Als die Entscheidung über ihre Zukunft anstand, hatte Nina Klisch keine Wahl. "Entweder ich nehme einen Kredit auf, oder ich studiere nicht", erinnert sich die 22-Jährige. Die Studiengebühr konnte ihr niemand leihen. Dennoch ist Nina Klisch seit zwei Semestern an der Universität Hannover eingeschrieben – für Englisch und Darstellendes Spiel. Ihre Studiengebühren, pro Semester 500 Euro, überweist die staatliche KfW-Bankengruppe direkt.

Studienanfänger wie Nina Klisch laufen derzeit verunsichert über den Campus. Sie müssen sich nicht nur in den neuen und Bachelor- und Masterstudiengängen zurechtfinden, sie sind zugleich auch die erste Generation, die für Bildung an Universitäten zahlen muss. Neben Niedersachsen planen elf Bundesländer Studiengebühren oder haben sie bereits eingeführt. Setzte sich die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag noch zum Ziel, 40 Prozent eines Jahrgangs zum Studieren zu motivieren, sieht die Realität heute anders auch. Verglichen mit 2003, ist die Zahl der Studienanfänger um drei Prozentpunkte gesunken, auf zuletzt rund 35 Prozent. "Kein Wunder, dass die Zahlen sinken", sagt Rolf Dobischat, Präsident des Deutschen Studentenwerks, "viele stellen ein Studium aus Angst vor der Schuldenfalle infrage."

Dennoch ist rund um die Studienfinanzierung längst ein neuer Markt entstanden. Größter Anbieter ist die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die ihre Produkte über die Studentenwerke, Sparkassen und Geschäftsbanken (darunter HypoVereinsbank, MLP, SEB und Commerzbank) vertreibt. Mehr als 23000 Studenten sind bereits Kunden. Nächstgrößerer Anbieter ist die Deutsche Bank mit bisher rund 8000 unterschriebenen Darlehen, drittgrößter Anbieter mit mehr als 1000 Krediten die Dresdner Bank. Angesichts von rund zwei Millionen potenziellen Kunden verraten die Zahlen enorme Skepsis. "Vielen fehlt noch der Mut, Schulden für Bildung zu machen", sagt Ulrich Müller, Projektmanager beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh.

Grundsätzlich betrachtet, sind die Sorgen der Studenten übertrieben. Solange das Geld in den eigenen Kopf investiert wird, sind Kredite sinnvoll. Hoch qualifizierte Arbeitnehmer verdienen mehr, auch sind sie seltener arbeitslos (siehe Kasten). Im Einzelfall jedoch sollten Studenten sich genau überlegen, ob sie einen Kredit in Anspruch nehmen, welcher Anbieter zu ihren Bedürfnissen passt und wie es um die eigenen Karriereaussichten steht.

Die Banken wollen die Reichen von morgen an sich binden

Die besseren Chancen von Studienabsolventen auf dem Arbeitsmarkt sind ein Grund, warum Banken beim Vertrieb ihrer Produkte die Bonität ihrer Kunden nicht prüfen. Sicherheiten wie Einkommen oder Immobilien? Sind nicht nötig. Für den Kreditantrag bei der Dresdner Bank etwa genügen ein Personalausweis und die Studienbescheinigung. Studienkredite sind nur ein Baustein im "Studentenbanking". Es geht darum, schon früh die Reichen von morgen an sich zu binden. Erst wurden die Studenten mit kostenlosen Girokonten und Kreditkarten gelockt, doch dann "kam verstärkt der Wunsch nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten", sagt ein Sprecher der Deutschen Bank. Oliver Klink, Produktmanager beim Konkurrenten Dresdner Bank beschreibt die Strategie der Banken so: "Wir wollen nicht am Studienkredit verdienen, sondern an der zukünftigen Vermögensbildung der Absolventen."

Folgt man Ulrich Müller vom CHE, erscheint diese Argumentation glaubwürdig. Müller hat das Angebot von über 50 Kreditinstituten nach Kriterien wie Kosten, Risikobegrenzung oder Flexibilität untersucht. Sein Urteil: "Anders als bei Konsumkrediten sind die Bedingungen für Studienkredite in der Regel fair." Angesichts der Vielfalt jedoch scheint es sinnvoll, sich einen Überblick über die Produkte zu verschaffen.