Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

während gestern Abend im Westen Hamburgs die Leute auf ihren Balkons saßen und die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes vor "extrem starken Gewittern" wieder mal für Fehlalarm hielten, musste die Feuerwehr nach einem schweren Unwetter über dem Osten der Stadt den Ausnahmezustand erklären. "Bei zwei Hochhäusern drohen die Dächer abzustürzen", berichtete ein Sprecher am Dienstagabend. "Es gibt unzählige abgedeckte Dächer und vollgelaufene Keller, mehr als 1000 Feuerwehrleute und das Technische Hilfswerk sind im Einsatz." Angaben über Verletzte hatte er nicht, aber die Einsatzkräfte seien zu mehr als 200 Einsätzen ausgerückt, mindestens 200 weitere Hilferufe waren noch nicht bearbeitet. Es gab zahlreiche Blitzeinschläge, umgestürzte Bäume blockierten Straßen.

Und über Bramfeld und Wandsbek war eine Trichterwolke gesichtet worden. Meteorologen diskutierten, ob es sich dabei um einen echten Tornado gehandelt habe. Die Einsatzkräfte machten sich ans Aufräumen. Es werde wohl noch die ganze Nacht dauern, sagte die Feuerwehr.

Am Nachmittag hatte ein Ausflug nach Hamburg schon für eine Gruppe von Flensburger Rentnern ein ungutes Ende gefunden, und wer weiß, ob sie nicht noch größerem Unheil entgingen: Erst besuchten die Besucher, ehemalige Angehörige der Flensburger Stadtwerke, noch arglos den Ohlsdorfer Friedhof. Und dann, bei der obligatorischen Hafenrundfahrt, krachte es: Um kurz vor 15 Uhr, erfuhr NDR 90,3 von der Wasserschutzpolizei, rammte Schlepper "Jörn" das Heck der Ausflugsbarkasse "Irma II". 15 Menschen wurden verletzt, sechs schwer. Glück im Unglück: Keins der Schiffe sank, keiner ging über Bord. Nun ermittelt die Polizei. Auch im Hafen gilt in der Regel das Rechtsfahrgebot.

Und außerdem bekam ich noch eine Richtigstellung zu unserem Beitrag über den Personalmangel in Kundenzentren. "So entsteht leicht der Eindruck, dass die Hamburger Verwaltung insgesamt unterbesetzt ist bzw. nicht schnell genug handelt. Das ist nicht fair", schrieb ein Leser aus Hamburg-Moorburg. Er habe selber erlebt, wie schnell die Verwaltung aktiv werden könne, nachdem er eine Wohnung an eine Frau mit Hunden vermietet habe. Diese, eine Beamtin, wollte sich pflichtbewusst sofort ummelden. "Sie bekam einen Termin zwei Monate später. Da half auch nicht ihr Hinweis, sie müsse sich vorschriftsmäßig innerhalb von 10 Tagen ummelden." Ihre Hunde allerdings – man denke an die Hundesteuer – konnte sie sofort ummelden, das geht auch online. Und dann das Wunder: "Pflichtbewusst erschienen drei Tage später zwei Mitarbeiter vom zuständigen Bezirksamt Mitte, um zu prüfen, ob die gute Frau auch bei mir wohne: Sie sei ja hier nicht gemeldet."

Sportstadt Hamburg!?  

Hamburg. Sport. Erscheinen beide Wörter in einem Text, geht es meist um eine hitzige Debatte: Welchen Stellenwert hat der Sport noch in der Stadt? Nun, eine zufriedenstellende Antwort auf diese Frage können auch wir Ihnen nicht geben, doch zumindest hat der Senat heute einmal – juhuuu! – endlich Positives aus dem Bereich des Sports zu vermelden: Die Stadt, der Hamburger Sportbund (HSB) und der Hamburger Fußballverband haben sich auf einen neuen Sportfördervertrag geeinigt. Die jährliche Sportförderung wird von bisher 8,1 Millionen Euro um 250.000 Euro aufgestockt, der Sportbund will seine Verwaltungskosten in den nächsten zwei Jahren um etwa 225.000 Euro reduzieren, auch dieses Geld soll den Vereinen und Verbänden zugutekommen. 400.000 Euro zusätzlich fließen in die "Integration durch Sport", also die Flüchtlingsarbeit. Die Mittel für Neubau und Sanierung von Vereinsanlagen (1,1 Millionen Euro im Jahr), wird es auch 2017/2018 weiter geben. Die Gelder für die Sanierung der Sportanlagen in den Bezirken sollen von zwei auf vier Millionen Euro im Jahr erhöht werden. Etwas mehr Geld soll es auch für Trainer geben. Und wohlwollende Worte zu alledem kommen selbst von der FDP: "Wir begrüßen, dass die Verhandlungen zum Sportfördervertrag doch noch ein gutes Ende genommen haben", sagt Daniel Oetzel, sportpolitischer Sprecher der Liberalen. Klingt alles schon so, als könnten die Beteiligten zufrieden gemeinsam die EM schauen. Nur die Linken müssen mal wieder zum Nackenschlag ausholen: "Wer bereit ist, 200 Millionen pro Jahr für ein kurzlebiges Sportspektakel wie Olympia auszugeben, gleichzeitig aber dem Sportbund vorschreibt, jährlich 150.000 Euro einsparen zu müssen, hat ein ernstes Problem in Sachen Sportpolitik." Arghhh! Oder haben sie recht? Unser Kollege und Sportexperte Kilian Trotier sieht sich den Vertrag in der kommenden Ausgabe der ZEIT:Hamburg mal näher an.

HVV will heute Aufmerksamkeit erregen

"Die Fahrkarte bitte ..." Wer heute Bus oder Bahn fährt, wird diesen Spruch womöglich öfter hören. Die Hamburger Verkehrsunternehmen machen heute einen "Prüfmarathon" (früher hieß so etwas: "Großkontrolle") im ganzen Stadtgebiet. Schwarzfahrer – das sind drei Prozent aller Kunden – bereiten dem HVV jährlich immerhin 20 Millionen Euro Verlust.

Juristisch gesehen gilt Schwarzfahren nicht als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat. 8731 sogenannter Beförderungserschleichungen gab es 2015 laut Hamburger Kriminalstatistik. "Wenn Bußgelder nicht gezahlt werden, stellen die Verkehrsunternehmen Strafanträge, wenn Schwarzfahrer ihren Ausweis nicht zeigen wollen, müssen die Kollegen anrücken", sagt Polizeisprecherin Heike Uhde. Fragt sich, wieso man sich den ganzen Ärger macht und auf Kontrollen und nicht auf Drehkreuze in den Bahnstationen setzt. Die erschweren Schwarzfahrern den Zutritt zum Gleis, Metropolen wie New York oder Paris machen’s vor. "Das wäre ein finanzieller Kraftakt", sagt HVV-Sprecher Rainer Vohl, "der Platz in den über 100 Haltestellen ist begrenzt, sie müssten alle umgebaut werden." Fragt sich noch eins: Welchen Sinn machen angekündigte Großkontrollen überhaupt? "Wir wollen gar nicht möglichst viele Bußgelder verhängen, sondern über die Medien Aufmerksamkeit erregen", sagt Rainer Vohl. "So werben wir für unser Anliegen: Leute, kauft euch eine Fahrkarte!" Wir hoffen, Sie haben das jetzt verstanden.

Integration auf Youtube

Wie ticken Syrer, wie Deutsche? Drei junge Syrer, die selbst als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, wollen Vorurteile abbauen – mit YouTube-Videos. Auf ihrem Kanal greifen sie kulturelle Unterschiede humorvoll auf: Wann duzt man sich, wann siezt man? Wann darf man ein Mädchen seine "Freundin" nennen – ohne eine Ohrfeige zu kassieren? Der 19-jährige Allaa Faham besucht das Studienkolleg in Hamburg. Er hat uns erzählt, was ihn und seine Freunde zu den Videos bewegt hat.

Elbvertiefung: In Ihren Videos geht es um typische Alltagssituationen und Missverständnisse, die Ausländer und Deutsche miteinander erleben. Wie kommen Sie auf die Themen?

Allaa Faham: Anfangs haben wir Videos zur deutschen Sprache gedreht, heute geht es mehr um Lifestyle und Kultur. Viele der Situationen haben wir selbst erlebt. In einem unserer Videos geht es darum, wie es ist, als Flüchtling zur Bank zu gehen und dort nichts zu verstehen: Ich schätze, das ist eine Situation, die 99 Prozent aller Ausländer erlebt haben.

EV: Auf Facebook und YouTube folgen Ihnen rund 80.000 Menschen. Sie treffen einen Nerv. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Allaa Faham: Wir haben gemerkt, dass es eine Kluft zwischen Syrern und Arabern und Deutschen gibt. Wir wollen vermitteln und aufklären, um diese Lücke zu schließen. Wenn man in Parallelgesellschaften lebt, ist Integration schwierig.

EV: Und die Videos können bei der Integration helfen?

Allaa Faham: Wir wollen Vorurteile abbauen – auf beiden Seiten. Darum haben wir auch Videos gemeinsam mit einer Deutschen gemacht, in denen auch sie Fragen beantwortet. In den Kommentaren unter den Videos tauschen sich die User aus, diskutieren miteinander. Das finden wir sehr gut.

EV: Welche Reaktionen bekommen Sie selber?

Allaa Faham: Viele Menschen schreiben uns, dass die Videos ihnen helfen, dass es gut ist, was wir tun. Auch mir hat das Projekt geholfen: Mein Deutsch ist viel besser geworden.

Sterben die Hamburger Clubs?

Das war’s. Vor einer Woche hat der Musikclub Hasenschaukel endgültig dichtgemacht. Im Interview mit der "FAZ" sagte Betreiber Tanju Boerue, unter anderem hätten sinkende Einnahmen zur Schließung geführt. Wenn sich selbst legendäre Musikkneipen nicht mehr halten können – heißt das, die Hamburger Clubs sterben langsam aus? Davon sei keine Rede, "wir haben in Hamburg immer noch die größte Clubdichte Deutschlands", sagt Thore Debor, Geschäftsführer des Clubkombinats, der Verbands der Clubbetreiber, Veranstalter und Agenturen in Hamburg. Eine brancheninterne Untersuchung habe jüngst sogar ergeben, dass die Clublandschaft in den letzten beiden Jahren um sieben Musikbühnen wuchs. Trotzdem spricht Debor von einer prekären Lage: Das Ausgehverhalten der jungen Leute habe sich verändert. Netflix auf dem Sofa statt Party? Von wegen: "Jugendliche und Studenten cornern heute lieber mit günstigem Bier vom Kiosk, anstatt Eintritte zu bezahlen und Getränke an der Bar zu kaufen." Cornern ist, wonach es sich anhört: Man steht draußen an einer Ecke, die Flasche in der Hand, und quatscht; mehr Details bei den Kollegen von ZEIT ONLINE. Sparen beim Ausgehen – Debor führt das auf die steigenden Mieten zurück. Unter denen hätten die Clubs auch zu leiden. Und jetzt kommt noch das Sommerloch. Wer da am Markt bestehen will, muss umdenken können. Clubs wie das Knust im Schanzenviertel veranstalten zur Fußball-EM Public-Viewing-Abende. Und der Technoclub Turtur im Wilhelmsburger Reiherstiegviertel – wird von Juni bis September einfach zur Pizzeria.

Mittagstisch

   

Englisches in Blankenese

   

Mit dem Wagen sind es von Hamburg nach London fast 1000 Kilometer. Wem das für einen kulinarischen Ausflug zu weit ist, der könnte nach Blankenese fahren und bei Lühmanns Teestube haltmachen. Denn auch hier findet man feine englische Leckereien wie mit Gouda überbackene Toasts (8,50 bis 9,50) und herrliche Pies, wie den mit Käse, Champignons und Blattgemüse (für 12,50 Euro) – beides mit knackiger Salatbeilage. Traditionell über den Teehandel mit England stark verbunden, hat das Ehepaar Lühmann aus seiner Teestube ein Restaurant mit einer von englischen Gerichten inspirierten Karte geschaffen. Dort findet sich natürlich auch eine große Auswahl an Tee sowie frisch gebackene Scones mit Clotted Cream und Marmelade, die man in gemütlicher Atmosphäre zu sich nehmen kann. Und wer zu Mittag Lust auf ein Stück Kuchen hat – eine ordentliche Mittagskarte gibt es nicht –, der muss nicht befürchten, hungrig zu bleiben, denn die Stücke sind großzügig geschnitten und getreu dem Motto "mit Liebe, guter Butter und Sahne" hergestellt.

Blankenese, Blankeneser Landstraße 29, 9–23 Uhr


Elisabeth Knoblauch

 

Was geht

Theater: Heute fällt der letzte Vorhang für Karin Henkels Inszenierung von "John Gabriel Borkman": Ein Meisterwerk von Henrik Ibsen über einen bankrotten Bankdirektor.
Schauspielhaus,
Kirchenallee 39, 20 Uhr

Basteln: How Matsch? Kostet nix! Bringt aber viel Spaß: "Riesen-Lehmskulpturen bauen in Wilhelmsburg" für Kinder und Teenies. Na gut, Eltern dürfen vielleicht auch mal ran, wenn die Kinder noch in der Schule sind ...
S-Bahn Wilhelmsburg,9.30 bis 17 Uhr

Vorlesung: Achtung, Geistesblitze! "Ist das Klima überhaupt vorhersagbar?" Die Antwort hat Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.
Uni Hamburg, Geomatikum,Bundesstraße 55, Hörsaal H5, 18.15 Uhr

Hamburger Schnack

   

Zwei Damen unterhalten sich im Café. Die ältere Dame zur Freundin: "Weißt du, ich habe da einen älteren Mann kennengelernt, wirklich sehr nett! Aber das ist wohl nur so etwas Platonisches, wie man so sagt." Fragt die Freundin: "Platonisch? Was ist denn das?" Die ältere Dame: "Das weiß ich auch nicht so genau, ich hab mich aber vorsichtshalber mal überall gewaschen."

Gehört von Jens Zipelius

 


Meine Stadt

Ganz egal, ob man sich nur während der großen Meisterschaften für Fußball interessiert oder nicht: Gemeinsam über Tore zu jubeln macht doch mehr Spaß, als ein Spiel allein vorm Fernseher zu verfolgen, oder? Das dachten sich auch die Initiatoren des "Welcome Dinner", die normalerweise Hamburger und Flüchtlinge zu gemeinsamen Abendessen zusammenbringen und diese Idee zur Fußball-EM nun leicht abwandeln und Hamburger dazu aufrufen, Flüchtlinge zum gemeinsamen Fußballgucken einzuladen. Das ehrenamtliche Projekt ist unkommerziell und soll Geflüchteten dabei helfen, Kontakte in der Stadt zu knüpfen. "Sport verbindet" ebenauch hier.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihr

Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.