Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

wer von Ihnen in den letzten Tagen versuchte, Karten für die "Konzerte für Hamburg" im Januar und Februar in der Elbphilharmonie zu bekommen und stundenlang anstand, weiß selbst: Die Nachfrage war enorm. "Bis auf wenige Restkarten wurden in der vergangenen Woche alle der 46.000 verfügbaren Karten verkauft", so Tom R. Schulz, Sprecher der Elbphilharmonie und Laeiszhalle Betriebsgesellschaft.

War’s das also für die restliche geplante Verkaufstour durch die Stadt per Bus, Minilieferwagen und in den Bücherhallen?

Zum Glück nicht. Denn die Veranstalter, schreibt Tom R. Schulz, haben jetzt noch etwa 4.000 Tickets für die acht "Konzerte für Hamburg" im kommenden Juni zu vergeben. Richtig, auch die werden wohl im Handumdrehen weg sein.

Derweil wirbt Hamburg Marketing im Ausland unverdrossen dafür, Hamburg und die Elbphilharmonie zu besuchen, im Gepäck ein tonnenschweres begehbares Modell der Silhouette des Kulturtempels mit integrierten Klangmodulen: Tritt man darauf, spielen erst einzelne Instrumente, dann ein ganzes Orchester. Eben war das Ding in Wien, nun steht Paris an, dann Amsterdam, Shanghai, Peking, Tokio, Boston, Chicago … 10 Millionen Euro sind für die globale Marketingkampagne eingeplant. Wie viele Extra-Konzerte für Hamburg samt Tickets für Rahlstedt das wohl wären?

Ab morgen begrüßt Sie an dieser Stelle wieder für einige Tage meine Kollegin Franziska Bulban.

Freisprüche für HSH-Nordbank-Manager kassiert!

Die sechs Manager um Dirk Jens Nonnenmacher aus dem früheren Vorstand der HSH Nordbank müssen erneut vor Gericht. Das ist die Konsequenz aus dem Urteil des Bundesgerichtshof (BGH) in Leipzig gestern. Es ging um den Vorwurf der Untreue und in zwei Fällen auch der Bilanzfälschung. Denn Ende 2007 stimmten die Manager unter Zeitdruck einem komplizierten Geschäft zu (es ging um ein Paket mit Kreditausfallgeschäften) – später brachte es der Bank Millionenverluste, am Ende musste ein 13-Milliarden-Euro-Rettungspaket von Hamburg und Schleswig-Holstein her. Das Landgericht Hamburg hatte 2014 zwar prinzipiell Pflichtverstöße erkannt und das Geschäft als sinnlos bezeichnet. Allerdings waren die Verstöße aus Sicht der Richter nicht so gravierend, um von einer Untreue auszugehen. Die Freisprüche für die sechs Spitzenbanker hielten nun der Prüfung des BGH nicht stand: Es sei ein Fehler des Landgerichts gewesen, zwar eine Pflichtverletzung der Vorstände zu sehen, diese aber als nicht gravierend genug für eine Verurteilung einzustufen. Und: Wie gravierend die Versäumnisse gewesen seien, sei auch nur unvollständig geprüft worden, hieß es gestern in Leipzig. In den Vorlagen, die die Vorstände zu dem Geschäft bekommen hätten, gebe es mehrere Passagen, "wenn ich das als Fachmann lese, müssen die Alarmglocken läuten", so der Vorsitzende Richter Günther Sander. Der Fall muss nun von einer anderen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts erneut aufgerollt werden.

Autodiebe und Alternativen

Sie haben (noch) ein Auto? Herzlichen Glückwunsch! Denn 2015 wurden in Hamburg exakt 1078 kaskoversicherte Wagen geklaut, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Getoppt wird das nur noch von Berlin, in der "failed city" waren es drei Mal so viele. Dafür steht unsere Stadt im Bundesländervergleich ganz oben, was den Wert der geklauten Wagen angeht: Mehr als 21.000 Euro Schaden entstand pro Diebstahl, so die Kfz-Diebstahlstatistik des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Klar, nicht nur Mütter, die ihre Kleinen zur Schule karren, auch Autoknacker stehen auf teure SUVs. Falls Sie Ihren Wagen also eines Morgens nicht mehr am Straßenrand vorfinden sollten: vielleicht ein Wink des Schicksals? Denn ohne eigenes Auto kommt man in Hamburg immer besser zurecht; darauf lassen zumindest diese beiden Meldungen schließen: Erstens gibt es seit gestern am Hauptbahnhof den elften Switchh-Punkt von Hochbahn und Partnern, an dem man aus Bus und Bahn direkt zu einem von drei Carsharing-Anbietern oder aufs Leihrad wechseln kann und umgekehrt. Und zweitens testet die S-Bahn gerade neue Fahrzeugtypen – mit beleuchteten Trittkanten und Klimaanlagen (kein Schwitzen mehr im Sommer, kein Bibbern mehr im Winter!). Gut, die Wagen sollen erst ab Ende 2018 in Betrieb gehen, aber vielleicht geben Ihnen die Autodiebe ja noch so lange Zeit.

Pflege in der Stadt ist teurer

Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung können sich viele den Aufenthalt in einem Pflegeheim nicht leisten und sind deshalb auf Sozialhilfe angewiesen. Der fällige Eigenanteil für einen Heimplatz liegt in fast der Hälfte aller Städte und Kreise in Deutschland über dem durchschnittlichen Haushaltsbudget der über 80-Jährigen – das gilt auch für Hamburg. 335 bis 365 Tage reicht das Geld hier rein rechnerisch, also in vielen Fällen nicht einmal ein ganzes Jahr. Grund ist das relativ hohe Preisniveau der stationären Pflegeeinrichtungen: Ein Tag im Heim kostet durchschnittlich zwischen 123 und 130 Euro. In den angrenzenden Landkreisen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist es dagegen deutlich günstiger als hier, in den Landkreisen Stade und Lüneburg sowie im Herzogtum Lauenburg schlägt ein Heimplatz sogar nur mit 100 bis 108 Euro pro Tag zu Buche. Kein Wunder, dass die Senioren im Umland mit ihrem Geld eher hinkommen. Natürlich liegt da der Impuls nahe, einfach die Hamburger Stadtgrenze hinter sich zu lassen. Damit allerdings auch alle Vorteile der Stadt.

Quizfreunde kämpfen um die Eule

Welche Farben haben die Ritter-Sport-Sorten? Wie heißen die Luftblasen in einer Wasserwaage? Heute Abend ab 18 Uhr findet im Aalhaus in Altona schon zum 60. Mal das "Kneipenquiz" statt. Das ist das, wonach es klingt: Seit 2011 treffen sich jeden zweiten Donnerstag im Monat Ratefreunde zum gemeinsamen Kopfzerbrechen. Bis zu 200 Mitspieler drängen sich in der Kneipe oder im Sommer auch davor auf dem Bordstein, und das beste Team darf – als Zeichen seiner Weisheit – eine ausgestopfte Eule als Wanderpokal mit nach Hause nehmen. Moderiert wird der kultige Abend von Darren Grundorf und Tom Zimmermann, die auch vor fünf Jahren die Idee dazu hatten. "Es ist wichtig, Sprüche zu klopfen und den Typen hinter der Theke einzubinden. Wir sind Lehrer und Klassenclown zugleich", sagt Zimmermann im Interview zu ZEIT ONLINE-Autor Tim Pommerenke. Inzwischen haben die Quizmaster auch ein Brettspiel entwickelt und leben von ihrer Idee. Denn gerätselt wird mittlerweile selbst bei Kultureinrichtungen und Firmenfeiern; auf 60 bis 70 Quiz im Jahr kommen die beiden. Das prägt auch ihren Alltag stark: "Aus allem, was man sieht, macht oder in der Zeitung liest, kann eine Frage werden", findet Grundorf. Auch aus dem hier also. Nur welche?

Früh Technik verstehen

Apps entwickeln, Roboter steuern, in 3-D drucken, Spiele programmieren, löten lernen, Internetseiten gestalten: All das und noch mehr können Kinder und Jugendliche ab Samstag bei der Code Week ausprobieren. Wichtig dabei: Vorkenntnisse braucht es nicht! Denn es sollen nicht nur Mathecracks, Technikfreaks und andere Nerds angesprochen werden. "Das Ganze soll Spaß machen. Die Angebote haben viel mit Kreativität und Teamarbeit zu tun", betont Julia André von der Körber-Stiftung, die die Code Week ausrichtet. Aber daddelt die Generation Smartphone nicht ohnehin schon genug rum? "Vielleicht, aber es geht eben gerade nicht darum, nur zu nutzen und anzuwenden, sondern die Erfahrung zu machen, wie es ist, selbst zu gestalten und sich aktiv mit eigenen Ideen zu beschäftigen", betont die Fachfrau; sie leitet bei der Stiftung den Fokusbereich "Digitale Mündigkeit". Nur wer lerne, Technik zu verstehen, der könne sich kompetent und kritisch ein Urteil bilden. Na dann: Nichts wie hin – nein, schnell den Nachwuchs anmelden. Die Workshops und Mitmachveranstaltungen sind für Kinder ab acht Jahren. Aber wenn Sie ganz nett fragen: Vielleicht zeigen Ihnen Ihre Kids dann ja, wie’s geht …

Mittagstisch

Alles Theater!

Ein ovaler Raum in Creme und Rot gehalten, samtene Vorhänge dämpfen das Klappern des Geschirrs, die Gespräche der internationalen Gäste und das Knurren der drei anwesenden Hunde, die sich nicht zu mögen scheinen. Den auf Theaterbauten spezialisierten Wiener Architekten Fellner/Helmer verdankt die Hansestadt den im September 1900 eröffneten Prachtbau am Hauptbahnhof inklusive dieser im Keller des Schauspielhauses befindlichen Räumlichkeiten der Kantine TomOri - zurückzuführen auf die Vornamen der beiden Betreiber. Bestellt und bezahlt wird am Tresen; dann sollte man sich flugs mit seinem Besteck einen Platz suchen, denn das Essen wird rasant serviert. Die Kartoffelhälften mit Frischkäse und Porree überbacken (4,90 Euro) schmecken, allein bei der Salatbeilage scheint das Dressing zu fehlen. Auf der Karte finden sich Mittagstischklassiker wie Erbsensuppe, Asiagemüse mit Hähnchen, Pasta, Currywurst oder Schnitzel (zwischen 3,60 Euro und 5,90 Euro). Und wer Glück hat, kann durch die halb geöffneten Türen einen Blick in den abgetrennten Raum dahinter werfen, wo bisweilen Mitglieder des Ensembles zu Mittag speisen.

TomOri, Kirchenallee 39, Montag bis Freitag 11.30 bis 15 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Dreckige Party: Sie selbst behaupten, durch ein furchtbares musikalisch-chemisches Experiment entstanden zu sein. Ganz so revolutionär klingt der Punkrock von Dirt Box Disco zwar nicht, taugt aber für eine durchtanzte Nacht. Songtitel wie "My Life Is Shit" erinnern an meckernde Teenager, und tatsächlich nehmen sich die Jungs aus UK nicht ganz ernst. Support kommt mit einem Horrorshow-Kostümball von The Hat Trickers aus Japan.

Monkeys Music Club, Barnerstraße 16, 20 Uhr, 17,50 Euro

Unter Strom: Ann Liv Young katapultiert ihre Version von Sophokles’ "Elektra" auf die Bühne. "Electra Cabaret" ist ein zeitgenössisches Märchen, das die Gefühlswelten der Tragödie rüberbringen soll. Dabei helfen Popsongs, Tanzeinlagen und eine radikale Bühnenperformance – der Vorhang lüftet sich nur für Gäste ab 18 Jahren.

Kampnagel, Jarrestraße 20, 20 Uhr (auch Freitag und Samstag), 15 Euro

Zuflucht in Jordanien: Architekt und Stadtforscher Ayham Dalal berichtet im Vortrag "Flüchtlingscamps und informelle Städte in Jordanien" über Verknüpfungen von Urbanität und Exil. Sein Fokus liegt auf einem der weltweit größten Flüchtlingscamps: Zaatari. 80.000 Menschen leben dort; von einer temporären Einrichtung hat sich das Camp zu einer der größten Städte des Landes entwickelt.

W3 - Werkstatt für internationale Kultur und Politik, Nernstweg 34, 19 Uhr, Eintritt frei, Spenden erbeten

Viva la salsa: El Gran Combo De Puerto Rico schenkt Hamburg heißen Rhythmus. Die Gruppe ist seit Jahrzehnten stilprägend für das Genre und brachte eine ganze Reihe berühmter Künstler hervor. Ihren Beinamen "La Universidad de Salsa" trägt sie also zu Recht – wenn hier nicht die Hüften wackeln, werden sie es nie tun.

Fabrik, Barnerstraße 36, 21 Uhr (Einlass ab 20 Uhr), 37 Euro

Schnack

Kurz nach Feierabend in der U3. Ein junger Mann und eine junge Frau unterhalten sich. Er erklärt: "Zu meinem Geburtstag hab ich bisher auch nur vier Leute eingeladen, weil: LSD in großen Gruppen – da geht definitiv was schief."

Gehört von Mareike Schröder

Meine Stadt

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen begrüßt Sie hier an dieser Stelle meine Kollegin Franziska Bulban.

 

Ihr

Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.