Massenhafte Arbeitslosigkeit ist kein Schicksal, die Politik kann etwas dagegen tun, sagen Ökonomen und fordern Reformen. Reformen wie in Dänemark. Dort ist es gelungen, die Arbeitslosigkeit innerhalb von zehn Jahren zu halbieren. Doch jetzt kommen zwei französische Wirtschaftswissenschaftler zu dem ernüchternden Schluss: Dänemarks Rezepte lassen sich auf andere Länder kaum übertragen. Den Grund entdeckten die Ökonomen ausgerechnet in einem Bereich, den ihr Fach sonst gern ignoriert - in sozialen Einstellungen, Werten und Normen. Der dänische Erfolg, sagen Yann Algan und Pierre Cahuc, beruhe vor allem darauf, dass die Bürger dort ehrlicher seien als in anderen Ländern. Nur deshalb funktioniere das dänische Modell, das zwar geringen Kündigungsschutz, aber auch eine vergleichsweise großzügige Arbeitslosenunterstützung vorsehe.

Die Professoren von der Sorbonne und der Universität Marne La Vallee verglichen Arbeitsmarktregeln und verschiedene Umfragen. Dabei zeigte sich, dass die Bereitschaft, unrechtmäßig staatliche Leistungen in Anspruch zu nehmen, von Land zu Land unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Dänemark und Schweden stehen am einen Ende der Skala - ein großer Teil der Befragten hält so etwas dort für "niemals gerechtfertigt" -, während sich Griechenland und Frankreich am anderen Ende befinden. Deutschland rangiert im hinteren Mittelfeld, nur knapp vor Polen und Spanien. Zwischen solchen sozialen Einstellungen und den staatlichen Arbeitsmarktregeln besteht aber nach Feststellung der Autoren ein langfristiger, statistisch nachweisbarer Zusammenhang. (RUD)