Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

nur ein Zufall? Kaum haben Sie es wieder mit mir zu tun, entschwindet samt Kollegin Franziska Bulban auch die Sommerzeit. Und so sicher wie das Zurückstellen der Uhren in der Nacht zum Sonntag (okay, es darf auch etwas später sein) ist das Wiederaufleben der ewigen Diskussion, ob die ganze Zeitumstellung überhaupt nötig ist – oder, im Gegenteil, denkt man nur an die wegen der plötzlich anderen Fütter- und Melkzeiten verwirrten Kleinkinder und Kühe, nicht sogar schädlich.

Während etwa das Parlament Mallorcas und seiner Nachbarinseln die Sommerzeit künftig gleich das ganze Jahr über behalten will, aufgrund der "gesundheitlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteile", halten in Deutschland laut einer Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK drei von vier Befragten die ganze Zeitumstellung komplett für sinnlos. Fast 80 Prozent fühlen sich wegen des Wechsels schlapp und müde; bisher dachte ich immer, das liege am nahenden Herbst samt entsprechendem Wetter (danke dafür, lieber Meteorologe!).

Und laut dieser Studie ist angeblich auch jeder fünfte schon einmal aufgrund der Zeitumstellung zu spät zur Arbeit gekommen – erstaunlicherweise aber kam offenbar kein einziger jemals zu früh.

Kurz: Wir Deutschen jammern und klagen noch mehr als unsere Kleinkinder und Kühe. Nur nicht ich. Ich bin ganz erleichtert über die Rückkehr der Winterzeit. Endlich kann ich aufhören, bei diesem komplizierten Radiowecker im Bad immer eine Stunde dazuzuzählen.

"Task-Force Drogen": Viel Aufwand – für nichts?

Faulheit kann man den Beamten der "Task-Force Drogen" wahrlich nicht vorwerfen: Seit April geht die Polizei mit der Sonderkommission verstärkt gegen Dealer in St. Pauli, St. Georg und dem Schanzenviertel vor. Mehr als 27.000 Arbeitsstunden haben die Beamten dabei allein in den letzten zwei Monaten angehäuft, Bäume, Büsche aber andererseits auch Straßenlaternen fielen den Maßnahmen kollateral zum Opfer, knapp 6000 Menschen wurden in dieser Zeit kontrolliert. Doch der greifbare Erfolg ist eher gering, geht aus einer Anfrage der Linksfraktion hervor: Zwar stellten die Beamten in zwei Monaten über 2000 Aufenthaltsverbote und über 200 Platzverweise aus – am Ende wurde aber gegen nur 17 Personen Anklage erhoben, eine wurde abgeschoben. Die Linke fordert nun die Abschaffung der Task-Force – doch die Polizei denkt gar nicht daran. Schließlich sei das eigentliche Ziel, die Verdrängung der Dealer – vor allem im Umkreis von Schulen, Kindergärten und Spielplätzen –, geglückt, so Polizeisprecher Timo Zill. Anwohner hätten bestätigt, dass weniger Drogen offen verkauft würden. Und so bestehe derzeit "kein Anlass, von den intensivierten Maßnahmen zur Bekämpfung der öffentlich wahrnehmbaren Drogenkriminalität abzurücken".

Kein Drama: Der Streik am Flughafen

Wegen des 24-Stunden-Streiks beim Personal der beiden Lufthansa-Billigflieger Eurowings und Germanwings ist gestern am Hamburger Flughafen jeder sechste Flug ausgefallen. 101 Starts und Landungen mussten bis zum frühen Abend annulliert werden, betroffen waren rund 11.000 Passagiere, die nach Hamburg reisen oder von dort abfliegen wollten. Fast alle innerdeutschen Flüge von Germanwings wurden gestrichen. Tausende Menschen, die nicht wie geplant verreisen können – das klingt erst mal nach Chaos, erst recht am Flughafen ... Aber: Die Lage dort blieb erstaunlich ruhig, lange Warteschlangen an den Schaltern gab es nicht, ebensowenig heulende und fluchende Menschen. Wie das? Viele Passagiere seien per Mail und SMS von den Airlines über die Ausfälle informiert worden und hätten sich frühzeitig um andere Reisemöglichkeiten bemühen können, sagte eine Flughafensprecherin. Wunderbar! Wie anders dagegen – der Ausstand betraf alle größeren deutschen Flughäfen bis auf Frankfurt und München – war die Lage etwa am Düsseldorfer Flughafen: Der war laut Medienberichten voll mit Menschen, die auf eine Umbuchung hofften. Dort sind die Herbstferien ja auch schon vorbei. 

Vom Umgang mit Horror-Clowns

Seit Tagen mehren sich Berichte über Horror-Clowns: Täter in grotesker Clownsmaskerade, die Passanten nicht nur erschrecken, sondern sogar angreifen. Am Dienstag haben auch in Bahrenfeld zwei Maskierte einen 18-Jährigen mit Pfefferspray attackiert. Die Verunsicherung der mit vergleichsweise harmlosen Drohungen Süßigkeiten sammelnden Halloween-Freunde (und deren Eltern) ist groß, zumal am Montag zum Gruseltag wohl jede Menge Kostümierte auf Hamburgs Straßen unterwegs sein werden. Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) hat einen Leitfaden zum Umgang mit Horror-Clowns veröffentlicht – wir sprachen mit Kriminaloberrat Harald Schmidt.

Elbvertiefung: Was raten Sie Menschen, die einem solchen Horror-Clown begegnen? 



Harald Schmidt: Bleiben Sie besonnen. Gehen Sie dem Clown aus dem Weg, provozieren Sie nicht. Wenn Sie verfolgt werden, rufen Sie sofort die Polizei unter 110. Werden Sie bedroht oder angegriffen, bitten Sie Umstehende um Hilfe, und erstatten Sie Anzeige. Prägen Sie sich Tätermerkmale und Fluchtrichtung ein, und stellen Sie sich als Zeuge zur Verfügung. Ganz wichtig: Greifen Sie nicht zur Selbstjustiz, versuchen Sie nicht, den Clown zu stellen. Dies ist Aufgabe der Polizei!



EV: Wann machen sich die Maskierten strafbar? Erst wenn es tatsächlich, wie in einigen Städten, zu gewalttätigen Übergriffen kommt?

Schmidt: Wer Menschen verfolgt, nötigt oder angreift, macht sich strafbar. Auch Erschrecken kann strafrechtlich relevant sein, wenn sich Erschreckte verletzen oder in lebensgefährliche Situationen geraten, etwa wenn sie in Panik auf die Straße laufen.



EV:In sozialen Netzwerken kursiert bereits eine Ketten-Mail, in der vor geplanten Angriffen an Halloween gewarnt wird, die Clowns planten eine "Säuberung", heißt es dort. Nehmen Sie die Warnung ernst?

Schmidt: Nein, das ist eine Falschmeldung. Ich appelliere dringend an alle, keine Falschmeldungen zu Horror-Clowns über die sozialen Netzwerke zu streuen und diese Meldung auch nicht mit anderen zu teilen.

EV: Deutsche Medien berichteten über erste Clown-Sichtungen in den USA, als es hierzulande noch keine Vorfälle gab. Erhöhen solche Medienberichte die Wahrscheinlichkeit, dass Trittbrettfahrer erst animiert werden?



Schmidt: Bisher sind die Begegnungen mit Horror-Clowns Einzelfälle, die sich in den Medien, vor allem aber in sozialen Netzwerken blitzschnell verbreiten. So entsteht das Gefühl einer allgegenwärtigen Bedrohung. Nachahmer und Trittbrettfahrer befeuern die Angst, sie motiviert der Spaß und die Gelegenheit, Aufmerksamkeit zu erregen. Auch zu Halloween sollte klar sein: Spaß ist, wenn alle Beteiligten darüber lachen können. Und beim Thema Horror-Clowns hört der Spaß einfach auf.

Die Hamburger Polizei schließt sich den Verhaltensanweisungen der Kriminalprävention an, warnt aber nicht generell vor dem Tragen von Clownsmasken. "Kostümierung gehört zu Halloween, der Clown ist grundsätzlich positiv besetzt", so Sprecher Timo Zill. "Der Straßenräuber unterscheidet sich auch erst durch sein konkretes Verhalten von anderen Personen und nicht durch seine Optik."

Zum Tod von Manfred Krug

Als Kommissar Stoever trat er oft ein wenig brummig auf, sein musikalisches Talent konnte Manfred Krug in der Rolle des Hamburger "Tatort"-Ermittlers allemal beweisen: Schließlich durfte er in so mancher Szene im Duett mit seinem Kollegen Charles Brauer ein Lied anstimmen. Am vergangenen Freitag ist Krug im Alter von 79 Jahren gestorben, das teilte sein Management gestern mit. In der Film- und Fernsehbranche wurde der 1937 in Duisburg geborene Schauspieler zunächst in der DDR bekannt, 1977 ging er nach seinem Protest gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann in den Westen zurück. Eine seiner Paraderollen hatte Krug in "Spur der Steine". Der 1965 gedrehte Film von Frank Beyer lag in der DDR mehr als 20 Jahre im Giftschrank. In der Bundesrepublik machte Krug sich unter anderem als Anwalt in der ARD-Vorabendserie "Liebling Kreuzberg" einen Namen. Mit dem Eintritt ins Rentenalter zog er sich aus dem Schauspielgeschäft zurück, war überwiegend nur noch als Musiker aktiv. "In vielen Rollen im Fernsehen, im Kino und auf der Bühne hat er uns in seiner wundervollen Art Schwächen und Stärken der Menschen vor Augen geführt": Mit diesen Worten würdigte Bundespräsident Joachim Gauck den Schauspieler Manfred Krug. Mehr über den Mann, der immer seinem Gefühl folgte, bei den Kollegen von ZEIT Online

Golden Pudel Club (Epi-Epilog): Spenden für den Wiederaufbau

Wann wird im Golden Pudel Club wieder getanzt? Das ist – ja, immer noch – ungewiss. "Wir müssen das komplette Haus neu aufbauen, jeder Stein im Fundament und den Mauern wird geprüft und, wenn nötig, ausgetauscht", sagt eine Sprecherin des Pudel-Kollektivs. Marmor, Stein und Eisen bricht, nur die Liebe der Unterstützer nicht – und was soll das kosten? Weiß man noch nicht, man nennt aber "mehrere neue SUVs mit Luxusausstattung" als Vergleichswert. Das Problem: Das Geld der Versicherung decke die Kosten für den Wiederaufbau nicht ab, da Wolf Richter, früherer Teileigentümer, Anspruch auf die Hälfte der Summe habe, heißt es aus dem Pudel. Und die Mara & Holger Cassens Stiftung, die den Anteil Richters im Sommer aufgekauft hatte, um eine Zwangsversteigerung zu verhindern, hält sich bei der Finanzierung des Aufbaus lieber raus – weil der Pudel nun mal "selbstverwaltet betrieben" werde und unabhängig bleiben soll, so der Pudel Verein für Gegenkultur. Unter dem Motto "Pump up the Pudel" ruft der Unterstützerkreis nun online zum Spenden auf. Warum das so wichtig ist, erklärt uns Unterstützer Maarten Thiele: "Der Pudel Club hat mich immer fasziniert. Zusammen mit dem Park Fiction ist er ein Symbol dafür, was Nachbarn zusammen schaffen können: einen experimentellen Raum für Kultur, ohne kommerzielle Idee."

Mittagstisch

Chinesische Entdeckungen

Wenn die Anwesenheit von aus dem jeweiligen Land Gebürtigen ein Hinweis darauf ist, dass ein Restaurant authentisch ist, dann ist man im Din Hau gut aufgehoben, parlieren doch nicht wenige der anwesenden Gäste mit der Frau, welche die Bestellungen aufnimmt, auf Chinesisch. Die Zahl der Angebote in dem asiatischen Imbiss ist so groß, dass man leicht den Überblick verlieren kann zwischen Mittagsbuffet (kleiner Teller 4,50 €, groß 5,90 €), einem feststehenden, täglich wechselnden Mittagstisch (klein 3,80, groß für 5,50 €) und den zahlreichen Speisen von der Karte wie etwa China-Nudeln (2,50 €), gebratener Tofu mit Rindfleisch (5,90 €) oder Entenfleisch mit Gemüse und Reis (7,50 €). Für Vegetarier ist die Auswahl recht klein, aber: Alle Speisen werden ohne Geschmacksverstärker zubereitet. Nach der Qual der Wahl kann man frische und nuancenreiche Speisen genießen; eine echte Entdeckung sind die traditionellen chinesischen Teigtaschen Jiaozi, gedämpft oder gebraten mit einer leichten Soße.

Din Hau, Hoheluftchaussee 62, Mittagstisch 11.30–15.30 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Was geht

"Speisen und Preisen": Glaube geht bei Pater Rolf-Dieter Seemann durch den Magen. Gemeinsam decken die Gäste ihre mitgebrachten Speisen auf, essen und empfangen den Abendsegen.

Hauptkirche St. Petri, Bei der Petrikirche 2, 18.30–21 Uhr, Eintritt frei

Kampf der Dichter: Beim Städtebattle: Hamburg vs. München treffen Schiffe und Hafen auf die Voralpen. "Moin" schleudert sich "Servus" entgegen, Wasser flutet die Wies’n. Nebenbei begegnen sich bei diesem Poetry-Slam die besten Dichter beider Städte.

Schauspielhaus, Kirchenallee 39, 21.30 Uhr, ab 11 Euro

Mama, ich werd Maler: Hamburger ab 16 Jahren holen sich im Klub der Künste Late Night Tipps für ihre kreative Laufbahn. Dabei hilft neben offenen Workshops ein DJ-Line-up und die Finissage der Ausstellung "Visual Leader 2016".

Deichtorhallen, Deichtorstraße 1–2, 18 Uhr, Eintritt frei

Was kommt

Gekrabbel im Moor: Frösche mögen’s feucht, Molche brauchen Wasser. Gibt es in Altona aber nicht (genug). Deshalb lädt der NABU zum Moor-Aktionstag in Hamburg-Altona ein. Mithilfe von Experten soll sich dort der Lebensraum für Amphibien vergrößern. Gummistiefel nicht vergessen.

NABU, Samstag, 29.10., 11 Uhr, Anmeldung unter 040/69 70 89 34

Rockender Dichter: Wenn einer über Heimatliebe und Flucht singen darf, dann Heinz Rudolf Kunze. Schließlich ist der Rock-Poet im Flüchtlingslager Espelkamp geboren. Seinen 60. Geburtstag feiert er jetzt mit einer großen "Deutschland"-Tour und dem gleichnamigen Album.

Große Freiheit 36, Große Freiheit 36, Sonntag, 30.10., 20 Uhr, 44,25 Euro

Nachts im Museum: Kinderträume werden wahr, wenn sich bei der "Halloween-Rallye: Süßes oder Saures?" im Dunkeln die Museumstüren öffnen. Ausgerüstet mit einer Schwarzlicht-Taschenlampe, geht es für die kleinen Besucher zur Geistersuche in die Hauptausstellung BallinStadt.

BallinStadt – Auswandererwelt Hamburg, Veddeler Bogen 2, Sonntag, 31. Oktober, ab 18 Uhr, Kinder 7 Euro, Erwachsene 5 Euro

Hamburger Schnack

Durchsage im Edeka Wandsbek: Reagiert bitte mal jemand auf den Schnapsschrank!

Gehört von Andreas Weinberger

Meine Stadt

Liebe Grüße an Sie übrigens noch einmal von Franziska Bulban sie gelobt, sich in Zukunft nicht mehr beim "nur kurz rechnen" vom Telefon ablenken zu lassen. Denn dann, sagt sie, vertausche man auf einmal im Kopf die Zwischensummen der Minuten mit den Verstößen von Radfahrern, und dann habe man den Salat. "Es war natürlich", schreibt sie allen aufmerksamen Lesern, denen die unkonventionelle Rechnung im Letter von gestern nicht entgangen ist, "ein Rotlichtverstoß alle 4,5 Minuten, den die Polizei da ermittelt hat."

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Möge das Wochenende mit Ihnen sein.

Am Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihr

Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.