© Kathrin Fromm

Guten Morgen,

es gibt Entscheidungen, vor denen will man lieber nicht stehen. Zum Beispiel vor der, die eine Frau in einem Bus der Linie 34 in Eppendorf  laut dem Hamburger Abendblatt treffen musste. 20.000 Euro lagen da plötzlich vor ihr, in einer bunten Plastiktüte, die Scheine säuberlich gerollt. Und nun? Wie sang einst die Hamburger Hip-Hop-Combo Fettes Brot in ihrem Hit "Jein": Engel links, Teufel rechts. Abgeben natürlich, vielleicht war das Geld als Geschenk gedacht oder für eine größere Anschaffung, und der Besitzer hat jetzt ein dickes Problem, würde der Engel sagen. Auf keinen Fall, ab in den Urlaub damit, würde der Teufel kontern, weiß doch keiner und steht ja auch kein Name und nichts dabei. Die Frau hat auf den Engel gehört und das Geld zur Polizei gebracht. Und wie hätten Sie entschieden?

Die Sozialsenatorin und der Unterhalt

Mama, Papa, Kind = Familie = gemeinsame Geldsorgen. Wer sich nach einer Trennung allerdings als alleinerziehendes Elternteil durchschlägt, steht nicht selten ohne finanzielle Hilfe des Ex-Partners da. Laut einem NDR-Bericht werden etwa 17.000 Kinder in Hamburg nur von einem Elternteil unterstützt, weil die andere Hälfte keinen Unterhalt überweist. In diesen Fällen springt die Stadt ein und zahlt einen Vorschuss. Aber in nur 13 Prozent der Fälle bekommt sie das ausgelegte Geld zurück. Zu oft haben die zum Unterhalt Verpflichteten wenig oder gar kein Geld. Im schlimmsten Fall sind die säumigen Eltern überhaupt nicht auffindbar. Die SPD will den Alleinerziehenden mehr zur Seite stehen und das Unterhaltsrecht reformieren. Helfen sollen stärkere Druckmittel. Neben der Lohnpfändung könnte, so SPD-Chef Sigmar Gabriel, in Zukunft auch der Führerschein bei ausbleibenden Zahlungen eingezogen werden. Ein Vorstoß, der auch in Hamburg Zuspruch findet. Sozialsenatorin Melanie Leonhard sprach sich gegenüber NDR 90,3 für eine stärkere Handhabe in Bezug auf die Rückforderung dieser Vorschüsse aus. Sie unterstützt auch die Forderung, dass der Unterhalt nicht nur für Kinder bis 12 Jahre, sondern bis 16 übernommen werde. Um dies möglich zu machen, fordert sie, müsse der Bund allerdings den Kommunen finanziell beistehen.

Senioren kämpfen um ihr Zentrum

Die Bergedorfer bekommen einen neuen Ort der Begegnung – das KörberHaus mit Beratungsstellen, Bücherhalle und einem modernen Theatersaal. Auch das "Haus im Park", eine Senioren-Begegnungsstätte der Körber-Stiftung, soll mit seinen Angeboten einziehen. Das tatsächliche "Haus im Park" muss dafür weichen und Platz für Wohnungen machen. Die Bürgerinitiative "Rettet das Haus im Park" wehrt sich gegen das Vorhaben. Wie und warum haben wir Johann Berz von der Initiative gefragt.

Elbvertiefung: Herr Berz, was ist in Bergedorf los?

Johann Berz: Hier soll eine Art Community-Center entstehen, das KörberHaus. Dagegen haben wir nichts. Aber das Bezirksamt und die Körber-Stiftung haben auch beschlossen, dass das "Haus im Park", ein sehr beliebtes Senioren-Begegnungszentrum, seinen Standort verlassen und ebenfalls in das KörberHaus einziehen soll. Wir haben eine Bürgerinitiative gegründet, damit es erhalten bleibt.

EV: Was ist so schlimm an dem Umzug?

Berz: Wir sehen die Notwendigkeit nicht. Zumal feststeht, dass bei dem Umzug die Physikalische Behandlung und das Bewegungsbad aufgegeben werden müssen. Diese Angebote sollen ersatzlos gestrichen werden.

EV: Wie möchte die Initiative die Umzugspläne vereiteln?

Berz: Wir wollen die Bergedorfer und die im Umland Wohnenden, die die Angebote im Haus nutzen, informieren. Heute und morgen stehen wir dafür mit einem Info-Stand in der Fußgängerzone auf dem Bergedorfer Markt. Denn viele Bürger wissen noch immer nicht, was geplant ist. Außerdem sammeln wir Unterschriften für den Erhalt. Etwa 3000 haben wir bereits zusammen.

EV: Was erhoffen Sie sich davon?

Berz: Wir wollen die Unterschriftensammlung dem Bezirksamtsleiter Arne Dornquast übergeben und damit unseren Protest gegen das Vorhaben ausdrücken. Die Bürgerinitiative setzt sich mit der Unterstützung vieler Mitbürger dafür ein, dass der Beschluss des Bezirksamts und der Körber-Stiftung, das Haus im Park aufzugeben, so nicht umgesetzt wird.

Schlägerei statt Spiel

Es gibt Sportarten, in denen Fäuste zum Einsatz kommen und Fußtritte Punkte bringen, und es gibt Sportarten, in denen das zu Spielsperren und Strafzahlungen führt. Fußball gehört eigentlich dazu. Trotzdem kam es am Dienstagabend beim Holsten-Pokalduell zu einer Massenschlägerei auf dem Platz. Der Schiedsrichter hatte das Spiel SC Poppenbüttel II gegen Germania Schnelsen II nach fünf (!) Platzverweisen abgebrochen. Bereits zuvor beleidigte ein 42-jähriger Zuschauer Spieler und Fans. Nach dem Abpfiff soll er einen Regenschirm in Richtung eines Betreuers der Heimmannschaft geschleudert haben – mit der Spitze voran. Die Situation eskalierte. Etwa 30 Spieler und Fans gingen aufeinander los, acht Streifenwagen rückten an. Immer wieder kommt es auf Hamburger Fußballplätzen zu handfesten Auseinandersetzungen. Bereits zum Start der Saison berichtete ZEIT:Hamburg-Kollege Sebastian Kempkens unter der Überschrift "Ganz schlechte Karten" von ständig brutaler werdenden Ausschreitungen im Amateurfußball. Gerade für die Unparteiischen werde es auf den Sportplätzen immer unangenehmer, in einem Hilferuf bemängelten sie bereits vor Monaten: "Der Respekt ist vollkommen verloren gegangen."

Kneipentalk wird 100

Alle – na gut, fast alle – mit Rang und Namen saßen schon mit ihr an der Theke des Schellfischpostens. Axel Prahl schnackte über weinende Männer und seinen Körperumfang, Rocko Schamoni erklärte, "warum, das Klauen mit großen Händen leichter ist". Wenn Ina Müller zum Bier in die Hafenkneipe lädt, plaudern die Gäste aus dem Nähkästchen und singen anschließend ein Ständchen. Denn gesungen wird, getrunken auch – immer. Das hat in der feucht-fröhlichen Late-Night-Show Tradition, genauso wie die musikalischen Einsätze des Shanty-Chors "Tampentrekker". Auch in der morgigen 100. Sendung vonInas Nacht bleibt die Entertainerin dem Konzept "Singen, Sabbeln, Saufen" treu. Anstoßen wird sie auf die Dreistelligkeit mit Schauspielerin Annette Frier, Musiker Jan Delay, dem Satiriker Lutz van der Horst und den Shanty-Rockern von Santiano. Was sonst noch passieren wird? Das weiß man bei Ina Müller nie so genau.

Mittagstisch

Ein Stück Italien in Hamburgs Süden

Mitten im Hamburger Süden liegt einer der besten Italiener der Stadt. Zu hoch gegriffen? Nö. Das Don Matteo im Wilhelmsburger Reiherstiegviertel erfüllt auf den ersten Blick so manches Italien-Klischee: rustikale Einrichtung, familiäres Ambiente, herzliche Bedienung. Sophia Loren lächelt von der Wand, weiß-rot karierte Deckchen liegen auf den Tischen. Hier gibt es keinen Shabby-Chic, keine komplizierten Ich-beleg-mir-meine-vegane-Pizza-selbst-Bestellvorgänge. Dafür besticht das von drei sizilianischen Schwestern betriebene Lokal durch Liebe zum Detail und einfach nur verdammt gutem Essen. Die Preise für den Mittagstisch bewegen sich zwischen 4,50 und 8,50 Euro, dafür kommen Spezialitäten wie mit Steinpilzen gefüllte Pasta, Kürbis-Tagliatelle oder die herrlich-knusprige "Pizza Don Matteo" mit hausgemachter Fenchelwurst und Antipasti-Gemüse auf den Teller. Und für geübte Tiefkühlpizza-Konsumenten weckt allein die hausgemachte Soße Erinnerungen: Ach ja, so schmecken Tomaten!

Winterhude, Peter-Marquard-Straße 13, Mittagstisch zwischen 6,70 Euro und 7,20 Euro, täglich von 10 bis 18 Uhr

Annika Lasarzik

Was geht

Straßenfest: Drei Bühnen für Livemusik, eine Partyzone und jede Menge Familienprogramm gibt es beim kleinen Fest am großen Teich, dem Außenmühlenfest. Zum 29. Mal wird das Fest im Harburger Stadtpark gefeiert. Ufer des Außenmühlenteichs, Außenmühlendamm 2, Beginn ist heute, 15 Uhr, Ende am Sonntagabend

Aussicht: Einen Blick von den Harburger Bergen bis zur Hamburger Innenstadt werfen Teilnehmer der öffentlichen Führung über den Energieberg Georgswerder. Energieberg Georgswerder, Fiskalische Straße 2, 15.30 Uhr

Party: Bei der Galeria Del Latino wird heute wie jeden Freitag im 4/4-Takt in die Nacht getanzt. Für den feinen Gaumen wird Rum aus der Dominikanischen Republik serviert. Bis 1 Uhr ist der Eintritt frei. Galerie Café 36, Große Freiheit 36, ab 22 Uhr

Was kommt

Festival: Wenn sich Turbostaat mit der Antilopen Gang trifft, Herrenmagazin Stimmung macht und das Reykjavíkprojekt sich die Ehre gibt, dann ist Wutzrock. Am Wochenende ist es am Eichbaumsee wieder so weit ­–  Musik umsonst und draußen. Das Line-Up gibt es hier. Eichbaumsee, Moorfleeter Deich, Freitag bis Sonntag

Kunstmarkt: Zwischen Kunstwerken, Holzbühnen und Hafenindustrie können Besucher beim MS Artville Burgfest Illustrationen, Siebdrucke und mehr erwerben. Außerdem Livemusik, Skate-Contest, Worskshops für Kinder, Theater, Plattenverkostung und vieles mehr. Dockville-Gelände, Reiherstieg Hauptdeich/Alte Schleuse, Samstag 13 bis 18 Uhr

Konzert: In Planten un Blomen gibt es am Sonntag ein Chanson-Highlight, Eckart Breitschuh trägt Lieder von Jacques Brel vor – mit eigenen deutschen Texten. Begleitet wird er von Greg Baker.
Musikpavillon, Planten un Blomen, Sonntag ab 15 Uhr

Kinderspaß: Mitmach-Theater und Kindermusik gibt es im Loki-Schmidt-Garten. Um 13 Uhr erzählt Sonja Ewald die Geschichte "Das Insektenhotel", ab 14.30 Uhr bietet Frida’s Papa bekannte Kinderlieder. Bitte Picknickdecke und Verpflegung mitbringen! Wilhelmsburger Inselpark, Am Inselpark, Sonntag ab 13 Uhr

Schnack

Im Metrobus 6, Richtung Borgweg, an einem Montagnachmittag. Ein rüstiger 88-Jähriger mit Strohhut und Spazierstock setzt sich neben eine 12-jährige Deern im Sommerkleid und philosophiert: "Hamburg ist schon eine komische Stadt: Ein Gänsemarkt ohne Gänse, ein Jungfernstieg ohne Jungfern und ein Pferdemarkt ohne Pferde – dann versuch mal im Borgweg, dass Dir da einer was borgt!" Sie erwidert grinsend: "Stimmt!"

Gehört von Stefan Blödorn

Meine Stadt

»Man beachte die gerechte Aufteilung« © Foto: Astrid Schupp

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihre

Kathrin Fromm

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.