Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

was macht dieser Mann aus dem Amt des US-Präsidenten?

Im Rechtsstreit um sein Einreiseverbot für Muslime aus sieben Ländern geht Donald Trump nun wieder die Journalisten an. Die "sehr, sehr verlogene Presse" verschwiege in der Berichterstattung über Terrorismus bewusst Vorfälle, sagte er. Das Weiße Haus veröffentlichte eine Liste mit 78 Anschlägen gegen den Westen, überwiegend von der Terrormiliz "Islamischer Staat" inspiriert, von denen die meisten seitens der Medien angeblich nicht ausreichend Aufmerksamkeit erhalten hätten. Darunter waren auch Attentate wie die von Paris, Nizza, Orlando, Brüssel oder Berlin, über die Medien rund um den Globus sehr ausführlich berichtet haben.

Unter den angeblich zu wenig thematisierten Anschlägen findet sich laut "Tagesschau" auch ein intensiv in den hiesigen Medien behandelter Fall aus Hamburg: dieMesserattacke an der Hamburger Kennedybrücke, bei der im Oktober 2016 ein 16-Jähriger von einem Unbekannten getötet wurde. Bis heute weiß man nicht, ob dahinter tatsächlich ein IS-Aktivist steckt.

Dann legte sich der derzeit amtierende US-Präsident noch mit der "New York Times" an. Die hatte geschrieben, er trage abends beim Fernsehen Bademantel. Trumps Sprecher präsentierte umgehend alternative Fakten: Sein Herr trage niemals Bademantel. Wer nun Trumps alte Bademantelfotos auf Twitter sehen will: ‪#bathrobegate. Und manche fragen sich bereits: Wenn er keinen Bademantel trägt – was hat Trump denn dann beim Fernsehen an?…

Apropos Trump: Mehrere von Ihnen hat die Frage beschäftigt,

wie man anlässlich des G20-Gipfels angemessen gegen ihn demonstrieren solle. Dazu erreichte uns folgende Mail:

"Als middle-aged-Hamburger mit entsprechender Vergangenheit haben wir über mögliche zivilisierte Formen der Dokumentation der Missbilligung gesprochen und dabei die Idee eines Spazierganges um die Alster gegen den Uhrzeigersinn von Beginn bis Ende des Gipfels entwickelt. Keine Transparente, keine skandierenden Parolen. Nur: Alle gehen oder laufen an diesen Tagen ausschließlich links um die Alster – Stichwort: ›dagegen angehen.‹" Leider habe man, so der Verfasser, "keine Idee, wie und über wen wir diese Idee konkretisieren könnten…

Fällt Ihnen da eine Option ein?"

Abschiebungen nach Afghanistan

Die Ansichten bleiben geteilt, wenn es um die Abschiebung afghanischer Flüchtlinge geht. Die Innenbehörde hat in einem dreiseitigen Dokument aufgelistet, welche Anstrengungen die Stadt unternimmt, um afghanischen Staatsbürgern den langfristigen Aufenthalt zu ermöglichen. Unter anderem fördere der Senat "die Annahme der deutschen Staatsangehörigkeit". All jene, die die nötigen Voraussetzungen erfüllen und noch keinen Antrag gestellt haben, sollen persönlich angeschrieben werden. Mit 20.430 Afghanen besitze die Hansestadt "eine der größten afghanischen Communities in Deutschland", die Abschiebungen würden lediglich eine zweistellige Personenzahl betreffen und seien das Mittel der letzten Wahl. Im vergangenen Jahr seien 118 afghanische Staatsbürger freiwillig ausgereist. Die Innenbehörde betont, die einzelnen Fälle "so intensiv wie kein anderes Bundesland" zu prüfen. Außerdem würden nur noch Straftäter abgeschoben sowie alleinstehende Männer, die keinen ausreichenden Integrationswillen gezeigt hätten – dazu zähle beispielsweise die mangelnde Bereitschaft, Deutsch zu lernen. Das wiederum findet der Flüchtlingsrat Hamburg schwierig. "Die Auflagen für Flüchtlinge werden immer höher", sagt uns Linda Schulz, "sie sollen immer schneller Deutsch lernen und möglichst rasch auf dem Arbeitsmarkt einsetzbar sein. Wir lehnen das genauso ab wie jede andere Begründung für eine Abschiebung."

Vom Wohnzimmer aus der Politik zusehen

Die Debatte im Bezirksparlament verfolgen und dafür nicht das Sofa verlassen müssen? Das würde die Bezirksversammlung Eimsbüttel gern ihren Bürgern ermöglichen, wie die "Eimsbütteler Nachrichten" berichten. Bei der letzten Sitzung brachten zwei Abgeordnete einen Antrag ein, die Debatten in Zukunft per Livestream zu übertragen. Klingt verlockend, aber für die Umsetzung ist eine Änderung der Geschäftsordnung nötig. Denn bislang gab es bei den Streams aus den Parlamenten zu wenige Vor- und zu viele Nachteile: der technische Aufwand, die Frage der Persönlichkeitsrechte mitgefilmter Besucher. Und: Wie viele Menschen würden sich das überhaupt ansehen? In Altona beispielsweise übertrug man die Sitzungen bis 2015 auf private Initiative hin (die Seite wurde mittlerweile von einem tunesischen Hacker gekapert). Das Interesse, einen neuen Livestream zu organisieren, ist überschaubar. "Der Aufwand stand in keinem Vergleich zu den paar Leuten, die sich das ansahen", verrät ein Insider. Optimistischer ist die Hamburger Bürgerschaft. Sie will künftig ihre Internet-Übertragungen noch attraktiver machen: Die Livestreams sollen qualitativ besser werden (gemeint ist die Bildqualität, nicht jene der Redner). Die Abgeordneten werden künftig mit Inserts bezeichnet. Und für wahre Fans sollen die Beiträge in einer Mediathek abrufbar sein. Das Popcorn kann vorerst noch im Schrank bleiben, mit einer Umsetzung ist erst im Laufe des Jahres zu rechnen.

Auf dem Rad die Elbe entlang!

Frohe Kunde hatte ndr.de für alle Wochenend-Radfahrer und Fahrradpendler der westlichen Bezirke: Es soll endlich – nach mehrfacher Nachfrage – einen Radweg auf dem Elbstrand in Övelgönne geben, der sowohl verhindert, dass man sein Fahrrad durch den tiefen Sand schieben muss, als auch, dass man sich auf dem Weg zwischen den Lotsenhäusern hindurch von Fußgängern beschimpfen lassen oder aber sich auf der Elbchaussee von frisch polierten Sportwagen abschießen lassen muss. Komfortable 5,90 Meter breit soll er werden und vor der Strandperle soll er sich sogar in Richtung Wasser verschwenken, damit allzu flotte Radler den Biertrinkern nicht den Schaum aus dem Glas wehen. Doch fährt dieser Radweg sozusagen noch mit Stützrädern, wie uns Martin Roehl vom Bezirksamt Altona verrät: "Im Verkehrsausschuss gab es dazu noch keinen Beschluss", es seien auch noch zahlreiche Gutachten notwendig, wie man denn am besten auf Sand bauen könnte (ja, das Sprichwort ;-)). Aber: "Unsere zuständige Abteilung erhielt zwischenzeitlich von vielen Seiten, auch von den Anwohnern, positive Reaktionen." Was unbedingt auch noch geklärt werden müsste: Entgegen dem Bericht auf ndr.de ist der Weg ausschließlich für rollende Verkehrsteilnehmer, also Rad- und Rollifahrer, geplant – Biker first! Und die Fußgänger? Wenn die zum Beispiel vor der Strandperle ebenso auf "ihrem" Weg beharrten, wie Radfahrer das zu tun pflegen, kann das nur eines bedeuten: Krieg.

Programmieren an Hamburgs Schulen

Während viele Hamburger Schulen noch immer den Gebrauch von Smartphones und Tablets verbieten und Lehrer das Internet argwöhnisch bis ängstlich meiden, versuchen die Körber-Stiftung und App Camps, die Hamburger Initiative für Programmieren im Unterricht, die nächste Stufe zu zünden: ein Pilotprojekt für die Programmierer von morgen. Zehn Schulen werden mit dem nötigen Rüstzeug ausgestattet: je einem Klassensatz eines auf seine Grundfunktionen reduzierten Computers, des Calliope mini, samt Schulungen und Unterrichtsmaterial. Mitentwickelt wurde der Calliope mini von Gesche Joost, der Digitalbotschafterin der Bundesregierung, die damit "den Startschuss für mehr kreativen Umgang mit IT im Unterricht" geben will. Denn die digitale Bildung stecke in Deutschland im Vergleich zu der in den Nachbarländern "noch in den Kinderschuhen". Mit dem Calliope können Schüler Computerspiele designen, Apps programmieren oder Roboter bauen. Und die Lehrer? "Als Lehrer muss man sich davon verabschieden, dass man mehr weiß als die Schüler", sagt Michael Hopfensitz, der an der Stadtteilschule am Heidberg in Hamburg-Langenhorn Medien- und Informatikunterricht gibt, eigentlich aber Deutsch- und Geschichtslehrer ist. Er programmiert mit seinen Schülern bereits Apps und ist jedes Mal begeistert von der "großen Motivation und Experimentierfreude." Und auch Julia André, bei der Körber-Stiftung für das Projekt zuständig, meint: "An den Schulen in Hamburg bewegt sich definitiv was. Aber in der Tat kommt es nach wie vor noch sehr auf die jeweilige Schule an." Interessierte Institute können sich hier bewerben.

"Elternzeit für Kühe"

Die wenigsten Latte-macchiato-Fans wissen es, doch in Wirklichkeit trinken sie kleinen Kälbchen die Milch weg. Drei Ökobauern nördlich von Hamburg haben das auf ihren Höfen vor zwei Jahren geändert. Wir haben Hans Möller von den De Öko Melkburen, der seine Vier-Jahreszeiten-Milch auch in Hamburg verkauft,gefragt, wieso.

Elbvertiefung: Sie nennen Ihr System "Elternzeit für Kühe". Was genau ist das?

Möller: Bei uns bleiben Kuh und Kalb drei Monate lang zusammen, und zwar gemeinsam in der Milchviehherde. Dort lernt das Kalb auch gleich von den anderen Tieren. Die Kälber bilden dann automatisch eine Art Kindergartengruppe, die, während ihre Mütter zum Melken gehen, auf der Wiese bleiben und Blödsinn machen.

EV: Wie machen es die anderen Milchbauern?

Möller: In der intensiven Milchviehhaltung werden Kälber direkt nach der Geburt von den Müttern getrennt und bekommen dann maximal acht Liter Milch pro Tag. Das ist gerade mal die Hälfte von dem, was unsere Kälber bei ihren Müttern saufen. Aber das spart in drei Monaten bis zu 1500 Liter, die man stattdessen verkaufen kann.

EV: Sie verlieren also Geld dabei. Wieso machen Sie es dann?

Möller: Unsere Kälber sind agil, selbstbewusst, richtige Brecher! Vor allem bleiben sie gesund. Durchfallerkrankungen – die häufigste Todesursache bei Kälbern – kennen wir überhaupt nicht. Und aus denen werden unsere neuen Milchkühe. Das ist also eine Win-win-Situation.

EV: Was bringt das den Konsumenten?

Möller: Wir werden oft gefragt, wie wir unsere Kälber halten. Das hat uns zu denken gegeben. So sind wir auf die Idee gekommen, das auszuprobieren. Und wir finden es genial! Es gibt immer mehr Verbraucher, denen das Tierwohl wichtiger ist als niedrige Preise. Die zahlen dann gern zwei Euro für den Liter Milch. Und subventionieren damit auch die männlichen Kälber. Anderswo kommen sie gleich zum Schlachthof. Bei mir dürfen sie zweieinhalb bis drei Jahre auf der Weide leben.

Mittagstisch

Erstes Frühlingsgebaren

Kaum trauen sich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen hinter den norddeutschen Wolken hervor, trifft man des Mittags im Restaurant auf Händchen haltende Pärchen. Aus den Boxen schmettert es "A kiss is just a kiss" in einer Neuauflage passend dazu. Vielleicht aber liegt es am Namen des Restaurants, Maiglückchen, dass sich verliebte Pärchen hier so zahlreich eingefunden haben. Intim indes ist es nicht – als eine Gruppe von drei Männern hereinkommt, versteht man problemlos jedes der gesprochenen Worte und könnte hier wiedergeben, wie es derzeit so mit Anstellungen in Hamburger Orchestern bestellt ist. Lieber noch schnell vom Essen berichten: feinste japanische Küche. Die Sushi-Variationen mit Lachs sind frisch und dank des jungen grünen Spargels knackig, vorneweg kommt ein fein geschnittener und perfekt abgeschmeckter Wakame-Salat (als Menü 11,50 Euro). Wissen sollte man: Von der wöchentlichen Mittagstischkarte kann man unabhängig vom Tag alles bestellen.

Maiglückchen; HafenCity, Großer Grasbrook 9, Mittagstisch Mo bis Fr 11.30 bis 15 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Hamburger Nazi-Prozess: 1946 und 1947 fanden im Curio-Haus zwei Militärgerichtsprozesse statt. In dem Vortrag "Verbrechen im KZ-Frauenaußenlager Sasel vor Gericht" berichten Herbert Diercks (KZ-Gedenkstätte Neuengamme) und Christine Eckel (Helmut-Schmidt-Universität) über ehemalige SS-Aufseherinnen und Zollbeamte.

Gedenkstätte Plattenhaus Poppenbüttel, Kritenbarg 8, 18 bis 20 Uhr

China als HafenCity: Können neue Bauten nicht nur das Gesicht einer Stadt, sondern auch ihr Kulturleben verändern? Prof. Volkwin Marg zieht unter dem Titel "HafenCity weiterbauen" Vergleiche zu einer geplanten Trabantenstadt bei Shanghai. Die nächste Elphi kommt bestimmt.

HafenCity InfoCenter im Kesselhaus, Am Sandtorkai 30, 18.30 Uhr

Piano malt Gemälde: Sie könne "ein Bild auf dem Flügel malen, statt nur auf Tempi und Dynamik zu achten", erklärt Pianistin Anna Vinnitskaya ihr Talent. In der Laeiszhalle malt sie unter anderem zu Klängen von Brahms und Schumann. Wieso nicht Mahler?

Laeiszhalle, Großer Saal, Johannes-Brahms-Platz, 19.30 Uhr, ab 18,50 Euro

Signal für Reggae: Glück gehabt, Busy Signal hatim Kalender noch Zeit für ein Fabrik-Konzert. Siebziger-Jahre-Roots-Reggae reichert er an mit Dub-Experimenten, Lovers Rock und Rub-A-Dub. Hoppeldipop.

Fabrik, Barnerstraße 36, 21 Uhr, 26,40 Euro im VVK

Hamburger Schnack

U-Bahn-Linie U3, Haltestelle Schlump. Alle waren eingestiegen, die Türen wollten sich gerade schließen, als jemand herbeigelaufen kam und mit aller Kraft versuchte, die Tür noch offen zu halten und hineinzuschlüpfen. Da meldete sich der U-Bahn-Fahrer über Lautsprecher zu Wort und sagte: "Würde der Fahrgast bitte mal von der Tür zurücktreten?" Nach ausbleibendem Erfolg, nochmals, dieses Mal etwas forscher: "Würde der Fahrgast wohl bitte die Tür loslassen, er braucht sie nicht festhalten, und sie fällt auch nicht um!" Ob dieser Fahrgast noch mitfahren konnte, konnten wir aus unserem Waggon nicht sehen, aber endlich haben mal viele Menschen ein Lachen im Gesicht gehabt.

Gehört von Markus Mohr

Meine Stadt

Der Baum im Baum oder was bei »Knut« (das schwedische, nicht der Eisbär, Eingeweihte wissen schon…) so alles schiefgehen kann. © Eva-Anne Feuerbaum

SCHLUSS

Haben Sie vor, heuteaus Hamburg wegzufliegen? Dann checken Sie doch sicherheitshalber noch einmal Ihren Flug. Denn seit vier Uhr morgens wollten die Beschäftigten der sogenannten Bodenverkehrsdienste einen Warnstreik abhalten, der erst "im Laufe des Tages" enden soll, wie die Gewerkschaft ver.di gestern Abend bekannt gegeben hat. Im Ausstand befinden sich damit jene Mitarbeiter, die für die Flugzeug- und Gepäckabfertigung, den Busverkehr und die Reinigung der Flugzeuge zuständig sind. Ihnen geht es um eine monatliche Tariferhöhung von 250 Euro. Weiters sollen grundlose Befristungen und Teilzeitverträge mit wenigen Stunden abgeschafft werden. Morgen suchen wir für Sie wieder nach positiven Nachrichten an dieser Stelle, versprochen! (Sie sind/haben ja kein Schulkind, oder?)

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.