Mario "Sathyam" Schwenninger, in den USA ausgebildeter Trainer für transpersonale Hypnotherapie und Huna Coaching, schüttelt - erwartungsgemäß - den Kopf. Pferde seien geduldig. "Mit ihrer Ausdauer lassen sie uns spüren, ob wir Menschen unsere Mitte und Präsenz verlieren", sagt der Berliner Fachmann. "Sie belohnen uns mit ihrer Energie, wenn sie merken, wir befinden uns wieder in Harmonie."

So mancher Teilnehmer zweifelt plötzlich an lieb gewordenen Lebenspraktiken. Schließlich wurde von Kindesbeinen an gelernt, sich in schwierigen Situationen richtig anzustrengen und alle Kraft auf den Erfolg auszurichten. Doch die Verkrampfung bewirkte oftmals das Gegenteil. Im Pferdeseminar probieren die Menschen eine andere Methode: ganz entspannt an die Aufgabe gehen und mit Lockerheit agieren.

Die Ergebnisse auf der Koppel fallen unterschiedlich aus. Mitunter reichen Kraft und Ausdauer nicht aus, um den Hengst nur mit Worten, mit der Übertragung der eigenen Energie oder mit Gestik zum Laufen in eine bestimmte Richtung oder zum Begleiten zu bewegen. Das Halfter bleibt in vielen Fällen dennoch im Stall.

Fast genauso interessant wie der Umgang auf den Koppeln sind die Gespräche und Meditationen mit den professionellen Pferdeflüsterern in den Seminarräumen. Da erzählen die Teilnehmer meist offen über ihre privaten und beruflichen Probleme, für die sie auf der Bredower Farm eine Lösung finden wollten. Da sitzt die sich unterfordert fühlende Mitarbeiterin neben einer unentschlossen durchs Leben gehenden Mittdreißigern und einem harten Mobbing-Attacken ausgesetzten Abteilungsleiter. Bei einem der abschließenden Tests schwanken die meisten Frauen und Männer auf der Farm. Sie sollen ihrem lieb gewonnenen Hengst einen frischen Grasbüschel hinhalten, aber in diesem Moment noch nicht geben. Da siegt dann doch die Tierliebe.

Die stellt sich auch schnell bei den anderen Besuchern der Stutenmilchfarm ein. Der Stammbaum der meisten Pferde weist auf russische Vorfahren hin. Denn Elvira Hagen und Jochen Raps holten 1996 die ersten Exemplare direkt aus einem Sanatorium bei Moskau, wo die gemolkene Milch sofort den Patienten gereicht worden war. In Bredow wird die Milch gütlich geteilt. Nur was das Fohlen übrig lässt, fließt in die Behälter für die Kühlung. Da Stuten im Unterschied zu Kühen keinen Vorratseuter besitzen, kann der heilende weiße Saft nur in einem wahren Vertrauensverhältnis von den Eigentümern der Farm angezapft werden. Andernfalls ziehen die Pferde die Milch einfach hoch und der Mensch steht ohne Ertrag da.