Junge Frauen berichten von massenhafter sexueller Belästigung und von Diebstählen auf St. Pauli. So begann das Jahr 2016. Ein Ereignis, das Hamburg bis heute begleitet. Vor Kurzem erst hat der Freispruch für drei Tatverdächtige für Aufsehen gesorgt. Bei weitem nicht die einzige Begebenheit, die die Stadt im vergangenen Jahr geprägt hat. Sportclubs, die Pleite gehen, die fertiggestellte Elbphilharmonie, der Tod großer Persönlichkeiten – es gab reichlich Gesprächsstoff. So viel, dass es bisweilen schon nach kurzer Zeit schwer fällt, sich an die wichtigen Nachrichten zu erinnern.

Januar

Mehr als 400 Frauen werden Opfer sexueller Übergriffe

1. Januar: Während der Neujahrsfeiern an der Hamburger Reeperbahn und dem Jungfernstieg werden Hunderte Frauen Opfer sexueller Übergriffe. Männer umringen die meist 18- bis 25-Jährigen, begrapschen und bestehlen sie. Die Staatsanwaltschaft leitet nach eigenen Angaben bis Dezember 245 Ermittlungsverfahren ein. Die Behörde zählt 410 geschädigte Frauen. In vier Fällen kommt es zu Anklagen, zwei davon enden mit Freisprüchen vor Gericht. In einem Prozess um einen Angriff auf eine 19-Jährige am S-Bahnhof Stellingen wird ein Afghane zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Ein weiterer Prozess soll Anfang 2017 beginnen.

Dänemark kontrolliert Pässe an Grenzübergängen zu Deutschland

4. Januar: Zur Eindämmung des Flüchtlingsandrangs führt Dänemark ab sofort wieder Passkontrollen an der Grenze zu Deutschland ein – zunächst nur stichprobenartig und befristet. Dazu sehe sich sein Land gezwungen, weil Schweden einreisende Menschen aus Dänemark kontrolliere, sagt Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig kritisiert die Grenzkontrollen. Sie könnten das gute Zusammenleben in der Grenzregion beeinträchtigen und Pendler belasten, erklärt der SPD-Politiker.

Hamburger Polizei gründet Sonderkommission gegen Rockerkriminalität

4. Januar: Mit der Bildung einer Sonderkommission reagiert die Hamburger Polizei auf die zunehmende Gewalt zwischen verfeindeten Rockergruppen in der Hansestadt. Die Soko Rocker besteht aus 50 Kripo-Beamten, wird aber Anfang April deutlich verkleinert. Die Soko macht mehrere Razzien, durchsucht Wohnungen, Bordelle und eine Autowerkstadt. Eine Reihe von Verdächtigen wird festgenommen.

Hamburgs neuer Innensenator Andy Grote offiziell im Amt

20. Januar: Hamburgs neuer Innensenator Andy Grote ist offiziell im Amt. Die Bürgerschaft bestätigt die Ernennung des 47-jährigen Sozialdemokraten durch Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Der Jurist und bisherige Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte erhält 72 von 118 Stimmen. Das sind exakt so viele Stimmen wie die Koalition aus SPD und Grünen Sitze hat. Grote übernimmt den Posten von Michael Neumann (SPD), der wegen Amtsmüdigkeit seinen Rücktritt erklärt hat.

Erster Tatverdächtiger nach Hamburger Silvester-Übergriffen in Haft

21. Januar: Drei Wochen nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht auf St. Pauli erlässt das Hamburger Amtsgericht einen ersten Haftbefehl gegen einen Tatverdächtigen. Der 29-jährige Afghane wird in einer Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Stellingen gefasst. Vier Monate später, am 19. Mai, wird er von dem Vorwurf der sexuellen Nötigung freigesprochen. Zwei Zeuginnen erkennen ihn nicht wieder. Für die Untersuchungshaft bekommt er eine Entschädigung.

HSV Hamburg stellt Spielbetrieb in Handballbundesliga ein

25. Januar: Der HSV Hamburg verschwindet endgültig aus der Handballbundesliga. Insolvenzverwalter Gideon Böhm meldet den mit rund vier Millionen Euro verschuldeten Verein mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb der Eliteliga ab. Knapp eine Woche zuvor war den Hamburgern bereits die Lizenz zum Saisonende aberkannt worden. Die 20 bereits absolvierten HSV-Saisonspiele werden annulliert und aus der Tabelle herausgerechnet. Das HSV-Projekt ist nach 13 Jahren beendet.

Vater mit Baby aus eisigem Teich gerettet, die Mordkommission ermittelt

25. Januar: Nach der dramatischen Rettung eines Vaters und seines drei Monate alten Babys aus einem eisigen Teich in Hamburg-Eißendorf sucht die Polizei nach zwei Unbekannten. Der 24 Jahre alte Vater gibt an, er sei auf der Flucht vor diesen Männern ins Eis eingebrochen. Das drei Monate alte Baby wird von Rettern wiederbelebt und ins Uniklinikum Eppendorf gebracht. Dort stirbt es am 8. Februar. Der Vater war bei der Rettung unterkühlt und hatte mehrere Stichverletzungen. Noch im Dezember ermittelt die Staatsanwaltschaft weiterhin gegen unbekannt.

Flüchtlinge beziehen Heim im Hamburger Nobelviertel Harvestehude

27. Januar: Nach langem Rechtsstreit ziehen erste Flüchtlinge in ihre neue Unterkunft im Hamburger Nobelviertel Harvestehude. Insgesamt bieten die für 2,8 Millionen Euro umgebauten Räume des ehemaligen Kreiswehrersatzamtes an der Sophienterrasse Platz für 190 Flüchtlinge. Das Vorhaben hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt: Anfang 2015 hatten Anwohner erfolgreich gegen den Bau der Unterkunft in dem Villenviertel geklagt. Auch einem Vergleichsangebot im Mai stimmten die drei Kläger nicht zu. Nach fast einjährigem Rechtsstreit verständigten sich Anwohner und das Bezirksamt Eimsbüttel im September 2015 auf einen Kompromiss.

Tesa eröffnet neue Unternehmenszentrale in Norderstedt

28. Januar: Der Klebebandhersteller Tesa nimmt seine neue Unternehmenszentrale samt Forschungs- und Technologiezentrum in Betrieb. Damit habe Norderstedt einen großen Fisch an Land gezogen, sagt Bürgermeister Hans-Joachim Grote. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) heißt die mehr als 1.000 Mitarbeiter an ihren neuen Arbeitsplätzen im "echten Norden" willkommen. Tesa hat mehr als 160 Millionen Euro in die neue Zentrale investiert. Zuvor waren die zentralen Bereiche des Unternehmens auf verschiedene Gebäude in Hamburg verteilt.

Februar

Hapag-Lloyd legt besseres Ergebnis vor

23. Februar: Die Reederei Hapag-Lloyd legt für 2015 ein deutlich besseres Ergebnis vor. Das Unternehmen verdiente 366 Millionen Euro vor Steuern und Zinsen (Ebit). 2014 war noch ein Verlust von 383 Millionen Euro angefallen. Damit habe Hapag-Lloyd die Ergebnisziele für das Jahr erreicht, teilte das Unternehmen in Hamburg mit. Vorstandschef Rolf Habben Jansen will für das laufende Geschäftsjahr erstmals eine Dividende zahlen, nachdem Hapag-Lloyd Anfang November an die Börse gegangen war. Doch daraus wird nichts. Im weiteren Verlauf des Jahres fallen die Frachtraten weiter und die Aussichten für Hapag-Lloyd verdüstern sich.

Gegner großer Flüchtlingsunterkünfte starten Volksinitiative

26. Februar: Die Gegner großer Flüchtlingsunterkünfte in Hamburg machen ihre Drohung wahr und starten offiziell die Volksinitiative Hamburg für gute Integration. Dazu übergeben sie im Rathaus die erforderlichen Unterlagen. Darin fordert der Initiativen-Dachverband, dass in Folgeunterkünften künftig nie mehr als 300 Flüchtlinge untergebracht werden. Außerdem müsse der Abstand zwischen Einrichtungen mit mehr als 100 Flüchtlingen mindestens einen Kilometer betragen.

Angebliche Vergewaltigung in Norderstedter Schwimmbad

28. Februar: Im Schwimmbad Arriba sollen zwei Flüchtlinge aus Afghanistan im Alter von 14 und 34 Jahren eine 14- Jährige gemeinschaftlich vergewaltigt haben. Der Fall erregt großes Aufsehen. Das Schwimmbad reagiert mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Am 9. September spricht ein Schöffengericht beide Angeklagte vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Einen "Kuss auf die Hüfte" einer 18-Jährigen, den der ältere Angeklagte gestanden hatte, werten die Richter als sexuelle Nötigung im minderschweren Fall. Dafür verurteilen sie ihn zu acht Monaten Bewährungsstrafe.

März

Initiative gegen große Flüchtlingsheime sammelt 26.000 Unterschriften

2. März: Die Volksinitiative gegen große Flüchtlingsheime sammelt in nicht einmal einer Woche rund 26.000 Unterstützerunterschriften. Die große Zahl "hat uns sehr überrascht", sagt Initiativensprecher Klaus Schomacker bei der Übergabe von insgesamt 13 Ordnern mit Unterschriftenlisten. Die Volksinitiative Hamburg für gute Integration hatte ihr Ansinnen erst eine Woche zuvor im Rathaus angemeldet und hätte eigentlich ein halbes Jahr Zeit gehabt, um die notwendigen 10.000 Unterschriften vorzulegen. Die Initiative setzte sich unter anderem dafür ein, dass in Flüchtlingsheimen nicht mehr als 300 Menschen leben sollen und die Unterkünfte mindestens einen Kilometer voneinander entfernt liegen müssen.

Grünes Licht für Fehmarn-Tunnel: Dänemark steht hinter Projekt

4. März: Trotz höherer Kosten und Verzögerungen steht Dänemark weiter hinter dem Fehmarnbelt-Tunnel. Das stellen die Parteien, die das Vorhaben unterstützen, in Kopenhagen klar. Das Parlament gibt grünes Licht für den weiteren Prozess. Das Projekt sei wieder in der richtigen Spur, sagt Verkehrsminister Hans-Christian Schmidt. Der Kieler Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) begrüßt das Votum. Zuvor hatten dänische Politiker zunehmend am Bau des 18 Kilometer langen Tunnels zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland gezweifelt. Durch Nachverhandlungen wurde das Budget bei einer längeren Bauzeit aber zuletzt auf 7,1 Milliarden Euro gesenkt.

Zentrum für angewandte Luftfahrtforschung wird eröffnet

7. März: Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), die Luft- und Raumfahrtkoordinatorin der Bundesregierung, Brigitte Zypries, und führende Wirtschaftsvertreter eröffnen das Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) in Hamburg. "Damit gewinnt Hamburg bei Forschung und Entwicklung weit über die Luftfahrtbranche hinaus an internationalem Profil", sagte Scholz. Das 100 Millionen Euro teure Forschungszentrum bietet auf 26.000 Quadratmetern Nutzfläche rund 600 Arbeitsplätze.

Einigung über Zukunft der HSH Nordbank wird offiziell

21. März: Die EU-Kommission und die Bundesrepublik Deutschland einigen sich auch offiziell über die Zukunft der HSH Nordbank. Fünf Monate nach der informellen Einigung seien die offenen bilanzrelevanten Fragen geklärt, teilte die HSH Nordbank in Hamburg mit. Inhaltlich bleibt es bei den bereits bekannten Eckwerten: Die Bank darf Schiffskredite in Höhe von 6,2 Milliarden Euro an die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein abgeben sowie über weitere zwei Milliarden Euro über den Markt. Im Gegenzug muss die Bank innerhalb von zwei Jahren verkauft oder abgewickelt werden.

Musiker Roger Cicero stirbt im Alter von 45 Jahren

24. März: Jazzmusiker Roger Cicero stirbt im Alter von 45 Jahren in Hamburg an einem Hirninfarkt – fünf Tage später wird sein Tod in der Öffentlichkeit bekannt. Cicero hatte für Deutschland 2007 beim Eurovision Song Contest (ESC) gesungen und mit Frauen regier'n die Welt den 19. Platz belegt. Seine letzten großen Projekte waren Cicero Sings Sinatra und The Roger Cicero Jazz Experience, für letzteres gab es posthum einen Jazz-Echo – sein dritter Preis aus der Echo-Familie. Die nächste Tour sollte am 7. April starten. Am 15. April nahmen Freunde und Fans bei einer Trauerfeier Abschied, die Beisetzung war einige Tage zuvor im engsten Familienkreis.

Ausschreitungen nach Schanzenfest

27. März: Im Hamburger Schanzenviertel kommt es nach dem traditionellen Schanzenfest erneut zu kleineren Ausschreitungen. Nach einem zunächst friedlichen Straßenfest rückt die Polizei am Abend mit Wasserwerfern an. Es seien immer wieder Feuer angezündet worden, Flaschen seien in Richtung der Beamten geflogen, sagt ein Polizeisprecher. Zwei Wasserwerfer wurden beschädigt. Auch ein hochwertiges Auto sowie drei Schaufensterscheiben von Geschäften seien Ziel von Randalierern gewesen. Sechs Menschen wurden vorläufig festgenommen, sieben weitere kamen in Gewahrsam. Verletzt wurde niemand.