucher den 17-Jährigen bergen – tot. Er ist einer von zwei Menschen, die am vergangenen Wochenende in Hamburger Gewässern ertranken, ein dritter wird nach einem Bad in der Elbe vermisst. Alle drei Unfallopfer haben einen Migrationshintergrund. "Es ist leider so, dass die meisten der Menschen aus Nordafrika und dem arabischen Raum nicht schwimmen können. In den Ländern dort gibt es kaum Seen und auch keine öffentlichen Schwimmbäder", sagte Heiko Mählmann, Präsident der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Hamburg, unserem ZEIT ONLINE-Kollegen Johan Dehoust. Warum schlechte Schwimmer überhaupt ins tiefe Wasser gehen? "Wenn die Menschen sehen, wie viel Spaß wir in Seen oder Flüssen haben, wollen sie das einfach auch", so Mählmann. Um Flüchtlingen die Gefahren zu verdeutlichen, sollen an Badeseen künftig auch Hinweisschilder mit Informationen auf Arabisch stehen. Aber auch bei den Deutschen nimmt die Zahl derer zu, die sich nur mühsam über Wasser halten können. "Ich war gerade gestern am Öjendorfer See: erschreckend, wie viele Menschen dort spaddeln wie die Hunde", sagt Mählmann. Das gesamte Interview lesen Sie hier

"Mehr Geld und Zeit für Lehrer-Fortbildung"

Geht es um das Thema Inklusion, trifft das vor allem die Stadtteilschulen; hier gibt es besonders viele Kinder mit speziellem Förderbedarf. Das zeigen die Zahlen aus einer Kleinen Anfrage der CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Karin Prien an den Senat. Demnach wird es im kommenden Schuljahr an rund der Hälfte der Stadtteilschulen fünfte Klassen geben, in denen mehr als vier förderbedürftige Kinder sitzen, was eigentlich so nicht sein sollte. Peter Albrecht von der Schulbehörde zeichnet ein anderes Bild: Lediglich in etwa zehn Prozent der Klassen gebe es mehr als vier Kinder mit Förderbedarf im Bereich Lernen, Sprache sowie emotionaler und sozialer Entwicklung (kurz: LSE). Und nur auf diese Kinder beziehe sich die Vierergrenze. Theorie kann kompliziert sein. Wie es in der Praxis aussieht, fragten wir Christine Eimers. Die Sonderpädagogin arbeitet seit 2012 als Förderkoordinatorin an der Stadtteilschule Ehestorfer Weg.

Elbvertiefung: Frau Eimers, wie viele Kinder mit Förderbedarf sitzen an Ihrer Schule in den fünften Klassen?

Christine Eimers: In der Regel sind es vier Kinder, manchmal aber auch fünf, in anderen Klassen können es aber auch mal nur drei sein, wenn wir bei den einzelnen Kindern besonders viel Förderbedarf sehen. Wir versuchen, die Kinder zwar gleichmäßig auf alle Klassen zu verteilen, aber dabei auch die Bedürfnisse der Mitschüler und Kollegen zu berücksichtigen. Das kommt auf die Einzelfälle an.

EV: Welche Kinder brauchen besonders viel Förderung?

Eimers: Wir haben – wie die meisten Hamburger Schulen – vor allem Kinder mit einem LSE-Förderbedarf. Aber auch hier ist die Spannbreite sehr groß. Wer zum Beispiel einen Förderstatus Lernen hat, ist vielleicht sozial gut integriert, braucht aber ganz andere Materialien als der Rest der Klasse. Das bedeutet für die Lehrer viel Zusatzarbeit. Bei anderen Kindern ist es das Verhalten, das Kraft kostet und Zeit bindet.

EV: Gibt es für förderbedürftige Kinder zusätzliche Lehrkräfte?

Eimers: Ja, wir haben zum Beispiel für jeden Jahrgang einen zuständigen Sonderpädagogen. Hauptsächlich unterstützt dieser die Klassenlehrer beim Unterricht, das heißt, für manche Stunden gibt es eine Doppelbesetzung. Es kommt aber auch vor, dass wir einzelne Kinder stundenweise intensiv betreuen, zum Beispiel, um mit ihnen Mathe-Grundlagen zu lernen.

EV: Wird die Situation nun durch die Flüchtlingskinder verschärft?

Eimers: Das ist natürlich ein zusätzlicher Punkt, der für die Lehrer anstrengend ist, weil sie den Unterricht dadurch auf einer weiteren Stufe differenzieren müssen. Schließlich sind die meisten geflüchteten Kinder normal intelligent, aber es gibt vermehrt sprachliche Probleme, weil das Deutsch aus dem Jahr in der Vorbereitungsklasse häufig noch nicht für den normalen Unterricht ausreicht.

EV: Wäre mehr Personal die Lösung?

Eimers: Meiner Meinung nach ist das gar nicht der entscheidende Punkt. Wichtiger wären mehr Geld und Zeit für die Lehrer, um sich fortzubilden, schließlich übernehmen viele von ihnen Aufgaben, für die sie eigentlich nicht ausgebildet sind, zum Beispiel eben die Arbeit mit förderbedürftigen oder geflüchteten Kindern. Und wir brauchen neue Konzepte. An unserer Schule gibt es für jeden Lehrer einmal pro Woche eine sonderpädagogische Coaching-Stunde, ein beratendes Gespräch, bei dem es um einzelne Kinder, aber auch um spezielles Material gehen kann. So etwas ist ein großer Mehrwert.

Ärzte-Streit: Asklepios schlägt zurück

Bei den Halbgöttern in Weiß gibt es derzeit mächtig Zoff, genauer zwischen Frank Ulrich Montgomery, dem Präsidenten der Ärztekammer, und dem Klinikkonzern Asklepios. Thomas Wolfram, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung, gab gestern bekannt, nach der Kritik von Montgomery an der angeblichen "Hire-and-fire-Mentalität" des Konzerns werde man "selbstverständlich in jeder Richtung" prüfen, "ob es Anlass gibt, rechtlich dagegen vorzugehen". Montgomery hatte den Klinikkonzern auf dem Ärztetag in Hamburg Ende Mai scharf kritisiert. In einigen Medien hieß es, er habe Ärzte aufgefordert, dort besser keine Arbeitsverträge zu unterschreiben. Im Gespräch mit Autorin Jarka Kubsova in der aktuellen ZEIT:Hamburg stellt Montgomery klar, dass er diese Empfehlung nicht abgegeben habe: "Da sind Dinge vermengt worden." Es sei ihm aber durchaus darum gegangen, Ärzte zu motivieren, Verträge klar abzulehnen, die sie als unmoralisch empfänden. Asklepios wolle um jeden Preis gute Zahlen erreichen, sagt Montgomery. Auch diesen Vorwurf der reinen Profitgier wies Wolfram gestern strikt zurück. Jeder Cent, der in Hamburg erwirtschaftet werde, werde wieder in die Krankenhäuser investiert. Der frühere Direktor der Asklepios Klinik Altona, Friedrich Hagenmüller, verwies außerdem auf ein bereits abgeschicktes, aber bislang unbeantwortetes Schreiben aller Hamburger Asklepios-Direktoren an Montgomery. Darin zeigen sich die verwundert, dass Montgomery nie Kontakt zu Asklepios aufgenommen habe. Klingt nicht, als lasse sich der Streit schnell beilegen. Um welche Fälle es bei Asklepios konkret geht, steht in der aktuellen ZEIT:Hamburg und hier.

Ohlsdorfer Friedhof 2.0

Auf dem Friedhof Ohlsdorf können Besucher möglicherweise bald mit smarter Technologie in der Hand und Hilfe von QR-Codes auf den Grabsteinen auf historische Entdeckungstour gehen. Die Digitalisierung des größten Friedhofs Europas, bei der via WLAN auch Stimmen von Kriegsopfern oder Bildergalerien, die zeigen, wie die Stadt früher aussah, für Smartphones und Tablet-Computer zugänglich gemacht werden, ist eine von fünf Ideen, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden sollen – Ergebnisse des Bürgerbeteiligungsprojekts Ohlsdorf 2050. Im März hatte man die Hamburger aufgerufen, an der Zukunft des Friedhofs mitzuarbeiten. Weil weniger Menschen sterben und sich immer mehr für eine Urnenbestattung entscheiden, wird künftig nicht mehr die gesamte Friedhofsfläche für ihren ursprünglichen Zweck benötigt – Platz für neue Ideen. Realisiert werden sollen auch ein neu gestalteter Fußgängereingang, ein Naturwiesen-Grabhain, das Lernfeld "Entdecken der Tierwelt", und Kapellen sollen zu "Kraftzentren" werden. Auch andere Vorschläge werden eventuell zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt. "Wir sind kein Friedhof der Ideen, sondern ein Park der Ideen", so Lutz Rehkopf, Sprecher der Hamburger Friedhöfe. Wie man bei den ersten fünf Ideen genau vorgehen will, das erarbeiten ab dem 15. Juni interessierte Bürger gemeinsam mit Experten. Mehr erfahren Sie hier

Mittagstisch

   

Ungewöhnliches in der alten Fischräucherei

Auf dem ehemaligen Fabrikgelände des Ottensener Eisenwerks – einem ehemaligen Zentrum norddeutscher Metall- und Maschinenbauindustrie – hat seit 1997 das Restaurant Atlas seine Pforten geöffnet. Das ungewöhnliche Ambiente der Räumlichkeiten in der alten Fischräucherei spiegelt sich auch in der Speisekarte wider. Die täglich wechselnde Mittagskarte bietet neben Klassikern wie Wiener Schnitzel auf Kartoffel-Gurken-Salat (8,80 Euro), hausgemachter Pasta mit Rehragout, Frühlingslauch und Parmesan (8,80 Euro) sowie Salaten und Suppen auch Überraschendes: als Vorspeise etwa gebratene Leberwurst mit Rahmwirsing und Pommes carrées (8,50 Euro). Die Gäste, Geschäftsleute aus den umliegenden Agenturen und Büros, füllen das Restaurant um die Mittagszeit rasch, da kann es schon einmal vorkommen, dass ein Gast über den Parkplatz rufend zur Eile mahnt, da werde gerade ein Tisch frei. Doch gemach, denn der Nachtisch – Blätterteigdonut mit heller Schokoladenmousse und frischen Erdbeeren – ist unbedingt zu empfehlen.

Bahrenfeld, Schützenstr. 9a, Mittagstisch von 12 bis 16 Uhr

Elisabeth Knoblauch

 

Was geht

Bühnenrundgang: Einen Blick hinter die Kulissen und in die Proberäume werfen können Teilnehmer bei der Führung durch die Hamburgische Staatsoper. Auch was man als Zuschauer sonst nur aus der Ferne sieht, darf man beim Rundgang betreten: die Bühne.Bühneneingang Hamburgische Staatsoper, Große Theaterstraße 25, 13.30 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt; Eintrittskarten vorab über Tel. 040/35 68 68)

Literatur: Das "Geschichtscafé" gedenkt des Schriftstellers Arno Schmidt. Zu Ehren seines 37. Todestages gibt es im Kulturladen in Hamm Altes und Neues zu hören.
Kulturladen Hamm, Carl-Petersen-Straße 76, 14.30 Uhr

Konzert: Im Rahmen des Festivals "Projeto Brasil – Tropicalypse Now" bringt Karol Conka den brasilianischen Hip Hop auf die Bühne der Kulturstätte Kampnagel. Noch bis zum 11. Juni gibt es dort Kunst aus Brasilien zu erleben.
Kampnagel, Jarrestraße 20, 22 Uhr


Was kommt

So ein Theater!: Beim Dramaturgischen Quartett auf der Bühne der Hamburger Kammerspiele wird wieder leidenschaftlich und kontrovers über Theaterstücke diskutiert. Ludwig von Otting, ehemaliger Kaufmännischer Geschäftsführer des Thalia Theaters, moderiert, es diskutieren der Schauspieler Walter Plathe, Ex-Kultursenatorin Dana Horáková, die ZEIT-Redakteurin Christine Lemke-Matwey und der Verkaufsleiter des Thalia Theaters Martin Woestmeyer  – über Stücke, die bei den 5. Privattheatertagen vom 20. Juni bis 3. Juli in Hamburg zu sehen sein werden. Wir verlosen 5x 2 Eintrittskarten. Schreiben Sie bis morgen um 12 Uhr eine E-Mail an elbvertiefung@zeit.de.
Hamburger Kammerspiele, Hartungstraße 9–11, Samstag, 11 Uhr

Schnack

Zwei ältere Damen in Poppenbüttel im Café:

Dame 1: "Ich bin auch viel im Garten, am allerbesten sind meine Erdbeeren. Da tue ich immer Pferdemist drüber."

Dame 2: "Komisch, wir nehmen immer Zucker!"

Allen Ernstes gehört von Hans-Peter Reimers

 


Meine Stadt

Die Fluch-Mango vom gestrigen Foto vom Obststand an der S-Bahn Sternschanze hat sich verändert – was ein Buchstabe ausmachen kann ... © Petra Fricke

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.