Die Arbeitslosenzahlen erschrecken. Doch die Experten wissen Rat. Wirtschaftsvertreter und Politiker empfehlen, die wöchentliche Arbeitszeit zu verlängern, um Lohnkosten zu senken, sowie die Lebensarbeitszeit zu verlängern und damit die Rentenkassen zu entlasten. Mehrarbeit für alle bringt jedoch weder Wachstum noch zusätzliche Jobs.
Unternehmen wie zum Beispiel VW führen die Arbeitszeitverkürzung - ohne Lohnausgleich - ein, um den Beschäftigten die Arbeitsplätze zu sichern. Durch eine gerechtere Verteilung der Arbeitszeit unter der arbeitsfähigen Bevölkerung würden sogar zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, sagen die Gewerkschaften. Das Einkommen sinkt dadurch aber auch - also nicht die optimale Lösung.
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung rät dazu, die Arbeitszeit weiter zu flexibilisieren. Denn neben der hohen Arbeitslosenquote gibt es noch ganz andere Probleme zu berücksichtigen, zum Beispiel die ungünstige demografische Entwicklung in Deutschland. Einerseits werden Menschen immer älter, andererseits kommen immer weniger Kinder zur Welt. Hauptgrund hierfür ist die oftmals schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dies ist wiederum nicht nur problematisch für berufstätige Mütter, denn Arbeitszeitflexibilisierungen werden verstärkt auch als Ziel betrieblicher Personalpolitik eingefordert, um die Arbeitszeit besser mit den privaten Interessen der Beschäftigten zu verquicken. Das Stichwort heißt "Work-life Balance" , also das Gleichgewicht oder besser die Harmonie zwischen Berufs- und Privatleben. Um die Work-life Balance ihrer Mitarbeiter sind immer mehr Unternehmen besorgt, denn ein ausgeglichener Mitarbeiter ist gleichzeitig auch ein produktiverer Mitarbeiter.

Schlagen flexible Arbeitszeitsysteme also zwei Fliegen mit einer Klappe? Werden auf der einen Seite Arbeitsplätze gesichert beziehungsweise sogar geschaffen, und erhalten auf der anderen Seite Beschäftigte die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit zu verringern, um die persönliche Freizeit aufzustocken? Von Vorteil sind flexibilisierte Arbeitszeiten sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber: Der Beschäftigte bestimmt selbst, wann er wie viel arbeitet und kann so seine privaten Bedürfnisse besser koordinieren. Umfragen belegen, dass mit der Souveränität hinsichtlich der Planung bei den Beschäftigten außerdem die Zufriedenheit und die Motivation steigen - und damit die Loyalität. Betriebe können durch flexible Einsatzmöglichkeiten der Mitarbeiter besser auf wechselnde Anforderungen, zum Beispiel saisonale Schwankungen, reagieren.
Und: Die flexiblen Arbeitszeitsysteme liegen im Trend: Heute arbeiten circa 80% aller deutschen Erwerbstätigen in flexiblen Zeitrhythmen, viele davon in Teilzeit. Eine andere gängige Form der Arbeitszeitflexibilisierung ist das Arbeitszeitkonto. Nachfolgend einige Anmerkungen zu beiden Modellen.

Teilzeit
Die Teilzeit ist die flexibelste aller Arbeitszeitformen; allein in Deutschland gibt es über 200 verschiedene Teilzeitmodelle. Die klassische Variante ist der Halbtagsjob, aber auch die Elternzeit, die Altersteilzeit oder Job Sharing gehören zur Teilzeit.
Mit der Einführung des Teilzeit- und Befristungsgesetzes zu Beginn des Jahres 2001 wurde die Teilzeitarbeit gezielt gefördert. Teilzeitarbeitnehmer erhalten seitdem offiziell dieselben gesetzlichen und sozialrechtlichen Leistungen und dürfen bei Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen nicht benachteiligt werden. Nach dem Willen des Gesetzgebers soll die Teilzeitbeschäftigung nicht nur in Ausnahmefällen möglich sein, sondern auch in qualifizierten Berufen und Positionen für Frauen und Männer gleichermaßen selbstverständlich werden.
Bereits seit 1993 ist ein Anstieg der Beschäftigten in Teilzeitarbeit zu verzeichnen: Arbeiteten 1993 noch 16% aller westdeutschen Arbeitnehmer in Teilzeit, waren es 2003 schon 26%.
Teilzeit ist überwiegend frauenspezifisch, 87% aller Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Der Grund hierfür liegt in der guten Vereinbarkeit von Familie mit einer Teilzeitarbeit.
Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wird es in den nächsten Jahren zu einer weiteren Verschiebung von Vollzeit auf Teilzeit kommen.
Der Arbeitgeber muss dem Wunsch nach einer Teilzeitbeschäftigung nachkommen, falls nicht ein betrieblicher Grund dagegen spricht. Grundsätzlich Anspruch auf Teilzeitarbeit haben Arbeitnehmer, die mehr als sechs Monate im Betrieb beschäftigt sind und deren Arbeitgeber mehr als 15 Personen beschäftigt. Weitere Informationen zur rechtlichen Situation erhalten Sie hier .

Arbeitszeitkonten
Neben der Teilzeit das bewährteste Modell. Arbeitszeitkonten ermöglichen, die Dauer der Arbeitszeit abweichend von der tariflichen Regelarbeitszeit mal kürzer, mal länger zu gestalten. Die - in einem zu definierenden Rahmen - mehr gearbeiteten Stunden werden auf einem Konto gesammelt und können dann unterschiedlich abgegolten werden, je nach Angebot des Arbeitgebers. Möglich sind einzelne freie Tage ohne das Urlaubskonto anzugreifen, längere Auszeiten oder Sabbaticals , der vorgezogene Ruhestand oder eine finanzielle Vergütung.
Es geht auch anders herum: In einem bestimmten Umfang können auch Zeitschulden aufgebaut werden, die dann wieder ausgeglichen werden, wenn der Arbeitnehmer mehr arbeitet.
Eine besondere Form der Arbeitszeitkonten sind die Zeitwertkonten. Hier geht es nicht nur darum, Mehrarbeit in Urlaub umzuwandeln, sondern wie bei der betrieblichen Altersversorgung kann der Arbeitnehmer Teile seines Gehalts, Prämien oder auch das Weihnachtsgeld in diese Anlageform investieren. Je nach Dauer der Anlage sammelt sich ein Guthaben an, aus dem eine befristete Auszeit, ein Teilzeitjob oder der vorzeitige Eintritt in den Ruhestand entstehen kann - ohne Gehaltseinbußen.

Weiterführende Informationen im Internet:

Seite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) mit einer ausführlichen Darstellung verschiedener Teilzeitmodelle und einem Teilzeitgehalts-Rechner:
www.teilzeit-info.de

Homepage des Projekts "Arbeit:Leben:Zeit", Forum von Kirche und Gewerkschaft, zu den Themen Arbeitszeitflexibilisierung, Teilzeit, Zeitkonten etc.:
www.arbeit-leben-zeit.de