Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

früher war alles besser. Denken wir Deutschen. Im vergangenen Jahr waren erst 26 Prozent dieser Ansicht, nun sind es schon 41 Prozent, laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov.

Warum, das kann man sich in Zeiten von Kriegen, Terror und Flüchtlingskrise eigentlich auch selber zusammenreimen. Wann genau es aber besser war, das steht dank dieser Studie nun auch fest: in den 80er Jahren. Im Jahrzehnt von Tschernobyl und Kaltem Krieg? Nein, da gab es doch noch viel mehr, sagte der dpa dazu Zukunftsforscher Horst Opaschowski, "es war ein Goldenes Jahrzehnt des Wohlstandslebens in Deutschland. Den Menschen ging es gut und immer besser." Und mit dem Fall der Mauer habe im Land "geradezu Hoch-Stimmung" geherrscht.

Wenig verwunderlich dagegen: Laut YouGov-Umfrage blicken die Deutschen nun auch pessimistischer in die Zukunft. Die "German Angst" sei wieder da, erklärt Opaschowski: "Der demografische Wandel und die Überalterung der Bevölkerung in Deutschland lassen wenig Raum für Zukunftsoptimismus. Die Politik sagt immer nur, was gerade noch geht. Die Bürger aber wollen wissen, wohin es geht."

Nein, halt, doch, es kommt noch was Positives! Noch eine Studie. Die stammt von der Economist Intelligence Unit, die zur gleichnamigen Londoner Wirtschaftszeitung gehört. Das Institut bewertete 140 Städte weltweit nach ihrer Lebensqualität, Kriterien waren Stabilität/Innere Sicherheit, Gesundheitsfürsorge, Kultur und Umwelt, Bildung sowie Infrastruktur.

Und, halten Sie sich fest: Einzige deutsche Stadt in den Top Ten des Rankings ist nicht München, nicht Frankfurt (Berlin hatte ja sowieso keine Chance), sondern – genau – Hamburg

Und jetzt machen wir weiter.

Burka-Debatte

Darf man Frauen verbieten, sich in der Öffentlichkeit komplett zu verschleiern? Die Innenminister der Union berieten bei Redaktionsschluss noch. Wenn es aber danach ginge, was die Hamburger CDU zu NDR 90,3 sagte, hätte man das "Burka-Verbot" als Teil der "Berliner Erklärung" glatt schon gestern Abend verabschieden können. Wäre das denn auch ein einhelliger Akt der Befreiung für muslimische Frauen in Hamburg? "Es ist ein altes Phänomen, dass man das so sieht", sagt Ethnologie-Professorin Laila Prager, die an der Universität Hamburg zu religiöser Identität und der arabischen Welt forscht. "Aber ob das wirklich so ist, ist die Frage." Während viele Muslime die Vollverschleierung selbst für übertrieben hielten und es einige Frauen natürlich "als Glücksgefühl" empfänden, wenn sie den Nikab, also den Gesichtsschleier, nicht mehr tragen müssten, gebe es andererseits auch Frauen, befürchtet Prager, für die ein Verbot den gegenteiligen Effekt haben könnte. Nämlich den, dass sie gar nicht mehr aus dem Haus gingen, weil sie sich nicht unverschleiert zeigen wollten: Für Frauen, die ihn freiwillig trügen, warnt die Wissenschaftlerin, bedeute nicht der Schleier eine Einschränkung, sondern dessen Verbot.

Harley Days: Wer ist schuld?

Die Harley Days sind für viele Hamburger ein großes Ärgernis. Auch eine gesundheitliche Belastung? In diesem Jahr hat der Nabu mal genau nachgemessen. Ergebnis (wir berichteten): Der Lärmpegel der Motorradveranstaltung betrug 110 dB, die Messung der Feinstaubbelastung ergab einen Wert von 220.000 Partikeln/cm³. Experten finden das ziemlich happig. Und seit Wochen versucht der Nabu herauszufinden, wer eigentlich für die Genehmigung der Knatter-Veranstaltung und die Kontrolle der Lärm- und Luftbelastung zuständig ist. Weder die Innenbehörde, sagt Alexander Porschke, Vorsitzender des Nabu Hamburg, noch das Bezirksamt Mitte sähen sich in der Pflicht. Dies deckt sich mit unseren Recherchen. Beim Bezirksamt Mitte heißt es, man sei nur für "Teilgenehmigungen" zuständig, wie den Ausschank oder den Warenverkauf, aber nicht fürs große Ganze. "Jedoch scheint es eine offizielle Erlaubnis zu geben, dass auch die nächsten Jahre weiter zehntausend Biker durch die Stadt stinken und knattern dürfen", so Porschke. "Das konterkariert doch geradezu Bestrebungen nach mehr Lärmschutz und Luftreinheit." Etwas Licht ins Dunkel brachte dann die Wirtschaftsbehörde: Für die Veranstaltung der Harley Days brauche es überhaupt keine Genehmigung, sagt Sprecherin Susanne Meinecke, da sie auf dem Großmarkt stattfinde. Und der sei ein Privatgrundstück. Wer denn der Eigentümer sei? Na, die Stadt. Hm... 
Wie auch immer: Die Harley Days sollen bis 2020 weitergehen.

Politik am Sandstrand

Sie, wir (na ja, viele von uns) haben es so gewollt: Ende letzten Jahres entschieden die Hamburger, dass es 2024 keine Olympischen Spiele in Hamburg geben wird. Seitdem sei die Verwirrung bei den internationalen Sportverbänden groß, berichtet Hamburgs Innen- und Sportsenator Andy Grote: "Es gab eine riesige Verunsicherung: Gibt’s Hamburg noch? Macht Hamburg weiter? Wo ist Hamburg jetzt?" Um gegenzuhalten, ist Grote mit einer Delegation gerade für sechs Tage in Rio unterwegs. Ursprünglich wollte die hanseatische Abordnung hier für die Vorzüge von Hamburg als Olympia-Austragungsort trommeln. Das fällt ja nun flach. Trotzdem stehen zahlreiche Termine an, 27 Treffen soll Grote auf der Agenda haben, seine Mission: Klinken putzen, Hände schütteln, Flagge zeigen für Hamburg als Sportstandort. Das hat er auch beim sensationellen Finalspiel der Hamburger Beachvolleyballerinnen getan, und zwar ganz wörtlich: Grote saß auf der Zuschauertribüne. Voller Körpereinsatz also auch vonseiten der Politik. Wenn das mal keine gute Werbung für die nächste Olympia-Bewerbung ist...

Sommer mit 35 Grad – unter Null

Finden Sie auch, der Sommer sei zu nass, zu kalt, zu ungemütlich? "Coole Leute sehen das anders", schreibt liebreizend Kollegin Hanna Grabbe in der aktuellen Ausgabe der ZEIT:Hamburg. Den Beweis dafür bekommt sie mit einem Anruf: "Wie ist das Wetter bei Ihnen?" – "Recht gut, wir haben 35 Grad unter null, und der Himmel ist klar. Durch den Wind sind es allerdings gefühlte 44 Grad minus." Die Frau, die das so locker sagt, befindet sich in einem ganz speziellen Sommerdomizil. Linda Duncker, Ärztin aus Hamburg, leitet das Überwinterungsteam auf der Polarforschungsstation Neumayer III in der Antarktis. Hier lebt sie zusammen mit acht anderen Forschern, es gibt gemeinsames Essen und einen Putzplan wie in einer WG. Wie man am Südpol, 14.000 Kilometer von Hamburg entfernt, den Hamburger Sommer erlebt, wie man sich bei einer Windstärke von 72 Knoten fortbewegt, ohne weggeweht zu werden, und was Linda Duncker in ihrem Pinguinobservatorium beobachtet, das lesen Sie in der aktuellen ZEIT: Hamburg.

Hanse-Umweltpreis für Naturschutz-Projekte

Der Nabu hat wieder den Hanse-Umweltpreis ausgeschrieben. Noch bis zum 30.September kann sich jeder Hamburger mit einem Projekt zum Natur- oder Klimaschutz um Förderung bewerben. Teilnehmen können auch Vereine, Gruppen und Schulklassen, vergeben werden insgesamt 6000 Euro. Was für Projekte werden gefördert? Wir sprachen mit Ilka Bodmann, die seit fünf Jahren mit der Organisation betraut ist.

Elbvertiefung: Jedes Jahr bekommen Sie etwa 30 bis 40 Bewerbungen. Wie ist der aktuelle Stand?

Ilka Bodmann: Ein paar Bewerbungen haben wir schon bekommen, aber in der Regel kommen die meisten erst zwei Wochen vor Schluss. Es bewerben sich Schulen, Unternehmen, Privatleute, das ist breit gefächert. Spannend ist eine aktuelle Bewerbung von der Hochschule für angewandte Wissenschaften. Da arbeitet eine Studentin an einer nachhaltigen Jugendkollektion und verfolgt den Produktionsweg des gesamten Kleidungsstücks.

EV: Worauf kommt es Ihnen bei den Projekten an?

Bodmann: Es muss nicht immer der große Wurf sein, wir haben auch schon Leute ausgezeichnet, die Nistkästen aufgehängt haben. Im letzten Jahr haben zwei Guerilla-Gärtnerinnen aus Altona den 2. Platz belegt. Die hatten sich nachts auf ein vermülltes Grundstück geschlichen, dort aufgeräumt, den Boden umgegraben und daraus einen kleinen Garten gezaubert. Das sind Initiativen, die eine Wirkung auf die Nachbarschaft haben, mit Beispielcharakter.

EV: Gibt es Trends in Sachen Umwelt- und Naturschutz, die Sie bei den Einsendungen bemerken?

Bodmann: Ich habe den Eindruck, dass an den Grundschulen sehr viel passiert. Es gibt viele Lehrer, die Lust haben, Kindern beizubringen, wie Gemüse wächst, das wissen Kinder oft heute gar nicht mehr. Oder Schulen, die Bienenhaltung auf dem Schulgelände fördern, tolle Initiativen. Auch beim Klimaschutz gibt es immer mehr Projekte; Unternehmen versuchen, sich mit erneuerbarer Energie auseinanderzusetzen.

EV: Da fällt die Preisvergabe sicher oft schwer?

Bodmann: Das ist das Schwierigste überhaupt. In der Jury hat meistens jeder sein Lieblingsprojekt. Oft ist dann entscheidend, dass die Projekte nachhaltig sind, also auch nach dem Preis noch weiter Bestand haben.

Mittagstisch

Mittags auf der Koppel

Wer über die Lange Reihe in St. Georg spaziert, könnte das Café Koppel glatt übersehen: Ein wenig versteckt in einem Hinterhof gelegen, wirkt es wie eine kleine Oase im städtischen Trubel. Erster Eindruck: urgemütlich. Alte Holzmöbel wie aus dem Antiquitätenladen, der Tee wird in kleinen Kännchen aus Ton serviert, eine knarzende Holztreppe führt auf eine zweite Ebene, von wo aus sich die anderen Gäste in aller Ruhe beobachten lassen. Zu Mittag werden wechselnde warme Gerichte serviert – allesamt vegetarisch oder vegan. Und lecker. Für 6,80 Euro gibt’s mal Gemüse-Curry mit Tofu und Dhal, mal Kartoffel-Apfel-Gratin mit Petersilienpesto, mal Pancakes mit Preiselbeeren. Die eigentlichen Stars in der "Koppel" sind allerdings die hausgemachten Kuchen. Beim Anblick von "Birne-Schoko", "Pflaume-Frischkäse" oder "Mandel-Rhabarber" – ganz recht, der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt – könnte man das Mittagessen durchaus erst einmal aufschieben. Oder wagt etwa jemand zu behaupten, ein Dessert wäre keine vernünftige Mahlzeit?

Café Koppel, Lange Reihe 75/Koppel 66, Montag bis Sonntag von 10 bis 23 Uhr, Mittagstisch ab 12 Uhr

Annika Lasarzik

Was geht

Festival: Das MS Dockville bringt Wilhelmsburg zum Beben. Zu Bands wie Bastille, den Foals, Milky Chance oder Gloria wird das ganze Wochenende getanzt, gefeiert und gaaaaanz laut mitgesungen. Festivalgelände Wilhelmsburg, Schlengendeich 12, ab 15.30 Uhr

Messe: Eine ruhige Hand und eine Portion Kreativität sollte man mitbringen, alles Weitere gibt es bei der Perlenkunstmesse: Inspiration für eigene Schmuckkreationen, Workshops und funkelndes Bastelmaterial. Messehalle Schnelsen, Modering 1a, Freitag ab 13 Uhr, Samstag und Sonntag ab 10 Uhr

Film: Bestseller-Verfilmung mit Tiefgang: Beim Open-Air-Sommerkino wandert Devid Striesow als Hape Kerkeling den Jakobsweg und sucht sich selbst, Motto: "Ich bin dann mal weg". Alsterdorfer Markt, 21.15 Uhr

Was kommt

Sport: Drei Tage Ausnahmezustand auf Hamburgs Straßen mit der Radveranstaltung Cyclassics. Zum Rahmenprogramm gehört die Pasta-Party, das Special Olympics Battel und am Sonntag ab 6.45 Uhr startet dann das große Radrennen beim Alsterglacis/Kennedybrücke. Der Zieleinlauf des Eliterennens auf der Mönckebergstraße findet ab etwa 16.50 Uhr statt, mit anschließender Siegerehrung. Heute von 10.30 bis 19.30 Uhr können sich noch "Jedermann"-Teilnehmer am Gerhart-Hauptmann-Platz akkreditieren.

Picknick: Weiße Hemden, weiße Blusen, weiße Röcke, weiße Blumen, Hamburg sieht Weiß. Passend zur Kleidung der Teilnehmer tafelt man beim "Weißen Dinner" stilvoll an weiß gedeckten Tischen im Freien, unter anderem in Eimsbüttel, Winterhude, Ottensen und Neugraben. Wo genau steht hier, Samstag, 17 Uhr

Ausflug: Salopp im Galopp. Bei einer entspannten Fahrt mit dem Planwagen können Sie den Wilhelmsburger Inselpark erkunden und Wissenswertes über Park und Natur erfahren. 
Inselpark Wilhelmsburg, Kurt-Emmerich-Platz, Sonntag, 14 Uhr

Konzert: "Komm mit mir ins Abenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand". Seit mehr als 30 Jahren sammeln Pur Goldene Schallplatten, am Sonntag spielt die Band um Sänger Hartmut Engler auf der Freilichtbühne im Stadtpark. Ein Konzert mit Hit-Mix-Garantie.
Stadtpark, Saarlandstraße 71, Sonntag, 19 Uhr

Schnack

"In der S-Bahn, zwei Sicherheitsbeamte unterhalten sich: "Ey, haste mitgekriegt? Unser Vizekanzler hat Demonstranten den Mittelfinger gezeigt!" Der andere: "Ha ja, warum nicht? Das is Esperanto, das versteht jeder."

Gehört von Anne Bernard

Meine Stadt


Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende (machen Sie sich nichts aus dem Wetter. Denken Sie an  den Südpol!).  Am Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!


Ihr

Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.