Ausgerechnet jetzt! Mit einem kurzen melodramatischen Bildschirmflimmern fiel mein Laptop Anfang März in Schweigen. Und nahm meine Daten mit sich. Gemildert wurde der Computerabsturz jedoch dadurch, dass gerade ein vierwöchiges Experiment zu Ende gegangen war: Den gesamten Februar über hatte ich weder Word noch Excel benutzt, sondern einen Gratisdienst im Netz, Google Text & Tabellen. Diese Büroprogramme ruft man über den Webbrowser auf, ausgeführt werden sie auf einem fernen Server. Und so traf es sich, dass ich trotz Datenverlust zumindest auf einige Februar-Dokumente zugreifen konnte – von jedem Rechner mit Internetanschluss aus.

Neben Google setzen Adobe, IBM und sogar Microsoft auf denselben Trend: dass Anwendungen und die damit verbundenen Daten ins Netz wandern. Geld wird nur noch über Werbeeinblendung bei Privatnutzern verdient und durch Serviceverträge mit Firmen.

Mein Experiment begann mit einem Vorführeffekt, kurz nach Mitternacht des Tages eins: Meine DSL-Leitung war tot, ich offline. Und ebenso das Textverarbeitungsfenster meines Browsers. Schreiben hätte ich zwar können, nicht aber speichern, formatieren, drucken. Denn das geht nicht ohne Netzverbindung.

Am nächsten Morgen war ich wieder online, schrieb Artikel und machte die Buchhaltung mit Google. Bestehende Dokumente in gängigen Formaten lassen sich leicht hochladen und öffnen. Online Erstelltes kann man exportieren. Die Funktionen sind gegenüber der Feature-Fülle von Word bescheiden, aber Hand aufs Herz: Wer braucht das alles schon? Positiv am Fernbüro: Mit Hilfe von Sortier- und Suchfunktionen findet man einmal erstellte Dokumente leicht und intuitiv wieder. Und der Hauptvorteil: Von überall aus habe ich meine Dokumente greifbar, kann arbeiten. Gegen die Abhängigkeit vom Netzzugang soll es bald Pufferprogramme geben. Nach dem Ende einer Netzstörung – oder einer Eisenbahnfahrt – schaufeln sie lokal Gearbeitetes ins Netz.

Und was ist mit dem Datenschutz? Alles, was ich bei Google speichere, darüber muss ich mir im Klaren sein, wird analysiert, um mich mit zielgerichteter Werbung einzudecken. Mulmig wurde mir, als ich anfing, Google meine Einnahmen und Ausgaben anzuvertrauen. Und so löschte ich Persönliches und Finanzielles Anfang März wieder aus dem Googleversum – nur Tage bevor mein Laptop den Geist aufgab und alle Daten mit sich nahm. 

Googles Büro-Software: docs.google.com , kostenlos