ZEIT ONLINE: Was ist eine gute Quizfrage für die Kneipe?

Tom Zimmermann: Sie muss bei aller Komik auf Wissen basieren. Die Leute wollen die Möglichkeit haben, etwas objektiv richtig zu machen. Und gute Fragen dürfen nicht nur für die Schlausten sein. Gut ist etwas aus dem Alltag. Welche Farben haben die Ritter-Sport-Sorten?

Darren Grundorf: Darüber wollen die Leute quatschen und das ist dann für alle lustig. Du musst jedem seinen Raum geben, Erfolgserlebnisse zu haben.

ZEIT ONLINE: Ist das schon das ganze Geheimnis?

Zimmermann: Hilfreich ist außerdem eine Ritualisierung. Die Leute stehen auf Jahreswertungen, Punktetabellen und vorgedruckte Antwortbögen. Sie wollen eine gewisse Professionalität.

ZEIT ONLINE: Ihr Ansatz scheint ziemlich gut aufzugehen. Bei Ihrem Kneipenquiz im Aalhaus sitzen die Besucher im Sommer sogar draußen auf dem Bordstein und rätseln mit.

Grundorf: Ja, das ist schon echt krass für den kleinen Laden. Bei einer maximalen Gruppengröße von sechs Spielern kommen an einem Abend schon mal 200 Leute zusammen.

Zimmermann: Ich glaube, unser Erfolg hat auch viel damit zu tun, dass wir eben nicht nur Fragen stellen. Es ist wichtig, Sprüchen zu klopfen, das Publikum und den Typen hinter der Theke einzubinden. Eigentlich ist Quiz das spießigste Format überhaupt. Das macht es so spannend, es mit einer Kneipenatmosphäre zu kombinieren. Wir sind Lehrer und Klassenclown zugleich.

Grundorf: Am Anfang haben wir viel zu viele Fragen gestellt. Mittlerweile machen wir fast nur noch Storytelling. Jedes Quiz läuft unter einem Titelthema, ein roter Faden durch den Abend. Eines lautete zum Beispiel mal "Ein Tag im Atelier von Jonathan Meese". Wir haben einen kurzen Film gezeigt, den wir immer wieder angehalten und Fragen gestellt haben – zur Kunst, zum Mutter-Sohn-Verhältnis und zu ganz anderen Themen. Das drehte sich dann im Grunde kaum um Jonathan Meese. Am Ende sind es immer etwa sechs Runden mit jeweils sechs Fragen, Videoclips oder Bilderrätseln. Die Fragen werden mitnotiert, während wir die Story erzählen, und hinterher in der Gruppe besprochen und gelöst.

ZEIT ONLINE: Seit Sie vor fünf Jahren angefangen haben, bekommt das Siegerteam eine ausgestopfte Eule überreicht. Wie ist es dazu gekommen?

Zimmermann: Die haben wir damals im Keller gefunden. Wir haben mit Timo Wiesmann und Pascal Laigre, den beiden Gründern des Aalhauses, zusammen Kultur- und Medienmanagement studiert und waren schon dabei, als sie die Räume an der Eggerstedtstraße renoviert haben. Kurz nachdem die Kneipe aufgemacht hat, kam uns die Idee mit dem Quiz. Wir haben mit Zettel, Stift und elf Teams begonnen – und eben der ausgestopften Eule. Die wurde dann ab Tag eins als Zeichen der Weisheit zum Wanderpokal.

ZEIT ONLINE: Was reizt die Besucher daran, sich mit Zettel und Stift in die Kneipe zu setzen?

Zimmermann: Das Analoge macht schon viel aus. Wenn man sonst abends weggeht, hat immer jemand das Handy draußen. Das geht beim Raten nicht. Den Leuten gefällt, ins Quatschen zu kommen. Ich habe noch nie ein Team gesehen, das sich nichts zu sagen hat – egal, was das für trockene Leute waren.

ZEIT ONLINE: Gibt es bestimmte Typen von Quizspielern?

Zimmermann: Auf jeden Fall. Wir haben vor knapp zwei Jahren ein Buch herausgebracht, in dem wir unter anderem darüber schreiben. Es gibt die Kollegialen, die immer für die Stimmung und Vermittlung zuständig sind. Es gibt die Vorreiter, die immer alles sofort wissen. Es gibt die Smarten, die aber oft zu verspult sind und nicht auf den Punkt kommen. Und es gibt die Störer, die alles immer noch mal infrage stellen müssen.