Oh, wie sie nervt, diese deutsche Leidenschaft, Probleme nicht zu lösen, sondern zu zerreden. Das Problem: Die Einwandererkinder, besonders jene türkischer Herkunft, können viel schlechter lesen und rechnen als der deutsche Nachwuchs. Wenig ruhmreich führt die Bundesrepublik die Weltliga der Ungleichheit an. Bekannt ist das seit 2001, da wurde die erste Pisa-Studie veröffentlicht. Eine Sonderauswertung der Studie brachte es dieser Tage noch einmal auf den Tisch. Und die Reaktionen?

Multikulti sei schuld daran, hört man aus der CSU. Den Einwanderern müsse mehr Wille zur Integration abverlangt werden. Nein, das selektive Schulsystem sei schuld, schallt es aus der SPD. "Wenn der Deutsche hinfällt", das wusste schon Tucholsky, "steht er nicht auf, sondern sieht sich um, wer ihm schadenersatzpflichtig ist." Folgenloses Gerede hat Tradition: So stritt man hierzulande jahrzehntelang über das Für und Wider der Sprachförderung. Es floss viel Geld in den Unterricht – ohne Konzept und ohne Kontrolle. Bis heute gibt es – kaum zu glauben – keine brauchbare Studie über seine Wirksamkeit.

Klar definierte Ziele und Standards bei den Sprachförderprogrammen sind hingegen das Erfolgsrezept etwa von Schweden, das mit einer ähnlichen Einwandererstruktur zu besseren Leistungen kommt. Weniger Rhetorik, stattdessen deutliche Ziele und Ergebniskontrolle – so nüchtern muss handeln, wer die Einwandererkinder wirklich fördern will.

Lesen Sie hierzu bitte auch Hohe Motivation, schwache Leistungen , Ein OECD-Bericht vergleicht die Erfolgschancen von Einwandererkindern in 17 Ländern (Von Arnfrid Schenk, DIE ZEIT 21/2006)