Die Besonderheiten des Hotels "Haus Rheinsberg" beginnen am Tresen. Denn er ist nur 80 Zentimeter hoch. In Augenhöhe unterhalten sich die freundlichen Damen vom Service mit den gerade eingetroffenen Gästen. Es wird meist ein langes Gespräch über die anspruchsvollen, aber keineswegs ausgefallen Wünsche. Spätestens in diesem Augenblick bewährt sich die niedrige Tischplatte. Denn die Unterhaltung findet im Sitzen statt – die meisten Gäste fahren im Rollstuhl zur Rezeption. Das "Haus Rheinsberg" bleibt körperlich und mehrfach behinderten Menschen und deren Begleitern vorbehalten.

Von seinen Auslastungszahlen träumt jedes Hotel, gerade in Brandenburg: 60 Prozent im Jahresdurchschnitt und im Sommer ist es manchmal nahezu ausgebucht. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein kleines Anwesen. Mit 108 Zimmern gehört das Hotel zu den größten Anlagen in diesem Bundesland. Seit kurzer Zeit steht ein zusätzliches Appartementhaus zu Verfügung. Bei der Eröffnung im Juni 2001 fehlte es durchaus nicht an skeptischen Stimmen. Die im gewöhnlichen Alltag oft ausgegrenzten oder sich selbst in die Isolation begebenden Menschen würden hier wieder unter sich bleiben, lautete die am meisten gehörte Befürchtung. Außerdem besaß Rheinsberg, das Kurt Tucholsky 1912 mit seinem Roman "Ein Bilderbuch für Verliebte" mehr als nur ein Denkmal setzte, damals nicht den besten Ruf. Überfälle auf Schulklassen und auf den Leiter der Tucholsky-Gedenkstätte hatten eine verstärkte Polizeipräsenz mitten im Ort zur Folge. Da befürchtete so mancher Eröffnungsgast um die Sicherheit der Behinderten.

"Das Gegenteil ist eingetreten", sagt die Direktorin des Vier-Sterne-Hotels, Corinna Abele. "Rheinsberg profitiert von unseren Gästen." Nicht nur die über direkte Aufträge mit dem Haus verbundenen Unternehmer seien sehr zufrieden. Auch viele Geschäfte, Restaurants und Veranstalter von Ausflügen haben sich auf die Rollstuhlfahrer eingestellt und sie als Kunden gewonnen." Das Schloss hat ebenfalls Umbauten vorgenommen, um die Hotelgäste anzulocken. Allerdings reicht der Platz in dem verwinkelten Gebäude jeweils nur für zwei Rollstühle.

Im 30 Millionen Euro teuren Haus – es kostete damit rund ein Drittel mehr als ein vergleichbares Hotel - fallen die Besonderheiten erst auf den zweiten Blick auf. Den Architekten ist es gelungen, mit viel Licht, Farben und raffinierten Details jede Anlehnung an eine Atmosphäre im Krankenhaus oder in der Reha-Klinik zu vermeiden.

"Endlich ein Haus nach unseren Wünschen", heißt es von den Gästen. Ein 71-jähriger Gast ist nach einem Hirnschlag den größten Teil des Tages auf den Rollstuhl angewiesen. Deshalb lobt er besonders die großzügig geschnittenen Zimmer mit den breiten Türen. Keine Kante oder sonstige Barriere erschwert die Benutzung des Badezimmers. "Der größte Unterschied zum Krankenhaus aber ist das freundliche Personal", meint ein anderer Besucher. "Ich fühle ich mich wirklich als Hotelgast."