Viele Menschen träumen davon, für einige Zeit im Ausland zu arbeiten - nicht zuletzt aus Karrieregründen. Interkulturelle Kompetenz und gute Sprachkenntnisse sind in jeder Bewerbung gern gesehen. Eine im Juli 2003 veröffentlichte Studie von Ernst & Young zeigt jedoch, dass die im Ausland arbeitenden so genannten Expats (Expatriates) nicht unbedingt zufrieden sind: Schwierigkeiten gibt es bei der Vorbereitung, im Gastland und vor allem nach der Rückkehr in die Heimat. 60 Prozent der Heimkehrer klagen, dass ihre Reintegration "schlecht" oder "sehr schlecht" gewesen sei. Viele sind der Meinung, dass es sich dabei weniger um eine Rückkehr, sondern eher um einen zweiten Neuanfang gehandelt habe.Der Grund für den Ärger liegt oft bei den Firmen selbst, die sich nicht ausreichend um ihre Mitarbeiter im Ausland kümmern. Besonders Unternehmen mit nur wenigen Expats fällt es schwer, ihre Auslandskräfte zu betreuen. Die Personalabteilungen erledigen das Entsendungsmanagement eher nebenbei.Da es zumeist an Kapazität und Erfahrung mangelt, werden die Auslandseinsätze der Mitarbeiter schlecht begleitet - die Expats stehen dann mit ihren Problemen allein da. Viele Schwierigkeiten können durch eine richtige Vorbereitung vermieden werden. Vor allem großen Unternehmen stecken viel Zeit und Geld in die Vorbereitung der Einsätze. Hierzu zählen Seminare für die ganze Familie und ein Netzwerk von deutschen Anlaufstellen im Ausland.Philip Tannheimer, Gruppenleiter bei Bosch, war zweieinhalb Jahre lang für seinen Arbeitgeber in den USA tätig und nennt die Betreuung der Expats durch das Unternehmen "schulbuchmäßig". Etwa ein Jahr vor der Ausreise fingen die Vorbereitungen an. Ganz besonders geschätzt hat Tannheimer das interkulturelle Training, "auch wenn man bei einem Land wie den USA denkt, dass man es eigentlich schon kennt". In Rollenspielen wurde die ganze Familie auf "typische Verhaltensweisen" in den USA sensibilisiert. "Das Training hat sich später auf jeden Fall bezahlt gemacht", findet der Bosch-Gruppenleiter.Während des Auslandsaufenthaltes sei es besonders wichtig, den Kontakt nach Deutschland zu halten - im beruflichen und im privaten Sinne. Mindestens einmal pro Jahr sollte man seinen Urlaub in Deutschland verbringen, rät Tannheimer. Wer sich nicht regelmäßig meldet, werde schnell vergessen. Wenn der Expat nach seiner Rückkehr wieder an den vorherigen Standort zurück will, müsse er sich bereits im Ausland darum kümmern, dass er dort eine passende Position erhält.Was die vertraglichen Regelungen betrifft, so sollte man schon vor der Ausreise klare Absprachen über die Wiedereingliederung treffen. Der Expat kann mit seinem Arbeitgeber einen so genannten Ruhensvertrag abschließen, der das inländische Arbeitsverhältnis für die Dauer des Auslandsaufenthaltes außer Kraft setzt. Eine Rückkehrklausel regelt, wie der Arbeitnehmer in das Unternehmen eingegliedert wird. Hierbei gibt es drei Varianten: Die Rückkehr zu den Bedingungen der bisherigen Position, die Wiedereingliederung unter Berücksichtigung der gesammelten Erfahrungen während des Auslandsaufenthaltes (mit anderen Worten ein gewisser Aufstieg auf der Karriereleiter) oder die Rückkehr mit ganz konkreten Positionszusagen.Die meisten Rückkehrer wollen nicht in der selben Position wie vorher arbeiten, berichtet Andreas Bittner, Geschäftsführer vom Institut für Interkulturelles Management (IFIM) und Leiter von Seminaren für Rückkehrer. "Im Ausland, wo die Niederlassungen sehr viel kleiner sind, war der Mitarbeiter ein großer Fisch im kleinen Aquarium, in Deutschland ist er wieder einer unter Tausenden."Die Auslandserfahrung, die dem einzelnen persönlich viel gebracht hat, wird im eigenen Unternehmen kaum geschätzt. "Je höher die Position im Ausland war, desto schwieriger ist die Wiedereingliederung ins Unternehmen", weiß Bittner. Hier können Rückkehrer-Seminare helfen. Wichtig ist jedoch, dass die Seminare im engen Kontakt mit Führungskräften des eigenen Unternehmens stattfinden. Es geht nicht nur darum, dass der Rückkehrer persönliche Unterstützung bekommt, sondern auch darum, dass das Unternehmen zeigt, dass es die Erfahrungen der Mitarbeiter nutzen will.Einige Unternehmen kümmern sich vorsorglich um die Wiedereingliederung der Mitarbeiter. Bei BMW etwa erarbeitet ein Personalreferent mit dem Expat schon vor dem Auslandsaufenthalt verschiedene Reintegrations-Szenarien, berichtet Joachim Ritter, Leiter der internationalen Personalabteilung von BMW. Außerdem bekommt eine Führungskraft im Inland die Rolle des Mentors, der den Kontakt zu dem Expat aufrecht hält und sich rechtzeitig vor dessen Rückkehr nach einer passenden Stelle im Unternehmen umsieht. So gelingt es in den meisten Fällen, den Rückkehrer erfolgreich in den Betrieb zu integrieren.Falls sich gar keine Stelle findet, kommt er auf die unbeliebte Rückfallposition - sein alter Stammbereich muss ihn in jedem Fall wieder aufnehmen. BMW befragt seine Expats in einer jährlichen Studie nach ihrer Zufriedenheit. Im Jahr 2002 gaben immerhin 70 Prozent der Rückkehrer an, dass sie "zufrieden", "sehr zufrieden" oder "äußerst zufrieden" mit ihrer Wiedereingliederung waren.Wie wichtig es ist, sich rechtzeitig um eine passende Position zu kümmern, weiß auch Bosch-Mitarbeiter Philip Tannheimer. "Durch Eigeninitiative und kontinuierlichen Kontakt zu meinem Mentor hatte ich keine Schwierigkeiten bei meiner Rückkehr. Nach meinem Aufenthalt in den USA habe ich in Deutschland einen Karrieresprung gemacht." An ein paar Dinge musste er sich aber auch in Deutschland wieder gewöhnen. So störte es Tannheimer etwa, dass Deutsche gerne kritisch über negative Themen sprechen und "weniger Gefühl für Gesprächsharmonie" haben, wie er es in den USA kennen gelernt hat.Expats im Internet: Eine Checkliste für Expats auf www.jungekarriere.com/expats ) Beratung im Netzwww.raphaels-werk.de
Das Raphaels-Werk ist eine Beratungsstelle des Deutschen Caritasverband. Es bietet Auswanderern, Auslandstätigen, binationalen Paaren und Flüchtlingen seine Hilfe an. www.bdae.de
Bund Deutscher Auslanderwerbstätigen e.V.
Netzwerk für alle, die im Ausland leben und arbeiten. www.arbeitsamt.de/hst/international/arbde/deutscherueckkehrer/
Koordinierungsstelle des Arbeitsamtes für Rückkehrer aus dem Ausland. www.ifim.de bzw. www.germanexpats.com/service/index.htm
Institut für Interkulturelles Managements
Bietet Seminare für Auslandsaufenthalte an und ist ein Forum für Expats zum gegenseitigen Austausch. www.ecr-service.com/index_website.php?F=2 Expatriates
Consult & Relocation Service
Hilft professionell bei der Planung und Durchführung von der Aussendung von Mitarbeitern ins Ausland. www.goingglobal.de/
Online-Beratung für Expatriates und Unternehmen, die Mitarbeiter ins Ausland schicken wollen.