Bei dem Anschlag wurden 95 weitere Menschen verletzt, das berichtete die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak unter Berufung auf die Polizei. Der Attentäter sprengte sich mit seinem Wagen in die Luft, als die Gläubigen ihr Gotteshaus nach dem mittäglichen Freitagsgebet verließen. Iraks Schiiten begingen an diesem Tag den Mitt-Schaban, einen muslimischen Feiertag, der für sie auch mit dem Geburstag des von ihnen verehrten zwölften Imams zusammenfällt.

Hunderttausende Pilger fanden sich deshalb am schiitischen Schrein von Kerbela, 100 Kilometer südlich von Bagdad, ein. Diese Prozession verlief ohne Zwischenfälle, nachdem die irakischen Behörden im Vorfeld umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen hatten. Der Terror der schiiten-feindlichen Kräfte richtete sich gegen andere schiitische Ziele im Land. In Mossul, das immer noch als eine Hochburg sunnitischer Extremisten und Terroristen gilt, leben die Schiiten als Minderheit, ähnlich wie die irakischen Christen, die dort in jüngster Zeit gleichfalls Opfer von Terrorakten wurden.

Pilger, die aus Kerbela zurückkehrten, wurden in Bagdad angegriffen. Bei der Explosion von insgesamt drei Sprengsätzen wurden an verschiedenen Stellen im östlichen, schiitischen Teil der Hauptstadt sechs Menschen getötet und 24 verletzt. Zwei der Bomben explodierten unter Autobussen, die aus Kerbela eingetroffen waren.

Die Schiiten, eine im 7. Jahrhundert vom sunnitischen Islam abgespaltene muslimische Glaubensrichtung, machen 60 Prozent der irakischen Bevölkerung aus. Ihr zwölfter Imam, Mohammed el Mehdi, dessen Geburtstag am Freitag gefeiert wurde, soll nach der schiitischen Lehre im 10. Jahrhundert auf wundersame Weise verschwunden sein. Nach seiner Rückkehr, die von den schiitischen Gläubigen erwartet wird, soll er als eine Art Messias die Welt retten und den Islam erneuern.

Bei Anschlägen und Überfällen, die sich nicht direkt gegen Schiiten richteten, starben im Irak in den letzten 24 Stunden zehn weitere Menschen, unter ihnen drei Polizisten in Mossul sowie ein sunnitischer Milizionär und ein Geldwechsler in Bakuba, 60 Kilometer nördlich von Bagdad. Bei der Explosion einer Autobombe auf einem belebten Markt der nordirakischen Stadt Kirkuk wurden am Donnerstagabend fünf Iraker getötet und 35 weitere verletzt.

Die Anschläge im Irak haben in den vergangenen 18 Monaten zwar deutlich abgenommen. Nach dem Abzug der US-Kampftruppen aus den Städten im Juni war aber gerade in Mossul die Gewalt wieder eskaliert. Die Stadt gilt als letzte Hochburg der radikal-islamischen Al-Kaida und anderer Aufständischer. Experten erwarten, dass die Bombenattacken vor den Wahlen im Januar weiter zunehmen werden.