"Dadurch werden der Arztberuf insgesamt und der Arbeitsplatz Krankenhaus wieder attraktiver", gab der Marburger Bund, die Interessenvertretung der Krankenhausärzte kürzlich gegenüber dpa bekannt. Grund für den Optimismus war der jüngst erfolgte Beschluss des Bundeskabinetts, das 18-monatige "Arzt im Praktikum" (AiP) zum Oktober kommenden Jahres abzuschaffen. Während der 1988 eingeführten 18-monatigen Station in der Medizinerausbildung verdienen junge Ärzte lediglich zwischen rund 1050 Euro und 1300 Euro monatlich. Künftig sollen sich die Nachwuchsdoktoren direkt als Assistenzärzte weiterbilden lassen können - was ein Monatsgehalt von knapp 3000 Euro brutto bedeuten würde.

"Noch ist nicht entschieden, ob das umstrittene Praktikum wirklich wegfällt", dämpft Sybille Golkowski von der Ärztekammer in Berlin gegenüber ZEIT online die Erwartungen. Als Wehrmutstropfen nennt die Referatsleiterin zudem die Tatsache, dass die Regelung, wenn sie denn umgesetzt würde, nur sehr spät greife. "Das hätte natürlich zur Folge, dass viele potentielle ‚Praktikanten' warten würden, damit sie sich nicht mehr mit einem Hungerslohn zufrieden geben müssen".

Unabhängig davon, ob, wann und wie sich der Beschluss des Bundes durchsetzen wird - es weht ein neuer Wind durch die Flure der Krankenhäuser, die größten Arbeitgeber für Mediziner. Das im September gefällte Urteil des Europäischen Gerichtshof in Brüssel verbessert die Arbeitsbedingungen in Kliniken wesentlich. Mit unbezahlten Überstunden, wie sie lange Zeit gang und gäbe waren und die viele Nachwuchsmediziner bisher abschreckten, soll Schluss sein - der Bereitschaftsdienst sei als vollständige Arbeitszeit anzuerkennen, heißt es in dem Urteil.

Arbeitsmarkt - noch bessere Jobchancen als bisher
Experten rechnen mit positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt für Mediziner. Die Schätzungen schwanken zwischen 15.000 und 27.000 neuen Arbeitsplätzen. Ohnehin sind derzeit bereits 4.800 Stellen vakant, meldete die Bundesärztekammer im September. Gefragt waren Assistenzärzte Ende 2001 vor allem in der Inneren Medizin, in der Chirurgie und in der Allgemeinmedizin. Doch jeder vierte Medizinabsolvent entscheidet sich derzeit für eine Tätigkeit außerhalb der Patientenversorgung.

Angesichts der bisherigen Arbeitsumstände ist das auch nicht weiterhin verwunderlich: "Der Arbeitsalltag junger Ärztinnen und Ärzte besteht aus einer großen Menge unbezahlter Überstunden, kurzfristigen Arbeitsverhältnissen oder Teilzeitstellen mit Vollzeitarbeit", heißt es frustriert in einem Beitrag auf der Homepage Medizinstudent.de. "Wer trotz Frust, Burn-out und Überlastung in der Klinik bleibt und nicht die mindestens 6,5 Studienjahre in den Wind schreiben möchte, ist sicherlich keinesfalls zu beneiden."

Ob der Ärztemangel durch mehr Attraktivität des Arbeitsplatzes behoben werden kann, ist derzeit noch nicht absehbar, denn es fehlt den Krankenhäusern an Geld. "Stell sich das mal einer vor, woher sollen die diese Menge nehmen, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass in den nächsten 10 Jahren ein gewaltiger Teil der Ärzte in Rente gehen werden?", heißt es deshalb auch skeptisch im Forum "Berufspolitik" der Medizinstudent-Homepage. Die Bundesanstalt für Arbeit befürchtet sogar einen akuten Personalmangel, der nur durch "weitreichende Reformen des deutschen Gesundheitswesens nachhaltig verhindert werden kann."

Vergütung
Solange sie noch können, zahlen die Krankenhäusern das Gehalt ihrer Ärzte in der Regel nach dem Bundesangestelltentarif BAT. Bisher werden nach dem AiP zwischen 2.250 und 3.250 Euro im Monat gezahlt. Die Höhe des Gehaltes ist außerdem abhängig vom Standort West- oder Ostdeutschland, vom Familienstand, Alter und von den Dienstjahren. "Wer nach der Facharztprüfung die Karriereleiter in der Klinik weiter erklimmt, der kann es auf der nach oben offenen Einkünfte- Skala gut auf Beträge weit jenseits der 5.000 Euro bringen", heißt es zudem auf der Homepage Medi-Learn.