Unternehmer Fritsche ärgerte sich nur kurz über diese Bemerkung. Wenige Tage später verkündete er: "Wenn unser Bier kein Bier sein darf, zahle ich auch keine Biersteuer!" Das war natürlich nicht ernst gemeint, weil er damit endgültig jeden Anspruch auf eine Brauerei verloren hätte. Steuerbeamte nahmen dennoch einen Kasten mit dem "Schwarzen Abt", wie Fritsche sein Getränk taufte, "zur Prüfung" mit ins Amt. Wenig später schickten sie ihr schriftliches Urteil nach Neuzelle: Ja, beim Flascheninhalt handele es sich eindeutig um Bier. Er müsse deshalb Biersteuer zahlen. Das Landwirtschaftsministerium kümmerte sich jedoch nicht um diese Bestätigung des Biergeschmacks und legte sich weiter quer. Die Medien hatten wieder viel Stoff.

Mehrmals drohte Fritsche damit, nach Sachsen oder Polen auszuwandern. Falls er tatsächlich im Nachbarland produziert und den Gerstensaft dann wieder nach Deutschland eingeführt hätte, würde sich keine Behörde gegen die Bezeichnung "Schwarzbier" sträuben. Genau auf diese Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes baute die Argumentation der Brauerei vor dem Bundesverwaltungsgericht auf. Die Richter folgten ihr und entschieden in diesem Sinne den Rechtsstreit. Im anderen Fall hatte Fritsche schon angekündigt, vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen. Diese Chance auf einen neuen Medienauflauf ist nun vorbei. Das Neuzeller Schwarzbier ist ein ganz gewöhnliches Schwarzbier, auch wenn es leicht nach Zucker schmeckt.

Mit seiner Urteilsbegründung nahm das Bundesverwaltungsgericht dem Reinheitsgebot etwas die Strenge. Es diene nicht dem Gesundheitsschutz, sondern der Traditionspflege der deutschen Braukunst, hieß es. Doch eine Tradition dürfe die Freiheit der Produzenten nicht beeinträchtigen, also müsse über Ausnahmen großzügig entschieden werden. Der Neuzeller Brauereichef Fritsche rief schon mal alle mittelständischen Brauer auf, so wie er innovative Biere zu brauen.