Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

wir können nicht genau sagen, ob der Sommer jetzt noch kommt, aber es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass da noch etwas passieren könnte. Immerhin rief schon vor ein paar Wochen unser ZEIT:Magazin zur bundesweiten Abstimmung darüber auf, welche Eisdielen Deutschlands beste seien. Wir wissen natürlich, dass Hamburg ein Sonderfall ist: Hier holt man sich Eis, auch wenn es kalt ist oder der Regen vom Himmel trommelt. (Sonst müsste man vielleicht bis nächstes Jahr warten.) Die Vorlieben der Hamburger sind also andere als die der Münchner oder Bielefelder – Grund genug, Sie noch mal kurz vor den Sommerferien separat zu fragen: Welches sind Hamburgs beste Eisdielen? Wo bekommt man das beste Eis, die frischeste Sahne, die knackigsten Waffeln, die leckersten Zutaten? Machen Sie mit bei unserer Umfrage: Unsere Mittagstischtester stellen dann die zehn besten Eisläden der Stadt vor. Und Sie können in Ihrer Lieblingseisdiele "Eis-Schlemmen für die ganze Familie" gewinnen. Hier geht es zur Umfrage. Wir hoffen, es hilft, wettermäßig.

Nicht geholfen hat mir gestern die Technik, weshalb mir eine falsche Tabelle angezeigt wurde, weswegen ich irrtümlicherweise gleich drei Teilnehmer unseres EM-Tippspiels auf den vierten Platz lobte und dazu noch versehentlich das Team Horst lebt! auf den dritten. Ein dickes Sorry an die Biggies, denen in Wahrheit Rang drei gebührt. Alle, die ich versehentlich belobigt habe, bekommen für den Schreck eine kleine Entschuldigung.

Und mit seiner letzten EM-Kolumne, die Sie unten lesen, möchte ich mich sehr bei unserem 11vertiefungs-Autor Johan Dehoust bedanken, der für uns die Fußballnacht zum Tag machte, sich auf Fanfesten herumtrieb und äußerst tapfer auch solche Kneipen aufsuchte, in denen er beim Jubeln klar in der Minderheit war, manchmal sogar sehr in der Minderheit...

Volksentscheid abgewendet

Der Volksentscheid zum Thema Flüchtlingsunterkünfte ist offenbar vom Tisch. Wie NDR und "Hamburger Abendblatt" übereinstimmend berichten, haben sich die Regierungsfraktionen SPD und Grüne mit der Volksinitiative "Hamburg für gute Integration" geeinigt. Gestern Abend wurde die Vereinbarung den Bürgerschaftsfraktionen vorgelegt. "Wir sind optimistisch, mit einem Vorschlag in die Fraktionssitzungen gehen zu können und am Ende auch ein Ergebnis zu erreichen", sagte SPD-Fraktionssprecher Claas Ricker am Montag vor der Abstimmung. Zustimmung zu einem Kompromiss könnte dem Senat einigen Ärger ersparen – es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass Volkes Stimme seine Pläne durchkreuzt. Den Berichten zufolge sind die städtischen Unterhändler Andreas Dressel (SPD) und Anjes Tjarks (Grüne) der Initiative vor allem bei der Größe von Flüchtlingsunterkünften entgegengekommen. Deren Forderung lautet: Nicht mehr als 300 Menschen pro Unterkunft. Welches Zugeständnis die Volksinitiative dafür gemacht hat, blieb bis Redaktionsschluss offen. Morgen in der Bürgerschaftssitzung sollen dann alle Fraktionen über den Kompromiss abstimmen. Erst dann ist endgültig klar, ob den Regierenden ein weiterer, möglicherweise traumatisierender Volksentscheid und der Stadt eine ressentimentbeladene Debatte erspart bleibt.

"Eine Frage der Höflichkeit"

Ein boykottierter Abiball, Schlagzeilen und eine Menge Misstrauen – all das hat ein Schüler der Kurt-Tucholsky-Schule mit einem einzigen unterlassenen Händedruck in Gang gesetzt. Knackpunkt: Der Schüler ist bekennender Muslim, und die Person, der er nicht die Hand schütteln wollte, war seine Lehrerin. Die Schulbehörde nimmt’s gelassen. Wir fragten Sprecher Peter Albrecht.

Elbvertiefung: Ein muslimischer Schüler weigert sich, seiner Lehrerin die Hand zu geben, und begründet das mit seiner Religion. Was sollte die Lehrerin, was sollte die Schule in so einem Fall tun?

Peter Albrecht: Aus Sicht der Schulbehörde ist so ein Handschlag in erster Linie eine Frage der Höflichkeit, und Höflichkeit lässt sich nicht erzwingen. Einen Schüler deshalb von der Abiturfeier auszuschließen, wie in diesem Fall gefordert wurde, wäre eine Sanktion, und die ließe sich mit mangelnder Höflichkeit nicht rechtfertigen.

EV: Viele sehen den verweigerten Handschlag als deutliches Zeichen, dass der Schüler seine Lehrerin eben nicht respektiert habe.

Albrecht: Es gab ja zwei Situationen: Einmal, im Nachgang einer Abiturprüfung, hat der Schüler den Handschlag verweigert. Bei der Abiturübergabe hat er seiner Schulleiterin, also einer anderen Frau, aber durchaus die Hand gegeben. Das erscheint zunächst einmal widersprüchlich – und da stellt sich die Frage, welche Gründe überhaupt hinter dem Verhalten des Schülers steckten.

EV: Keine religiösen Gründe also?

Albrecht: Wichtig ist, erst einmal herauszufinden, worum es geht. Handelt es sich um einen persönlichen Konflikt, geht es um die soziale Situation des Schülers, oder ist es tatsächlich ein Fall von religiösem Fanatismus? Erst wenn das geklärt ist, kann man auch angemessen darauf reagieren.

EV: Kommt es an Hamburger Schulen öfter zu solchen Vorfällen?

Albrecht: Uns hier ist kein weiterer Fall bekannt.

EV: Gibt es eine Maßgabe der Schulbehörde, wie mit solchen Fällen verfahren werden soll?

Albrecht: Nein. Die Schule muss natürlich sicherstellen, dass die Autorität von Lehrpersonen vorbehaltlos anerkannt und akzeptiert wird. Aber in diesem Fall geht es für die Schulbehörde zunächst um eine Frage der Höflichkeit. Das ist der Kernpunkt.

EV: Wie sollten Lehrer reagieren, die Ähnliches erlebt haben?

Albrecht: Zunächst einmal das Gespräch suchen und bei Bedarf eine Beratung in Anspruch nehmen. Dazu gibt es bei uns zum Beispiel die Beratungsstelle für interkulturelle Erziehung, es gibt Programme zur Gewaltprävention, in denen auch Schulpsychologen beraten, und es gibt Beratungslehrer an den Schulen.

Schadstoffe? Das wächst sich aus...

Die Kreuzfahrtmetropole Hamburg macht wieder von sich reden – diesmal bei den Passagieren der "Queen Mary 2". Jenseits der Gangway werden sie am kommenden Freitag nämlich nicht wie geplant die HafenCity vorfinden, sondern das weit weniger glamouröse Steinwerder. Sprich: Kräne, Container, Brachflächen. Die nächste gastronomische Lokalität ist "Odos Kaffeeklappe" am Reiherdamm. Aber immer noch besser, als kurz hinter der Elbphilharmonie auf Schiet zu laufen. Und zwar auf belastetem Schiet, genauer gesagt: Hafenschlick mit einem Kohlenwasserstoffgehalt, der den Modder zum Schadstoff macht. Davon gibt es in der HafenCity inzwischen so viel, dass es für die "Queen Mary 2" mit ihren an die 9,75 Metern Tiefgang kein Entrinnen gäbe. Die Hafenbehörde HPA gibt sich gelassen: Es gibt ja Shuttlebusse für die Cruise-Touristen, für alle Kreuzfahrtschiffe wird sich eine Lösung finden. Und das Schadstoffproblem? Das löst sich ganz von allein, meint HPA-Sprecher Christian Füldner. Zwar darf die HPA den Schlick nicht wie sonst in der Nordsee verklappen. Aber: "Wir wissen aus Erfahrung, dass sich der Belastungsgrad im Jahresverlauf verbessert. Dann, wenn die Umweltwerte wieder unterschritten werden, haben wir grünes Licht für die nächsten Schritte", erklärt der Sprecher. Zeit genug also, in Ruhe über den Bau eines vierten Kreuzfahrtterminals zu sinnieren – wenngleich die HPA darüber vorerst nichts sagen möchte. Klingt schließlich ein bisschen nach "Der Aschenbecher ist voll, wir brauchen ein neues Auto". Und man will sich ja nicht selbst in die Klemme manövrieren.

Syrischer Freitagspudding

Es war November letzten Jahres, als zwei junge Syrer die Küche von Valery Pearls Eltern kaperten. Seit Wochen hatte sich die Hamburger Dragqueen am Hauptbahnhof um ankommende Flüchtlinge gekümmert. Mit Salah und Amir erwuchs dabei eine Freundschaft, heute gehören sie zur Familie. Damals in der Küche wich bei den beiden jede Zurückhaltung, Salah und Amir kochten überschwänglich. Kurze Zeit später saß die Familie über ihren ersten Tellern mit Ful, einem arabischen Bohnengericht, tunkten Brotstückchen hinein, staunten über neuartige Gewürzkombinationen. "Die Stimmung war wie verwandelt, lebendig und herzlich", sagt Pearl. "Das war echte, ganz natürliche Integration." Die Dragqueen wollte das festhalten – und die Idee für ein Buch entstand. Jetzt gibt es "Kiezküche. Refugees Welcome" in ausgewählten Buchläden und dem Fanshop des FC St. Pauli: ein Buch mit Rezepten für afghanische Mantus, eritreischen Schmortopf oder syrischen Freitagspudding – alle stammen von Geflüchteten wie Salah und Amir; erzählt werden auch ihre Geschichten. Die Einnahmen gehen an die Kiezhelden, das soziale Projekt des FC St. Pauli, und werden an Flüchtlingsprojekte verteilt.

Familienkrise bei Adebars

Störche und Nachwuchs. Schwieriges Thema. So einfach, wie man lange dachte, ist es wohl nicht. Nicht, was Sie jetzt denken. Es geht hier um Adebars eigene Brut. Auch neue Zahlen des NABU belegen: Die Schlüpfrate bei den Hamburger Störchen ist drastisch gesunken, nur 43 Küken kamen 2016 auf die Welt, im Rekordjahr 2014 waren es noch 78 Jungtiere. Was ist da los? Ist es die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Störche sind bekanntlich in der Logistikbranche tätig – zu lange Fernreisen? Tatsächlich, sagt der NABU. Viele Störche harrten bis Mai in ihren Nestern aus, ohne dass ihre bessere Hälfte dorthin zurückgekehrt wäre. Angeblich gab’s Probleme unterwegs, Dürre in Afrika und so. Die Sprüche kennt man schon von den schleswig-holsteinischen Vettern. Manch heimgekehrter Pechvogel erwischte den Partner gar beim Seitensprung, was in einigen Fällen tödliche Eifersuchtsdramen zur Folge hatte. All das wussten Sie möglicherweise schon. Was Sie vielleicht noch nicht wussten: Wenigstens bei Rolf und Maria ist noch alles im Lot. Die beiden Vorzeigestörche des NABU haben schon im Frühjahr drei Küken großgezogen und frönen nun dem häuslichen Glück. Gut, dass es das noch gibt. Die Homestory gibt’s live hier.

Mittagstisch

Kokoscurry, im Knien serviert

Manchmal hat man mittags einfach keinen Nerv zum Schlangestehen, Tellerbalancieren, Tablettzurückbringen – und für Sitzbänke ohne Rückenlehne. Aber Lust auf etwas Leichtes, Scharfes, Thailändisches. Dann ist das Sala Thai eine gute Adresse. In diesem klassischen, aber frisch entstaubten Thai-Restaurant ("Wiedereröffnung" prangt noch an der Glasfront) wird man bedient, und notfalls geht das Personal vor den Gästen anmutig auf die Knie. In jenem Teil des Restaurants nämlich, der an einen der offenen Holzpavillons erinnert, Rastplätze und Treffpunkte für ein ganzes Dorf, die in Thailand "Sala" heißen. (Aha!) Hier im Restaurant ist der Sala praktischerweise mit Sitzkissen und niedrigen Tischen ausgestattet, und die Speisekarte des Restaurants mit Mittagsmenüs zwischen 9,50 (Kokoscurry mit Gemüse) und 13,50 Euro (gebratenes Entenfleisch mit Chili und Basilikum), jeweils inklusive Suppe und einer ergiebigen Schale Reis. Und die Schärfe? Ist auch nach dem Genuss jener Gerichte, die auf der Karte mit einer roten Chilischote gekennzeichnet sind, verflogen, noch ehe der Büromensch wieder sein Stehpult erreicht hat.

Sala Thai, Mitte, Brandsende 12; Mittagstisch Mo. bis Sa. von 11.30 bis 15 Uhr

Wolfgang Lechner

11vertiefung - Die EM-Kolumne von Johan Dehoust

Furchtbar müde war ich gestern. 51 Spiele und 108 Tore verschmolzen einen Tag nach der EM zu Gedankenbrei. Unterhaltsam war es trotzdem, dieses Turnier. Sicher, nicht immer dynamisch und filigran, aber dafür konnte ich gestern viel Verständnis aufbringen. Gewonnen hat am Ende eine Mannschaft, die ihre Kräfte gut eingeteilt hat. Dass hierzulande so viele zetern, die Portugiesen hätten den Titel nicht verdient, weil sie so defensiv und foul gewesen seien, halte ich für überheblich. Viel Spaß hat mir diese EM anfangs gemacht, weil ich "Wenn ich Klaus-Michael Kühne wäre" spielte. Kündigte sich Langeweile an, überlegte ich, welche Spieler der HSV-Investor mit seinen vielen Millionen nach Hamburg locken sollte. Ich habe dann aber doch schnell realisiert, dass dieses Gedankenspiel unangebracht war. Abgesehen von wenigen heraus stechenden Individualisten – für mich Paul Pogba, Antoine Griezmann, Gareth Bale und Cristiano Ronaldo – hat diese EM gezeigt, dass es gar nicht so sehr auf Einzelkönner ankommt. Erfolgversprechend und ja, auch attraktiv: Willensstärke und Disziplin. Ich wünsche mir für den HSV daher einen walisischen und einen isländischen Spieler, vollkommen egal welche. Und damit keine Missverständnisse entstehen: Doch, doch, ich habe auch an den FC St. Pauli gedacht. Wo, wenn nicht am Millerntor sollte Will Grigg beweisen, dass er on fire ist? Bis es hoffentlich so weit ist, wünsche ich aber erst mal eine erholsame fußballfreie Zeit.

© DIE ZEIT

Was geht

Konzert: Der "Traplord" rappt heute Abend im Bunker. A$ap Ferg präsentiert sein neues Album "Always Strive and Prosper". Uebel & Gefährlich, Feldstraße 66, 20 Uhr

Theater: Das Thalia Theater zeigt Kafka in einer überraschenden Inszenierung: "Das Schloss" handelt von Fremdenfeindlichkeit und Daseinsberechtigung. Leicht, lustig und mit herrlich grotesken Kostümen. Thalia Großes Haus, Alstertor, 19.30 Uhr

Kino: Scheint gut zu sein! Der Film "Junges Licht" schildert das Ruhrgebiet der sechziger Jahre aus der Sicht eines Arbeitersohns. Zu Gast ist Stephan Kampwirth. Abaton, Allende-Platz 3, 20.30 Uhr

Schnack

Hauptbahnhof Gleis 14, 8.45 Uhr, überfüllt vor Abfahrt des IC nach Bremen. Eine Mutter mit drei Kindern, eins auf dem Bauch, eins in der Karre, eins an der Hand, sucht Hilfe beim Bahnbeamten: Ob er ihr beim Einsteigen helfen könne. Fragt der Beamte: "Und wo is denn der Vatta dazu?""Nicht dabei", entgegnet die Frau. Sagt der Beamte: "Jo, der is aber doch verantwortlich für das ganze Dilemma!"

Gehört von Angela Lehnert

Meine Stadt

Was für eine nette, lakonische Art, auf ein Unglück zu reagieren © Foto: Frank Berend


Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.