Ist die selbstbestimmte Arbeit, von der die Menschen seit Jahrhunderten träumen, gar nicht so erstrebenswert, sondern vielleicht sogar ein Albtraum? Verpassen wir nicht unser Leben, wenn sich Arbeit und Freizeit immer weiter angleichen und uns die Arbeit das verspricht, was zuvor Teil des Privatlebens war, nämlich Abwechslung, Spaß und Abenteuer? Jakob Schrenk, Absolvent der Deutschen Journalistenschule, geht diesen Fragen in dem Sachbuch "Die Kunst der Selbstausbeutung" nach.

Kenntnisreich schildert Schrenk die neue Arbeitswelt und wie sie sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Das liest sich gut und sogar unterhaltsam, denn der Journalist hat mit vielen Menschen gesprochen – etwa mit Berliner Kindern, die im Kindergarten Chinesisch lernen, mit Elektrikern, die aus Zittau nach Amsterdam zur Arbeit fahren, mit einem arbeitssüchtigen Leiter einer Drogeriekette, mit dem Schönheitschirurgen Werner Mang, der davon erzählt, dass immer mehr Schönheitsoperationen beruflich motiviert sind.

Schrenk fordert keine Rückkehr zur alten industriellen Arbeitswelt, aber er gibt mit seinem Buch Anlass, über die vermeintliche Freiheit der neuen Arbeitswelt nachzudenken. Die Idee, dass eine steile Karriere gleichbedeutend sei mit einem guten Leben, sei schließlich eine menschliche Erfindung. (mf)

Jakob Schrenk: Die Kunst der Selbstausbeutung. Wie wir vor lauter Arbeit unser Leben verpassen. Dumont, 200 Seiten, 16,90 Euro, ISBN: 3832180273