Für die Einheimischen im Oderbruch bleibt er der Schulzoo. Ein anderer Namen kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Unter diesem Begriff wurde er schließlich 1986 im kleinen Dorf Altreetz ins Leben gerufen. Ein Biologielehrer an der hiesigen Schule wollte mit einigen Tiergehegen den Unterricht lebendig gestalten. Er nahm Kontakte zum Tierpark in Berlin und eröffnete in aller Stille seinen sehr überschaubaren Schulzoo. Heute haben sich die Dimensionen völlig verändert. Rund 250 Tiere von 30 verschiedenen Arten leben in der schmucken Anlage gleich hinter der Dorfstraße. Von einem "Schulzoo" kann nun wirklich nicht mehr die Rede sein. Geblieben ist der Chef: Peter Wilberg. Für seine Verdienste rund um den Oderbruchzoo, wie das beliebte Ausflugsziel schon seit einigen Jahren heißt, erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Zwischen 30.000 und 40.000 Besucher finden jedes Jahr den Weg nach Altreetz auf halben Wege zwischen Bad Freienwalde und der Oder. Dennoch reichen deren Eintrittsgelder nicht für die Unterhaltung des Zoos aus. Der Landkreis Märkisch-Oderland muss jährlich mehrere Zehntausend Euro zuschießen. Doch Peter Wilberg zapft noch andere Finanzquellen an, um die Attraktivität zu erhöhen. So entwarf er ein von Besuchern begehbares Affengehege. Die rund 100.000 Euro hohen Baukosten ließ er sich von der EU bezahlen, die damit eine beispielhafte Idee honorierte.

Denn dieses besondere Affengehege erlaubt einen direkten Kontakt zu den Kapuziner-Affen. Unter Aufsicht können die Besucher die kleinen Affen sogar streicheln und füttern. Über dieses Angebot freuen sich vor allem geistig und körperlich behinderte Besucher, die inzwischen zu den treuesten Gästen in Altreetz zählen. Sie wohnen gleich in der Nachbarschaft in rollstuhlgerechten Ferienhäusern. Von hier aus starten sie zu Ausritten auf Pferden, helfen den Tierpflegern und schließen Freundschaften mit großen und kleinen Zoo-Bewohnern. Da kommt ihnen die auf den ersten Blick etwas überraschend wirkende Enge der Anlage sehr entgegen. "In unserer guten Stube geht niemand verloren, alle Punkte sind schnell erreichbar", meint der Direktor. Er hält den direkten Zugang zu den Tieren gerade für geistig behinderte Kinder für sehr wichtig. "Da werden besondere Glücksgefühle ausgelöst, die wichtig für das Wohlbefinden sind", sagt Studienrat Wilberg. In den USA zeigten solche Therapien mit Pferden, Delphinen und Affen beachtliche Erfolge.

Der Zoo-Direktor weiß, dass er nur mit solchen Attraktionen das Überleben seines Zoos sichern kann. Unverzichtbar bis heute ist die Unterstützung durch den Bauern des Ortes geblieben. Ihre Agrargenossenschaft liefert in bester Tradition zur ach der Wende aufgelösten LPG nach wie vor kostenlos das Futter für die Tiere.

Seit wenigen Wochen lockt der Zoo wieder mit einem neuen Angebot Einheimische und Gäste an. Am Rande des Geländes entstand ein Galeriegebäude, wo Wilberg Teile seiner großen Sammlung von Plastiken aus Indien, Thailand, Bali, Afrika und vielen anderen Ländern zeigt. "Wenn ich einige meiner Schätze in der Zoobaude ausstellte, rannten mir die Leute förmlich die Türen ein", erzählt der umtriebige Sammler. "Da ist mein Entschluss für die Kunstgalerie gereift." Auch hier wäre ohne die Hilfe der EU nichts passiert. Sie finanzierte den Löwenanteil der 80 000 Euro hohen Bausumme. Sicher half dabei der Hinweis auf gute Kontakte zu polnischen Künstlern, die sich nun in Altreetz präsentieren können.