Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

die Gemüter vieler unserer Leser haben sich noch nicht beruhigt über die populistisch-laxe Haltung der Hamburger CDU zum Einhalten gesetzlicher Vorschriften im Straßenverkehr, da bringt eine Leserin ein anderes Thema aufs Tapet: die Blitzerwarnungen im Radio, das Bekanntgeben also der Stellen, an denen die Polizei Radarfallen aufstellt. Selbst im öffentlich-rechtlichen Hörfunk würden Autoraser mittlerweile gewarnt, schreibt sie, "die Dichte der Blitzwarnungen und das unkommentierte Buhlen um entsprechende Hörerwarnungen" hätten "eher noch zugenommen".

Macht der Hörfunk da gemeinsame Sache mit Verkehrsrowdys?

Nein, im Gegenteil – eigentlich geht es den Verrätern um Abschreckung: Die Blitzermeldungen sollen potenzielle Schnellfahrer daran erinnern, dass es vielleicht noch mehr von den teuflischen Fotokästen gibt (ich habe das schon einmal in meiner ZEIT:Hamburg-Kolumne "Warum funktioniert das nicht?" behandelt. Und dieser pädagogische Ansatz ist auch der Grund, weshalb die Polizei die Standorte ihrer Radarfallen sogar selbst bekannt gibt. Nicht alle natürlich.

Containerschiff in Brand

Gestern Nachmittag stand eine hohe Rauchsäule über dem Hamburger Hafen. Bei Schweißarbeiten war auf der "CCNI Arauco", einem 300 Meter langen chilenischen Container-Schiff, Feuer ausgebrochen. Der unter der Flagge Liberias fahrende Riese lag am Burchardkai in Hamburg-Waltershof. Mittags waren rund 150 Feuerwehrleute und vier Löschzüge vor Ort; Löschboote halfen, die Containerladung und die Bordwand des Schiffs zu kühlen, damit der Frachter nicht auseinanderbrach. Die Löscharbeiten selber erwiesen sich als schwerer als gedacht: Der Brandherd lag unterhalb der Wasserlinie und war nur von oben durch das beladene Schiff zu erreichen. Gefahrgut war offenbar nicht an Bord, wegen der Rauchentwicklung baten die Rettungskräfte Anwohner rund um den Hafen auch über Katwarn, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Das Feuer brannte noch am Spätnachmittag und es heiß, es werde bis zum Morgen brennen. Aber nicht deshalb kamen viele Autofahrer später heim: Schaulustige stauten sich (und vor allem andere) kilometerlang, selbst auf der A 7. Was die CDU dazu sagt, wissen wir (noch) nicht.

Wie kam es zum Übergriff auf Katharina Fegebank?

Auf einem Fest in der Hamburger Landesvertretung in Berlin wurde die Grünen-Politikerin Katharina Fegebank Opfer eines sexuellen Übergriffs. Bekannt geworden war der Fall, weil die Zweite Bürgermeisterin selbst Anzeige gegen den Mann erstattet hatte. Dieser, laut Berliner Polizei handelt es sich bei dem Beschuldigten um einen 24-Jährigen, sei alkoholisiert gewesen und habe Fegebank bei dem Fest in der Nacht zu Mittwoch auf und an der Tanzfläche unsittlich berührt, berichten einstimmig die "Bild" und das "Hamburger Abendblatt". Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Immerhin waren mehr als 3000 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur geladen, darunter auch Bürgermeister Olaf Scholz und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Waren die Einlasskontrollen zu lax? Lückenhaft? Steffen Hebestreit, Leiter der Hamburger Landesvertretung, sagte uns: "Das Gelände wurde umzäunt, an allen Toren, auf dem Gelände und im Gebäude selbst waren Sicherheitsleute." Zusätzlich hätten Beamte das Fest bewacht. Beim Einlass schließlich hätten alle Gäste ihre Anmeldekarte und den Personalausweis vorzeigen müssen – eigentlich. Doch nun ist klar: Der Mann stand auf keiner Gästeliste, gehörte auch nicht zum Personal. Hat er sich aus einer Flasche materialisiert? "Wir gehen davon aus, dass er sich unrechtmäßig auf dem Gelände aufgehalten hat, und haben Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet", so Hebestreit. Nun werde das Sicherheitskonzept des Hauses überprüft: "Wir werden die Schwachstellen suchen und korrigieren." Etwas spät.

AfD-Politiker mietet sich in Wasserturm in Lohbrügge ein

Ludwig Flocken ist offenbar immer wieder für eine Überraschung gut: Ende April war der AfD-Politiker während einer Bürgerschaftsdebatte des Saales verwiesen worden, weil er in einer minutenlangen Tirade gegen Muslime gehetzt hatte. Nun wurde bekannt, dass Flocken Räume im Wasserturm von Lohbrügge gemietet hat und am Sonntag eine Party zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern für AfD-Anhänger schmeißen will – und seine eigene Partei wusste davon nichts. "Wir haben erst spät über Umwege von anderen Mitgliedern davon erfahren", sagte uns Nicole Jordan, Landesschatzmeisterin der AfD. Selbst der AfD gilt der Bürgerschaftsabgeordnete, der bei Pegida-Märschen mitlief, schon lange als zu rechts: Anfang des Jahres wollte die Fraktion Flocken wegen fremdenfeindlicher Äußerungen ausschließen. Er trat lieber selbst aus, sitzt nun als fraktionsloser Abgeordneter in der Bürgerschaft, ist aber weiterhin AfD-Mitglied. Anwohner fürchten nun, dass in Lohbrügge ein Schulungszentrum für Rechtsextreme entstehen könnte. Wie die "Bergedorfer Zeitung" berichtete, hat Flocken nicht nur auf Parteikosten Räume für sein Abgeordnetenbüro angemietet, sondern dazu auch privat den Biergarten und zwei frühere "Gastronomieetagen". Die AfD lässt alles Weitere erst mal offen. "Wir wissen noch nicht, ob wir die Räume für Parteiveranstaltungen nutzen", sagte uns Nicole Jordan. Eine Entscheidung solle bei der Landesvorstandssitzung am 12. September fallen.

Landgericht spricht afghanischen Flüchtling frei

Im Prozess um den Angriff eines Afghanen auf einen christlichen Iraner in einer Flüchtlingsunterkunft hat das Hamburger Landgericht den Angeklagten gestern freigesprochen. Der 19-Jährige habe wohl aus Notwehr gehandelt, befand das Gericht. Zwar habe er das Opfer mehrmals mit einem Schlagstock am Kopf getroffen – allerdings nicht so heftig, dass eine Tötungsabsicht vermutet werden könne. In ihrem Plädoyer erklärte auch die Staatsanwaltschaft, dass es keine Hinweise auf einen religiös motivierten Hintergrund gebe. Der Iraner hatte ausgesagt, er sei wegen seiner Konvertierung zum Christentum angegriffen worden. Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt, Lokalmedien fragten: "Werden Christen in Hamburger Flüchtlingsunterkünften verfolgt?" Auch die ZEIT:Hamburg nahm den Fall zum Anlass, die Lage in den Unterkünften näher zu beleuchten: Unsere Kollegen Sebastian Kempkens, Alexander Tieg und Christoph Twickel besuchten ein Flüchtlingslager, um sich selbst ein Bild zu machen, und stellten dabei fest: "Im Camp zeigt niemand seinen Glauben, trägt niemand sichtbar ein Kreuz oder liest in der Bibel. Zu groß ist die Sorge, Probleme zu kriegen." Dass große Teile der christlichen Flüchtlinge in Hamburg Gewalt erleben, ließ sich anhand der ZEIT-Recherche allerdings nicht belegen. Der ganze Text kann bei ZEIT ONLINE nachgelesen werden .

Karl Lagerfeld nimmt Abschied von Wilfried Weber

"Ich kann mich einfach nicht an die Idee gewöhnen, dass er der Welt abhandengekommen ist", sagt Karl Lagerfeld über den verstorbenen Hamburger Buchhändler Wilfried Weber, Inhaber der Buchhandlung Felix Jud. In der aktuellen ZEIT:Hamburg nimmt der Modeschöpfer in einem sehr persönlichen Text Abschied von Weber: Der habe aus seinem Beruf eine "Kunstform gemacht", der "Welt der Bücher, der Literatur und der Kultur" werde er fehlen, heißt es dort. Privat, ist dem Nachruf zu entnehmen, pflegten beide Männer ein freundschaftliches Verhältnis: Nie sei er nach Hamburg gekommen, ohne bei Weber vorzusprechen, schreibt Lagerfeld, dieser habe ihn stets "warm, herzlich und spontan" empfangen. Und schließlich lobt der Modeschöpfer auch die Eleganz des Verstorbenen, welche eben in diesem "englisch-hanseatischen Look" begründet liege. "Solche Menschen gibt es kaum noch und nicht einmal in seinem Beruf, der eine Berufung war." Den letzten Gruß von Karl Lagerfeld an Wilfried Weber lesen Sie in der aktuellen ZEIT:HAMBURG.

Schlaue Füchse coachen Flüchtlingskinder

Nach Hamburg geflohene Kinder besser ins Schulsystem integrieren will der Hamburger Bildungsverein "Schlaufox", der gestern den "Deichmann-Förderpreis für Integration" erhalten hat. Beim Projekt "Ankerlicht" begleiten Mentoren junge Geflüchtete während ihrer Ausbildung. Wir sprachen mit Sozialpädagogin Anneke Williams, die das Projekt koordiniert.

EV: Frau Williams, bei "Ankerlicht" werden geflüchtete Jugendliche durch ein "1:1- Mentoring" unterstützt – was heißt das?



Anneke Williams: 35 ehrenamtliche Mentoren begleiten je ein Kind für mindestens ein Jahr, besuchen es einmal in der Woche für 1,5 Stunden in der Schule. Die Mentoren helfen beim Lernen und dabei, das Schulsystem zu verstehen. Und am Anfang wird ein Ausbildungsplan gemacht: Da werden Talente entdeckt, berufliche Vorstellungen entwickelt. Ein festes Ziel hilft, sich in der Schule besser zu orientieren. 



EV: Ihr Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche, die sich im Übergang zwischen den Internationalen Vorbereitungsklassen (IVK) und dem Regelschulunterricht befinden. Warum brauchen sie gerade dort Unterstützung?



Williams: Der Wechsel in normale Schulklassen verläuft selten reibungslos: In den neuen Klassen müssen sie sich an das Leistungsniveau gewöhnen, sind mit der Sprache konfrontiert. 



EV: 1500 Kinder in Hamburg sind noch nicht einmal in den IVKs angekommen. Sie werden noch in Flüchtlingsunterkünften unterrichtet.



Williams: Dabei müssen genau diese Kinder schnell in das Schulsystem integriert werden, damit sie Deutsch sprechen lernen, eine Zukunftsperspektive entwickeln. Erst dann können sie nach vorn schauen und ankommen.




EV: "Ankerlicht" wurde im Oktober 2015 gestartet, bis 2017 läuft die Pilotphase des Projekts an der Stadtteilschule Mitte und an der Stadtteilschule am Hafen, ab September macht auch die Stadtteilschule Bergedorf mit. Wie sind die ersten Erfahrungen?



Williams: Der Wortschatz der Kinder und Jugendlichen hat sich vergrößert, sie sind sicherer in der Aussprache und treten selbstbewusster auf – das berichten auch die Lehrer. Zwischen Schüler und Mentor entstehen enge Bindungen: Sie spielen gemeinsam Schach, gehen Kanu fahren oder besuchen die Bücherhalle.

Mittagstisch

Gute-Laune-Wohnküche

Wer ein wenig im Happenpappen in Eimsbüttel verweilt, dem drängt sich ein Wort geradezu auf: gemütlich! "Vegane Wohnküche" wird das kleine Lokal auch genannt, und tatsächlich stellt sich schnell eine wohlige Wohnzimmer-Atmosphäre ein: Bestellt wird am Tresen, die Küchenzeile liegt direkt dahinter und ist so für jeden Gast gut einsehbar. Gegessen wird entweder in der liebevoll dekorierten Stube oder draußen, an aus Holzpaletten zusammengezimmerten Bänken. Tierische Produkte fehlen auf der Speisekarte, dafür reiht sich hier ein buntes, gesundes Gericht ans nächste – etwa Thai-Curry mit frischem Gemüse und Naturreis, Auberginen-Tomaten-Süßkartoffel-Chili oder der große Happenpappen-Salat mit Avocado, Balsamico-Dressing und Dinkelbrot, all das kostet 6,50 Euro bis 8,50 Euro. Wer᾽s etwas deftiger mag: Auch die Burger Bowls für 10 Euro sind zu empfehlen. In einer großen Schüssel werden da vegane Frikadellen aus Seitan oder Kichererbsen mit diversen Beilagen wie Kartoffeln, Rohkostsalat oder Tortillachips serviert. Eine bunte Auswahl an Gerichten in lockerem Gute-Laune-Ambiente – das Happenpappen macht sich als zweites Wohnzimmer schon ziemlich gut.

Happenpappen, Eimsbüttel, Lappenbergsallee 41, Montag bis Freitag 12 bis 22 Uhr, Samstag 10 bis 22 Uhr, Sonntag 10 bis 17 Uhr

Annika Lasarzik

Was geht

Kino: Viel Zeit bleibt jetzt nicht mehr für einen Besuch im Open-Air-Kino – warum also nicht die regenfreien Abende für einen Filmabend im Freien nutzen? Zum Beispiel am Wilhelmsburger Schmidtkanal: Statt schnöder Blockbuster gibt es hier eine Reihe Hamburger Kultfilme zu sehen. Die Elbinsel-Hafenkantine zeigt den Klassiker "Supermarkt". Und am Samstag flimmert zur gleichen Zeit "Rocker" über die Leinwand.

Insellichtspiele, Schmidts Breite 3, Einlass ab 20.30 Uhr, Beginn um 21 Uhr

Straßenfest: Gutes nachbarschaftliches Miteinander in Eimsbüttel wird auch beim diesjährigen Methfesselfest zelebriert: Drei Tage lang gibt es auf dem Else-Rauch-Platz ein buntes Programm aus Live-Musik, Lesungen,  Anwohnerflohmarkt und Spielen für Kinder. Über 40 Initiativen und Stadtteilgruppen machen in diesem Jahr mit. Politisch wird es auch: Motto des Festes ist "Krieg, Geheimabkommen, Ausgrenzung – weg damit!" Na, das klingt doch nach reichlich Stoff für rege Nachbarschaftsgespräche.

Else-Rauch-Platz, Freitag ab 18 Uhr bis Sonntag um 16 Uhr, Flohmarkt: Samstag und Sonntag von 10 bis 16 Uhr

Musik: "Let there be rock", sang schon die Indierock-Band Tocotronic, und dieses Motto gilt am Wochenende auch auf dem Rathausmarkt: Drei Tage lang bespielen Rockbands und Songwriter aus Hamburg und Umgebung beim "Rockspektakel" den Platz, unter anderem sind Die Heart (Freitag, 19 Uhr) Eljot Quent (Samstag, 19 Uhr) und Der Wahnsinn (Sonntag, 17.50 Uhr) dabei. Und das Beste: Eintritt kostet dieses Spektakel nicht.

Rathausmarkt, Freitag ab 18 bis Sonntag um 22 Uhr

Hamburger Schnack

Ein herrlich warmer Sommerabend am Bootssteg Barca an der Alster. Ein Schwimmer zieht in Rückenlage seine Bahnen, da sieht er ein schnelles Ruderboot auf sich zukommen. Etwas panisch ruft er: "Sach ma, ihr seht mich, nä?!" Die drei Sportruderinnen im Boot drehen wie auf Kommando die Köpfe in Fahrtrichtung und rufen im Chor: "Jaha!"

Gehört von Harald Beyer

Meine Stadt

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Am Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihr

Mark Spörrle

 

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