Brauchen wir wirklich ein "Wickel-Volontariat" für junge Väter? Diese Frage hat jetzt der CSU-Landesgruppenchef, Peter Ramsauer, aufgeworfen. Und damit ja auch schon beantwortet: "Vätermonate" beim Elterngeld sind Quatsch. Hätte Ramsauer vor seinen luziden Einlassungen den achten Familienbericht des Bundesfamilienministeriums durchgearbeitet, der gerade im Kabinett verabschiedet wurde, hätte er sich in seinen patriarchalen Ansichten womöglich noch gründlicher bestätigt gesehen. Denn in dem 500-Seiten-Opus aus dem Hause von der Leyen wird detailliert beleuchtet und statistisch untermauert, dass gerade die deutsche Mutter in Sachen Hausarbeit und Kindererziehung ziemlichen Nachholbedarf hat.

In Ländern wie Schweden, Finnland, Norwegen, aber auch in Frankreich gelingt es den Müttern jedenfalls erheblich besser als hierzulande, "die Teilhabe in unterschiedlichen Lebensbereichen" zu realisieren. In anderen Worten: Dort gehen die Mütter arbeiten und kümmern sich ordentlich um Haus, Herd und die Kleinen. Laut Studie ist "der Zeitaufwand, den Mütter für ihre Kinder erbringen, gerade in den Ländern sehr hoch, in denen auch die Erwerbsquote der Frauen relativ hoch ist". Für Deutschland kommt der Familienbericht hingegen zu einem Befund, der nicht zuletzt auf den berufstätigen deutschen Vater niederschmetternd wirken muss. Nicht nur, dass deutsche Mütter im Vergleich zu ihren europäischen Freundinnen "die geringste Präsenz am Arbeitsmarkt" aufweisen - sie investieren die dadurch gewonnene Zeit auch nicht in Hausarbeit, "sondern in persönliche Freizeit". Während also die finnische, schwedische, norwegische Mutter ihre Erwerbstätigkeit "durch einen zusätzlichen Verzicht an Freizeit" ermöglicht, agieren deutsche Mütter offenbar nach dem umgekehrten Modell: Mehr Freiheit, weniger Berufstätigkeit.

Dem familiären Notstand kann auf Dauer also wohl doch nur mit der Einführung des Ramsauerschen "Wickel-Volontariats" entgegengearbeitet werden.

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