Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

wir haben ein kleines Jubiläum zu vermelden: Heute vor einem Jahr verschickten wir die erste Elbvertiefung. Seither dürfen mein Team und ich Sie morgens mit Neuigkeiten aus Hamburg informieren, nachdenklich machen, amüsieren, vielleicht sogar mal kurz zum Lachen bringen – im Bett, in der Badewanne, am Küchentisch, in der U-Bahn, im Büro, auf dem (natürlich stehenden!) Fahrrad; sollte ich einen wirklich signifikanten Ort vergessen haben, schreiben Sie uns! Und ich möchte Ihnen hier kurz, aber sehr herzlich Danke sagen, für Ihren Zuspruch, für all die ermutigenden, Freude machenden Mails – an die Redaktion und persönlich. Natürlich auch jener Leserin, die uns gestern zum Jahrestag zwei Einweckgläser mit Zimtsternen vorbeibrachte: eins für uns, die Redaktion. Das andere, genauso groß (!), für den Meteorologen: das wäre doch nicht nötig gewesen! …

Und jetzt machen wir schnell weiter.

Ohne Mängel? Quasi …

Gestern berichteten wir, die Elbphilharmonie sei an die Stadt übergeben worden, ohne dass groß die Rede von Mängeln gewesen sei. Aber ein paar gibt es natürlich doch. Genau gesagt 12.309 Mängel, bestätigt Enno Isermann, der Sprecher der Kulturbehörde. Meist Kleinkram wie Kratzer oder ein fehlender Türknauf (dumm, wenn es der von der Toilette ist). "Da ist nichts dabei, was uns Sorgen macht oder was wir nicht bis zur Eröffnung behoben hätten", gibt sich Isermann optimistisch. Dennoch, die pure Zahl klingt viel – hat man damit gerechnet? "Nein. Wir haben mit mehr gerechnet", Isermann zitiert eine Faustregel, nach der man beim Hausbau mit einem Mangel pro Quadratmeter rechne. Mit 120.000 Quadratmetern stünde die Elbphilharmonie demnach sensationell gut da, auch wenn Isermann sagt, die Häuslebauerformel sei "natürlich nicht direkt vergleichbar"; "aber Mängel gibt es immer". Dem stimmt der Verband der Deutschen Haus- und Grundeigentümer zu. Eine mängelfreie Übergabe, so Sprecher Gordon Gross, sei "der Idealfall, der nahezu niemals eintritt". Bei einem Einfamilienhaus sollten aber "nicht mehr als 20 kleinere Mängel auf der Liste stehen". Auch dieser Richtwert lässt sich anhand der Quadratmeterzahl auf das neue Konzerthaus umrechnen: Geht man von Einfamilienhäusern mit jeweils 120 Quadratmetern Fläche aus, dürfte die Elbphilharmonie demnach so viele Mängel haben wie 1000 Häuser zusammen, nämlich 20.000 Stück. Da sind lediglich rund 12.000 immer noch sehr gut. Okay, Sie können nun sagen, Hamburger Einfamilienhäuser seien doch viel größer. Aber dann, beschloss ich eben mit Kollegin Franziska Bulban, müssen Sie selber rechnen!

Spuren beim Mord an der Alster?

Wie verschiedene Hamburger Medien gestern berichteten, hat eine Mordkommission des LKA Hamburger Ärzte um Hilfe im Fall des an der Alster erstochenen 16-Jährigen gebeten. Diese Mails liegen auch der ZEIT vor. In ihr werden die Mediziner gebeten, Männer mit einer Schnittwunde an der Hand zu melden. Es sei zu vermuten, dass sich der Täter an der Hand selbst verletzt habe. Selbstverständlich, stellt die Ärztekammer in einer zweiten Mail dar, könne der Bruch der ärztlichen Schweigepflicht nur "ausnahmsweise gerechtfertigt sein". Die Kammer bietet Ärzten eine Rechtsberatung bei schwierigen Einzelfällen an. Bei der Pressestelle der Polizei bestätigt man, Hamburger Ärzte angeschrieben zu haben. Zu allen anderen Aspekten der Untersuchungen will ein Sprecher derzeit keine Auskunft geben. Man ermittle ergebnisoffen, auch in Richtung der umstrittenen "Bekennerbotschaft" des IS.

Warum auch Asketen Herzinfarkte erleiden

Anfang der Woche besuchte unser Erster Bürgermeister, Olaf Scholz das UKE – nicht aus persönlichen Gründen, sondern um sich nach den Fortschritten der Hamburg City Health Study zu erkundigen. Das Forschungsprojekt, in dem 45.000 Hamburger alle sechs Jahre untersucht werden sollen, wurde über zwei Jahre sukzessive aufgebaut und hat im März seine Arbeit aufgenommen. Die ersten 3333 Teilnehmer wurden bereits von Kopf bis Fuß durchleuchtet – im wahrsten Sinne des Wortes. Wir haben mit Professor Stefan Blankenberg, dem Leiter der Studie gesprochen.

Elbvertiefung: Herr Blankenberg, was wollen Sie mit der Studie erreichen?

Stefan Blankenberg: Uns interessiert, wie sich Krankheiten entwickeln: Wer erkrankt warum? Manche Menschen erfüllen zum Beispiel alle Risikofaktoren für einen Schlaganfall, erleiden aber nie einen. Andere leben wie Asketen und erkranken trotzdem.

EV: Die Studie soll vor allem sogenannte Volkskrankheiten erforschen...

Blankenberg: Wir untersuchen zum Beispiel Krankheitsbilder wie Schlaganfälle und Demenz, aber auch häufige Haut- und Zahnerkrankungen. Wir möchten bei oft auftretenden Krankheiten umfassende und tiefgehende Basisdaten ermitteln.

EV: Was erwartet die Studienteilnehmer?

Blankenberg: Um mitzumachen, muss man erst einmal per Zufall ausgewählt werden. Wir schreiben, mithilfe des Einwohnermeldeamts, ein Viertel bis ein Drittel der Hamburger im Alter zwischen 45 und 75 Jahren an. Wer Interesse zeigt, wird bei uns in einem ersten Schritt sechs Stunden lang umfänglich untersucht. In einem zweiten Schritt gibt es dann die Möglichkeit, ein Herz- oder Hirn-MRT zu machen – oder beides.

EV: Das klingt nicht unaufwendig – was haben denn die Teilnehmer davon?

Blankenberg: Sie bekommen kein Geld. Aber es gibt einen umfassenden gesundheitlichen Check-up, der auch Früherkennungsuntersuchungen beinhaltet, zum Beispiel von Darm- und Prostatakrebs. Und die Teilnehmer helfen der Wissenschaft, in Zukunft Krankheiten besser behandeln zu können. Nur durch solche umfassenden Langzeitstudien war es zum Beispiel möglich, zu zeigen, dass Rauchen ein Risikofaktor für Schlaganfälle ist.

EV: Bei der Gesundheit spielen bekanntermaßen nicht nur physische Faktoren eine Rolle, sondern auch die Umgebung und die Beziehungen der Untersuchten.

Blankenberg: Klar, auch unsere psychosozialen Institute sind in die Studie eingebunden. Insgesamt beantworten Teilnehmer rund 2000 Fragen, auch zu Umweltfaktoren und Beziehungen.

EV: Das klingt sehr ambitioniert. Gibt es Vorbilder für diese Studie?

Blankenberg: Wir haben uns ein wenig an der Copenhagen City Heart Study, einer Partnerstudie, orientiert. Und Kollegen in den Niederlanden, beispielsweise in Rotterdam, sind uns weit voraus, das muss man neidlos anerkennen. Solche Studien brauchen über lange Zeit die Begeisterung bei der Klinik, in der Politik und auch in der Bevölkerung. Aber die scheint in Hamburg im Moment bei allen Beteiligten vorhanden zu sein.

Fall eines Fußballhelden

Gestern hat sich der FC St. Pauli von seinem Sportchef Thomas Meggle getrennt. "Die Gründe für die Entscheidung liegen in unterschiedlichen Auffassungen über die strategische Ausrichtung des Clubs", twitterte der Verein, aber "Thomas ist am Millerntor weiterhin immer willkommen". Thomas Meggle hatte mal so etwas wie einen Heldenstatus bei den Fans des FC St. Pauli. In der Saison 2009/2010, schreibt Pauli-Fan und ZEIT-Kollege Urs Willmann, verabschiedete er sich als Aufsteiger aus seiner Mannschaft, nach 174 Spielen und 44 Toren für seinen Verein. Als Sportchef war er dagegen umstritten. Normalerweise werden oft die Trainer für die Leistung ihrer Mannschaft verantwortlich gemacht. Nicht so bei Pauli, hier sahen viele Fans beim Sportchef die Schuld. Meggle habe "zugelassen, dass vier Leistungsträger den Verein verließen", schreibt Willmann auf ZEIT ONLINE. Wer im Verein zusammenhält und warum es vielleicht besser ist, dass "Meggie" jetzt geht, lesen Sie hier.

Einmal um Hamburg herum, aber mit Karte!

Woran denken Sie, wenn Sie jetzt aus dem Fenster schauen? An eine Fahrradtour? Eben – ich auch nicht. Aber ZEIT ONLINE-Kollege Johan Dehoust (vielleicht kennen Sie ihn noch von der EM-Kolumne bei uns) hat gerade einmal Hamburg umradelt. Sein Bericht vom Stadtrand ist der krönende Abschluss der ZEIT:Hamburg-Reihe zum Thema "Im grünen Bereich – Hamburgs Speckgürtel". Für die Umrundung hat Dehoust drei Tage gebraucht. Ob ihm abends die Muskeln schmerzten und warum manche Fischer nur zur Mitte der Elbe fahren dürfen, kann man in kleinen Videos auf unserem gemeinsamen ZEIT-Facebook-Account für Hamburg verfolgen. Und, letzte Chance, seinen gesamten Bericht, auch darüber, weshalb es sich wirklich lohnt, Karten lesen zu können, finden Sie in der aktuellen Ausgabe der ZEIT heute noch am Kiosk oder digital hier.

Mittagstisch

Kleiner Ausflug nach Spanien

Nein, eigentlich habe sie keinen Tisch mehr frei, auch nicht für zwei Personen, sagt die nette Dame am Empfang auf Spanisch. Man ist erstaunt, es ist doch erst Mittag und das Restaurant nicht klein. Die Begleitung fragt höflich auf Spanisch nach, ob da nicht doch etwas zu machen sei, die Dame beugt wieder den Kopf über den Reservierungskalender, schaut angestrengt und nickt schließlich. Vielleicht ist, wer Spanisch spricht, im Vorteil im Picasso, und das tun nicht wenige der Anwesenden und alle, die dort arbeiten. Ohne lange nachzudenken, lässt man sich ein Glas des weißen Riojas (0,2 l für 5,50 €) einschenken, genießt den Tapas-Mix von der Mittagstischkarte (Chorizo, Tortilla und Pimientos für 9,50 €) und lässt auch die hausgemachte Schokotorte Tres Chocos (5,50 €) nicht aus. Und erst bei der Frage, ob man einen Schnaps möchte, erinnert man sich daran, dass man nicht in Spanien weilt, sondern dass der Arbeitsnachmittag noch wartet.

Picasso; Rathausstraße 14, Mittagstisch Montag bis Samstag, 11.30 bis 15.30 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Wenn das Ende naht: Liegt ein Mensch im Sterben, ist nicht nur Fachwissen gefragt – es geht vor allem um Würde. Katharina Woellert widmet ihren Vortrag "Die Begleitung Schwerkranker und Sterbender im Krankenhaus" den ethischen Aspekten. Medizinhistorisches Museum Hamburg, Universitätsklinikum, Fritz-Schumacher-Haus (Gebäude N30 b), Martinistraße 52, 18.30 Uhr, Eintritt frei

Schnell erzählt: Bei "Off The Record - Das Magazin #OnStage" bieten Kreative unter Zeitdruck gute Stories. Bis zu zehn Teilnehmer schnacken um die Wette, untermalt von Fotos, Grafiken oder Filmen. Uebel und Gefährlich, Feldstraße 66, 20 Uhr, 9,40 Euro

Risiko Zauberstab: Magie ist toll, aber auch kompliziert. Darüber verzweifeln beim Puppenspiel des Holzwurm Theaters die Zauberlehrlinge "Theo und die Zauberfine". Wieso alles einfacher – aber auch gefährlicher – mit einem Zauberstab ist, erfahren Kids ab vier Jahren. Hamburger Puppentheater, Bramfelder Straße 9, 10 Uhr, 4,50 Euro

Voll paranormal: Der Amerikaner Ted Serios steckte voller übernatürlicher Kräfte, behauptete, Gedanken mittels psychischer Energie auf Sofortbild bannen zu können. Anlässlich seines zehnten Todestages kommt ein Bildband auf den Markt: "Ted Serios – Serien". Metropolis, Kleine Theaterstraße 10, 21.15 Uhr, 7,50 Euro

Was kommt

Verlosung: Die Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke zieht mit ihren fantasievollen Erzählungen wie "Herr der Diebe", "Drachenreiter" oder der Trilogie "Tintenwelt" Kinder wie Erwachsene weltweit in ihren Bann. Am nächsten Mittwoch, 9.11., spricht sie im Rahmen von BRIGITTE LIVE mit BRIGITTE-Chefredakteurin Brigitte Huber in den Hamburger Kammerspielen. Die Gesprächsreihe "Die Stunde der Frauen" bietet weiblichen Vorbildern seit 2013 regelmäßig eine Bühne mit persönlichen Ansichten und Einsichten. Und nun das Beste: Für unsere Elbvertiefungsleser konnten wir 3x2 Karten sichern. Beantworten Sie uns bitte bis Donnerstag, 12 Uhr, folgende Frage: Wie heißt Cornelia Funkes kürzlich erschienene "Drachenreiter"-Fortsetzung? Antwort bitte an elbvertiefung@zeit.de. BRIGITTE LIVE mit Cornelia Funke, 9.11., Hamburger Kammerspiele, Hartungstraße 9–11, 19.30 Uhr, Karten 12–15 €.

Schnack

An der Supermarktkasse zieht die Kassiererin einen Harzer Käse über den Scanner. "Ähh, den kann ich nich’ ab, der riecht wie alte Socken."

Gehört von Maren Wendt

Meine Stadt

Kleine Rebellion wirft großen Schatten? Am U-Bahnhof Alsterdorf © Foto: Carsten Pallas

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.