Es gibt nicht viele Orte, die ihre Schönheit gleich im Namen tragen. Himmelpfort an der nördlichen Landesgrenze zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gehört auf jeden Fall dazu. Schließlich sollen hier schon im Jahre 1299 Zisterziensermönche bei ihrer Suche nach einem Standort für ein neues Kloster voller Entzücken ausgerufen haben: "Coelia Porte". An dieser "Pforte des Himmels" hat sich landschaftlich im Laufe der Jahrhunderte zum Glück kaum etwas verändert. Da aber Idylle allein im touristischen Wettstreit der Regionen nicht ausreicht, müssen auch Orte wie Himmelpfort mit neuen Angeboten im Gespräch bleiben. Mit einem neuen "Kinder-Eltern-Camp" scheint das zu gelingen.

Schon von weitem weist ein großes weißes Tipi auf das Abenteuer-Lager direkt am Stolpsee hin. In diesem kegelförmigen Indianerzelt treffen sich Erwachsene und Kinder zum Lesen, Spielen, Bratäpfel-Grillen über offenem Feuer oder einfach nur zum Quatschen. Das Zelt ist allerdings nur bei schlechtem Wetter oder am Abend gefüllt. Denn die meiste Zeit verbringen die bis zu 30 Teilnehmer während ihres einwöchigen Aufenthaltes natürlich draußen. Vor allem die 4 bis 12-jährigen Kinder machen hier ganz neue Entdeckungen, gerade wenn sie aus der Stadt kommen. "Wir garantieren an drei von sieben Tagen eine sinnvolle Betreuung des Nachwuchses durch ausgebildete Pädagogen", versichert Matthias Paul, Chef des in Berlin-Kreuzberg ansässigen Reiseveranstalters "Nordlicht - Tour und Kanu". Himmelpfort bietet ja alle Möglichkeiten für Ausflüge mit dem Kanu, dem Floß, mit dem Fahrrad oder zu Fuß. "Während dieser Zeit können die Eltern eigene Ausflüge unternehmen oder uns natürlich helfen", erzählt Paul. Auf dem Gelände in der Nachbarschaft des Drei-Sterne-Campingparks Himmelpfort stellen die Teilnehmer entweder ihre eigenen Zelte auf oder mieten sich eine "Leinwandvilla" für jeweils zwei bis drei Personen.

Während unseres Besuches im Camp steht das Wetter auf unserer Seite. Der Sonnenaufgang über dem See weckt Erinnerungen an Urlaube hoch im Norden, als in der Einsamkeit kein Geräusch die Ruhe störte. Wie auf Bestellung breitet in der Ferne ein See-Adler seine Schwingen aus. Fischreiher stehen am Schilf wie zum Greifen nahe.

Wenig später werden ganz andere Sinne angesprochen. Denn durch die Zeltwand dringt der Geruch von frischem Brot und Brötchen. Der stammt nicht etwa aus mit Backwaren gefüllten Transportkisten vom Bäcker aus der nächsten Stadt, sondern direkt aus dem Camp. Ein Lehmbackofen strahlt wohlige Wärme aus und verbreitet einen Appetit machenden Dampf auf Brot und warme Semmeln. Dank des frühen Aufstehens eines Betreuers kann jeder Teilnehmer diese Überraschung genießen.

Zum Mittag oder zum Abendbrot bietet sich bei so viel Wasser - Himmelpfort wird gleich von fünf Seen umgeben - natürlich eine Fischmahlzeit an. Falls sich das Anglerglück einmal nicht pünktlich einstellen sollte, bleibt als Ausweg immer noch der örtliche Fischverkäufer. Auf jeden Fall können Forellen, Aale und andere leckere Fische gleich auf dem Camp geräuchert werden.