© Franziska Bulban

Guten Morgen,

geklaute Räder sind offenbar nicht nur für mich ein emotionales Thema. Von vielen Lesern habe ich Mails bekommen, die bis heute ihren "alten Gurken" hinterhertrauern, obwohl sie jetzt neuere haben, Räder, die teuer waren und mit mehr Gängen und mehr Hochglanz ausgestattet sind. Deshalb glaube ich, ein neues lukratives Geschäftsfeld für die Fahrradmafia gefunden zu haben: Fahrradentführung!

Ich hätte gezahlt! Und vielleicht die Polizei eingeschaltet...

Immerhin, selbst für Radlose wie mich gibt es Alternativen: Laufen. Segway fahren. Zu Hause bleiben. Na gut, jetzt ernsthaft: Die beste Alternative ist natürlich das StadtRad. Das nutzen immer mehr Hamburger, zeigt eine kleine Anfrage von SPD und Grünen. Allein im Juni gab es 10.000 Neuanmeldungen, im ersten Halbjahr 2016 wurden die Räder 1,5 Millionen Mal ausgeliehen – und das bei dem schlechten Sommer! Vielleicht hängt das ja mit den ganzen Diebstählen zusammen? Wollen immer mehr Ex-Radbesitzer kein eigenes mehr? Falls das so sein sollte, möchte ich die lieben neu angemeldeten StadtRadler aber hiermit gleich warnen: Bei gutem Wetter sieht die Sache anders aus. Wer da ein Stadtrad aus der Station holen will, muss früh aufstehen. Ich persönlich bleibe also doch meist radlos.

Kinder und Jugendliche in Obhut

Wenn es schnell und unbürokratisch gehen soll, wenn ein Kind in Gefahr ist oder ausgerissen, wenn geklärt werden muss, wie es jetzt weitergeht, dann können Jugendämter Kinder "in Obhut nehmen". Laut Statistischem Bundesamt wurde diese Maßnahme im vergangenen Jahr sehr viel öfter eingesetzt als im Jahr zuvor: 77.645 Kinder wurden 2015 in Obhut genommen, im Vorjahr waren es 48.059. Das Statistische Bundesamt führt das unter anderem auf die Migrationsbewegungen des vergangenen Jahres zurück: Über die Hälfte der in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Wie das Ganze in Hamburg aussieht? Das kommt ein bisschen darauf an, wen man fragt: Nach den Zahlen des Statistikamtes Nord wurden 1940 Kinder in Obhut genommen, knapp 100 weniger als im Jahr zuvor. Und auch die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge ist hier fast gleich geblieben. Bei der Hamburger Sozialbehörde (BASFI) zählt man hingegen 2569 unbegleitete minderjährige Ausländer in Obhut, im Jahr 2014 seien dagegen weniger als 1000 erfasst worden. Doch egal, welche Zahlen zugrunde gelegt werden: Seit Ende vergangenen Jahres bleiben deutlich weniger unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Hamburg. Und das nicht nur wegen Flüchtlingsabkommen mit der Türkei und der geschlossenen Balkanroute, sondern auch, weil seit dem 1.11.2015 auch Jugendliche nach dem Königsteiner Schlüssel auf Bundesländer verteilt werden.

Die Roboter kommen

Kennen Sie den Film Wall-E, den mit dem Roboter? Ohne Worte hat er Millionen Zuschauer zu Tränen gerührt. So ähnlich soll es den Passanten in Langenhorn, Ottensen und rund um die Grindel-Hochhäuser gehen, wenn sie bald auf den mobilen Zusteller des Paketlieferanten Hermes treffen. Sobald alle Genehmigungen da sind, geht es los, vermutlich noch diesen Monat. Das schwarz-weiße Gefährt auf sechs Rädern sieht aus wie eine Mischung aus R2-D2 und einem Einweckautomaten und kommt im Vergleich zu Lieferdrohnen "freundlich" daher, findet zumindest Ahti Heinla, Vorstandschef des estländischen Unternehmens Starship Technologies, das den Roboter entwickelt hat. Bei dem Test soll es jetzt vor allem um die Reaktion der Menschen auf das kleine Gefährt gehen, das sich selbstständig mit bis zu sechs Stundenkilometern auf Fußgängerwegen fortbewegt. Vor Hindernissen jeder Art soll der Roboter mit den Paketen im Bauch stoppen und diese umfahren. Zur Sicherheit bekommt aber jeder der drei technischen Mitarbeiter während des Pilotversuchs einen menschlichen Begleiter an die Seite. So ganz scheinen die Macher den Robotern dann doch noch nicht über den Weg zu trauen.

Hilfe für Hafen-Internet

Es naht Hilfe für das langsame Internet im Hafen: Superman ist zwar nicht im Anflug, dafür aber die Chefs der Telekom. Für den 15. September sei ein Spitzengespräch geplant, schreibt das "Abendblatt". Sie erinnern sich vielleicht, vor zwei Wochen hatten wir über das Problem berichtet. Im besten Fall gerade mal vier Prozent der Unternehmen können im Hafen auf eine schnelle Breitbandverbindung zurückgreifen. Das soll sich ändern. Dazu treffen sich Vertreter des Senats, der Wirtschaftsbehörde und der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority mit dem Telekom-Vorstand Reinhard Clemens (verantwortlich für T-Systems) und dem technischen Geschäftsführer Bruno Jacobfeuerborn. Gemeinsam wollen die Hamburger den Konzern dazu auffordern, das Leitungsnetz auszubauen. So weit, so gut, könnte man meinen. Michael Bruhns, Vorsitzender des Vereins der Hamburgischen Quartiersleute, kritisiert hingegen, dass es überhaupt so weit kommt: "Es ist blamabel, dass erst eine konzertierte Aktion stattfinden muss, damit das logistische Herz Hamburgs mit Breitbandanschlüssen auch für kleine und mittlere Betriebe ausgestattet wird", sagte er dem "Abendblatt". Er selbst habe für seine Lagereigesellschaft inzwischen eine Richtfunkantenne angeschafft, aber zu Hause sei das Internet immer noch schneller.

Geflüchtete feiern beim Christopher Street Day

Mit Regenbogenfahnen, bunten Federboas und schrillen Kostümen ziehen die Teilnehmer beim Christopher Street Day morgen durch die Innenstadt. Das Motto der politischen Parade lautet in diesem Jahr "Normal ist, wer Menschen achtet". Für den 25-jährigen Zain aus Syrien (Name geändert) ist die Parade das erste Mal, dass er sich offen als schwuler Mann zeigt. "Ich habe hier zum ersten Mal erfahren, was es heißt, frei zu sein. Ich habe mich selbst gefunden", sagt er der ZEIT:Hamburg-Autorin Sarah Levy. Andere Geflüchtete laufen in der selbst organisierten Gemeinschaft "Queer Refugees for Pride" mit. Zain hat zudem organisiert, dass fünf weitere homosexuelle Syrer aus allen Teilen Deutschlands, die sich in ihren Unterkünften nicht outen können, zum Christopher Street Day nach Hamburg kommen dürfen, um gemeinsam zu feiern. Auch die Stadt setzt im Rahmen der Pride Week ein Zeichen und reserviert spezielle Apartments für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge, die schwul, lesbisch, bi-, trans- und intersexuell sind. Das gab gestern die Sozialbehörde bekannt. Wie weit die Verfolgung auch hierzulande geht und wie die homosexuelle Community in Syrien funktioniert, berichtet Zain im Protokoll in der aktuellen ZEIT:Hamburg.

Weg mit dem Schmusegitter

Gestern haben sich die beiden Tiger im Tierpark Hagenbeck zum ersten Mal richtig getroffen – also ohne Stäbe zwischen sich. Romantik darf man allerdings nicht erwarten: Die fünf Jahre alte Tigerin Maruschka zeigte dem Neuling Yasha aus Schweden, wer die Herrin im Gehege ist. Sie sprang auf ihn zu, fauchte ihn an und haute dreimal mit der Pranke nach ihm. Und der Kater? Legte sich unterwürfig hin, rollte sich auf den Rücken und zeigte, dass sie von ihm nichts zu befürchten hat. Auch weitere Angriffe ließ er ruhig über sich ergehen. Zumindest Tierarzt Dr. Michael Flügger ist schon mal sehr zufrieden mit dem ersten Zusammentreffen. Es werde wohl auch noch einige Zeit dauern, bis sich die beiden Tiger richtig aneinander gewöhnt hätten und das morgendliche Aufeinandertreffen im Gehege ohne Knurren und Kratzen ablaufe. Dann steht auch dem nächsten Schritt nichts mehr im Wege: der Familienplanung. Dazu muss der erst 15 Monate alte Yasha allerdings erst einmal geschlechtsreif werden, was noch zwei Jahre dauern kann. Bis dahin bleibt noch viel Zeit, um sich zu beschnuppern – ob mit oder ohne Krallen.

Mittagstisch

Fleisch im Schmorverfahren

Kleiner Dämpfer vorweg: Bärenfleisch kann man hier nicht essen. In dem im März dieses Jahres unweit des Hauptbahnhofs eröffneten Bear Claw – Bärentatze – hat man sich auf Pulled Pork, Beef und Chicken spezialisiert. Dafür wird das aus norddeutschen Ställen stammende Fleisch in einem achtstündigen Schmorverfahren zart gegart und im Sandwich oder mit Salat (6 bis 9 Euro) serviert. Die Musik ist laut und cool, die Einrichtung dunkel und stylish. Auf der erhöhten Terrasse hat man einen guten Überblick über die Flaneure der Langen Reihe. Der hausgemachte Eistee, im üblichen Glas mit Strohhalm serviert, kann sich jedoch nicht entscheiden, ob er mehr nach Lemon oder Pfefferminze schmecken soll. Und das Beef, angerichtet in einem Sandwich mit Coleslaw und einem Blatt grünem Salat sowie einem ordentlichen Schwung Soße (für 9 Euro), schmeckt überraschend nichtssagend und lässt den rauchigen Geschmack des Barbecues vermissen. Einzig das getoastete Brot mit Körnern ist wirklich lecker. Allerdings sollte man es ganz schnell aufessen, bevor die Soße es auflöst.

St. Georg, Lange Reihe 1-5, täglich 11 bis 23 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Kinder: Beim Bilderbuchkino bekommen schon die Kleinsten große Augen, wenn "Mama Muh will rutschen" über die Leinwand flimmert. Für Tierfreunde ab vier Jahre.

Bücherhalle Wilhelmsburg, Vogelhüttendeich 45, 10.30 Uhr

Jubiläum: Happy Birthday! Heute startet die Sause für 20 Jahre Hafenklang mit einem Open-Air-Festival. Es gratulieren unter anderem Bernd Begemann, der Tante Renate und das Trouble Orchestra.

Schröderstift, Schröderstiftstraße 34, ab 15 Uhr

Ausstellung: Die Schau "Der Maler und Grafiker Hans Förster" zeigt anlässlich des 50. Todestages Zeichnungen und Drucke des Künstlers. Läuft noch bis 5. Februar 2017.

Altonaer Museum, Museumstraße 23, 10 bis 17 Uhr

Was kommt

Messe: Fish and Chips, Fudge und Whisky – beim British Flair gibt es alles zu kosten, was auf der Insel beliebt ist. Daneben sind zahlreiche Vorführungen zu sehen, Polo- und Cricketspiele genauso wie Gummistiefelweitwurf.

Hamburger Polo Club, Jenischstraße 26, Samstag, 11 bis 18 Uhr, Sonntag, 10 bis 18 Uhr

Party: Elektrofans tanzen sich beim "Butterland 2016" den ganzen Tag die Seele aus dem Leib, unter anderem mit Adana Twins und Jan Blomqvist. Und Open-Air-Kunstwerke anschauen kann man nebenbei auch noch.

MS Artville, Alte Schleuse 23, Sonntag, 14 bis22 Uhr

Rundgang: Wer sich zum Abschluss der Pride Week über  "Lesbisches Leben in Hamburg" informieren möchte, ist bei dieser Tour des Frauenbildungszentrums Denk(t)räume richtig. Gemeinsam werden lesbische Orte der Vergangenheit und Gegenwart besucht.

Treffpunkt: Hotel Hanseatin, Dragonerstall 11, Sonntag, 15 Uhr

Hamburger Schnack

Mutter und Tochter, vielleicht so neun Jahre alt, im Zug nach Bad Oldesloe. Vorschlag der Mutter: "Du kannst doch etwas malen..." Antwort der Tochter: "Aber Mama, ich bin doch jetzt nicht im Malmodus."

Gehört von Monika Starosta

Meine Stadt

Man scheint Musik über den ganzen Hafen zu hören. © Florian Schleinig

Übrigens: In der letzten Ausgabe ist uns ein Lapsus durchgegangen, der vielleicht dazu geführt hat, dass einige von Ihnen sich fast vor Lachen am Kaffee verschluckt haben. Da haben wir glatt geschrieben, ein Mann sei von einem Streifenwagen festgenommen worden. Das war natürlich nicht so gemeint. Obwohl, bei all den Meldungen über Paketroboter und selbstfahrende Autos kann man da ja nicht mehr ganz so sicher sein. Also: Polizisten nehmen fest und steuern, so weit wir wissen, die Polizeiwagen, die ihrerseits niemanden festnehmen geschweige denn sich selbst lenken. Puh.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihre

Franziska Bulban

 

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