Zimmers Sprachglossen sind kurz, gescheit und brillant, was auch damit zusammenhängt, dass man nicht durch die besserwisserische, mit dem Nachsitzen drohende Attitüde genervt wird, die Sprachpfleger leider oft an sich haben. Zimmer kommt es eher darauf an, einen möglichst genauen Blick auf den Stand der Sprache und also auf die Lage der geistigen Nation zu werfen, was auch gelingen kann, wenn man nur Buchtitel betrachtet und herausfindet, dass es seit Benjamins "Passagen" diese zwanzigmal gibt, außerdem "Positionen", "Tendenzen", "Resonanzen", "Visionen", "Konstellationen" et cetera, nicht zu reden von "Amplituden" und "Oszillationen" und "Konvergenzen". Alles nur, um Krummes als gerade erscheinen zu lassen und Nichtzusammenhängendes als plausibel. Zimmer wundert sich, weshalb der Titel "Flatulenzen" noch nicht aufgetaucht ist. Abwarten, abwarten! (Ulrich Greiner)

Dieter E. Zimmer: Die Wortlupe
Beobachtungen am Deutsch der Gegenwart; Hoffmann und Campe, Hamburg 2006; 221 S., 14,95 Euro