© Franziska Bulban

Guten Morgen,

es geht uns allen immer besser. Woher ich das weiß? Weil wir immer älter werden – zumindest einer Modellrechnung zufolge, die auf den Sterbezahlen 2013/2015 beruht. Gerade wir Frauen haben in Hamburg gut lachen, denn wir dürfen unsere schöne Stadt vier Jahre und neun Monate länger genießen als unsere männlichen Gefährten. Gut 83 Jahre und einen Monat werden Frauen in der Hansestadt durchschnittlich alt, das ist zwar ein Monat weniger Lebenszeit, als den Frauen im Land durchschnittlich zur Verfügung steht, aber dennoch um einiges mehr als noch vor 20 Jahren; da wurden Frauen im Schnitt knapp 80, Männer gut 73 Jahre alt. Die gute Nachricht für alle Liebenden: Die Männer holen auf, die Lebenserwartungen nähern sich an. Was das heißt? Mehr Zeit für Zweisamkeit! Hach, rechnen kann so schön sein!

Debatte um die Innenstadt

Die ehemalige Ost-West-Straße, später umbenannt in Ludwig-Erhard- und Willy-Brandt-Straße, ist eine der am stärksten befahrenen Straßen Hamburgs. Ursprünglich als Boulevard geplant, ist sie heute de facto eine Schneise zwischen dem Norden und dem Süden der Innenstadt – weshalb es immer wieder Diskussionen darüber gibt, wie man den Graben überwinden könnte. Indem man den Verkehr unter die Erde verlegt? Das wäre teuer, an anderen Stellen entstünden Rampen – aber es würde neuen Platz mitten in der Stadt schaffen. Ist eine überdachte Fußgängerbrücke von der Mönckebergstraße bis zur HafenCity die Lösung? Oder sollte man einfach den Verkehr drosseln? In der aktuellen ZEIT:Hamburg diskutieren die renommierten Architekten Volkwin Marg, Hadi Teherani und André Poitiers über verschiedensten Möglichkeiten und stellen kreative Lösungen vor – nachzulesen im Print und digital hier. Und wir wüssten gern: Stört Sie die Ost-West-Straße? Und wenn ja, was würden Sie gern mit ihr machen? Zu unserer kleinen Umfrage kommen Sie hier.

Virologen in Hamburg

1000 Virus-Forscher aus 69 Ländern sind derzeit in der Stadt. Beim "European Congress of Virology", Europas größtem Kongress zum Fach, geht es vier Tage lang um die Viren, vor denen wir uns alle fürchten: Aids, Hepatitis, Ebola. Zika. "Der Kongress gibt einen umfassenden Einblick zum State of the Art", sagt Tagungspräsident Joachim Hauber vom Hamburger Heinrich-Pette-Institut. Es wird zum Beispiel über neue Heilmethoden gesprochen: "Seit etwa anderthalb Jahren können wir Hepatitis-C-Patienten medikamentös heilen. Das ist ein spektakulärer Erfolg. Wir tauschen uns über erste Erfahrungen bei der Behandlung aus." Das Treffen soll außerdem dazu beitragen, dass Grundlagenforschung und angewandte Forschung, also Labor und Klinik, wieder näher zusammenrücken. Dabei gehe es auch um den Graubereich dazwischen, in dem klinische Studien durchgeführt werden, sogenannte Phase-1-Studien. Oft sei das allerdings nicht nur eine Frage von Kooperationen, sondern auch des Geldes – und das sei europaweit knapp. "Ein Thema, das wir auch beim Kongress nicht lösen werden", sagt Hauber. Wer beim Begriff Virus übrigens direkt Schnappatmung bekommen hat, kann sich laut Hauber entspannen. "Es steht aktuell keine schlimme Seuche vor der Tür", sagt er, "aber ohne Influenza-Impfung würde ich trotzdem nicht durch den Winter gehen." Die Forscher seien sich einig, in diesem Jahr könne die Grippe recht gefährlich werden.

Nichts zu lachen?

"Theater gegen Gutmenschen und Betroffenheit, Theater für Menschen, die Überfremdung fürchten, aber nicht als rechts oder gar Nazis beschimpft werden wollen" –  ZEIT-Online-Autor Christoph Twickel fand klare Worte, als er vor einem guten Monat über die Integrations-Revue des St. Pauli Theaters "Willkommen – ein deutscher Abend" schrieb. Andere Kritiker hingegen entdeckten in der Aufführung einen "Rundumschlag, der, wo er schon nicht genau analysiert, in seiner Freude am In-alle-Richtungen-Austeilen zumindest großen Spaß macht" und bescheinigten Franz Wittenbrink, es gebe die Chance, dass Menschen nach diesem Stück unverkrampfter über das Thema Integration diskutieren könnten. Kurz: Die Aufführung wurde kontrovers aufgenommen. Und das nimmt das St. Pauli Theater zum Anlass, nach der Vorstellung am Samstag diskutieren zu lassen: "Kann und darf man mit dem Thema Flüchtlinge und Integration satirisch umgehen?" Mit dabei sind Regisseur Wittenbrink, Intendant Ulrich Waller, Ensemble-Mitglied Stephan Schad, Journalist Falk Schreiber (nachtkritik) und auch Christoph Twickel; moderiert wird von Catarina Felixmüller (NDR 90,3).

Job los nach Hitlergruß

"Du bist ein Heil, du Nazi" – was das bedeuten soll? Keine Ahnung. Genau das aber warf ein Mann dem Betriebsratsvorsitzenden in dem Unternehmen, in dem er als Transportfahrer angestellt war, nach einem Streit an den Kopf, garniert mit dem Hitlergruß, dem ausgestreckten rechten Arm. Das brachte dem Transportfahrer nicht nur den Unmut des Kollegen, sondern auch die fristlose Kündigung ein. Einsehen wollte der "Armheber" das nicht und zog vor das Hamburger Arbeitsgericht, das ihm gestern eine Klatsche verpasste. Die Kündigung sei gerechtfertigt. Die Geste sei als nationalsozialistisches Kennzeichen einzuordnen, der erwähnte Satz grob beleidigend. Unter dem Strich ein Kündigungsgrund, urteilte das Gericht. Dass der Täter türkischer Abstammung ist, deutschnationalistisches Gedankengut von sich wies, spielte bei der Urteilsfindung keine Rolle. Die Frage der Abstammung gebe keine Antwort auf die Frage der inneren Haltung, so das Arbeitsgericht.

Mittagstisch

Solide Hausmannskost

Das kleine Speiselokal Saalbach ist seit über 20 Jahren eine Institution in Sachen Altstadt-Mittagstisch, seit neun Jahren wird es von Kadir Yagci betrieben, der weiterhin bezahlbare und gute Hausmannskost bietet. Im schlicht und funktional eingerichteten Innenraum mit einem künstlichen Baum als einzigem Hingucker werden jeden Tag fünf neue Gerichte angeboten, darunter immer eine Suppe (wie die fruchtige Paprikarahmsuppe für 3,50 €), ein Fleisch- oder Fischgericht für 6 €, ein vegetarisches Gericht für 4 bis 5 € und ein Nachtisch (wie das Schokomousse, genau richtig gesüßt) für freundliche 1,50 €. Freitags gibt es den zum Hauptgericht sogar gratis. Das Essen ist von guter Qualität und solide zubereitet. Immer auf der Karte stehen Schnitzel, Currywurst, Ofenkartoffel und Pasta; gekocht wird ohne Geschmacksverstärker, Zusatzstoffe können auf der Karte nachgelesen werden. Bestellt und abgeholt wird an der Theke, wo es auch eine kleine Antipasti-Auswahl gibt.

Saalbach; Steinstraße 19, Mittagstisch Montag bis Freitag 11 bis 15.30 Uhr

Christiane Paula Behrend

Was geht

Mit Petticoat ins Wochenende: Lässig wippen, wild durch den Raum wirbeln – zum Swing der 20er- bis 40er-Jahre tanzen in "Knopf’s Ballhaus" nicht nur Profis. Vor der großen Party gibt es einen Crashkurs für Anfänger. Prinzenbar, Kastanienallee 20, 19 Uhr, 8 Euro

Brotlose Kunst: Musiker, Maler, Schauspieler – vielen Kreativen fehlt das Verkaufsgen. Im Workshop "Effektiv akquirieren und professionell Kunden ansprechen" ist Schluss mit Hungern. Susanne Riemann berät Selbstständige aus Design, Film, Medien, Musik und Theater. Hamburg Kreativ Gesellschaft, Hongkongstraße 5, 10–18 Uhr, 90 Euro

Benefiz für Kids: Nachwuchstalente aus ganz Europa spielen im Ensemble Esperanza Mozart, Haydn und Grieg. Die Stipendiaten der Internationalen Musikakademie Liechtenstein geben ein Benefizkonzert für den Hamburger Verein "Hände für Kinder", ein Kurzzeit-Zuhause für Schwerstbehinderte und ihre Familien. Logenhaus der Freimaurer, Moorweidenstraße 36, 18 Uhr, Einlass ab 16.30 Uhr, 20 Euro (freier Eintritt für Kinder bis 15 Jahren)

Was kommt

"Sofa" für Schmetterlinge: Auch Falter wollen mal ihre Ruhe haben. In Hamburg gibt es aber zu wenige Rückzugsmöglichkeiten, Überwinterungsorte und Nahrungsquellen für Insekten. Deshalb lädt der NABU ein zum Schmetterlings-Aktionstag in Hamburg-Altona: In einer Grünanlage der Altstadt soll ein Schmetterlingssaum mit heimischen Pflanzen entstehen. Hinflattern. NABU, Altona, Samstag, 22. Oktober, 10 Uhr, Anmeldungen unter 040 697089 34

Schach auf Arabisch: Vor einem halben Jahrtausend verdrängte das moderne Schach das arabische Shatranj, jetzt erlebt es ein Revival. Im Rahmen der Arabischen Kulturwochen 2016 wird es als Schnellturnier nach Originalregeln ausgetragen. Der Turniername klingt wie ein Hollywood-Streifen: "Das Schach der Kalifen kehrt zurück: Sa’id Ibn Jubair-Shatranj-Memorial". Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1, Ostflügel, Raum 121, Samstag, 22. Oktober, 12–17.30 Uhr, Eintritt frei, Anmeldungen unter jwoscidlo@msn.com oder renegralla@gmx.de

Ins Ungewisse: Wenn die Autoren Thorsten Nagelschmidt alias Nagel und Manuel Möglich in Hamburg aufschlagen, wollen sie "reden, reden, reden". Worüber? "Vielleicht erklärt Nagel die Sache mit Trump und Brooklyn", sinniert Möglich über die Lesung "Trump mal nicht in Brooklyn". Er selbst habe gegebenenfalls eine Story aus dem Iran im Gepäck. Die machen’s ja spannend. Uebel und Gefährlich, Feldstraße 66, Sonntag, 23. Oktober, 20 Uhr (Einlass ab 19 Uhr), ab 13,90 Euro

Museum mit Konsole: Die Inuit aus Alaska springen über den Computerbildschirm, nebenan basteln Kids Werkzeuge für die Jagd. Das Museum für Völkerkunde will mit der Aktion "Ein Tag in der Kälte" Familien mit Kindern ab sechs Jahren für eisige Abenteuer begeistern. Museum für Völkerkunde, Rothenbaumchaussee 64, Sonntag, 23. Oktober, ab 10.30 Uhr, 8,50 Euro, freier Eintritt für Kinder bis 18 Jahre

Damensalon: Zum Abschluss der Ausstellung "Salonfähig. Frauen in der Heine-Zeit" treffen sich Kritikerin Traudl Bünger und Schriftstellerin Felicitas Hoppe im Jenisch-Haus. Sie diskutieren über die Bedeutung des literarischen Salons und den Einfluss von Autorinnen auf die öffentliche Wahrnehmung der Frau. Herren sind aber auch willkommen. Jenisch Haus, Baron-Voght-Str. 50, Sonntag, 23. Oktober, 11 Uhr, 10 Euro

Schnack

In Hagenbecks Tierpark steht eine Gruppe 15-jähriger Schüler vor dem Gehege der Nasenbären. Bemerkt ein Junge: "Ich kapier nicht, warum die nicht einfach abhauen. Ein Sprung und die sind da raus." Nachdenkliches Schweigen. Darauf eine Mitschülerin fest überzeugt: "Na, die sind halt schlau. Die wissen ja, dass sie hier zu fressen kriegen und so. Da bleiben die einfach." Zustimmendes Nicken.

Gehört von Victoria Mühlwald

Meine Stadt

Man ist auf den zivilen Ungehorsam der Hamburger vorbereitet. © Foto: Regina Allmer

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Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihre

Franziska Bulban

 

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