Es ist ein ungeschriebenes Gesetz für Jobsuchende, dass sie Kosten und Mühen nicht scheuen dürfen. Also investiert jeder Bewerber beflissentlich in seine Selbstdarstellung, er kauft komplizierte Mappen und schweres Papier, besorgt sich einen guten Drucker und einen Fotografen, der sein Konterfei ins richtige Licht setzt. Er investiert viel Zeit und Kreativität in die Formulierung des perfekten Anschreibens und das Layout seines Lebenslaufes. Am Ende landet leider der Großteil seiner Bewerbungen wieder auf seinem eigenen Schreibtisch - und spätestens bei der zehnten Absage beginnt sich jeder über den Kostenaufwand zu ärgern. Muss der Aufwand überhaupt sein?

E-Mails scheinen doch die einfachere, billigere und schnellere Alternative zu sein. Viele Unternehmen locken Bewerber mit Online-Formularen auf ihre Homepages - die Anfragen sind innerhalb von Minuten verschickt, das einmal eingescannte Foto kann immer wieder hochgeladen werden. Sind Online-Bewerbungen die Methode der Zukunft? Schon 40 Prozent aller Kontakte entstehen über das Internet per digitaler Bewerbung, haben Wirtschaftsinformatiker der Universität Frankfurt am Main herausgefunden. Zusammen mit dem Stellenmarkt Monster.de ermittelten die Forscher, dass ein Drittel der Personalchefs bereits die digitale Kontaktaufnahme über E-Mail, Jobstellenmärkte oder unternehmenseigene Recruitment-Seiten vorziehen.

Auf solchen Seiten geben Unternehmen wie Beiersdorf, Bertelsmann oder Henkel in strukturierten Online-Formularen ihre konkreten Anforderungsprofile und Voraussetzungen vor. Neben Daten zum Lebenslauf werden bei Positionen wie Diplomandenstellen oder Trainee-Programmen auch psychologische Tests verlangt. Der Datenschutz persönlicher Angeben wird meist durch spezielle Sicherheitstechnik gewährt. Der größte Vorteil der Online-Formulare für Unternehmer ist, dass die Bewerberdaten per Knopfdruck miteinander verglichen werden können. Die Daten werden in das Bewerber-Management-System eingepflegt und können auch firmenintern hin und her gemailt werden. Lästiges Kopieren, Scannen oder das Zurückschicken von Mappen auf dem Postweg entfällt.

Für Bewerber ist das Online-Prozedere weniger bequem als es zunächst scheinen mag. Die vorgegebenen Formulare gestalten sich unterschiedlich mühsam und oft nicht weniger zeitaufwändig als die klassische Methode. Wie in Mappen steht einwandfreies und firmenspezifisches Formulieren im Vordergrund. Tippfehler, Oberflächlichkeit oder fehlender Bezug zur Stellenanzeige fallen auch online negativ auf.

Wird von den Unternehmen kein Formular vorgegeben, reichen in E-Mail-Bewerbungen ein Anschreiben und ein digitalisierter Lebenslauf. Das Anschreiben sollte als übliche Word- Dateien abgespeichert sein oder direkt als E-Mail-Text erscheinen.  Am professionellsten wirkt der Lebenslauf im selbstgestalteten und komprimierten PDF-Format.

Trotzdem sollten Bewerber nicht unterschätzten, dass Personalchefs massenweise E-Mails bekommen. Um im überquellenden E-Mail-Postfach nicht unterzugehen, muss auf eine aussagekräftige Betreffzeile mit exakter Stellenbezeichnung Wert gelegt werden. Dasselbe gilt für spamfähige und nicht zu große Dateianhänge, die 500 KB nicht überschreiten sollten. Auch der korrekte Ansprechpartner sollte recherchiert oder telefonisch erfragt werden, ansonsten geht die Mail schnell verloren. Logischerweise dürfen Online-Bewerbungen keine Rund-Mails sein, die unpersönlich und absolut unprofessionell wirken. Ernsthaftigkeit sollte auch im Internet nicht unterschätzt werden, gerade weil die Hemmschwelle aufgrund des scheinbar geringeren Aufwands sehr niedrig liegt.