Die Länge des Namens klingt rekordverdächtig: Beatrix Gabriele Dorothea Henriette Huberta Reichsfreiin Droste zu Vischering Padtberg. Doch diesen "Bandwurm" benutzt die Frau nur selten, letztmalig fiel er an ihrem nicht weit zurückliegenden 60. Geburtstag. Da nahm sie die Glückwünsche allerdings in der Regel als Beatrix Gräfin zu Lynar entgegen. So unterschreibt sie seit ihrer Heirat als 23-Jährige. An ihrem Heimatort wird sie einfach "Gräfin" oder meistens nur "Frau Lynar" genannt. Genauso tritt sie täglich ihren vielen Gästen gegenüber. Die Adelige führt das Schlosshotel in Lübbenau im Spreewald. Es ist das einzige der seit der Wende in Brandenburg eröffneten 21 Schlosshotels, das von Nachkommen der einstigen Eigentümer betrieben wird.

Schon bald schwindet im Gespräch mit der Hausherrin die eigene leichte Zurückhaltung, die sich nach dem Blick ins Zeitungsarchiv eingestellt hatte. Eine Dame mit so einem langen Namen, dessen Ursprünge sich bis in die Zeit Karls des Großen zurückverfolgen lassen, tritt vielleicht etwas distanziert und abgehoben auf. Doch ein einziger Satz bricht das Eis: "Ich bin eine gelernte Kindergärtnerin." Im Franziskanerkloster Augsburg habe sie eine zweijährige Ausbildung absolviert und sich danach viel mit Kindern und Jugendlichen beschäftigt - neben ihren vier eigenen. Vielleicht erklärt das den Erfolg des Hotels gerade bei einer besonders anspruchsvollen und aufregenden Gästegruppe. Das Schloss Lübbenau gilt in Berlin und Brandenburg als das beliebteste Hochzeitshotel. Viele Wochenenden sind schon lange vorher ausgebucht, weil sich der gute Service herumgesprochen hat. "Ich will kein anonymes Hotel bieten, sondern eine familiäre Atmosphäre", meint die Gräfin. Deshalb habe sie auch die einzelnen Zimmer ganz individuell ausgestattet.

Dabei fällt die wuchtige Architektur des zweiflügeligen Gebäudes mit seinen hoch aufragenden Fassaden nicht gerade in die Kategorie "kleines Traumschloss". Dafür fehlen verspielt wirkende Türmchen, eine repräsentative Auffahrt, schmucke Balkons und so manches andere Detail. Umso schöner liegt das 1820 auf einer Anhöhe fertiggestellte Haus. Der Blick vom großen Eingangstor fällt auf einen englischen Landschaftspark, der selbst in diesen etwas grauen Wintertagen einen gewissen Reiz versprüht.

Das Gartengenie Peter Joseph Lenne` soll für die Anlage die ersten Entwürfe geliefert haben. Nichts überließen die Gärtner, zu denen auch ein Schüler des Fürsten Hermann Pückler gehörte, dem Zufall. Sogar die in der Nähe fließende Spree leiteten sie um, damit der Spaziergänger über kunstvoll gestaltete Brücken gehen, von erhöhten Punkten die Aussicht genießen und auf verschlungenen Wegen ins Träumen gelangen kann. Im Sommer eignet sich die große Wiese natürlich zum großen Picknick unter freiem Himmel.

Seit einiger Zeit müssen das Restaurant- und das Küchenpersonal oft mehrmals täglich den Weg vom Schloss über den Hang zum Ufer der Spree zurücklegen. Denn die einstige Orangerie öffnete direkt am Weg zum Spreewalddorf Lehde als Restaurant und kleines Theater. Der Blick durch die große Glasfront, die in den Nachkriegsjahren zugemauert war, fällt im Sommer auf die voll besetzten Kähne oder auf zahlreiche Radler. Vor allem Wanderer oder Radfahrer, die sich in ihrem Aufzug oder Zustand nicht gerade nach dem feinen Schlossrestaurant sehnen, finden hier einen guten Rastplatz.