Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

gestern näherten sich die Temperaturen der 30-Grad-Marke. Büros waren über Mittag stundenlang verwaist, an Alster und Elbe staksten für die Jahreszeit  doch noch recht bleiche Gestalten herum, die Sonnenbrille zum ersten Mal seit Wochen auf der Nase, den Blick gen Himmel gerichtet, auf den Lippen ein ungläubiges Lächeln. (Ab und zu platschte es, wenn jemand über die Uferkante tappte und ins Wasser fiel.)

Und wir schalten jetzt auch um auf Sommerprogramm. Statt dem "Mittagstisch" präsentieren wir Ihnen voll froher Hoffnung – Tatatataaa! – zwei Wochen lang Hamburgs 10 beste Eisläden, ausgewählt und gerankt von Ihnen, getestet von unserem unterzuckerten Mittagstisch-Team. Wir fangen mit Platz 10 an. Und wie versprochen: Unter den Fans jeder präsentierten Eisdiele verlosen wir eine große Eissause.

Und ab morgen wird Sie hier an meiner Stelle eine Zeit lang meine Kollegin Franziska Bulban begrüßen.

Verlängerung der Fahrradstraße am Alsterufer

Fahrradfreunde aufgepasst, an der Alster tut sich wieder was. Die Fahrradstraße am westlichen Alsterufer soll bis 2017 "durchgängig gemacht" werden, so die Verkehrsbehörde. Da müssten beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e. V. (ADFC) doch eigentlich die Korken knallen! Für Dirk Lau, den Vize-Vorsitzenden und Sprecher, ist das "eine gute Sache". Er sagt: "Wir begrüßen die Pläne des Senats sehr." Zugleich hebt er den mahnenden Zeigefinger (verbal): Wenn es wirklich ein Premium-Radweg werden solle, wovon ja alle sprechen, gehöre eben auch dazu, dass da der Autoverkehr ganz rausgehalten wird. Der Senat möge "Rückgrat beweisen". Ansonsten gäbe es wieder nur einen "billigen Kompromiss", so wie am oberen Teil der Alster, wo Autos und Busse – langsam, aber eben auf der Fahrradstraße – fahren dürfen. Sollte der Senat die Pläne umsetzen und die Straße autofrei halten: prima. Diejenigen, die gemütlich an der Alster radeln wollen, können das dann hoffentlich bald tun, ohne von rasenden Autos oder Bussen fast vom Fahrradsattel geschubst zu werden. Und was ist mit den anderen, den, sagen wir mal: kämpferischeren Radfahrern? "Ich erlebe immer nur Kampfautofahrer", so Lau. Ergänzt aber: Für Anlieger, Krankenwagen, Feuerwehr sollten natürlich auch die Fahrradstraßen zugänglich sein. "Das muss man ja immer dazu sagen für manche Betonköpfe."

Entlassungen? Schweigen bei Lufthansa Technik

Bei der Lufthansa Technik in Hamburg sollen möglicherweise 700 Stellen gestrichen werden, das verkündete das "Hamburger Abendblatt" gestern. Bei ver.di wird uns Gewerkschaftssekretär Frank Hartstein als Ansprechpartner empfohlen. "Wenn jemand Infos geben kann, dann er", heißt es in der Zentrale. Doch Hartstein scheint derzeit schwer beschäftigt zu sein, die Verhandlungen zwischen Lufthansa und Gewerkschaft laufen noch. Die Kollegen vom "Hamburger Abendblatt" hatten offensichtlich mehr Glück, ihnen hat Hartstein verkündet, dass es ebenfalls starke Lohnkürzungen geben werde. Bei der Unternehmenskommunikation von Lufthansa Technik ist man offensichtlich ebenfalls erschrocken – niemand will sich äußern. Für die Belegschaft aus dem Bereich Triebwerksüberholung, hier sollen die Stellen abgebaut werden, ist das mehr als unbefriedigend. Auch für die fliegenden Endkunden, die sich fragen, warum ausgerechnet da gespart werden soll, gibt es noch keine Erklärung. Ohne ein Ingenieursstudium abgeschlossen zu haben: "Triebwerksüberholung" klingt wichtig. Kann man darauf einfach so verzichten?

"Da spürt man den Leistungsdruck"

Gestern gab es Zeugnisse, früher hießen sie "Giftzettel". Wer Beratung braucht, kann seit Montag bei einem von 13 Regionalen Bildungs- und Beratungszentren (ReBBZ) auf einem Zeugnis-Nottelefon anrufen. Clemens von Lassaulx leitet das ReBBZ Nord. Mit einem Team aus Sozialpädagogen, Sonderpädagogen und Psychologen berät er im Auftrag der Behörde für Schule und Berufsbildung Schüler und Eltern – die Themen haben sich allerdings verändert.

Elbvertiefung: Wie läuft es dieses Jahr –  nehmen viele Ihre Beratung in Anspruch?

Clemens von Lassaulx: Es rufen mehr Eltern als Schüler an. Insgesamt gibt es aber nicht sehr viele Anfragen, es sind jedes Jahr etwa 20 Anrufe zur Zeugniszeit. Das Thema hat nicht mehr die Brisanz wie zu meiner Schulzeit. Dieses Nach-Hause-Kommen und Beichten-Müssen, ich bin nicht versetzt, das gibt es quasi nicht mehr. Da hat sich in den Schulen viel getan, Eltern und Schüler sind im Gespräch mit den Lehrern.

EV: Was treibt die Schüler um, die Sie anrufen?

Von Lassaulx: Aktuell liegen mir zwölf Anfragen zu Zeugnissen vor. Dreimal geht es um die Zulassung zur Oberstufe: Was mache ich, wenn ich die nicht geschafft habe? Da spürt man den Leistungsdruck. Wir beraten dann zum zweiten Bildungsweg oder anderen Möglichkeiten, sich weiter zu qualifizieren. Oft geht es auch um Formalfragen und Verwaltungsakte – dürfen die das, also die Schulen? Da gucken wir dann genau hin. Man kann auch gegen ein Zeugnis Widerspruch einlegen, das hat aber nahezu keinen Erfolg.

EV: Und was sagen Sie den Eltern?

Von Lassaulx: Es geht auch um Aufklärung. Ein Abitur an der Stadtteilschule ist genauso viel wert wie am Gymnasium. Wir haben ein Zentralabitur, und die Noten sind exakt vergleichbar. Bitter ist, dass Eltern entscheiden, ob die Kinder aufs Gymnasium oder die Stadtteilschule gehen. Wenn das Kind dann aus Leistungsgründen in der 6. Klasse das Gymnasium verlassen muss, ist das eine schmerzhafte Erfahrung. Es begreift das als Niederlage und ist demotiviert. So werden aus schlechten Gymnasiasten nicht unbedingt gute Stadtteilschüler.

Zugfahrt mit Nazis

Unglaubliches ist vor Wochen in einem Regionalzug der Deutschen Bahn geschehen. Am 16. April hält ein Regionalexpress auf dem Weg nach Lübeck mitten im Nirgendwo, zwischen Feldern und Äckern in der schleswig-holsteinischen Provinz. Irgendwann erfahren die Reisenden über Lautsprecher: Auf dem Gleis liegen brennende Reifen, vermutlich von Linksextremen deponiert. In der Bahn: Lisa Schmidt (Name von der Redaktion geändert), eine Kuratorin aus Berlin, mit ihrer Tochter. Und etwa 20 Neonazis. Sie sind auf dem Weg zu einer Kundgebung, die sie durch den Zwischenfall nicht pünktlich erreichen werden. In den nächsten anderthalb Stunden nehmen die schwarz gekleideten Rechtsradikalen, vermutlich Autonome Nationalisten, den Zug für sich ein. Sie halten Hetzreden und verbreiten eine beklemmende Stimmung. ZEIT ONLINE-Kollege Hauke Friederichs hat den Fall recherchiert und fragt, wieso die Bahnangestellten mit den Radikalen scherzen. Und warum niemand etwas gegen die rechten Parolen unternommen hat. Die ganze Geschichte lesen Sie hier

Parkschäden melden?

Sind Sie auch schon mal morgens zu Ihrem Auto gekommen, die Augen noch voller Schlaf, und zack begann der wahre Albtraum?! Eine dicke Beule in der Fahrertür! Und der Schuldige – weg! Oder haben Sie vielleicht mal beobachtet, wie jemand beim Ausparken gegen ein parkendes Auto kracht und einfach weiterfährt? Haben sich gefragt: Huch! Hat der wirklich... Und: Soll ich die Sache melden? Oder hat das nicht schon jemand anderes getan? Oder aber – ist das denunziatorisch und spießig? Fragen, die sich auch einer unserer Leser stellte (er möchte anonym bleiben).

Für die Polizei ist die Sache klar: Unfallflucht ist eine Straftat. Als Beobachter könne man die zuständige Dienststelle anrufen oder gleich die 110. "Da wird einem nicht der Kopf abgerissen", sagt Polizeihauptkommissar Frank Schamuhn von der Verkehrsdirektion 22. Und als Geschädigter sollte man unbedingt Strafanzeige gegen unbekannt stellen. Denn es komme vor, dass Verursacher die Tat bei der Polizei melden, ohne zu wissen, wen sie verbeult haben, weil sie erst mal weggefahren sind. Manchmal fänden dann Verursacher und Geschädigter über die Datenbank zusammen – "Tatortrecherche" heißt das. Das Dilemma, dass man weder Weggucker noch Denunziant sein möchte, lösen einige Zeugen übrigens offensichtlich damit, dass sie einen Zettel an die Windschutzscheibe des beschädigten Wagens klemmen – allerdings ohne ihren Namen zu hinterlassen (sie möchten anonym bleiben). Irgendwie clever. Und feige.

Hamburgs beste Eisläden

Platz 10 – Dante Eis, Nienstedten  

Wie ist der Eisladen? Klein, er besteht fast ausschließlich aus der riesigen Eistheke. Wie lange muss man warten? Man braucht Geduld, die Schlange der Eishungrigen ist lang. Wie ist der Service? Supernett. Zwei junge Männer (Italiener?) handeln den Ansturm souverän und mit viel Charme ab. Was kostet eine Kugel? 1,20 Euro. Wie schmeckt das Eis? Lecker und eher konventionell. Es hat eine feste Konsistenz. Die Dante-Eisläden stellen in Hamburg seit 1977 traditionell italienisches Eis her – seit mehreren Jahren in einer Zentrale. Wie ist die Waffel? Lecker und frisch; es gibt verschiedene Waffeln. Wie groß ist die Auswahl? Groß. Man hat hier über 30 Sorten Eis. Gibt es ausgefallene/wechselnde Eissorten? Der verwöhnte Eisschlecker findet die Auswahl beeindruckend, aber nicht spektakulär. Wie ist das Angebot an Zutaten? Toll! Es gibt frische Sahne, verschiedene Soßen und fünf Streuselsorten. Warum ist diese Eisdiele besonders empfehlenswert? Wer gern große Auswahl und netten Service hat, ist hier richtig.

Dante Eis, Nienstedtener Str. 3C, 22609 Hamburg

Elisabeth Knoblauch


Was geht

Hafen für Kinder: Wie kommt das Schiff ins Trockendock? Wie ist der Elbtunnel entstanden? Was ist in den Container-Kisten – wissen Sie’s? Bei der anderthalbstündigen Hafenführung für Kinder von 6 bis 10 Jahren können auch die Eltern noch was lernen. Treffpunkt: Fußgängerbrücke vor der U-Bahn-Station Landungsbrücken, 14 Uhr

Ausstellung: Der Titel verrät, worum es geht: "Andersrum Portrait". Seit sechs Jahren porträtiert die Fotografin Alexa Seewald Menschen von hinten. Ihre Werke stellt sie seit heute im Rahmen der Pride Week vor den Deichtorhallen aus, open air. Besucher können sich selbst ablichten lassen und so Teil des Kunstprojekts werden. Vor den Deichtorhallen, Deichtorplatz, Eröffnung: 19 Uhr

Street Food Session: Jubiläum auf dem Spielbudenplatz, da wird einiges aufgetischt. Veganes Fast Food, türkische Teigwaren, Gourmet-Burger, BBQ, belgische Waffeln, Craft Beer und noch mehr Köstlichkeiten gibt’s heute beim 50. Straßenmampf auf St. Pauli. Hungrig hingehen! Spielbudenplatz, 17–23 Uhr 

Schnack

Am Nachbartisch im Vapiano an der Rothenbaumchaussee sitzt ein Paar um die 30. Sie guckt nach rechts, er nach links. Nach einer Weile schaut sie ihn an und sagt: "Früher hatten wir uns so viel zu sagen, und nu? Nix mehr!" Er rührt weiter in seinem kalten Kaffee herum und antwortet: "Vielleicht hätten wir es besser aufteilen sollen."

Gehört von Eva-Juliane Sell


Meine Stadt


Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

So, nun verabschiede ich mich in den Urlaub. Morgen lesen Sie hier an dieser Stelle etwas von Franziska Bulban. Ich wünsche Ihnen wunderbare Sommer- und Ferientage!

 

Ihr

Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.