Am Ende ist es ein Sieg der Favoritin. Wer die Gespräche im Sprudelbecken belauschte, wer hinhörte, was die auf der Sofaecke Fläzenden murmelten, der kam um ihren Namen nicht umhin: Peggy Vogt, die hier für alle nur die Peggy ist, Peggy aus dem Holthusenbad.

Gut waren sie auch, die anderen fünf Finalisten, das schon. Nur eben nicht ganz so gut wie Peggy, nicht so perfekt. Murat aus der Alsterschwimmhalle zum Beispiel: wie er sich seines Astronautenkostümes entledigte und in Camouflage-Hotpants und Netzhemd weitermachte, wirklich top. Oder Sabrina aus dem Bille-Bad: Wer hätte gedacht, dass aus der Geige, die sie vorgab zu spielen, Wasser auf die Steine fließen würde? Letztlich aber gibt es keine Zweifel, dass Peggy die verdiente Gewinnerin ist. Sie ist die beste Showaufgießerin der Stadt.

Doch fangen wir von vorn an. Sonntagnachmittag, kurz vor zwei, im Festland-Bad, Holstenstraße 30. Gleich beginnt das Finale der Hamburger Sauna-Challenge. Welcher Bäderlandangestellte bringt die Gäste am spektakulärsten ins Schwitzen?

Saunieren, in Deutschland bedeutet das normalerweise: Nackideis kauern in einer Bretterbude voller Regeln. Badelatschen aus! Textilfreie Zone! Nicht laut reden! Alles ist pedantisch auf den Einzelnen und seine Gesundheit ausgelegt. Das einzige kleine Highlight ist der Aufguss, jener Moment also, wenn das Fachpersonal mit wohltuenden Düften versetztes Wasser auf die heißen Steine gießt und die aufsteigende Hitze mit einem Handtuch im Raum verwedelt. Dagegen regt sich nun Widerstand.

Am weitesten sind die Holländer, die Italiener, die Tschechen. Auch die Thermen in Süddeutschland sind längst dabei. Sie machen aus einem Saunagang eine Show. Er wird zu einem kollektiven Erlebnis. Die Aufgießer sehen sich nicht mehr nur als Gehilfen, sie machen die Fläche um den Ofen zu ihrer Bühne. Vorangetrieben wird diese Entwicklung durch Wettbewerbe. Es gibt deutsche Meisterschaften und Weltmeisterschaften, bei denen das Saunafachpersonal aufzeigt, was schwitztechnisch alles möglich ist.

Wir sind dicht dran an der Konkurrenz.
Sascha Hoffmann, Sauna-Headcoach bei Bäderland

Hamburg hat diesen Trend lange verschlafen. Er wurde, so ist im Festland-Bad zu hören, gebremst von einer konservativen Szene aus Stammgästen. Laut Sascha Hoffmann nimmt die Sache aber auch hier jetzt richtig Fahrt auf. Und der muss es wissen. Er ist der Saunashow-Pionier der Stadt. Vor zwei Jahren wurde er bei den deutschen Meisterschaften in der Eifel-Therme in Mechernich zum besten Entertainer gekürt. Mittlerweile darf er sich Sauna-Headcoach nennen. Es ist nicht vermessen, ihn als den Jogi Löw der Hamburger Saunisten zu bezeichnen. Er weiß genau, was in den zehn Saunalandschaften von Bäderland passiert, er hat die Aufgusstalente im Blick, er fördert und fordert sie. Dass es nun schon zum zweiten Mal eine Hamburger Sauna-Challenge gibt, hat viel mit Sascha Hoffmann zu tun.

Zwölf Frauen und Männer konkurrieren an diesem Wochenende Ende März um den Titel, der die Qualifikation für die deutsche Meisterschaft bedeutet. Im Finale am Sonntag stehen sechs von ihnen. Headcoach Hoffmann ist sehr zufrieden mit dem, was er am ersten Turniertag gesehen hat. "Wir sind dicht dran an der Konkurrenz, es fehlen nur noch Nuancen", sagt er.

Peggys großer Moment beginnt um viertel vor drei. Über Monate hat die 33-Jährige mit den kurzen pinken Haaren ihren Auftritt geprobt. "Es ist schön, sich mal kreativ auszuleben", sagt sie. Weil an ihrem Arbeitsplatz, dem Holthusenbad, die Sauna nicht geräumig genug für ihre Show ist, hat sie so getan, als säßen zu Hause in ihrem Wohnzimmer ringsherum Schwitzende. Sie hat die Musik aufgedreht und ist mit einer Suppenkelle um einen zusammengeklappten Ikea-Tisch getänzelt. Immer wieder.