Der Bekanntheitsgrad des Bachelorabschlusses unter deutschen Studienberechtigten ist 2005 auf über 90 Prozent gestiegen, gleichzeitig hat jedoch auch die Skepsis gegenüber den gestuften Studiengängen nochmals zugenommen. In einer repräsentativen Umfrage des Hochschul-Informations-Systems (HIS) hielten mehr als die Hälfte (55 Prozent) der 2700 Befragten die allgemeine Akzeptanz des Bachelors für so niedrig, dass sie darin den entscheidenden Nachteil des neuen Abschlusses sahen. 51 Prozent der Studienberechtigten des Jahrgangs 2005 empfanden es als abschreckend, dass die Arbeitsmarktchancen mit dem Bachelor so schwer einzuschätzen waren. Hier ergab sich eine Zunahme der Skeptiker um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

"Weil die Zahl der Absolventen bislang so niedrig ist, hat der Bachelor sein Jobpotenzial immer noch nicht bewiesen", sagt Christopher Heine vom HIS, einer der Autoren der Studie. Als größten Vorteil des Abschlusses führten die Befragten den flexiblen Übergang zum Master an, gefolgt von der internationalen Verbreitung der Abschlüsse und der kurzen Studiendauer.

Experten warnen allerdings davor, die Ergebnisse bisheriger Umfragen überzubewerten. "Richtig spannend wird es erst, wenn wir den echten Ansturm auf die neuen Studiengänge bekommen", sagt Lars Hüning vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Bislang sei den meisten der Bachelor zwar ein Begriff, doch Einzelheiten wüssten die wenigsten, sodass die abgegebenen Urteile meist noch wenig fundiert seien. "Das wird sich jedoch bald ändern, denn die Reform nimmt jetzt Fahrt auf."

Tatsächlich hat sich die Zahl der Studienberechtigten, die sich für ein Bachelorstudium entscheiden, innerhalb eines Jahres fast verdoppelt, von neun Prozent 2004 auf immerhin 17 Prozent Ende 2005. Mitte 2006 war nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz schon ein gutes Drittel aller deutschen Studienangebote auf die gestuften Abschlüsse umgestellt. Auch HIS-Autorin Heike Spangenberg bestätigt: "Grundsätzlich gilt: Je mehr die Befragten sich über den neuen Abschluss informiert haben, desto positiver bewerten sie ihn und desto eher sind sie bereit, sich für einen der neuen Studiengänge zu entscheiden."

Laut CHE-Fachmann Hüning berichten Fachhochschulen bereits jetzt von einer überraschend starken Nachfrage der Wirtschaft nach Bachelorabsolventen, besonders in den technischen Fächern. "Damit wird auch das verbreitete Vorurteil geschwächt, wer eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben wolle, müsse automatisch den Master dranhängen." Besonders stark wuchs in der HIS-Studie indes der Anteil der Befragten, die über die schlechte Studienorganisation in den Bachelorprogrammen klagen, von 14 auf 19 Prozent. "Hier wirkt sich offenbar auch die kritische Berichterstattung aus, in der zu Recht immer wieder auf das verbreitete Chaos bei der Umstellung hingewiesen wurde", sagt Christopher Heine.

Eine pessimistische Bilanz ziehen die HIS-Forscher, was eines der zentralen Reformziele anbelangt: Der kürzere und stark strukturierte Bachelor soll ein Studium für Menschen interessanter machen, die in der Vergangenheit von den langen und häufig schwer überschaubaren traditionellen Studiengängen abgeschreckt wurden. "Bislang können wir kaum feststellen, dass die neuen Studienstrukturen die mentale Hürde, zu studieren, gesenkt haben", sagt Spangenberg. Immerhin: Studienberechtigte, die zuvor schon eine Ausbildung absolviert und gearbeitet haben, scheinen sich dank des Bachelors jetzt eher für ein Studium zu begeistern.