Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen, 

nein, wir bleiben bei unserem Versprechen, an dieser Stelle den neuen Kulturtempel in der HafenCity erst mal zu ignorieren; trotz des ausbaufähigen Vorschlags eines Lesers, Wünsche einzusammeln, was in dem Ding denn noch gespielt werden solle ("da man Karten ja eh nicht bekommt, kann man doch stattdessen ein wenig träumen … also ich wünsche mir: Mikis Theodorakis: Canto General (Die Vertonung der Gedichte von Pablo Neruda) …").

Der ausgleichenden Gerechtigkeit wegen möchte ich hier aber unbedingt noch einmal auf das lesenswerte Interview in der noch aktuellen ZEIT:Hamburg hinweisen, das sich mit der Frage beschäftigt, wie es sonst um die Kultur in Hamburg bestellt ist. Falls Sie noch nicht reingeschaut haben, es geht um Themen wie: Verdeckt der Hype um die – ’tschuldigung, nur einmal noch den Namen, sonst schimpft unser Korrektorat – Elbphilharmonie, wie sehr in der Stadt sonst an der Kunst gespart wird? Geht zu viel Geld für das Präsentieren und Polieren drauf, sodass immer weniger für die Substanz bleibt? Und: Wieso gibt es immer noch keinen neuen Kultursenator – und was müsste der tun? Hamburg brauche positive Visionen, finden die vier Diskutanten, Kunstverein-Direktorin Bettina Steinbrügge, Thalia-Theater-Intendant Joachim Lux, Literaturhaus-Chef Reiner Moritz und Reeperbahn-Festival-Organisator Alexander Schulz. Und klar, mehr Geld. Und dazu Strukturen, die Kreativität fördern.

Apropos kreativ: Die Hochbahn hat eine Kampagne entwickelt, um Konzertbesucher dazu zu bringen, das Gebäude, dessen Namen hier jetzt nicht mehr fallen sollte, nicht per Auto anzufahren. "Parkplatz suchen an der Elphi? Können Sie streichen", heißt es ganz richtig auf einem der Plakate. Die werben dafür, die U-Bahn-Linien U3 und U4, die Buslinie 111 und die Hafenfähre der Linie 72 zu nehmen. "Die Kampagne verdeutlicht", so eine Sprecherin, "dass die Wege zur Elphi-Flotte kurz sind, die Takte eng und das Kapazitätsangebot bedarfsgerecht gesteuert wird." Wow! Mal sehen, wie das im grauen Hamburger Alltag aussehen wird.

Neue Klage gegen Flüchtlingsunterkunft

Der Björnsonweg in Blankenese sorgt seit Monaten für Schlagzeilen. Hier soll ein Pavillondorf für 192 Menschen entstehen, nun verzögert sich der Bau der Flüchtlingsunterkunft allerdings zum wiederholten Mal. Grund ist die erneute Klage eines Anwohners, wie NDR 90,3 berichtete. Daniel Posselt vom Zentralen Koordinierungsstab für Flüchtlinge konnte uns über die Gründe keine Auskunft geben, noch habe die Stadt die Klageschrift gar nicht erhalten. Die Stadt sei nach wie vor für die "Gleichbehandlung aller Stadtteile", so Posselt, deswegen müsse es möglich sein, "auch im schicken Blankenese Flüchtlinge unterzubringen". Das passt jedoch nicht allen Anwohnern. Seit April letzten Jahres gab es immer wieder Proteste und Klagen, die Gründe dafür reichten von Umweltschutz bis zu Verfahrensfehlern, dazu gab es medienwirksame Symbolik: Erst blockierten Autos die Baumfällarbeiten, im Gegenzug schwangen linke Aktivisten Kettensägen. Nachdem ein Anwohner Klage gegen den Bau eingereicht hatte, verkündete das Verwaltungsgericht den Baustopp, woraufhin die Stadt ebenfalls klagte – so geht es seit Monaten hin und her. Braucht es angesichts der zurückgehenden Zahl der ankommenden Flüchtlinge überhaupt neue Unterkünfte? "Ganz dringend sogar", sagt Posselt, es handele sich hier um Folgeunterkünfte. Für die Menschen bedeutet das: mehr Ruhe, mehr Privatsphäre und ein Stück Normalität. Die 42 Bäume sind mittlerweile übrigens gefällt; nicht von den linken Aktivisten.

Einmaleins der Schulpolitik

In der Diskussion um die Mathematik-Probeklausur, bei der die Abiturienten an Hamburger Gymnasien und Stadtteilschulen so schlecht abschnitten, dass Schulsenator Ties Rabe den Notenschnitt um eine ganze Note nach oben "korrigierte" und zusätzliches Mathetraining bis zu den Abiturprüfungen anordnete, wirft Sabine Boeddinghaus, schulpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, der SPD und den Grünen vor, eine Debatte dazu im Schulausschuss am Freitag abgelehnt zu haben. Das sei "peinlich und ein verheerendes Signal an die Betroffenen". Boeddinghaus forderte nicht nur zusätzlichen Matheunterricht, sondern auch: "Dass Mathe von echten Fachlehrkräften unterrichtet wird, muss wieder die Regel werden!" Der zugrunde liegende Vorwurf, so die Schulbehörde gestern, sei "unsinnig und an der Realität vorbei": An den Gymnasien würden 99,2 Prozent des Mathematikunterrichts bereits von Fachlehrkräften erteilt, an Stadtteilschulen 93,1 Prozent. Die Elternkammer sorgt sich indes, dass andere Schüler unter dem vermehrten Mathematikunterricht für die Abiturienten leiden könnten, ein naheliegender Gedanke angesichts dessen, dass die Last-Minute-Extraeinheiten auch für die Lehrer "on top" kommen. Und dann ging es noch um Emotionen: Das Fach Mathe sei leider immer noch "angstbehaftet", so die Linke. Und die Elternkammer stellt klar: "Für unsere Kinder wird auch künftig Spaß an der Mathematik der Schlüssel zum Erfolg sein!" Für den zukünftigen Unterricht sicher zwei bedenkenswerte Punkte.

Immer noch nicht in New York

"Und auf der Treppe dachte er, wie wenn das jetzt ein Aufbruch wär, ich müsste einfach geh’n für alle Zeit, für alle Zeeeeeit ..." Na, wer kann da nicht mitsingen, und wem steigt bei diesen Zeilen nicht auch der Geruch von Bohnerwachs in die Nase? Am Donnerstag wird in Hamburg das musikalische Vermächtnis eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Sänger wieder zum Leben erweckt, das von Udo Jürgens, der vor zweieinhalb Jahren im Alter von 80 starb. Dessen Musical "Ich war noch niemals in New York" feierte vor zehn Jahren im Hamburger Operettenhaus Uraufführung, damals noch in Anwesenheit des Musikers. Im Stage Theater an der Elbe, wo bisher "Das Wunder von Bern" lief, sollen Udos größte Hits, darunter selbstredend die Klassiker "Mit 66 Jahren", "Aber bitte mit Sahne" und "Griechischer Wein" nun wieder bis zum Sommer zu hören und zu sehen sein. Und die Story? Eine Geschichte von Liebe, Familie und Sehnsucht, die – wie passend an der Elbe – auf einem Kreuzfahrtschiff spielt. Noch gibt’s Tickets für die erneute Hamburger Premiere, ein paar Balkonplätze sind noch frei.

Ohne Pinkel: Grünkohlweltmeister aus Hamburg

Sie dachten, Grünkohl sei ein typisch norddeutsches Provinz-Essen? Langweilig? Simpel? Geht nur mit Pinkel oder Speck? Oldenburg beweist das Gegenteil. Hier hat die "Kreative Runde Oldenburg" am Samstag die erste Grünkohl-Weltmeisterschaft veranstaltet. 19 Köche versuchten, mit ihren Grünkohlgerichten die Jury zu überzeugen. Ein wesentliches Kriterium: Das Gemüse sollte gerade nicht traditionell mit fetter Wurst und schlüpfrigem Namen, sondern innovativ und kreativ zubereitet werden, wie Organisator Hans-Joachim Wätjen erklärt. Und, das ist jetzt weniger überraschend, es sollte auch gut aussehen und gut schmecken. Warum wir eigentlich darüber berichten? Weil der erste Grünkohl-Kochweltmeister ein Hamburger Jung ist! Koch Christoph Steinhauser hat sich gegen die Konkurrenz aus acht Nationen durchgesetzt mit seinem exotischen Grünkohl-Graupenrisotto mit geräuchertem Aal in Tempura sowie Grünkohl-Chips mit Speck-Salz. Was man im Norden Deutschlands schon längst weiß, nämlich dass Grünkohl zu den coolsten aller Gemüsesorten gehört, ist mittlerweile auch in den USA bekannt. Hier herrscht ein regelrechter Grünkohl-Hype, allerdings isst man den "kale" dort meist in roher Form oder gepresst in flüssigen Smoothies – gesund eben. Die Anhänger der Grünkohl-Bewegung, zu denen auch Michelle Obama oder Gwyneth Paltrow gehören, feiern das Superfood für seinen hohen Anteil an Vitamin A, B, C, seinen hohen Kalzium- und Folsäureanteil und den geringen Fettgehalt. Von wegen alle Trends kommen aus den USA. Das lässt hoffen…

Falls Sie sich immer noch fragen, was eigentlich dieses "Tempura" ist: Es handelt sich nicht etwa um die lateinische Bezeichnung für eine Warzenkrötenart, sondern um eine Zubereitungsform der japanischen Küche: Speisen werden in einem Teigmantel aus Mehl, Ei und Wasser in heißem Öl frittiert.

Worauf ich mich diese Woche freue

… verrät uns Laura Ludwig

"Ich freue mich auf meine Rückkehr in den Sand. Nach einer Schulteroperation Anfang Dezember musste ich den Arm in eine Schlinge legen und hatte absolutes Beachvolleyballverbot. Nur Ausdauer- und Beintraining im Kraftraum – acht Wochen ohne Ball! Das ist für jemanden, der sein halbes Leben hinter Bällen hergerannt ist und sich durch den Sand gewühlt hat, schwer auszuhalten. Nach so einer langen Zwangspause merkt man noch mehr, wie viel einem das wert ist, was man sonst tagtäglich macht. Aber seit vergangenem Montag ist die Schlinge ab, und diese Woche erfahre ich, wann ich wieder an den Ball darf. Dann kann ich endlich wieder das tun, was mir so am Herzen liegt. Ich freue mich auf intensives Training, spannende Turniere und auf eine hoffentlich wieder so erfolgreiche Saison 2017."

Beachvolleyballspielerin Laura Ludwig war bisher viermal Europameisterin und siebenmal deutsche Meisterin. Im vorigen Jahr gewann sie zusammen mit Kira Walkenhorst die olympische Goldmedaille

Mittagstisch

Mittags bei Freunden

Die beiden Frauen am Eingang haben ihre Schuhe ausgezogen und es sich auf der Fensterbank gemütlich gemacht. Weiter hinten im Raum steht ein Kamin, auf den Tischen kleine Vasen und brennende Kerzen. Erdige Singer-Songwriter-Musik strömt aus den Boxen, und in der Luft liegt Kuchenduft: Der Beerencrumble ist gerade aus dem Ofen gekommen. Manch Restaurant brüstet sich damit, es behandle seine Gäste wie Freunde. Im café brooks, das von zehn Freunden initiiert wurde, stimmt’s tatsächlich, die Gäste sind vorwiegend Freunde und Nachbarn. Mittags gibt’s täglich wechselnd ein Gericht, wie Quiche mit Wurzelgemüse, Ziegen- oder Fetakäse und frischem grünen Salat (7,50 Euro). Die Portion ist üppig, das Gemüse knackig, und man schmeckt, dass hier jemand mit Liebe gebacken hat. Dazu passt die sortenreine Apfelschorle von Äpfeln aus dem Alten Land (2,90 Euro) und danach eine der Kaffeespezialitäten der Initiative Coffee Circle. Wer irgend kann, sollte noch ein Plätzchen für den grandiosen Crumble (2,90 Euro) übrig lassen.

Hasselbrook, café brooks, Hasselbrookstr. 37, Mittagstisch ab 12.30 Uhr

Elisabeth Knoblauch


Was geht:

Kurzes Kino: Soll ich’s wirklich machen, oder lass ich’s lieber sein? Beim Kurzfilmabend "Entscheid’ dich!" dreht sich alles um – klar, Entscheidungen. Über die Leinwand flimmern internationale Fictions, Dokumentarfilme, Experimentals und Animationen. Hingehen? Nicht hingehen? Hingehen? …

Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 19 Uhr, 4,50 Euro

Junge Dichter: Ohne Buch vor der Nase slammen sie ins Mikro, die jungen Wilden. Beim Best-of U 20 Poetry Slam stellt sich unter anderem die Hamburgerin Zoë Hars dem Urteil des Publikums.

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, 12 Euro

Musik mit Wurzeln: Kritikerlob klingt selten so poetisch – Songwriter Pascal Gamboni und Jazzbassist Rees Coray machen "Musik, die ihre Wurzeln nicht verkennt, aber selbstbewusst in die weite Welt blickt".

Kulturcafé Komm du, Buxtehuder Straße 13, 20 Uhr, Eintritt frei

Spaciger Salon: Der DachSalon nimmt sich alle zwei Monate Großes vor – Experten und Besucher diskutieren Grundfragen von Gesellschaft und Kunst. Auf dem Plan stehen dieses Mal Moving Spaces, unterschiedliche Formen theatraler Raumnutzung.

Schauspielhaus,RangFoyer, Kirchenallee 39, 20 Uhr

Was kommt:

Französische Orgel: Kaum ist die Elphi eröffnet, erzieht sie das Volk zu Klassikfans. Der Kurs Französische Orgelmusik in der Elbphilharmonie führt ein in Werke von Olivier Messiaen, Jean-Louis Florentz und Gerald Levinson.

Medienbunker,4. Stock, Feldstr. 66, Beginn am 19. Januar, 6 Abende, donnerstags 19.45–21.15 Uhr, 95 Euro inklusive Konzertkarte, Anmeldung unter 040 870 877 19

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Aimen Abdulaziz-Said schreibt bei ZEIT ONLINE die HSV-Kolumne

"Der HSV hat sein neuntägiges Trainingslager in Dubai erfolgreich beendet. Im Testspiel gegen den chinesischen Erstligisten Henan Jianye setzten sich die Hamburger am Sonnabend mit 2:1 durch. Zuvor hatte die Mannschaft von Markus Gisdol auch schon die Partie gegen den SC Al-Nasr aus Dubai mit 5:0 gewonnen. Das ist gut für das Selbstvertrauen der Spieler, viel Aussagekraft haben die Ergebnisse aber nicht. Im Gegensatz zum Duell am kommenden Sonnabend: Da trifft der HSV im ersten Bundesligaspiel des neuen Jahres auf den VfL Wolfsburg."

Mehr über Fußball von Aimen Abdulaziz-Said

Erik Hauth bloggt über den FC St. Pauli

"Beim FC St. Pauli freut man sich über die kleinen Schritte: Im frühlingshaften Andalusien, wo die Kiezkicker ihr Wintertrainingslager aufgeschlagen haben, siegte man am Sonnabend gegen einen chinesischen Erstligisten (deutlich 6:2) und erkämpfte sich gegen den Schweizer Meister FC Basel den zweiten Sieg des Tages (2:1 nach einer kämpferischen Aufholjagd).Ewald Lienen ist froh, dass alle gesund sind und er endlich die geforderte Aggressivität in seinem Team spürt.Kommenden Samstag gibt’s den letzten echten Testlauf im spanischen Winter gegen Zürich und Kiew."

Mehr über Fußball von Erik Hauth


Meine Stadt


SCHLUSS

Und noch eine kleine Richtigstellung zu unserer Meldung über den Club-Award vom Freitag: Das Publikum wählt per Online-Voting aus 120 nominierten Clubs nicht den besten Live-Club, sondern – viel passender – den "Lieblingsclub". Zur Abstimmung geht es hier.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.