Heinz Schuler, 61, Leiter des Instituts für Berufsprofiling und Psychologieprofessor an der Uni Hohenheim

DIE ZEIT: Sie sind wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Berufsprofiling. Was ist neu an diesem Angebot?

Heinz Schuler: Wir gehen weg von der formalen Qualifikation, die jemand erworben hat, und schauen uns stattdessen die tatsächlichen Fähigkeiten und Neigungen an. Damit drehen wir den Suchprozess um. Wir analysieren zuerst, welche Jobs überhaupt zu einer Person passen. Bisher sucht ein gelernter Bäcker doch meist nur einen Job als Bäcker und ist frustriert, wenn es keinen gibt. Wenn er seine überfachlichen Qualifikationen kennt, kann er viel breiter und gezielter suchen und entdeckt Berufsalternativen, auf die er sonst nie gekommen wäre.

DIE ZEIT: Wie wollen Sie das herausfinden?

Heinz Schuler: Wir haben wissenschaftlich fundierte Tests, zum Beispiel zur Leistungsmotivation, zur sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und Kundenorientierung, zusammengestellt. Die kann man in einem unserer Test-Center absolvieren, die wir gerade bundesweit mit Partnern aufbauen. Das Ganze kostet etwa 80 Euro. Das Ergebnis wird mit von uns erstellten überfachlichen Berufsprofilen verglichen. Am Ende bekommt jeder ein Zertifikat mit Hinweisen zu passenden Berufen, das er auch bei Bewerbungen einsetzen kann.

DIE ZEIT: Tests gibt es doch auch bei der Bundesagentur?

Heinz Schuler: Ja, aber die decken nicht die ganze Breite berufsrelevanter Merkmale ab. Der wirklich qualitative Sprung ist die Systematisierung. So werden bei uns je Person 30000 Datenpunkte mit den überfachlichen Qualifikationen von 500 Berufsprofilen abgeglichen. Dabei können wir auch künftige Anforderungen erfassen. Wer etwa als Telearbeiter von zu Hause aus arbeitet, braucht eine hohe Selbstdisziplin und muss Einsamkeit ertragen können. Die Auswertung zeigt auch, wo man über- oder unterqualifiziert ist und inwieweit man schwach ausgeprägte Merkmale kompensieren kann.