Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

wie macht man Menschen gute Laune? Es gibt Trainer und Coaches, die sich nur damit beschäftigen. Es wurden schon Kitzelseminare veranstaltet (erst sich selbst kitzeln, dann andere), es kursieren Tipps zuhauf, bis zu dem, auch dann zu lächeln, wenn es nichts zu lächeln gibt, notfalls mithilfe von Wäscheklammern –, denn dann glaube der Körper, man lächle wirklich, das hebe die Laune, und dieses Gefühl sei stärker als der Schmerz der Wäscheklammern in den Mundwinkeln.

Und manchmal geht es auch ganz leicht und ganz nebenbei. Die Kommunikationsdesignerin Chris Campe machte da gleich zwei Entdeckungen. Zuerst fand sie in einer Schublade ihres Büros am Venusberg in der Neustadt große weiße Pappbuchstaben. Mit diesen Lettern klebte sie – nur aus einer Laune heraus – die Textzeile "Hands up, Baby, Hands up" aus dem Song der Band Ottawan (Sie wissen schon, "Give me your heart" und so weiter ...) – an ihr Büroschaufenster.

Und dann bemerkte sie zu ihrem Erstaunen, dass Passanten begannen, singend an ihrem Ladenbüro vorbeizulaufen.

Wie Campe unseren Kollegen von ze.tt berichtete, lässt sie sich seither pflichtschuldigst immer wieder neue Zeilen einfallen, von "All the leaves are brown and the sky is grey" bis hin zu "But the kid is not my son". Vor allem die Songs der sechziger bis achtziger Jahre brächten Vorbeigehende zum Trällern, erzählt sie. Und: "Ich vermeide es, Refrains und Liedtitel zu nehmen, weil es dann zu einfach ist." Denn gerade der Quiz-Charakter mache den Reiz aus.

Haben die Vorbeigehenden dann den richtigen Song gefunden, heben sich die Mundwinkel von ganz allein.

Tempo 30: Unterstützung für den Umweltsenator

Ein nächtliches Tempolimit von 30 Stundenkilometern auf wenigstens zehn Hamburger Hauptverkehrsstraßen, und das noch in diesem Jahr: Das wolle er einführen, kündigte Umweltsenator Jens Kerstan vor einiger Zeit an. Und erntete eine Menge Kritik, unter anderem von Wirtschafts- und Verkehrssenator Frank Horch (parteilos), der Handelskammer und aus den Reihen von CDU und FDP. So forderte beispielsweise FDP-Verkehrspolitiker Wieland Schinnenburg im "Hamburger Abendblatt", Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) müsse "die ideologischen Querschüsse" seines Senators Kerstan stoppen. Denn: "Schon das Gerede über Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen schadet dem Wirtschaftsstandort Hamburg." Eine Argumentation von anno dunnemals, sicher; dennoch: Lauter Applaus für Kerstans Forderung zur Reduzierung des Straßenlärms blieb aus. Gestern sprang ihm aber immerhin der Landesverband Nord des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) bei: Die positiven Auswirkungen von Tempo 30 seien wissenschaftlich erwiesen, und Kerstans Vorstoß sei "ein erster zaghafter Schritt in die richtige Richtung". – "Wir fordern als weitergehende Maßnahme die Einführung und konsequente Einhaltung von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in der Stadt", ließ der VCD Nord wissen. Und präzisierte: "Und zwar Tag und Nacht." Da wartet noch viel Arbeit auf Hamburgs Umweltsenator.

"Wir wissen darum und kümmern uns darum"

Der Jungfernstieg, der feine Boulevard im Herzen Hamburgs – ein Brennpunkt? Diesen Eindruck konnte in jüngerer Vergangenheit gewinnen, wer Meldungen über Gewalttaten und Polizeieinsätze auf dem Platz an der Binnenalster verfolgte. Offenbar sinkt das Risiko für unschöne Vorfälle nicht gerade, wenn folgende Faktoren gegeben sind: Wochenende, Schulferien und hochsommerliche Temperaturen. Heute und morgen wird es wieder heiß. Wir sprachen mit Polizeisprecher Timo Zill.

Elbvertiefung: Herr Zill, ein Hochsommer-Wochenende steht vor der Tür, Hunderte werden sich wieder am Jungfernstieg versammeln. Da könnte viel Arbeit auf die Polizei zukommen ...

Timo Zill: Darauf stellen wir uns ein und werden unser Einsatzkonzept der Lage anpassen. Wir haben einen Mix aus Maßnahmen, die wir anwenden. Vielleicht auch mit mehr Personal.

EV: Nennen Sie doch mal eine Zahl

Zill: Das tun wir vor Einsätzen nie.

EV: Aus welchen Maßnahmen setzt sich Ihr "Mix" zusammen?

Zill: Wir werden uniformierte Streifen und Zivilfahnder vor Ort haben, außerdem sogenannte Jugendschützer, die auf Jugendliche direkt zugehen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht. Auch Diensthunde und Pferde werden zum Einsatz kommen. Bereitschaftspolizei und Verkehrsdirektion, die ein Auge auf Raser haben wird, zählen ebenfalls zu unserem Konzept.

EV: Das ist ein gehöriger Aufwand. Zuletzt häuften sich die Einsätze am Jungfernstieg. Was sind die Gründe?

Zill: Wo junge Leute zusammenkommen und Alkohol im Spiel ist, noch dazu im Sommer, können Aggressionen entstehen. Wir haben auch Fälle von Drogenmissbrauch festgestellt. Raser können ebenso dazu beitragen, dass sich das Aggressionspotenzial steigert. Wir wissen darum und kümmern uns darum. Das tun wir jeden Sommer. Wichtig ist für die Bevölkerung zu wissen, dass die Polizei dort tätig ist.

"Schauspieler des Jahres" spielt im Schauspielhaus

Edgar Selge ist für seine schauspielerische Leistung in dem Ein-Personen-Stück "Unterwerfung", das Anfang 2016 am Schauspielhaus uraufgeführt wurde, von Theaterkritikern zum "Schauspieler des Jahres" gewählt worden. In der Umfrage der Zeitschrift "Theater heute" erhielt der 68-Jährige für seine Darstellung in dem Stück nach Michel Houellebecqs Roman sieben von insgesamt 43 abgegebenen Stimmen. "Ich freue mich sehr über diese besondere Auszeichnung", sagte Selge uns gestern zwischen zwei Terminen. Er sehe sich in der stets ausverkauften Inszenierung von Regisseurin Karin Beier "als Teil eines Gesamtkunstwerkes aus Textfassung, Regie, Bühnenbild und Zuschauern", so der Grimme-Preisträger, "wie schön, dass so viele Kritiker der Aktualität dieses Abends ihre Stimme geben". Wer Selge im Schauspielhaus erleben möchte, hat in der neuen Spielzeit vielleicht noch Gelegenheit dazu. Für den 30.9., 5.10., 11.10. und 12.10. soll es noch Restplätze geben ...

Brauners HSV-Schau auf YouTube & Gold-Duo im Kino

Der Hamburger SV startet morgen in die neue Spielzeit der Fußball-Bundesliga. Vor dem Spiel gegen den FC Ingolstadt hat sich der Club noch einmal verstärkt – allerdings nicht mit kickendem Personal. Der Club holte "Mr. Tagesschau" Jo Brauner aus dem Ruhestand. Der ehemalige Chefsprecher des traditionsreichen Nachrichtenformats tritt in einer launigen, fünfminütigen "HSV-Schau" auf YouTube in Erscheinung, die der Verein gestern veröffentlichte. "Eigentlich wollte ich erst nicht, aber dann dachte ich mir: Was soll’s, ich bin in Rente und kann nicht mehr gegen irgendwelche Vorschriften der ARD verstoßen", sagte Brauner der dpa. "Und es hat unheimlich Spaß gemacht." Falls das Stück gut ankomme, sei er "offen dafür, das vor jedem Heimspiel zu machen". Dass es der HSV und Brauner mit dieser Idee aber ins Kino schaffen, ist – bei allem Respekt – nicht zu erwarten. Dies ist allerdings Hamburgs Beachvolleyball-Olympiasiegerinnen Kira Walkenhorst und Laura Ludwig vergönnt: Ein rund 50-minütiger Dokumentarfilm mit dem Titel "Ludwig/Walkenhorst – Der Weg zu Gold" solle im November anlaufen, sagt Produzentin Silvia Weihermüller von Close Distance Productions. Folgt nach olympischem Gold gar irgendwann noch ein Filmpreis?

Der "Flash" ist wieder da!

13 – DREIZEHN! – Jahre haben die Beginner ihre Fans auf ein neues Album warten lassen. Heute hat die Durststrecke ein Ende. Das Hamburger Trio veröffentlicht mit "Advanced Chemistry" eine der sehnlichst erwarteten Platten der deutschen Rap-Geschichte. Dass Eizi Eiz (sonst auch Jan Delay), Denyo und DJ Mad sich so viel Zeit nahmen, lag, um im Jargon zu bleiben, an dem gemeinsamen "Flash", den sie erst wiederbeleben mussten. Ob sich das gelohnt hat, zeigt sich ab heute. Wer das Glück hatte, eine Karte zu ergattern, wird sich bereits vergangene Nacht ein Bild gemacht haben: Für null Uhr war das Konzert im Uebel & Gefährlich an der Feldstraße angesetzt. Wer das Gespür der Beginner für das Überraschende und Besondere kennt, dürfte erwartet haben, dass dieser Auftritt ähnlich zur Legendenbildung beiträgt wie das Konzert vor fast genau zwei Jahren an der Roten Flora. Der Antrieb der Beginner sei aber nicht Legendenbildung, sondern, erklärt Denyo im Interview mit ZEIT CAMPUS: "Wir wollen Leute educaten, uns selber educaten und weiterkommen im Leben. Wir wollen positive Gefühle verbreiten. Das kannst du mit 50 wie mit 25." Das aktuelle ZEIT Campus-Heft mit dem ganzen Beginner-Interview gibt es noch am Kiosk.

Mittagstisch

Kartoffel auf Türkisch

Kumpir? Wer ab und zu durchs Schanzenviertel stromert, kennt die Ofenkartoffel auf türkische Art längst. Für alle anderen sei noch kurz das Prinzip erklärt: Eine Riesenknolle wird mit Butter, Käse und etwas Salz gefüllt, weiter geht’s ganz individuell mit Hähnchen, Thunfisch, Couscous, Salat, Champignons oder oder oder ... Fest steht: Fleischliebhaber, Vegetarier oder Rohkostfans können bei der Auswahl an Füllungen wirklich nichts falsch machen. 4,50 Euro kostet eine Kartoffel mit vier Zutaten im Schwester Kumpir. Seit April gibt es das quirlige Restaurant im Wilhelmsburger Reiherstiegviertel, und schon jetzt wirkt es so, als sei es schon immer da gewesen: Der Service ist herzlich, das Essen besticht durch hochwertige Zutaten und ist dennoch auch für den kleinen Geldbeutel ausgelegt. Der Laden wirkt mit seinen Backsteinwänden und verschnörkelten Tapeten wie eine Mischung aus rustikalem Loft und romantischem Café. Kein Wunder, dass Passanten da schon mal in Zeitlupe vorbeischleichen, um das Interieur zu bewundern – oder wirkt da der Duft der belgischen Waffeln?

Schwester Kumpir, Wilhelmsburg, Veringstraße 27, Dienstag bis Sonntag 12 bis 22 Uhr

Annika Lasarzik

Was geht

Führung: Mal opulent, mal schlicht, "Bürgermeister und hanseatische Persönlichkeiten" erklärt die Beschaffenheit der Grabanlagen von Prominenten. Verwaltungsgebäude Ohlsdorfer Friedhof, Friedhofsseite, Fuhlsbüttler Straße 756, 15 Uhr

Kindertheater: Um sich für Widrigkeiten auf dem Nachhauseweg zu wappnen, besser ein Brot einpacken: "Thomas und Britt verlaufen sich im Rosengarten" ist ein Puppenspiel für 4- bis 8-Jährige. Bücherhalle Neugraben, Neugrabener Markt 7, 15 Uhr

Performance: Warum eigentlich immer nur für das eigene finanzielle Glück zocken!? "Verspende deine Rente – das Solicasino" lädt dazu ein, Geld für Hamburger Charity-Einrichtungen zu verspielen. Kampnagel, Jarrestraße 20, ab 21 Uhr

Was kommt

Treffen: Fünf Ringe waren in Rio, in Hamburg regieren heute stattdessen vier Ringe: Beim "Old- und Youngtimer Audi-Treffen" sind Audi-Fahrzeuge bis Baujahr 1990 zu begutachten. Oldtimertankstelle, Billhorner Röhrendamm 4, Sonnabend ab 11 Uhr

Festival: Musik und Getränke gratis beziehungsweise zu kleinen Preisen gibt es beim Platzfestival, das der Verein Gartenkunstnetz am Sonnabend auf die Beine stellt. Ehrenamtlich, als Alternative zur Eventkultur der Stadt, wie die Veranstalter ankündigen. Einfach aus Liebe zur Musik. Die Überschüsse aus den Getränkeeinnahmen und Spenden kommen den Künstlern zugute. Eifflerstraße 35, Samstag ab 16 Uhr

Musik: Für Summerjazz muss man nicht nach Pinneberg rausfahren. Von heute an gibt’s das auch in Eppendorf. Neun Bands der Hamburger Szene spielen laut Veranstaltern an drei Tagen unter freiem Himmel. Gratis. Essen und Getränke kosten natürlich. Eppendorf, Maria-Jonas-Platz (U-Bahnhof Kellinghusenstraße), Freitag und Sonnabend 17 bis 23 Uhr, Sonntag 15 bis 20 Uhr.

Ausstellung: "Die Stadt ist keine Bühne" lautete das Motto des fünften Hamburger Fotomarathons im Juli – die Ergebnisse werden morgen und Sonntag zu sehen sein. Die Ausstellung zeigt mehr als 3700 Momentaufnahmen aus der Stadt von 160 Hobby- und Profifotografen. Die besten werden am Sonnabend von einer Jury ermittelt. Mozartsäle, Moorweidenstraße 36, Sonnabend 13 bis 21 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr, Eintritt drei Euro.

Schnack

Am Waseberg in Blankenese kommen einem Spaziergänger mit Hund zwei Joggerinnen entgegen, die sich verschwitzt und keuchend bergauf quälen. "Hier fährt auch ’n Bus", sagt der Mann teilnahmsvoll. Darauf eine der beiden Joggerinnen: "Ja, aber Rettungswagen is’ umsonst."

Gehört von Wolfgang Meyer

Meine Stadt

Ein Bild, das viel sagt über die Mietsituation. © Foto: Sören Sonderling

Zum Tod des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters Henning Voscherau, der in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch im Alter von 75 Jahren an den Folgen eines Hirntumors gestorben ist, finden Sie bei den Kollegen von ZEIT ONLINE noch einen Nachruf von Michael Göring, Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und Aufsichtsratsvorsitzender der Bucerius Law School.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen ein sehr sonniges Wochenende. Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


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