© Franziska Bulban

Guten Morgen,

und Achtung, Trommelwirbel: Heute verkünden wir den ersten Platz des großen Eisdielenchecks. Die Gewinner der großen Eissausen, die unter den Abstimmenden verlost wurden, sind natürlich schon benachrichtigt. Ab morgen gibt es dann wieder den "Mittagstisch" – und unsere fleißigen Tester können ihre tauben Zungen an warmen Speisen auftauen!

Übrigens: Die Stadt Hamburg hat ihrem "Kommunikationsmuster" ein "Lifting" gegönnt. Das Kommunikationsmuster gibt es, damit Flyer, Broschüren und Kampagnen der Stadt Wiedererkennungswert haben – wenn meine ungeschulten Augen das richtig verstanden haben, besteht es vor allem aus dem blauen Schlussband mit dem roten Streifen darüber. Der rote Streifen soll übrigens einen Schiffsbug andeuten, man lernt nie aus. So weit also alles klar. Und ab und zu muss man dieses Kommunikationsmuster modernisieren. Auch gut. Warum man das "Lifting" nennt, ist hingegen ein Rätsel. Liftings sind schließlich teilweise schmerzhafte Eingriffe, die Teile der Bevölkerung jenseits von 35 Jahren entstellen. Vielleicht sollte man über das "Wording" lieber noch mal nachdenken ...

Giftcocktail in der Elbe

Mikroplastik belastet Wasser und Boden in der Elbe. Das haben Forscher der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) herausgefunden. Ein "brisanter Giftcocktail" lagere da im Wasser, so HAW-Forschungsleitererin Gesine Witt. Mikroplastik sind winzige Plastikteilchen, die im Wasser treibende Schadstoffe zu Klumpen binden. Diese werden von Fischen, Meeresfrüchten oder Würmern gefressen, landen so in der Nahrungskette und beim Menschen. "Eindeutig krebserregend", sagt Witt. Laut BUND entstehen die Plastikteilchen, wenn beispielsweise Tüten oder Joghurtbecher sich auflösen – etwa 20.000 Tonnen landen jährlich in Nord- und Ostsee. Der Verband warnt zudem vor Kosmetikprodukten mit Kunststoffen, etwa Peelings, Shampoos und Hautcremes. Damit die gar nicht erst im Einkaufswagen landen, bietet der Verband einen Einkaufsratgeber an.  Auch Silke Schwartau, Expertin für Lebensmittelgesundheit bei der Hamburger Verbraucherzentrale, rät zum bewussten Konsum – doch eine Lösung sei das nicht. "Es reicht nicht, die Verantwortung auf die Verbraucher abzuwälzen", sagt sie und fordert ein generelles Verbot. Laut den HAW-Forschern könnten indes auch feinere Filter in Kläranlagen helfen, um Mikroplastik aus dem Abwasser zu entfernen. Ob hier die städtische Umweltbehörde aktiv werden könnte? Laut Sprecher Jan Dube arbeitet diese im Rahmen einer "Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie" auch an der Reduzierung von Mikroplastik. Dazu würden nun die Forschungsergebnisse der HAW geprüft und etwaige Maßnahmen abgeleitet.

Aufenthaltsgenehmigung als Lockmittel

Die Hamburger Wirtschaftsförderung macht in Zukunft zielgerichtet Werbung für Hamburg als Standort – bei britischen und US-amerikanischen Unternehmen. Katharina Strenge wird "Projektmanagerin UK/USA", sie soll die Ansiedlung von Firmen hier erleichtern. "Wir schauen besonders auf die Amerikaner. Wollten diese früher in der EU Geschäfte machen, bauten sie ihre Europazentrale in der Regel in London auf", sagt Sprecher Andreas Köpke. Nach dem Brexit verliere London als europäischer Wirtschaftsstandort an Bedeutung – und Hamburg, durch "den Hafen und die vielen fremdsprachigen Fachkräfte für Unternehmer durchaus attraktiv", könne sich schon mal in Stellung bringen. Eine Reaktion auf den Brexit sei die neue Strategie allerdings nicht, so Köpke: "Eine Quellmarktstudie im letzten Jahr hat gezeigt, dass wir Großbritannien und die USA als Märkte nicht ausreichend bearbeitet haben, die Stelle war schon lange vor dem Votum geplant." Um Amerikaner und Briten zum Umzug an die Elbe zu bewegen, will die Wirtschaftsförderung etwa bei der Beschaffung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen helfen. "Wir fahren aber keine großen Kampagnen auf", sagt Köpke. "Wir werden jedenfalls nicht mit plakatierten Bussen durch London fahren, um für Hamburg zu werben." Schade eigentlich. Schließlich war die Brexit-Kampagne mit Bus-Bannern sehr erfolgreich. Und ein symbolträchtig inszenierter Olaf Scholz mit Queen-Winken und Damenhut würde mir zumindest sehr gefallen.

Immer Ärger mit der (Auto-)Bahn

Stau ist für alle eine Plage: für Fahrer, Wirtschaft und Umwelt. Im Hamburger Süden soll deshalb die A 26 Ost, eine Verbindung zwischen A 1 und A 7, Abhilfe schaffen. Der Nachteil: Sie würde durch Wilhelmsburg führen. Im Frühjahr wurde das Projekt in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen – das bedeutet, es soll als Infrastrukturprojekt vorangetrieben werden.

Doch einige Zahlen machen dabei stutzig: Wie eine Anfrage von Heike Sudmann, verkehrspolitische Sprecherin in der Bürgerschaftsfraktion der Linken, zeigt, wird mit verschiedenen Prognosen für das Verkehrsaufkommen gearbeitet.

Die neueren Prognosen vom Bund gehen dabei von weniger als halb so vielen Fahrzeugen aus, als der Hamburger Senat ursprünglich angenommen hatte. Sudmann schließt daraus: "Die Hafenquerspange ist überflüssig und schädlich." Jens Aßmann, stellvertretender Geschäftsführer der Handelskammer im Geschäftsbereich Infrastruktur, beurteilt die Lage naturgemäß anders. Die Datenlage sei zwar richtig zitiert, aber schon bei der jetzigen Belastung brauche es eigentlich die A 26 Ost, sagt er. Denn selbst wenn im Durchschnitt nicht so viele Lkw führen, gebe es Spitzenzeiten, in denen besonders viele Lkw zeitgleich zum Hafen und wieder weg müssten, weil die immer größeren Containerschiffe immer mehr Ladung auf einen Schwung brächten.

Wilhelmsburger Aktivisten überzeugt das allerdings nicht. Sie rechnen mit Abgasen und Lärm, zerstörter Natur und Schäden an ihren Häusern. Wäre angesichts solcher Bedenken Sudmanns Vorschlag, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu lenken, nicht bedenkenswert? "Damit hat sie natürlich recht. Hamburg hat bereits den größten Bahnhafen Europas, den wir gerne weiter ausbauen würden", sagt Aßmann. Moment! Besteht da etwa Einigkeit zwischen der Linken und der Handelskammer? "Aber da liegt ein Flaschenhals südlich von Hamburg. Da müsste dann auch die Infrastruktur anderer Bundesländer angepasst werden." Gut, das wäre wohl zu schön gewesen.

Zusammenhalt

Es waren scharfe Worte, die am Sonntag im Kleinen Michel, der katholischen Kirche neben dem "großen" Michel, fielen: "Meine Damen und Herren, unsere Religion wird missbraucht", sagte da Daniel Abdin, der Gemeindevorsitzende der Al-Nour-Moschee. Pfarrer Martin Löwenstein hatte ihn zu einem Grußwort eingeladen, um ein Zeichen zu setzen. Und Abdin nahm die Einladung an, in Zeiten, in denen viele an das Wort "Islam" nur noch in Verbindung mit "Terror" denken können. Das Attentat in der Normandie auf einen Priester habe ihm die Kehle zugeschnürt, sagt Abdin. Die Gräueltaten, die Terroristen überall auf der Welt verübten, seien der Beweis dafür, dass  "diese Psychopathen kein Gewissen und keine Religion haben". Der Plan der Terroristen sei es, unsere Gesellschaft zu spalten, Terror selbst habe keine Kultur, keine Religion und keine Nationalität. "Für uns Hamburger Muslime ist der Angriff auf einen Priester ein Angriff auf uns alle." Man kann es natürlich auch traurig finden, dass Abdin all diese Dinge noch einmal klarstellen muss. Aber in Zeiten wie diesen ist es tröstlich, diese deutliche, ruhige Ansprache zu sehen – und sei es nur im Video

Hamburgs beste Eisläden

Platz 1 – Eisliebe, Ottensen

Wie ist der Eisladen? Wäre da nicht die lange Schlange auf dem Bürgersteig, könnte man den kleinen Laden allerdings glatt übersehen. Unauffällig, trotzdem gemütlich. Leider gibt es keinen Außenbereich. Wie lange muss man warten? Ein wenig Zeit sollte man mitbringen. Wie ist der Service? Sehr herzlich und entspannt. Was kostet eine Kugel? 1,10 Euro. Wie schmeckt das Eis? Wundervoll cremig und geschmacksintensiv – in den Klassikern unschlagbar. Wie ist die Waffel? Könnte knuspriger sein. Wie groß ist die Auswahl? Ein Dutzend Sorten, direkt vor Ort produziert und sehr schmackhaft angerichtet. Gibt es ausgefallene Eissorten? Nichts einschüchternd Außergewöhnliches, aber Besonderheiten wie Pampelmuse kommen vor. Und es gibt Spaghettieis! Wie ist das Angebot an Zutaten? Eis, Soßen und Streusel. Warum ist die Eisdiele besonders empfehlenswert? Die Eisliebe in Ottensen ist auf dem 1. Platz in unserer Umfrage gelandet! Wir gratulieren Julia Tarazi, die mit dem Café in diesem Jahr in ihre erste Eissaison gestartet ist!

Eisliebe, Bei der Reitbahn 2, 22763 Hamburg, 12–21 Uhr geöffnet

Majbritt Doege

Was geht

Lesung: Vom Feuilleton wurde sie bejubelt, Literaturkritikerin Elke Heidenreich findet sie "unsentimental, witzig, dabei grundernst": Die Schriftstellerin Karen Köhler liest aus ihrem Erzählband "Wir haben Raketen geangelt".

BeLaMi
, Holtenklinker Str. 26, 20.30 Uhr

Marionettentheater: Der Gesang einer Nachtigall rührt den Kaiser von China zu Tränen, doch dann findet er mehr Gefallen an einem künstlichen goldenen Vogel – bis der Kaiser todkrank wird. Ein poetisches Märchen nach Hans Christian Andersen, für Kinder ab sechs Jahren.

Botanischer Garten Klein Flottbek, Ohnhorststraße 18, 18 Uhr

Ausstellung: Alexa Seewald fotografiert Menschen – von hinten. Auch ohne das Gesicht der Porträtierten zu zeigen, besticht jedes Bild durch Individualität: Ein Statement fürs Anderssein und für Akzeptanz. Das Fotoprojekt ist im Rahmen der Pride Week auf dem Platz vor den Deichtorhallen zu sehen.

Deichtorplatz, ganztägig

Hamburger Schnack

Neulich an der Osterstraße: Auf der einen Straßenseite läuft ein Jogger, an einer roten Ampel wartend, auf der Stelle. Ein circa dreijähriger Junge auf der anderen Seite zu seiner Mutter: "Mama, muss der Mann da drüben ganz dringend auf die Toilette?"

Gehört von Johannes Neumann

Meine Stadt

Vielleicht, wenn Sie diesen Newsletter immer bis gaaanz zum Schluss lesen, ist Ihnen gestern auch aufgefallen, dass uns die Technik einen kleinen Streich gespielt hat – noch unter meiner Unterschrift wurde Werbung für das EM-Tippspiel angezeigt. Und die EM ist bekanntermaßen vorbei. Auf Twitter schrieb uns prompt Martin Fuchs "Ich mag @DIEZEIT ja für ihre entschleunigten Texte – und heute auch für diese entschleunigte Werbung." Da sagen wir doch: Danke! Auch wenn ich natürlich glaube, dass unsere Texte und unsere Werbung enorm vorausschauend sind. Nach der EM ist schließlich vor der EM. Nur damit Sie gewarnt sind, falls wir mal zum Urknall-Tippspiel einladen.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihre

Franziska Bulban

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.