Bamba faltet die Hände im Schoß, wählt seine Worte mit Bedacht. "Viele Familien, die zu uns kommen, möchten ihren Kindern die Kultur ihrer Herkunftsländer vermitteln. Wir zeigen ihnen aber auch, dass sie ein Teil der deutschen Gesellschaft sind, Rechte und Pflichten in diesem Land haben. Wir sind die Schnittstelle", sagt er. Die Gemeinde veranstalte Computerkurse und spreche mit Jugendlichen über Hassprediger, die ihre Botschaft im Internet verbreiteten. "Junge Menschen, die sich dem radikalen Islam zuwenden, haben oft Probleme mit ihrer eigenen Identität oder nie gelernt, mit den Problemen umzugehen, die ihnen hier begegnen", sagt Bamba. Damit sie sich integrieren könnten, müssten sie sich selbst kennenlernen, ihre Identität und Herkunft. Dabei wolle er ihnen helfen.

Ein paar Straßen weiter, in einem Keller am Anfang der Langen Reihe, ist das Freitagsgebet bereits vorbei: Mondher Ben Halima, der Vorsitzende der Muhajirin-Gemeinde, ist mitten in den Vorbereitungen für das Ramadan-Fest. Es wird zum vierten Mal in Pavillons gefeiert, die auf einem Platz vor dem Gebetshaus stehen. Ein Versuch, mit Passanten ins Gespräch zu kommen. "Unsere Räume sehen nicht sehr einladend aus, darum gehen wir lieber nach draußen", sagt Ben Halima.

Die Muhajirin-Moschee ist in einem ehemaligen Teppichlager untergebracht, nebenan ein Nachtclub. Auch hier ist der Boden mit orientalischem Teppich bedeckt, an den Wänden hängen bunte Gemälde und gerahmte Gebetsverse. Die Decken sind niedrig, es müffelt, Heizungsrohre hängen aus der Decke. Ben Halima wünscht sich ein großes Gemeindezentrum, auch, um sich mit anderen Religionen auszutauschen. In dem momentanen Gebäude sei das schwierig. "Passanten und Anwohner trauen sich nicht herein und wir schämen uns für die Räume, wenn wir Besucher empfangen", sagt er. Halima glaubt, Gebetshäuser wie seines trügen dazu bei, dass Muslime in Hamburg so skeptisch bis ablehnend betrachtet würden. "Wenn bärtige Männer in irgendwelchen Kellern verschwinden, werden erst recht Vorurteile und Ängste geschürt", sagt er.

Vernetzung mit Stadt und Wohlfahrtsverbänden ist gut

Hamburg sei zwar weltoffen, Alltagsrassismus und Anfeindungen seien hier aber an der Tagesordnung, erzählt Ben Halima. "Kopftuchtragende Mädchen werden in der Bahn bespuckt, auf den Schulhöfen werden sie von anderen Kindern abfällig Flüchtling oder Terroristin genannt." Wenn irgendwo auf der Welt ein terroristischer Anschlag stattgefunden habe, merke er durch Blicke und Sprüche auf der Straße sofort, wie die "Stimmung kippt". "Wir Erwachsenen können besser damit umgehen – das Selbstwertgefühl der Kinder wieder zu stärken, ist schwer", sagt Ben Halima. In Gesprächskreisen und Workshops reden ehrenamtliche Mitarbeiter der Gemeinde deshalb mit Kindern und Jugendlichen über rassistische Vorfälle, bald soll es ein Jugendcamp geben. "Wir wollen verhindern, dass sie Hass entwickeln. Einige junge Muslime schaffen das nicht, die geraten dann auf die kriminelle oder radikale Schiene", sagt Ben Halima.

Zurück zum Steindamm, genauer gesagt in eine Seitenstraße: Hier befindet sich die Al-Nour-Moschee, Hamburgs größtes muslimisches Gotteshaus. Um die 2.500 Gläubige haben an diesem Freitag wieder mal hier gebetet, in zwei Schichten. Die Al-Nour-Moschee liegt in einer Tiefgarage. Dünne Vorhänge grenzen Gebets- und Schulungsräume voneinander ab, am Eingang fünf Wasserhähne, ein paar Toiletten. Eine Beengtheit, die besonders im vergangenen Sommer zum Problem wurde. Damals fanden gleichzeitig mehr als hundert Flüchtlinge vorübergehend Unterschlupf in der Moschee.

"Es war ein echter Kraftakt, all die Menschen hier zu versorgen", sagt Abdin. Bis heute ist die Al-Nour-Moschee eine wichtige Anlaufstelle für Geflohene. "Wir machen Seelsorge, helfen bei Behördengängen, sprechen über das Einleben in der deutschen Gesellschaft", erzählt Albin. Die Vernetzung mit der Stadt und Wohlfahrtsverbänden funktioniere gut.

Die Al-Nour-Moschee hat geschafft, wovon viele muslimische Gemeinden träumen: Sie zieht bald in ein neues Gebäude um. Sie hat von einem Investor ein Gebäude im Stadtteil Horn gekauft, ausgerechnet eine Kirche. Seit zehn Jahre steht sie leer, nun wird sie wiederbelebt, aber eben durch eine andere Religion. "Dass eine Kirche zur Moschee wird, muss ein Einzelfall bleiben", sagt der Gemeindevorsitzende Daniel Abdin. "Das ist eine heikle Symbolik, wir kennen die Ängste vor der Islamisierung."